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M-aer ÄnZeiger

ZuISa / Slatt 2

Nr. 73 Fulda. 1. Apr.il 1926

Karfreitag.

Zum 2. April 1826,

Gekreuzigt und begraben!

Das ist Dein Zeichen, Trauertag!..

Doch zu dem Schrei der Raben, Klingt zögernd süßer Amselschlags Der Heiland, erdgeboren, Trug duldend tiefstes Menschenleid! Sein Kreuz geht nicht verloren Es ragt empor in alle Zeit!

Und mahnt zu stillem Rasten,

Wenn uns des Lebens Lärm« umfängt Und leichter werden Lasten

Dem, der an seine Lasten denkt!

Marientränen glitten

Herab aus Muttergrames Glut, Indes die Henker stritten Sich um sein ärmlich Gut.

Es senkten Freundeshände Getreu ihn in des Grabes Nacht, Als bei der Qualen Ende Verkündet er: es ist vollbracht! Getrunken bis zum Grunde Der Kelch der Bitternis und Not-- Daß einst die Welt gesunde An seinem Opfertod!

Rolf Römer.

Eine geisterhafte dimme scheint zu ertönen über die ächzende, blutende, haßerfüllte Gegenwart:Gott, mein Gott, warum hast du uns verlassen!"

Dieser Ruf wird vielleicht erst dann verklungen sein, wenn das Menschengeschlecht nicht mehr sein wird. Im­mer und immer wieder, solange Menschen leiden müssen Menschenschicksal ist es, zu leiden, solange Völker in Not sind. werden sie diesen Notschrei emporsenden. Und sie werden keine Antwort erhalten. Weil der Mensch, des Menschen größter Feind, immer derselbe bleibt. Wir müssen den Leidensweg gehen, gerade wir, das deutsche Volk. Ein schweres, dunkles Verhängnis ruht auf uns. Rings um uns die Völker bildeten ihr eigenes Schicksal, trugen durch eigene Schuld eigenes Leid, schufen sich eigene Freude, ein Volk zu werden und zu sein. Deutsches Schicksal aber ward es, für andere da zu sein. Im Mittel­alter waren wir Träger einer gewaltigen Idee und zahlten unzählbaren Blutsold darum. Da eine neue Zeit herein­brach. war Deutschland wieder der Schoß, aus dem sie unter Schmerzen geboren ward. Unsagbar viel schenkten wir ver Welt, doch sie war neidisch auf uns. Sie kreuzigten den, dem sieHosianna!" zugerufen hatten. Und die an uns vorbeigehen, die spotten unser. Wenn der Engländer seinBritannia rules the waves", England beherrscht die Meere!" sang, so schien das.eine.Selbstverständlichkeit,; und wenn der Franzose von dergloire" träumte, so wurde das von niemandem getadelt. Wenn der Rusie das Kreuz an die Stelle des Halbmondes hoch oben auf der Hagia Sophia im alten Byzanz setzen wollte, so betrachtete man das als sein Recht. Der Deutsche war zu spät gekom­men bei der Teilung der Welt wie einst der Dichter in Schmers Gedicht.

Man schleppte den Deutschen vor den Hohen Rat in Versailles. Da stellte man gar nicht erst die _ achsel­zuckende Pilatusfrage:Was ist Wahrheit?" sondern man schlug ein ganzes Volk in Ketten und Banden, geißelte es im Namen derZivilisation und Gerechtigkeit".

Hart lastet das Kreuz auf unseren Schultern und nie­mand ist es, der es uns zu tragen hilft; schon zwei-, drei­mal brachen wir unter ihn zusammen. Aber wir wissen, daß der Leidensweg, der K a r f r e i t a L, nicht das Letzte ist, daß es einen Auferstehungsmorgen gibt, der zu neuem Leben erweckt. Dann werden die Wächter fliehen, dann wird der Stein, der das Grab verschlossen hielt, weichen. Wir wissen es, daß dereinst nach der Dämmerung des Karfreitags auch dem deutschen Volk der Ostermorgen in goldenem Sonnenschein erstehen wird.

Karfreitagslegende.

'^Ats^ihm sein Herz zerriß am dunklen Donnerstag, rief aus den Büschen eines Vögleins Schlag.

Und als sein Beten immer heißer rang, sein freudig Lied sich leuchtend aufwärts schwang.

Das Dunkel wurde hell, der Himmel rein. Ihm war, als fei er schon mit Gott allein.

Er ging gefesselt in die falsche Stadt und trat mit lichten Augen vor den Rat.

And als sein Aug' auf Golgatha sich schloß, sang ihm zu Häupten noch der Weggenoß.

Er stieg mit ihm hinauf zur Himmelszinfl'. Dann flog er wieder zu den Menschen hin:

Ludwig Bäte.

Der Kalvarienberg von Illy»

Erinnerungen aus harten Tagen.

Am 1. September 1870 ist's: in eiserner Umklamme­rung hält die deutsche Armee die Franzosen in Sedan umfangen. Da brechen zum verzweifelten, zum letzten Stoß zwei französische Kavalleriedivisionen los gegen die tödliche deutsche Umarmung. AmCalvaire d'Jlly". Ver­gebens. Ein wunderbares Gedicht von Viktor Hugo schil­dert es, wie ein junger todwunder französischer Kürassier von der Division Marguèritte oben auf dem Kalvarien­berge von Jlly am Fuß des Kreuzbildes sein Leben aus­haucht, während golden im Westen die Abendsonne sinkt, ^.ränen treten in die Augen des Gekreuzigten und seine Wunden bluten aufs neue.

Vierundvierzig Jahre später ist es; in unwider- Mlichem Vorstoß geht es vor gegen Lunöville. Wieder

Die ^reuZigung Christi. (Nach einem Gemälde von Albert v. KeUer.)

^mvB»*

MD und Fischerei im besetzten Gebiet.

Neuregelung ab März 1926.

In den letzten Tagen, und zwar mit Wirkung vom 12. März ab sind neue Abkommen über Jagd- und Fische- reiausübung der Rheinlandbefatzung in Kraft getreten, füber die Angelegenheit hatten im Jaüre 1925 in Koblenz Verhandlungen stattgefunden, die zu je einem Abkommen tnit der Besatzung über Jagd und Fischerei führten. Die Abkommen wurden am 5. November 1925 in Koblenz Unterzeichnet. Mit dem Inkrafttreten der Neuregelung jimd die bisher von der Besatzung einseitig getroffenen -Regelungen über Jagd und Fischerei endgültig beseitigt.

Die Neuregelung bedeutet einen wesentlichen Fort­schritt im Sinne der Rechtssicherheit und des Ausgleichs der Interessen im besetzten Gebiet. Die Besatzung hat auf Beschlagnahme der Jagd und Fischerei verzichtet. Sie erhält in Zukunft Jagd- und Fischereiberechtigungen im Wege des Vertrages mit den deutschen Rechtsinhaberin Sie hat dabei eine Vergütung zu entrichten, und zwar bei Gemeindejagden den ortsüblichen Pachtpreis. Ähnlich äst die Vergütung für die Fischerei geregelt.

Börserrpanik in Mwysrk.

Stürmische Abgabe großer Aktienposten.

Die Vorgänge an der Newyorker Börse haben alles bisher Dagewefene noch in den Schatten gestellt. Obgleich sich in den ersten Börsenstunden durch Deckungskäufe der Baissiers eine gewisse Erholung zeigte, hielt diese Stim­mung im weiteren Verlauf nicht an, sondern machte einer Berslauung Platz, die sich immer mehr steigerte und schließ­lich zu stürmischen Abgaben großer Aktienposten führte.

Die Stimmung nahm nun den Charakter einer Pani! an: immer mehr häuften sich die Abgaben und der Umsatz übertraf bald jenen vorn 13. März dieses Jahres, der in Newyork noch in unheilvollem Andenken steht. Der Börsentelegraph erwies sich außerstande, die im schnell­sten Tempo erfolgten Kursrückgänge zu verzeichnen und blieb in starkem Rückstand. Hierdurch wurde die Verwir­rung noch vermehrt und es kam zu Kursrückgängen bis zu 15 Dollar. Vornehmlich wurden Eisenbahnwerte ab­gegeben, die zum Teil einen völligen ZusaMmeubruch er­litten.

Das Newer-MorfchUBOen-Zaden"

D i e Ulin taufederVucka u".

Auf der Kruppschen Germaniawerst in Kiel erfolgte in Anwesenheit geladener Gäste, darunter der Oberbürger­meister der Stadt Baden-Baden, Dr. Fieser, die Umtaufe des Flettnerschen RotorschisfesBuckau". Dr. Flettner gab zunächst in kurzer Ansprache einen überblick über den bisherigen Verlauf der Erprobungen mit diesem neu­artigen Schiffstyp und teilte mit, daß gegenwärtig ein weit größeres Schiff dieser Art von etwa 3000 Brutlore- gistertonnen bei der Aktiengesellschaft Weser seiner Vollendung entgegengehe. Danach nahm Oberbürger­meister Dr. Fieser das Wort, um dem im neu Gewände prangenden Schiff Glück und Erfolg für seine bevor- IWffR IMWWajMBMtMg«»«^ .--^

ist es am Abend eines erbitterten Ringens und va sehen die deutschen Sieger an einem Kreuzweg ein gar seltsam- erschütterndes Bild. Von einem steinernen Kreuz ist sei obere Teil mit den beiden Kreuzesarmen durch eine Gra­nate fortgefegt, den Körper des Erlösers hält nur noch der untere Teil des Kreuzstammes. Weit breitet der Ge­kreuzigte frei die Arme aus, leise sich neigend. Es ist, als wollte er die arme, blutende, haßerfüllte Welt an sein Herz ziehen, die Leidenden zu sich, dem Leidenden, empor- heben. Fast ein Wunder ist es gewesen, unvergeßlich denen, die es gesehen hatten.

Und wieder ein Jahr später. Heißer ist der Haß, aus tiefsten Wunden blutet die Welt, wilder zerfleischt sich die Menschheit. Im einsamen Flugzeug hoch über den Ber­gen Judäas. Karfreitag 1918. Der Regen peitscht ins Gesicht, tief hängen die Wolken; eintönig singt der Motor sein donnerndes Lied. Dort unten Jerusalem, me hochgebaute Stadt; deutlich sieht das Auge die Davids­burg, die Grabeskirche, die hohen Bauten auf dem Ol­berg, das Kidrontal mit den unzähligen Grabmonumenten. Man ist Deutscher, allzusehr Deutscher, und denkt daran: Karfreitag ist's. Man vergißt die Todesgefahr, die rings um das Flugzeug heulend aufblitzt. Ein letzter Sonnen­strahl durchbricht das Grau der Wolken und läßt das Kreuz auf dem schlanken Turm der Augusta-Viktorca- Stiftüua aufglühen.__

Vermischtes.

= Der Meininger Thraterherzog. (Zum 100. Geburts­tag Georgs II. von "Sachsen-Meiningen.) Am 2. April 1826 wurde Georg II., weiland Herzog zu Sachsen-Mei^ ningen und Hildburghausen, geboren. Seine Ruhmes­taten auf dem Gebiete des deutschen Theaterwesens haben ihn weit über Deutschland hinaus und bis ins fernste Ausland bekannt und berühmt gemacht, denn die Meinin­ger Hoftheatergesellschast, kurzwegDie Meininger" ge­nannt, der er zu ihrer Bedcuiuiig verholfen hatte, hat auf ihren Gastspielreisen überall größte Bewunderung erregt. Am vMte» bewundert wurde düZ auf anderen Bühnen

peyeuoe F a y r t u v e r den Atlantischen Ozean zur Ehre und zum Ruhme deutschen Wissens und Könnens zu wünschen. Frau Direktor Flettner taufte hierauf das Schiff aus den RamenBaden-Baden". DieBaderr- Baden" geht nach Hamburg, von wo die auf Ersuchen amerikanischer Interessenten geplante Fahrt nach Nordamerika angetreten wird.

Ksugreffe und Versammlungen.

k. Tagung der Vereinigten Vaterländischen Verbände. Vom 30. April bis 2. Mai veranstalten dieVereinigten Vaterlän­dischen Verbände Deutschlands" und die Bundcsleitimg des Stahlhelms" eine Volks- und wirtschaftspolitische Tagung unter Mitwirkung hervorragender Führer der vaterländischen Bewegung.

k. Kongreß der Schwerhörigen in Berlin. Der SÄwcr- yörigcnvcrctnHephcita" feiert vom 22.bis 25. Mai sein 25^ jähriges Bestehen. Der Verein ist die Keimzelle für eine ganze Reihe deutscher und ausländischer Schwerhörigenvercinc. deren Vertreter sich anläßlich des Jubelüums zu einer internationalen Tagung zusammenfinden werden. Das gremdenverkehrs- bureau der Stadt Berlin hat dem Verein seine Unterstützung zugesagt und wird sich der auswärtigen Teilnehmer annehmen. Bemerkenswert ist unter anderem die Absicht, den Schwer­hörigen durch Anlage einer geeigneten elektrischen Vorrichtung den vollen Genuß einer Oper zu vermitteln.

Aus Zessey-Rassau Mb Nachbargebieten.

Die Arbeitsmarktlage in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck im März 1926. Vom Landesamt für Arbeitsver­mittlung wird uns mitgeteilt: Vom 1. bis 15. März ist die Gesamtzahl der Hauptunterstützungsempfänger in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck zum ersten Mal seit Mitte Juli v. Js. wieder etwas zurückgegangen und zwar von 148 217 auf 147173. An der Senkung sind nicht alle Be­zirke beteiligt; im Neg.-Bez. Kassel und im Bezirk Wetzlar hat die Arbeitslosigkeit noch zugenommen. Am stärksten sind die Arbeitslosen naturgemäß in den großstädtischen Bezirken zufammengeballt. Im Arbeitsnachweisbezirk Kassel wurden 10 761, Frankfurt 18158, Wiesbaden-Stadt 2313, Darmstadt 4569, Offenbach 17 554 und Mainz 11 610 Erwerbslose unterstützt, das sind in diesen 6 Bezirken zu­sammen 64 965 oder 44 v. H. aller Hauptunterstützungs- empfänger im Landesamtsbezirk. Da sich die Zahl der bei Notstandsarbeiten beschäftigten Erwerbslosen fast ver­doppelt hat sie stieg von 6606 am 15. Februar auf 12123 am 15. März und die Notstandsarbeiter in den Erwerbslosenzahlen nicht enthalten sind, kann aus dem geringfügigen Rückgang der Erwerbslosenziffer um nur 0,8 v. H. auf eine beginnende Besserung der Wirtfchasts- lage nicht geschlossen werden. Die Besserungserscheinungen, die sich im Laufe des Monats in den sogenannten Außen- berufen zeigten, waren gering und wurden durch die an­haltend rückläufige Konjunktur, besonders in der Metall­industrie, wieder aufgehoben. Aber auch im Bergbau, Le­derindustrie, Holzgewerbe, Bekleidungsgewerbe und in den Angestelltenbernfen stieg die Arbeitslosigkeit gleichfalls cm Die Zahl der arbeitslosen Bausacharbeiter hat ! > . Ar mir wenig gesenkt; sie beträgt noch im-

nur selten erreichbare künstlerische Zusammenspiel der Truppe; namentlich die Massenszenen bildeten lebendige -Gruppen. Im Sommer 1890 haben die Meininger, aus 'oercit Reihen einige der bedeutendsten Schauspieler und Schauspielerinnen der deutschen Bühne hervorgegangen sind, ihre Kunstreisen eingestellt. Herzog Georg, der Polft tisch nur wenig hervorgetreten ist, war dreimal vermählt. Sein Sohn aus erster Ehe war der Gatte der ältesten Schwester Wilhelms II; einer seiner Söhne aus zweiter Ehe hatte eine Tochter des Dichters Wilhelm Jensen ge­heiratet. Der Herzog selbst war in dritter Ehe mit der ehemaligen Schauspielerin Ellen Franz, die er zur Frei­frau von Heldburg gemacht hatte, verheiratet.

Fackelunrzüge zu Ostern. Nach einem alten Volks­glauben hat im Jauntal in Kärnten in fernen heidnischen Zeiten der Tempel einer Göttin gestanden. Dort finden alljährlich am Ostersonntag Fackelumzüge statt. Es ist dies eine Sitte, die zur Verherrlichung des Osterfestes ausgenommen wurde. In anderen Gegenden Kärntens findet ein um die Kirche herumführender Fackelzug nicht statt. Es herrscht dabei eine ernste und feierliche Stille, während bei sonstigen germanischen Osterbräuchen (man denke an dasFeuerspringen" undFeuerradwerfen*) das heitere Moment überwiegt. Nach dem Glockenklang, der das Gebet einläutet, versammeln sich die Fackelträger. Männer, jung und alt, entzünden ihre Fackeln an einem hellen Feuer. Dann schreiten sie paarweise mit lang­samen Schritten der Kirche zu und singen in wendischer Sprache das Auferstchungslied, das ernst und feierlich klingt wie Grabgesang. Es hat nichts von der Sicges- freude, die eigentlich untrennbar ist von dem Begriff: Auferstehung. Dem Zuge der Männer schließen sich die Frauen und Kinder an. Ist der Zug geschlossen, dann er­folgt ein dreimaliger Rundgang um das Kirchlein. Dann stellen sich alle so auf, daß sie die Gestalt des Kreuzes bilden, darauf wird ein weiterer Vers des Auferstehungs­liedes gesungen. Allmählich löst sich dann der Zug aux, leise und unter Vermeidung jeglicher Störung.