Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Anzeiger

iFulda Blatt 2 |

Nr. 68 Fulda, 26. März 1926

Ende des Maiteotii-Prozesies.

Geringe Strafen für die Haupt 1 äter.

Im Matteotti-Prozetz ist in C h i e t i das Urteil gc- sprachen worden, nachdem als letzter Verteidiger Fari- Pacci, der Generalsekretär der Faschistischen Partei, eine scharfe Rede gegen die Opposition gehalten hatte. Von den Angeklagten wurden zwei, und zwar Viola und Walacria, freigesprochen und sofort aus der Hast ent­lasten; die drei übrigen, Dumini, Volpi und Poveromo wurden für schuldig befunden und erhielten 5 Jahre, 11 Monate und 20 Tage Gefängnis, dazu das dauernde Verbot, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Von ihrer Strafe werden ihnen aber vier Jahre erlassen. Zur Ur­teilsfindung wurde der Gerichtsfaal geräumt und es blieben ausser dem Richter und den Geschworenen nur die beiden Verteidiger im Saal anwesend.

Mit dem Urteil von Chieti ist unter diesen Prozeß, der weit über Italien hinaus Aufsehen erregt hatte, der Schlutzpunkt gesetzt. Der sozialdemokratische Führer Abg. Alatteotti ist bekanntlich seinerzeit von politischen Gegnern in einem Auto entführt und ein paar Tage später mit mehreren Wunden als Leiche aufgefunden worden. Die Verteidiger der Angeklagten behaupteten jedoch während des ganzen Prozeßes, daß von Mord keine Rede sein könne. Sie vertraten die These, daß Matteotti nicht durch einen Messerstich in den Rücken ums Leben gekommen sei, sondern nur einen Stoß vor die Brust erhalten und da­durch sich eine Lungenblutung zugezogen habe. Ferner versuchten sie, Vt Erbitterung der Angeklagten begreiflich zu machen über das vatcrlandsvcrräterische Treiben Viatteottis und die Ermordung verschiedener Faschisten durch seine Parteifreunde. Die Absicht der Faschisten, sich in den Besitz der Person Matteottis zu setzen, wurde von keinem bestritten, zumal Matteotti schon einmal vorher eine solcheBeschlagnahme" seiner Person erlebt hatte. Diese Personensequestrierung aus politischen Gründen falle aber unter die Amnestie.

potiiische JRunWaik

Deutsches Reich

Die Finanzlage der Deutschen Reichsbahngesellschaft.

Der Verwaltung«rat der Deutschen Reichsbahnge- sellschast hielt in Berlin eine Tagung ab. Hauptpunkt her Erörterungen war die Finanzlage des Unternehmens. Es wurde ein befriedigender Abschluß des ersten Geschäfts­jahres in Aussicht gestellt. Der durch die Wirtschafts­krise bedingte starke Rückgang der Einnahmen in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres mahne jedoch zu verschärfter Vorsicht, und es werde notwendig sein, die Mittel für neue große Ausgaben auf dem Wege des Kredits zu beschaffen. Es wurde dann auf die vielen Verkehrs­und Betriebsverbesserungen, die besonders den Güterver­kehr betreffen, hingewiesen. Gebilligt wurde vom Ver- »valtungsrat die zum 1. April vorgeschlagene Einführung einer Krankenversicherung für Reichsbahnbcantte.

Das Soldatenjubiläum des Reichspräsidenten.

Am 7. April werden 60 Jahre verflossen sein seit dem Tage, an dem der Reichspräsident v. Hindenburg aus dem Kadettenkorps als Leutnant in die Armee eintrat. Aus diesem Anlaß wird der Reichswehrminister Dr. Geßler an der Spitze vcm Vertretern der Wehrmacht und der Marine dem Reichspräsidenten Glückwünsche aus­sprechen.

Der Reichswirtschaftsrat gegen die Sommerzeit.

; ; Der wirtschaftspolitische Ausschuß des Reichswirt- schastsrales nahm Stellung zu einem Schreiben des Reichsinnenministers, in bem der Reichswirtschaftsrat um ein Gutachten hierüber ersucht wird, ob sich die Wieder­einführung der sogenannten Sommerzeit in Deutschland

Ein neuerPRettungsanzug für Schiffbrüchige.

Eine segensreiche Erfindung von größter Bedeutung ist der neue RettungsanzugPoseidon", der nach vielfacher Auspro- bicrung sich glänzend bewährt. Dieser Anzug besteht aus 2 Teilen (Jacke und Hose), die aus Gummistoff gefertigt und innen mit luftgcfiillten Pneumatikzcllen versehen sind. Durch einfachen Hebelverschluß am Gürtelring wird der Anzug ohne Schwicrigkeien luft- und wasserdicht abgeschlossen, so daß auch bei höchstem Seegang, in Wasserfällen, Strudeln etc. ein Ein­dringen von Wasser völlig ausgeschlossen ist. Als Kopsschuß dient ein Helm, ähnlich wie beim Taucheranzug, an dem be­sondere Ventile zur selbsttätigen Regulierung der Luftzufuhr angebracht sind. Eine leicht zu öffnende Klappe gestattet außerdem ständiges Einatmen frischer Luft. Der zusammen- gelegtc Anzug kann auf einen Raum von ca. 50 mal 25 cm. untergebracht werden. Wie man geht und steht, schlüpft man im Moment der Gefahr hinein und kann ohne Bedenken einen Sprung von 1'3 Meter Höhe vom Schiffsdcck in die Flut wa­gen. Da der Anzug auch Lebensmittel faßt, so kann der Schiff­brüchige ohne Lebensgefahr 8 Tage und mehr auf dem Wasser treiben, bis Rettung naht. Kein Ertrinken, kein Erstarren der Gliedmaßen mehr, wie beim veralteten Rettungsring oder bei der Korkweste. Dieser neue Rettungsanzug ist fürwahr geeig­net, auch den ängstlichen Gemütern jeden Schrecken einer langen Seereise zu nehmen.

Unsere Aufnahme veranschaulicht den neuen Rettungsanzug, gebrauchsfertig ungezogen, mit geöffnetem Helmfenster.

empfiehl«. Nach eingehender Aussprache beschloß der Ausschuß, sich gegen die Wiedereinführung der Sonnstcr- zcit ansznsprechen. Weiter beschäftigte sich der Ausschuß mit der Hragc des Preisabbaues. In einer Entschließung wurde daraus hingewiescu, daß cs nicht nur Sache der Produkti^lskräfte der Wirtschaft sei, an dem Problem der Preissenkung unmittelbar mitzugrbcuen, sondern auch Sache der Auftraggeber und, sofern össcniliche Verwal­tungen als Auftraggeber auf dem Wirtschaftsmarkt er­scheinen, auch Sache der Behörden.

Äus Zn- und Ausland.

Berlin. Gegenüber einer amerikanischen Blättermelduna, in ber die Befürchtung ausgeivrochcn wird, daß die Siwerbeit des Privateigentums in Deutschland nicht gewährleistet sei, wird den Blättern von zuständiger Stelle initgcteilt, daß dieser Artikel sich nur ocaen den Schubverband der früheren .^aus- beüber richte Dieser Sebutzverband will den Hausbesitzern, die in der Inflationszeit ihre Häuser zu scheinbar außerordent­lich hohen Preisen verkauften, die nachher dann völlig e»t- wertet wurden, ihre Häuter zurückverschaffen. Eine Be­schwerde der amerikanischen Botschaft oder iraendeiner anderen amerikanischen Persönlichkeit liegt bei den zuständigen Stellen nicht "or

Berlin. In der Vertrctcrtagnng der Deutschnationalen Volkspartei wurde Abg. Trevira uns zum politischen Be­auftragten der Partei gewählt.

Berlin. Der Einspruch des völkischen Abgeordneten Stöhr aeaen den ihm wegen Beleidigung des Reichskanzlers

erteilten Ordnungsruf wurde Im Reichstag gegen die Stim­men der Völkischen und Kommunisten abgelehnt.

Berlin. Der schwedische Forschungsreisende Sven Hedin hielt in der Berliner Literarischen Gesellschaft eine Rede, in der er erneut seiner großen Sympathie für das Deutsche Reich Ausdruck verlieh und die bestimmte Erwor- lung aussprach, daß Deutschlands Wiederausstieg und neue Weltgeltung nicht lauge aus sich warten lassen werden.

Karlsruhe. Zwischen der Badischen Staotsschuldenvcr- waltung und der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich namens eines internationalen Bankenkonsortiums ist ein Ver­trag für die Übernahme einer 6% %igen Anleihe s ii r den Freistaat Baden von 40 Millionen Schweizer Franken Nennwert mit 20 jähriger Laufzeit abgeschlossen worden.

London. Das kanadische Parlament hat in einer Entschließung die Verantwortung der Dominions für Ver­wicklungen, die durch die englische Außenpolitik entstehen, ab- gelehnt.

Madrid. Nach einer Mitteilung des spanischen Außen­ministers haben die Handelsvcrtragsverhanv- lungen mit Deutschland eine günstige Wendung ge­nommen.

Madrid. Der neuernannte deutsche Botschafter Graf Welczek überreichte dem König von Spanien sein Be­glaubigungsschreiben. In seiner Ansprache betonte er, daß zwischen Spanien und Deutschland ausgezeichnete Beziehun­gen bestehen.

Madrid. Einer offiziösen Mitteilung über die Mimstcr- ratübung zufolge hat der Außenminister erklärt, die Handels- vertragsverhandluugen mit Deutschland hätten eine günstige Wendung genommen. Der Minister erwähnte außerdem^die Erklärungen StrejemannS im Reichstag, die er als für Spa­nien sehr bejrievigend bezeichnete. Da sie einen Beweis für die in Deutschland zugunsten Spaniens eingelretenc Reaktion und für die Aufrichtigkeit der vom Reichskanzler in Genf abgegebenen Versprechen bildeten.

Kein ^St-Mülionen-Kredii

für den Mittelstand.

Aus dem Haushaltsausschuß des Reichstags.

Der Haushaltsausschuß des Reichstags beriet einen Antrag Mollath (Wirtsch. Vgg.) auf Kreditgewährung an den gewerblichen Mittelstand in Höhe von 150 Millionen Mark.

Staatssekretär Fischer legte eingehend dar, daß n b - fol utkein Gedanke daran sein könne, hundcrtsüufzig Millionen für diese Zwecke neu zur Verfügung zu stellen. Die verfügbaren Kassen seien schon in Anspruch genom­men. Das Geld im Krcditwcge aufzubringeu, sei gleich­falls ausgeschlossen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung zog Abg. Drewitz- Berlin (Wirtsch. Vgg.) den Antrag seiner Parteigenossen auf Bereitstellung eines Kredits von 150 Millionen für den gewerblichen Mittelstand zurück.

Hieraus wandte sich der Ausschuß der sinauziellen Nachprüfung der Beschlüsse des Reichstagsausschusses zu, der in zweiter Lesung die Maßnahmen zur Milder u n g der Notlage der Winzer behandelt hat. Tic Be­handlung der Fragen bezüglich der Aushcbnng der Wein- steuer und der Notstandskreditc wurde vom Haushalts- ausfchutz zunächst zurückgestellt. Dagegen bestätigte der Haushaltsausschuß einstimmig den Beschluß, daß die int Jahre 1925 gewährten Kredite den Winzer n zu den bisherigen Bedingungen bis zum 31. De­zember 1928 zu belassen seien.

®ieiierfd)iiffiiiig der EiHM in Preußen?

Berlin. Der Siedlungsanssclmß des Preußischen Land- toocs verhandelte über eine Reibe von bemofratifeben An- fräacn zur Änderung der Pacbtreiilc. Ministerialdirektor Aniens vom Landwirtschaktsministerium erklärte, in Preußen bestehe seit 1850 grundsätzlich keine Erbpacht mehr. Für die Siedler fei das Eiaentumsverbältnis besser als das Pacht- Verbältnis. Fu Schleswig-Holstein seien 40 Zcitvachtdörler in Eigentumsdörserv nmaewandelt worden, aber die zu Be­sitzern gewordenen Pächter seien durchaus nicht alle von diesem Wechsel befriedigt. Wenn Pachtungen länger? Zeit in einer Hand oder Familie seien, mühten sie ins Eiaentum übergehen. Der Ausschuß beschloß darauf, von der Stoals- regierung ein Gutachten darüber bis zum 1. Oktober 1920 zu fordern, welchen Umfang und welche aararpolitische Bedeu­tung das System der Generations- und Erbpäckter in Preu­ßen hat, wie die Rechtslage der Generation?- und Erbpächter und inwieweit eine anderweitige gesetzliche Regelung der Frage der Generations- unb Erbpächter erforderlich und möglich ist

Ditz von Gründingen.

51)

Humoristischer Roman von Freiherr v. Schlicht. kopvriWht 1125 h Ork»r Meister. Verl«,, Werb«».

(Ra-driut »erboten.)

.Gewiß, denn das eine ist aus dem Munde einer Frau cl>«nsowenig ernsthaft zu nehmen wie das andere. Das habe ich sogar bei Claire gemerkt, sie sagte auch zuerst: nie nie- malsl Und jetzt sitzt sie doch da drüben als meine kleine Braut.

Er erhob sein Glas und trank Claire zu. Aber als er sich vhNn wieder an Dagmar wandte, unterhielt die sich so leb­haft mit Alexa, daß er für sie gar nicht mehr zu existieren schien.

. .-per Daron sah, daß er für Dagmar einmal wiederer« war. So wandte er sich denn Claire zu, die immer noaj von bem Grafen ausschließlich in Anspruch genommen "uch als man endlich voin Tisch aufstand, wick ^icht DOn ihrer Seite:Machen Sie, daß Sie fort« mmen, Jöaroni" rjcf cr dem zu, als er sich ihnen näherte. Ihre Braut später so lange, wie Sie leben, da können Sle mir Claire die paar Tage, die sie hier ist, ruhig gönnen. Unterhaltungen zu dritt' wenn zwei davon in« ^^^^^l oder miteinander verlobt sind haben für mtq keinen besonderen Reiz. Setzen Sie sich nur getrost zu Damen, und überlassen Sie mir dafür Ihre Dame." »Aber Herr Gras seien Sie vorsichtig," flüsterte der Ba- Sie zeigen Ihre Schwännerei für Claire doch beuthd). Heute, am ersten Abend, dürfen Sie sich noch

Nlcht verraten."

^»Jch «verde mich hüten," rief der ganz erschrocken,unt ©te brauchen auch nichts zu fürchten. Meine Frau ist zwar aus thre Menschenkenntnis sehr stolz, aber sie hat sich troh« em tn dieser Hinsicht ein solcher Kindergemüt bewahrt, daß

^ar nicht auf den Gedanken kommt, hier könnte etwas Mcht lammen. _ Aber besser ist immer besser: gebt euch mal euren Kuß, natürlich nur auf die Stirn sonst könnte Hans ayr Ende doch eifersüchtig werden."

Baron sah ein, er mußte wirklich einmal seine Rolle Bräutigam spielen. So legte er denn setzt leicht seinen Arm um Claires Schultern.

Alle sahen, wie Claire errötete, wie ihre Wangen glühten wie sie verlegen und verwirrt den Blick su Boden fenfte.

So sieht keine glückliche Braut aus," sagte sich die Grä­fin.Sollte sie dem Baron nicht nur aus Liebe ihr Jawor« gegeben haben vielleicht mehr auf Wunsch der Eltern hin als aus eigenem Empfinden? Das sollte mir für beide teil tun. Irgend etwas scheint mir da nicht zu stimmen, bae ist mir schon vorhin ausgefallen. Der Baron ist merkwür­dig kalt und leidenschaftslos; allerdings ist er ja auch ar Satiren sehr viel älter als Claire. Sie empfindet seine Zu­rückhaltung sicher, und das macht sie so verzagt. Armes Kind sie tut mir leid, sie ist so hübsch! Schade, jammerschade, das lie nicht adelig ist."

Wollen Sie sich nicht etwas zu mir setzen, liebe Claire?" rief die Gräfin, als sie ihren alten Platz am Kamin einge­nommen hatte. Und mit einer einladenden Handbewegunc »at sie Claire zu sich.

Wie die Gräfin, so hatten auch Dagmar und Marianne Las Brautpaar nicht aus den Augen gelassen. Mariani" war viel zu harmlos, um auf irgendeinen bösen Gedanken zr kommen; aber wie ihre Mutter, so wurde auch Dagmar der Argwohn nicht los, daß zwischen dem Baron und Clatri irgendetwas nicht in Ordnung sei. Er mar Claire gegenüber wenn auch nicht gerade verlegen, doch etwas unsicher ir seinem Auftreten; er sprach nur wenig mit ihr. und banr »ersuchte er, feiner Stimme einen warmen, zärtlichen Klaiic zu geben, der sehr gezwungen erschien.

Und immer wieder mußte sie an die Worte denken, die ei ihr vorhin gesagt hatte. Was sollten die jetzt noch, da er ver­lobt war--?

Sie fand keine Antwort darauf.

Unterdessen plauderte die Gräfin mit Claire und sie gefiel ihr immer besser.

Augenblicklich waren die beiden bei einem sehr heiklen Thema angelangt: Claire hatte auf Befragen erzählt, daß sie Hans auf Gesellschaften kennen gelernt und sogar verschie­dentlich mit ihm getanzt habe.

Claire gab Auskunft, aber so groß auch sonst ihre Der- stellungskunst war, hier versagte sie doch! Ueber Hans über ihren «einzig süßen Hans" so gleichgültig zu sprechen, als handele es sich um einen Menschen, mit dem sie nur eir paarmal flüchtig in Berührung gekommen sei, das qinc denn doch über ihre Kraft! Sie wurde verlegen und verwirr« und suchte das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken.

Das also war es! Sie Gräfin war glücklich. Sie hatte eine neue Entdeckung gemacht, einen neuen Beweis ihrer großen MenfäMkcnntn'ls erhalten! Claire liebte Hans! Sic

hatte ihn^ wenigstens geliebt, ihn angeschwärmt, wie woh alle ihre Freundinnen; sie halte sich von ihm den Hof machet lassen, mit ihm geflirtet und sich bei der Gelegenheit vielleich wirklich in Hans verliebt.

Dos also mar es!

Sie hatte sich mit dem Baron verlobt, vielleicht aus einen Gefühl warmer Freundschaft heraus, vielleicht auf Dränyei der Ellern. Sie haue sich mit einem anderen verlobt, wäh renö sie ihren Sohn noch liebte. Wie war es nur möglich daß sie nicht gleich daraus gekommen mar? Das erklärte fi alles! Die Scheu und Die Verlegenheil, mit der sie den El tern ihres Hans gegenübertrat. Die warme Freundschaft, bn sie gleich für Alexa, feine Schwester, empfand, die Zuriickhal tung. die sie hier im Haus, in dem sie sich in kühnen Trau men vielleicht sogar selbst als Tochter gesehen haben mochte zur Schau trug.

Claire tat ihr aufrichtig leib. Für die Mutter war es qan, selbstverständlich, daß Claire ihren Hans leibenfehafilieb ae liebt hatte; denn nach ihrer Meinung konnte niemand ihren Lohne begegnen, ohne sofort sein Herz an ihn zu verlieren Unb daß es Claire ebenso ergangen mar, machte ihr das hüb sehe junge Mädchen noch sympathischer, und sie empfand auf richtiges Mitleid mit ihr.

»Ich muß als Mutter an ihr gutzumachen versuchen, mat Hans, wenn auch unbeabsichtigt on ihr fünbiate! Die Schuft hat er aber doch in erster Linie: beim daß jedes junge Mäd chen den Wunsch und den Ehrgeiz Hal, seine Flau zu werden ist selbstverständlich.

Und zu dem Mitleid und der Teilnahme, die sie berr schönen Mädchen entgegenbradüe, gesellte sich auch noch bar Gefühl der Dankbarkeit, daß sie sreiwillig auf Hans verzieh tet, daß sie von selbst jeden Gedanken, ihn für immer zu ge mimten, aufgegeben und dadurch ihm und den Seinen groß« Unannehmlichkeiten erspart hatte!--

So zog sie denn plötzlich Claire an sich und küßte sie nicht, wie sic sonst zu tüffen pflegte, auf bie Stirn, fonberr auf den Mund.

Und sie nahm sich vor, noch am Abend vor dem Schlafen­gehen sehr ernsthaft mit ihrem Mann über Hans zu sprechen

Aber der war heule zu keinem ernsten Gespräch aufgelegt. Er halte in seiner übermütigen Stimmung dem Champagner reichlich zugesprochen und ein, vielleicht auch zwei Glas zu­viel getrunken.

(Fortsetzung folgt.)