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I Fuldaer Anzeiger | I Fulda Blatt 2 | ^ ..... / Nr. 65 Fulda, 23. März 1926

potriische Rundschau.

Deutsches Reich

Revision der Steuerreform.

Im Steuerausschuß des Reichstages teilte Reichs- finanzministcr Dr. Reinhold mit, daß als Ergebnis von Verhandlungen mit den Regierungsparteien die Regie­rung ihre Steuervorlage in der Weise geändert hat, daß die Umsatzsteuer nicht auf 0,6, sondern nur ans 0,7% % ermjißt, die Weinsteuer ebenso wie die Schaumwein- steuer vollständig aufgehoben und die Erhöhung der Bier st euer bis zum 1. Januar 1027 verschoben werden soll. Außerdem soll bei der Vermögenssteuer eine Erleichterung für die kleinen Vermögen eintreten. An der vollständigen Aufhebung der Luxus steuer zum 1. April wird scstgrhalten. Die Vertreter der Sozialdemo­kraten und Kommunisten erklärten, daß sie diesem neuen Programm nicht zustimmen würden.

Ku? dgebung ostpreußischer Wirtschaftsverbände.

Die gesamte ostpreußische Wirtschaft, vertreten Durch GO verschiedene Verbände, veranstaltete in Königsberg eine große Kundgebung, die die Rot der o st p r e u ß i - s ch e n Wirtschaft und die Wirtschafts- und Steuer­politik von Reich, Staat und Gemeinden zum Gegenstand hatte. In der Versammlung, die von Rittergutsbesitzer Dr. Graf von Lehndorff-Preyl geleitet wurde, kam je ein Vertreter der Industrie, des Handels, des Handwerks und der Landwirtschaft zu Wort. Nachdem die Redner unter lebhafter Zustimmung der Versammlung die für Ost­preußen ganz besonders katastrophale Not ihrer Wirtschaft geschildert und an der Wirtschafts- und Steuerpolitik von Reich, Ländern und Gemeinden scharfe Kritik geübt hatten, wurde eine Entschließung angenommen, in der Reich, Länder und Gemeinden aufgefordert werden sollen, alle nach Verfassung und Gesetz zulässigen Mittel zur Rettung der Wirtschaft zu ergreifen und das bekannte Ost­preußenprogramm durchzuführen.

Aus In- und Ausland.

Berlin. Der preußische Minister des Innern und bei Finanzminister veröffentlichen einen gemeinsamen Runderlaß an die Nachgeordneten Behörden über die voraussichtliche Höhe der Steuerüberweifungen für das Rechnungsjahr 1926 in allen Einzelheiten. Daran angesügt ist ein Erlaß über die Haus­haltspläne und die Sleuerverteilungs- bzw. UmlagübesaMsse der Gemeinden lGemeindeverbände). der eine ernste Mah­nung zur Sparsamkeit enthält

Berlin. In der Totenhalle der Irrenanstalt Herzberge sand die Obduktion der Leiche des plötzlich verstorbenen Frank­fälschers Artur Schulze statt. Die vom Gerichtsarzt Sanitäts- rat Dr. Dyrenfurth durchgeführte ärztliche Untersuchung er­gab, daß Schulze eines natürlichen Todes gestorben sei. Die Gerüchte, von einem Gifte oder Selbstmord wurden dadurch hinfällig.

Berlin. Die Gemahlin des österreichischen Gesandten in Berlin, Dr. Frank, die vor einigen Tagen in Wien schwer erkrankte, ist an den Folgen einer hinzugetretenen Lungcncnt- zündnng versckicvcn

Koblenz. Die Fnleralliieric Rheinlanokommiffion hat Die SchriftKampf- und Freiheitsliederbuch vom erwachenden Großdeutschland" für das besetzte Gebiet verboten.

London. DerObserver" meldet, daß die vorbe­reitende Abrüstungskonferenz zum 10. Mai nach Genf cinberusen worden sei. Mit Ausnahme Rußlands seien alle Mächte einschließlich Deutschlands und Amerikas ringe- laden worden, an ihr teilzunellmen

London. Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" sagt, die deutsche Regierung werde, bevor sie noch­mals Delegierte nach Gens sende, von allen Ratmugliedern bestimmte und vielleicht schriftliche Zusagen dafür verlan­gen, daß die deutsche Kandidatur das nächste Mal unabhängig von allen anderen Kandidaturen behandelt werden wird und daß die Tätigkeit der neuen Völkerbundkommission, zu der Deutschland eingeladen wurde, Vertreter zu entsenden, nicht daraus abziele, die Bedingungen des Eintritts Deutschlands anders zu gestalten, als cs der einzig angemessenen Folge von Locarno entspreche.

Ditz von Gründingen.

Humoristischer Roman von Freiherr v. Schlicht.

Copyright 1825 b, Orkar Meister. Verla», Werda».

48) (Nachdruck verdaten.)

Na, siehst du nun ein, daß ich recht hatte? Diese plötzliche Reise dieseszufällige Zusammentreffen mit den alten Freunden" die Lobeshymnen, die er auf Claire anstimmte --ja, ja, ich kenne euch Männer!"

Das scheint mir beinahe auch so," stimmte er ihr bei.

Und dieses Lob freute sie so, daß sie ihm zum zweitenmal einen Kutz auf die Stirn erlaubte.

Zwei Tage später ging der Baron auf Reifen. Und es ge­schah. wie die Gräfin vorausgesagt hatte: Nach kaum drei Tagen kam ein Telegramm:Habe mich mit Claire, der Tochter meiner alten, lieben Freunde, verlobt!"

Natürlich rief diese Depesche eine gewaltige Aufregung hervor.

Die Gräfin strahlte vor Glückseligkeit über ihren Scharf­blick Alexa freute sich wie ein Kind auf den bevorstehenden Besuch von Claire, die einzuladen sofort beschlossen wurde. Und der Graf ging im Zimmer auf und ab. indem er be­ständig vor sich hin sprach:Dieser Baron nun sehe ein­mal einer an ja, ja, stille Wasser sind tief! Wer hätte Jas gedacht trau, schau, wem! Alles hätte ich für mög» lief) gehalten, aber daß der Baron sich noch mal verloben würde, darauf war ich nicht gefaßt."

Aber warum sollte sich der Baron denn nicht verloben?" fragte Dagmar. die einzige, die durch die Verlobung des Varons mehr als überrascht worden war und ihr Befremden und ihre Enttäuschung trotz alledem! um keinen Preis verraten wollte.--Das ist doch fein gutes Recht. Upd wenn er eine findet. die ihn liebt,--mein Geschmack wäre er ja zwar nicht. Aber für diese Claire ist er wohl gut genug--"

.Dho! fuhr der Graf auf.Erstens ist Fräulein Claire: Fräulein Claire und nichtdiese" Claire. Das merke dir, bitte, ein für allemal. Und außerdem ist der Baron ein Nentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Wenn du ihn aus irgendeinem Grunde nicht übertrieben gern magst, so ist da« RsLt--Wer üMiwluM^M feu £niW^

Paris. Wie Havas berichtet, sieht der dcm Miuisicrrat vom Finanzminister Perel vorgclegte Finanzgcsetzcntwurs zum Budgetausgleick, der in seinen wesentlichen Bestimmun­gen einstimmig gebilligt wurde, die Einführung einer K o p s- stcucr vor, sowie die einstweilige Erhöhung der Um­satzsteuer von 1,30% aus 2 %. Außerdem wird eine ge­wisse Erhöhung Del Post-, Telegraphen- und Telephongebühren sowie die von der Kammer bereits angenommene Erhöhung der Tabaksteuer, jedoch vorbehalt­lich gewisser Abänderungen, die etwa vom Senat getrosten werden könnten, vorgeschlagcn.

London. Nacy einer Meldung oerMorning Post" aus Tientsin ist die Front der N at i o n al arm c e un 20. März bei Lanlschau z u s a m m e n g e b r o ch e n. Es habe ein allgemeiner Rückzug begonnen. Die mandschurischen Trup­pen nützten ihren Erfolg mit größter Schnelligkeit aus.

Paris. Dr. Ricklin und der Herausgeber der aulono- misüschcn WochenschriftDie Zukunft" sind von dem Gericht in Metz wegen angeblicher Verleumdung des Advokaten Fer- rette zu je 100 Frank Geldstrafe und zu einer Entschädigung von zusammen 50 000 Frank verurteilt worden.

Rom. Nach einer amtlichen Mitteilung hat Mussolini an­geordnet, daß das in Bozen zu errichtende Denkmal ein italie­nisches Siegesdenkmal sein soll, aus dem auch die Namen der Tridentiner Battisti, Chicda und Vinci angebracht werden sollen. Die öffentliche Sammlung für das Denkmal habe bis­her über zweieinhalb Millionen Lire ergeben.

(Stiftungen für das Rheinland.

Hindenburgs Rhein landreise.

Den Abschluß der Kölner Befreiungsfeier bildete ein Festessen im Gürzenich. Oberbürgermeister Dr. Adenauer feierte bei dieser Gelegenheit den Reichspräsidenten, der in strenger Unparteilichkeit seines hohe» Amtes walte. Dann sprachen Reichsjustizminister Dr. Marx und der preußische Ministerpräsident Braun,. der bekanntgab, daß die preußi­sche Regierung dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz 300 000 Mark für Kinder im Rheinlande zur Erholungsfürsorge übergeben habe. Weiter teilte Minister­präsident Braun mit, daß die preußische Regierung aus Dank an die Bevölkerung der ersten Rheinlandzone eine Rheinlandvase gestiftet habe. Diese Vase zeigt auf der Vorderseite die figürliche Darstellung des Vaters Rhein und der Colonia, die stehend einander die Hände reichen und sich auf einen Schild stützen, auf dem der Kölner Dom zu sehen ist. Die Rückseite trägt unter dem Landeswappen der Republik Preußen und unter dem Be­freiungstag die InschriftDer treuen Bevölkerung der ersten Rheinlandzone gewidmet von der preußischen Staatsregierung". Abends brachten verschiedene Verbände dem Reichspräsidenten einen F a Ä e l z u g, den Hinden­burg vom Balkon des Rathauses aus abnahm. Eine nach vielen Tausenden zählende Menge brachte dem Reichs­präsidenten begeisterte Ovationen dar. Wie bekannt wird, hat der Reichspräsident zur Erhaltung des Kölner Doms 100 000 Mark gestiftet.

Der Reichspräsident in Bonn.

Hoffen und glauben mit der deutschen Jugend."

Am Montag vormittag begab sich Reichspräsident von Hindenburg nach Bonn, wo ihm ebenfalls ein herzlicher Empfang bereitet wurde. Oberbürgermeister Dr. Falk begrüßte den Reichspräsidenten im Rathaus. In seiner Erwiderungsrede wies der Reichspräsident darauf hin, daß es für ihn einen Lichtpunkt bedeute, nach langen Jahren wieder in Bonn zu weilen und sich mit der Be­völkerung der wiedererlangten Freiheit zu erfreuen. Beim Empfang in der Universität wurde dem Reichspräsi­denten die Ehrenmitgliedschaft der Bonner Studenten­schaft angeboten. Hindenburg dankte herzlichst für den freundlichen Empfang und für die Ehrung. Er sei zwar durch Alter und Amt berufen, mit den Alten zu leben und zu wirken, er wolle aber hoffen und glauben mit der deutschen Jugend, die die Zukunft und die Kraft der Natton ist.

Besuche in Rheydt und M. Gladbach.

Reichspräsident von Hindenburg verließ nachmittags um 4 Uhr Bonn mit herzlichen Abschiedsworten unv unter brausenden Hochrufen, um sich nach Krefeld zu begeben. Auf dem Bahnhof in Rheydt wurde Station gemacht. Dort hatten sich die Spitzen der Behörden und zahlreiche Korporationen und Vereine mit ihren Fahnen eingcfunden. Der Oberbürgermeister der Stadt richtete an den Reichspräsidenten herzliche Begrüßungsworte, auf die der Reichspräsident mit dem Hinweis darauf dankte, daß die fleißige Industriestadt in den letzten Jahren schwere Zeiten durchgemacht habe, wofür er ihr namens des Reiches Dank und Anerkennung ansspreche.

Die zweite Unterbrechung der Fahrt galt der Bevölkerung von M_üncben-Gladback. von der aleickfalls die oiki-

Diesen, haß du in dieser verletzenden Weise über den Gast meines Hauses sprichst."

Mit solcher Energie hatte der Graf seit langer Zeit nicht geredet. Und nicht nur Dagmar, sondern auch feine Frau und Alexa sahen ihn ganz groß an.

Aber während er unter anderen Umständen durch diese all­gemeine stumme Verwunderung leicht verlegen aewordev wäre, blixb er dieses Mal standhaft:Ich wiederhole. Daa­mar, ich verbitte mir, daß du so über den Baron sprichst. Er ist ein Ehrenmann, wie ich es bin. wie dein Bruder Hans und jeder andere unserer Bekanntschaft. Ich mag gar nicht an den Tag denken, an dem er uns verläßt, und wenn ich eine Möglichkeit sähe, ihn hier länger fest,Inhalten, banr würde ich sie mit Freuden ergreifen."

Bravo. Papa!" rief Alexa, und auch die Gräfin stimmte ihm zu. Ganz so begeistert von dem Baron, wie der Graf, war sie nicht mehr gewesen, seitdem er plötzlich auf die Idee verfallen war. den Bürgerstand mit dem Adel zu vergleichen. Von der Stunde an war eine kleine, wenn auch kaum be­merkbare Entfremdung zwischen ihnen eingetreten. Aber daß er sich nun verlobte, daß er ihr damit einen neuen Beweis ihrer untrüglichen Menschenkenntnis gegeben hatte, das söhnte sie wieder mit ihm aus.

So sagte sie denn jetzt:Du wirst dich erinnern, Dagmar, daß ich dick schon wiederbol^ aefraat habe, mas mit dir und dem Baron ist? Du schlägst zuweilen einen Ton gegen ihn an, der fast beleidigend ist und deine Ellern können es wie dein Later soeben sehr richtig bemerkte nicht dulden, daß du über ihren Gast mit solcher Mißachtung sprichst Du hast alle Ursache, ihm sehr dankbar zu sein. Du bist unter seiner Leitung eine perfekte Reiterin geworden"

Dafür wird er ja bezahlt, Mama. Und soweit ich Papas Gutmütigkeit kenne, gewiß sehr anständig." klang es trotzig von Dagmars Lippen.

Hans wird Dafür, daß er feinen Rekruten das Reiten bei­bringt, auch bezahlt!" fuhr Der Graf auf.Und glaubst du, daß ich früher umsonst in Der Reitbahn herumgestanden hätte? Wenn Der Erste des Monats kam, habe ick mit Dem größten Vergnügen mein Gehalt in die Tasche gesteckt

Der Graj glaubte in Diesem Augenblick leibst, was er sagte. UnD doch hatte er während seiner ganzen Leutnants- zeit nie einen Groschen Gehalt zu sehen bekommen, sondern regelmäßig infolge seiner hohen Safinorechnung noch ein stLSQWâü ârk hxgyfzgtzikn muM Mr -g? WW-N

ziellen Vertreter mit einer Reihe von Abordnungen und Ver­bänden auf dem Bahnhof erschienen waren. Wieder brausen­der Jubel und Hochrufe, als der Zug in die Halle fuhr. Der Begeisterung der Bevölkerung gaben der Oberbürgermeister und der Landrat in warmen Worten an den hohen Gast Aus­druck, der leider nur zu kurz der Stadt aus der Durchreise die Ehre seines Besuches zuteil werden ließe. Reichspräsident von Hindenburg dankte für die freundlichen Willkommcusgrüße. Am späten Nachmittag traf der Reichspräsident in Krefeld ein.

Rah und $ern.

O Tanncnbcrgfcier in Hamburg. In Hamburg fand in der großen Halle des Zoos eine vom Tannenbergbund veranstaltete starkbefuchtc großdeutfchc Kundgebung statt, zu der General von Ludendorff als Schirmherr des Bundes erschienen war. Oberstleutnant Ahlemann gab einen Überblick über die Entwicklung des großdeutschen Ge­danken in den letzten hundert Jahren. Nach einigen Aus­führungen des Führers der österreichischen Völkischen, Franz Stein, zum Anschlnßgedanken ergriff Ludendorff das Wort zu einer kurzen Ansprache. Die Kundgebung verlief ohne jede Störung.

0 Erdstlirz im Okcrtal. Unter gewaltigem Getöse stürzte im Okertal (Harz), unweit des Waldhauses, eine Erdfläche in das Flußbett der Oker und deckte dieses fast gänzlich zu. Die Erdmassen, die einen Gcsamtnmfang von etwa 1500 Kubikmeter haben, rissen etwa 30 bis 40 ruf dem Absturzgebiet stehende Baumstämme mit hinweg. Der Erdsturz ist wahrscheinlich auf die Unterspülungen infolge des letzten Hochwassers zurückzuführen. Da die Gefahr besteht, daß auch das angrenzende Gebiet nach­stürzt, ist der Lkertalweg, wo demnächst mit der Beseiti­gung der Hochwasserschäden begonnen werden sollte, dis auf weiteres gesperrt worden.

O Eine entsetzliche Familientragödie hat sich in . Glauchau ereignet. Vermutlich im Zustande geistiger Umnachtung erschoß die Lehrerin Barth ihren Vater, den Inhaber einer bekannten Weinstube, ihren 14jährigen Bruder und brachte dann sich selbst eine schwere Schutz­verletzung bei. Sie wurde dem Krankenhaus zugeführt, wo sie noch vernehmungsunfähig daniederliegt.

O Teucrungsdrmonstrationen in Metz. Bei den Kund­gebungen der elsässischen Gewerkschaften, die in der Um- gebung von Metz zum Protest gegen die Teuerung statt­fanden, kam es zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und Militär. Die Präfek­tur batte Truppen aller Waffengattungen aufgeboten, um die Demonstrawen am Eindringen in das Innere der Stadt zu verbindern. Als sich nach Beendigung der Ver­sammlung ein Zug von 500 Zeitnehmern in die Stadt begab, kam es zu einem Zusammenstoß mit der Kavallerie, die mit blanker Waffe gegen die Demon­stranten vorging. Die Menge besetzte darauf einen Bauplatz und bewarf die Truppen mit Ziegelsteinen Erst dem Eingreifen weiterer Truppen gelang es, den Bau­platz zu säubern und die Menge zu zerstreuen. Auf beiden Seilen gab es Verletzte.

0 Flugzeugabsturz Das dritte Flugzeug das für die Rordpolexpedition Willens bestimmt ist ist bei einem Probefluge abgestürzt. Kapitän Wilkens unv sein Leutnant sind ohne Verletzungen davongekommen. Durch dieses Unglück ist eine abermalige Verzögerung der Rorv- polcxpedition eingetreten. Die abgestürzten Maschinen sollen indessen in kurzer Zeit wieder repariert werden können. Man hofft Daher, daß die eingetretene Verzöge­rung nicht von langer Dauer sein werde.

0 Amundsens letzte Vorbereitungen in Leningrad. Die Segodnja" meldet aus Moskau, daß Amundsen und andere Mitglieder der Nordpolexpedition Mitte April in Leningrad eintreffen werden, um die Vorbereilungen für den Rordpolflug zu Ende zu führen. Amundsens Lnft- schiff soll Rom in der ersten Aprilbälfte verlassen und vor dem Flug nach Spitzbergen drei Wochen auf dem Flug­platz in Gatschina bei Leningrad verbleiben.

0 Die Schreie eines Gelynchten im Radio. In der Ortschaft O c e o t a in Florida hat die Menge einen Neger in ihrer Raserei zur Radiosendestation geschleppt, ihn vor den Apparat gestellt und dann zu Tode geprügelt. Die Schreie des Unglücklichen wurden von den Millionen Radioabonnenten in ganz Amerika gehört bis zu dem Augenblick, wo der Tod den Neger von seinen unmensch­lichen Qualen erlöste.

Bunte Tageschronik.

Hamburg. Die Marincleiiung Hamburg teilt mit: Der WellumseglerHamburg". Kapitän KircheiS. ist wohlbehalten in Neapel angekommcn. Das Schiff trat infolge der schweren Stürme der letzten Wochen sechs Tage überfällig.

jetzt ganz vergessen zu haben. Und wenn auch. Das änderte doch nichts an Der Tatsache, daß er für feine Dienste bezahlt worden war.

Dagmar fand nicht gleich eine Erwiderung auf Die Worte ihres Vaters: auch fürchtete sie, ihn weiter zu reizen. Sie konnte sich kaum entsinnen, ihn jemals so energisch gesehen zu haben. So sagte sie Denn nur:Ich weiß gar nicht was ihr eigentlich wollt? Ihr tut wirklich, als ob es auf Der gasigen Welt keinen zweiten Menschen gäbe. Der dem Baron gliche Ich ich denke darüber anders und Das habt ihr mir ja vorhin selbst erlaubt."

Gewiß." stimmte der Graf ihr bei,denken kannst du was du willst, wenngleich es mich betrübt, daß Du nicht unsere Ansichten über ihn teilst. Aber fei mit Deinen Aeuße­rungen in Zukunft vorsichtig, du könntest mich sonst leicht ernstlich erzürnen."

Dagmar wandte sich ab. Und unter einem Vorwand ver­ließ sie bald das Zimmer, um mit sich und ihren Gevankev allein zu sein.

Von dem Augenblick an, da der NameClaire" genannt wurde, hatte auch sie die unklare Empfindung gehabt, als ob Der Baron sich mit ihr verloben werde sie hatte sick ab­sichtlich mit keinem Wort an der Unterhaltung beteiligt, um ihn nicht dadurch zu einer vielleicht nicht ganz ernsthaft ge­meinten Aeußerung zu verleiten; sie hatte sich Darauf be­schränkt, eine sehr aufmerksame Zuhörerin zu fein.

Aber nun stand sie doch dieser Tatsache gegenüber, ohne sie zu begreifen.

Ihr erstes Gefühl war das des befriedigten Stolzes ge­wesen. Er hatte das Nutzlose seiner Bewerbungen, feine: Bemühungen um sie ekngesehen, er war zu Der Erkenmni- gekommen, daß eine Komtesse Dagmar für ihn nicht zu Haber war, und hatte sich nun seine Braut in jenen Kreisen gesucht auf Die derHerr Baron" Eindruck machte.

Aber sie belog sich selbst wenn sie sich einrebete, über die­sen Ausgang Des Kampfes glücklich zu fein. Wohl hatte sie sich den Sieg gewünscht, und wenn sie auch in Der letzter Zeit manchmal Daran gezweifelt hatte. Daß sie Siegerin blei­ben würde, so halte sie sich den Triumph über ihn Doch ander- gedacht! Daß er den Kampf aufgab und sich einfach mit einer anderen verlobte, das ließ sie doch eigentlich mehl als Besiegte, denn als Sieaerin Dafteben. -= i_ (HMschun« Met )