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(B o n unsere m ständigen M i i a r b c! l e r.)

Berlin, 15. März.

Der Kluge lebt vom Dummen und der Dumme lebt von seiner Arbeit das ist, nach Erwin Rosen, dem Deutschen Lausbuben in Amerika", ein amerikanisches d-nibvort. .Nun, es könnte ebensogut ein chinesisches oder fraiizöf.schcs, ein hindostani'ches oder deutsches Sprich­wort sein, und man muß sich eigentlich wundern, daß es nicht in allen Sprachen der Welt vertreten ist. Denn seine Weisheit ist denkbar international. übrigens gehört gar nicht einmal so übertrieben viel Klugheit dazu, um von dem Heer derer zu leben, die nicht alle werden. Sonst wäre es ja nicht möglich, daß bestimmte Methoden in der Ansin-tzuug der Dummen zeitweise eine geradezu epide­mische Verorettung finden und hundertfach zur Anwen­dung gelangen, bis endlich, endlich das liebe Publikum Werks. daß es wieder einmal der Summe war. Es gab eine Zeit für Wettkonzerne, an die wir uns noch recht > nt erinnern; cs gab eine Saison der sogenanntenPreis- rätsel", cs gab, verläßlichen Nachrichten zufolge, in diesem Ballwinter einen noch nie dagewesenen T o in b o l a - r H in in e l. Augenblicklich war eine neue Seuche ausgesucht, das S cii a u h u n g c r n. In Paris begann einer damit, ließ sich im Nebenzimmer eines Restaurants in einen großen Glasläiig versiegeln, versehen mit Zigaretten und Selterwasser, Rasier- und Radioapparat, Nagelfeile und Zahnbürste, hatte mächtigen Zulauf, wurde gefilmt, inter­viewt und sonst noch was: und schon fand er in Italien, in &merika und in Berlin Nachahmer. In Berlin war Jolly" der erste, der sich ein Restaurant zur Stätte womeulanoer Enthaltsamkeit wählte, aber dann wuchsen die G'askästen wie Pilze nach dem Sommerregen. Sogar eine Dame, die ausnahmsweise nicht in einem Restaurant, sondern am Drahtseil über der Manege im Zirkus Busch hungert. Icll'h ließ am zehnten Tag seiner Hungerkur verkünden, allein von der Lustbarkeitssteuer ans den Ein­trittsgeldern, die er bisher abgeführt habe, könne die Siadt Berlin ihren ersten Bürgermeister ein Jahr lang be-- folden. Also ein einträgliches Geschäft. Nur nicht mehr in Berlin. Hier hat cs der Polizeipräsident eben verboten. Doch Deutschland ist groß und es brauchen ja nicht gerade Vic Berliner zu sein, denen man das Geld aus Tasche zieht!

Wir sind auch sonst sehr helle in Berlin. Nur die Berliner Wälder sind des Nachts stockduster. Diesem sihelstand abzubelfen, ließ kürzlich ein amu beiondcrs

Heller das Lickst seine? Gesstes weithin leuchten und nnier- breitete der Lffentlichkeit folgenden Vorschlag: Man möge doch endlich auch die Natur unter die Bedürfnisse der Zivilisation beugen und im nächtlichen Grunewald für ausreichende Beleuchtung sorgen! Ausreichend, das heißt nicht etwa, daß man über den Wegen elektrische Birnen auf- bammeln und damit die Romantik der Gruuewalduächte zerstören solle. Oh nein!Am Waldcsdunkel soll man nicht rütteln", sagte treffend und geistvoll der geniale Er­finder. Denn er wußte viel Besseres. Wozu gäbe cs den» Leuchtfarben, wenn nicht, um die Wegweiser im Grune­wald damit anzustreichen? Man bemale doch einfach sämt­liche Tafeln und Markierungen in Leuchtfarben und dem Sonntagabend- und Sommernachtspublikum ist auf den Weg geholfen. Ich glaube nur nicht, daß sich die Stadt Berlin zu dieser lichtbringenden Maßnahme entschließen wird. Denn, zugegeben, in warmen Sommernächten ge­raten so manche Grunewaldbesucher vom geraden Wege ab und gehen abseitige Wege aber cs fragt sich doch sehr, ob solchenVerirrungen" mit Leuchtfarben abge- l)olfen werden kann.

Die Großstadt ist das gegebene Betätigungsfeld leider nicht nur für solche ziemlich harmlosen und uuschädsjchhu 5htSgeburten menschlicher Verdrehtheit, sondern auch der günstige Nährboden für Abweichungen weit ernsterer, ge- sährlichercr Na'ur. Aller paar Tage, und in der letzten Zeit wieder mit besonderer Häufigkeit, stößt man in den Spalten der Zeitungen auf die Überschrift:Ein Unhold". Die Überschrift kehrt so oft wieder, daß sie fast zu einer Rubrik für sich geworden ist. Und sie meint nicht etwa irgendeinen Menschen von übler GHinnung, wie es der Wortsinu wäre, nein, dieser ursprüngliche Aortsinn ist in Ter Sprache der Berichte eingeschränkt und auf den im Großstadtleben so häufigen Typ des Verbrechers begrenzt, der sich an Kindern vergeht. Die Notwendigkeit, sich für oicscii Typ eine besondere Bezeichnung zu prägen, ihm ei't Rubrum zu erteilen, unter dem man ihn einordnet, wo et zu registrieren ist, diese Notwendigkeit allein sollte cr- fchrecken machen. Es gibt unter den Verirrungen rc6 menschlichen L'beus kaum eine verabscheuungswürdigere als die des Angriffs auf Kinder. Und gerade Diese Scheußlichkeit gcoeiht im Großsthdtleben am üppigsten, weil sie sich Der Aufmerksamkeit und Kontrolle am leich­testen entzieht. Und stets ist cs nur ein Zufall, Der das schmutzige Treiben offenbar werden läßt. Wie vieles geschieht, ohne daß je die Öffentlichkeit davon erfährt? Sie sind überall und auf allen Wegen, dieUnholde", und das ist einer Der dunkelsten Flecke im Bild Der Großstadt.

Ernstek - -

Wett und WissLN.

w Masernimpfüng. Wie es einen Pockenlmps;wp«g , wird es in Hufiinh vielleicht auch einen Mase-nimpszwän«' be». Dänischen Ärzten soll es gelungen sein, ein Serum -r= stellen, datzeine Masernausteckung bei Kindern mit Siche üe.I hüwi. Der Kopenhagener ftinbcrar;t Dr Wulji batte na.crnfraiifen Kindern sieben bis neun Toge, nachdem , ficberirei waren, ein Serum gewonnen, mu dem er audr » Kinder, lei denen die Anflcckung-gemS bestand, impfte. < - zeigte sich, daß die geimpften Minber last ausiiahnitos von Kranlheii uerfdjont blieben. Zwei andere Ärzie, die dann iBerfuctie tu großem Maßstabe fortfeyten, erzielten bagfet^ Supstige Ergebnis. Es scheint allerdings, als ob die Jmmm nitat nur wenige Monate daure, aber man hätte es jebenfaß? in der Hand, das Ausbrccheii einer Masernepidemie durch in. forttge Impfung aller gefährdeten Kinder zu verhüten, so has in Zukunft die Masern nicht mehr zu den Krankheiten, die jedes Kind gehabt haben muß, gezähli werden dürften.

KSKSraBK!»

BMKMSBKX

Amtlicher Teil.

L Erinnerung.

Die Herren Bürgermeister der Gemeinden mit Gemein^ Rechner, die mit der Einreichung der Abschrift der Verhandlunz über die außerordentliche Kassenprüfung zufolge Nundschrcil>eii vom 8. 2. ds. Js. K. 625 sowie mit der Berichter-staitung über die Geschäftsführung des Gemeinde-Rechners gemäß Rund­schreiben vom 19. 2. ds. Js. K. 829 bzw. vom 2. 3. ds. Fs. (Ful­daer Zeitung No. 56) noch im Rückstände sind, werden hieran m>t beet tägiger Frist erinnert.

Fulda, den 13. März 1926.

Ter Vorsitzende des Kreis-Nusschusses: I. A. Scholz,

Bekanntmachung.

Die Geschästsaufsicht zur Abwendung des Konkurses über das Vermögen der Firma Karl Manz, Fulda, wird angeordnet.

Zur Gcschästsaustichlspcrson wird der Kausmann Baun, Fulda, Heinrichstr. bestellt.

Fulda, den 15. März 1826.

Amtsgericht. Abteilung 5.

Vietzseuchennachrichten.

Erloschen ist die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Breitendach Kreis Schlüchtern.

Verantwortlich für die Schriftleitung: Dr. rer. pol. Karl Krömmelbein -Fulda.

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Otto Schneider -Fulda.

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