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Fuldaer Anzeigers

Fulda Blatt 2 |

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Sür. 53

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Fulda, 9. Mürz

1926

Dom Evangelischen Kirchenausschutz.

Borlin, 5, März. Dem in Berlin versammelten Deutschen k-oan^lischen Kirchenausschutz lag in der heutigen Sitzung ein Antraa beider evangelischen Kirchen Oesterreichs augsburgischer »nd helvetischer Konfession aus Anschluß an den Bund der deut- I Landeskirchen vor. Der Kirchenausschutz nahm von diesem Antrag mit lebhafter Freude Kenntnis und erteilte die notwen- dioen Ermächtigungen zur Fortsetzung der Verhandlungen be- bms Herbeiführung eines endgültigen Zusammmenschlusfes. Außerdem wurden genehmigt die Anschlutzanträge der deutsch- evavaelischen Kirchengemeinden in Kobe. Jerusalem, Oslo, G-nf, Madrid, Barcelona sowie der südwestafrikanischen Ge­meinden, die bisher unter dem evangelischen Oberkirchenrat der aUvreutzischen Landeskirche standen, Windhoek, Swakopmund und andere. Anschließend an die Beratungen des Schulaus- Musies wurde erneut der Ruf nach baldiger Verabschiedung des Reichsschulgesetzes erhoben. Als die Ultima Ratio jedoch, erst wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind, wurde der Weg des Volksentscheides bezeichnet. Der Kirchenausschuß beschäs- tigte sich ferner mit den Vorbereitungen für den nächsten Kir­chentag. U. a. liegt ein Antrag aus Ostpreußen und der Stadt Königsberg vor, das Bundesparlament dorthin einzuberufen. Die Verhandlungen dauern an.

Kassel, 6. März. (Besprechungsabend des Evan- . gelischen Bundes.) Hier fand im Evangelischen Vereins­haus ein Vesprechunssabend des Evangelischen Bundes statt. I Den äußeren Anlaß dazu gab die große öffentliche Versamm- i lung vom 21. Februar, in deren Mittelpunkt ein Dortrag des ! Bundesdirektors, Studiendirektor Fahrenhorst-Berlin, überDie ; gegenwärtige Lage des Protestantismus" stand. Man wollte sich über das gehörte ausfp,-rechen, Der Vorsitzende, Prof. Dr. Jacob, begrüßte die Erschienenen und wies in seiner Eröff­nungsansprache auf die wichtigsten Punkte des oben genannten Vortrags hin, woran sich eine lebhafte Aussprache anschloß. Kenn zeichnend für die jetzige 'konfessionelle Lage sei die äußerst rege Propagandatätigkeit der römischen Kirche. 11. a. wurde ein Fall erwähnt, der vor kurzem in Essen die Gemüter erregte, wo ein katholischer Landgerichtsdirektor Bruckner einen 16jährigen jungen Menschen, mit dem er zufällig im dortigen Stadtgar­ten bekannt wurde, hinter dem Rücken seiner Eltern dem dor­tigen Jesuitenkloster zuführte, wo er katholischen Unterricht be­kam, mit dem Enderfolg, daß der junge Mensch sich heute körper­lich u. seelisch erkrankt in einem Sanatorium befindet. Viel be­klagt wurde das Verhalten der römischen Kirche in der Mischehen frage. Wenn die aus einer solchen Ehe hervorgegangenen Kin­der als für ewig verloren Eingestellt würden, wie dies an ein« zclnen Fällen n'achgewiesen wurde, so schaffe man dadurch eine Stimmung, die ein friedliches Nebeneinander der Konfessionen einfach ausschlietze. Hingewiefen wurde auch auf die Zu­nahme der Klöster in Deutschland. Seit dem Jahre 1918 seien 988 Neugründungen vorgenommen worden. Mit Recht wurde von einem Redner gefordert, daß der Protestantismus mehr (Einfluß auf das öffentliche Leben gewinnen müsse. Trotz sei­ner fr^n kulturellen Bedeutung sei sein politischer Einfluß im Vergleich zu dem des Zentrums verschwindend gering. Das mache sich gegenwärtig auf dem Gebiet der Veamtènpolitik ganz besonders geltend. Anders könne dies nur dadurch werden, daß die evangelische Bevölkerung sich einmütig hinter den Eoan- gestschen Bund stelle. Wir brauchten heute einen wachen Pro­testantismus, der bei aller Friedensliebe in Achtung einer anderen religiösen Ueberzeugung sich entschlossen für die deutsch-protestantischen Lobenswerte in der Öffentlichkeit ein«

l (Swaargr wurde auch vor den Seiten, die die evange­lischen Kirchen zu schwächen suchten man müsse sich klar machen, daß der deutsche Protestantismus mit unseren evangelischen Landeskirchen stehe und falle. Die Versammlung bot für die Teilnehmer reiche Anregung.

Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten.

Nur 84prozentège Vorkriegseinfuhr. Der deutsche Außenhandel ist 1925 zum ersten Male seit 1922 lückenlos erfaßt worden. Seit dem 10. Januar 1925 ist auch die ; Meistbegünstigung weggefallen. Trotzdem hat sich ein Ein- : fuhrüberschuß von 4,3 Milliarden Eegenwartswert oder 3,6 ; Milliarden Vorkriegswert ergeben. Die reine Warenein- , fuhr überstieg mit 12,4 Milliarden Eegenwartswert die

Einfuhr von 1913 mit 10,8 Milliarden. Bewertet man aber die heutige Einfuhr mit den Preisen von 1913, so be­trägt sie nur 84 Proz. der von 1913. Die Rohstoffe waren einst mit 58 Proz. und sind jetzt nur noch mit 50,5 Proz. beteiligt. Zugenommen hat die von Rohtabak, Holz, Kaut­schuk, Mineralölen, Kupfer und Blei. Eisenhalbzeug wurde infolge des Verlustes von Elsaß-Lothringen, Ost-Ober­schlesien und Luxemburgs fast das Zwanzigfache wie 1913 eingeführt. Den größten Einfuhrüberschuß mit 4,5 Mil­liarden haben nach wie vor Lebensmittel und Getränke. Rach dem Vorkriegswert ist er aber um 39,8 Millionen zurückgegangen. Da im ganzen Ueberschußgebiete verloren gegangen sind, ergibt sich eine Einschränkung der Lebens­haltung.

Frankfurt a. M., 7. März. (Zum Leichenfund bei Niederrad.) Zu dem kürzlichen Leichenfund an der Niederräder Schleuse ist jetzt festgestellt worden, daß es sich um den seit 1. Februar vermißten Postschaffner Schä­fer aus Marburg handelt. Wie aus Marburg berichtet wird, soll kein Selbstmord vorliegen. Es sei im Gegenteil mit Sicherheit anzunehmen, daß Schäfer einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Man habe an dem fraglichen Abend an der Unglücksstelle Hilferufe gehört. Eine Unter­suchung ist im Gange.

Frankfurt a. M., 7. März. (Frankfurter Frühjahrs­turnier.) Das große Frankfurter Frühjahrsturnier, das ge­stern und heute stattfand, hatte eine außerordentlich starke Teil­nahme von erlesenem Pferdematerial aus dem ganzen Reich« gefunden, trotzdem der Stall Langen, der bekanntlich der größte Turnierstall Deutschlands, in letzter Stunde abgesagt hatte. Das Hauptereignis, der Preis vom Parkhotel, ein Jagdspringen mit einem Ehrenpreis für den Sieger und Geldpreisen in Höhe von 1200 M, wurde von Graf Hohenau aufSemper Avanti" aus dem Stalle Bett mit null Fehlern gewonnen. Zweiter wurde OppenheimersLady Prico' , dritter Paul HeilsPreuhe". Be­sonders beifällig wurde das Reiten der Jugendlichen unter 16 Jahren ausgenommen. Es haben sich auch einige Stürze,, jedoch durchaus harmloser Art, ereignet. Von .sonstigen wichtigen Prü­fungen sind hervorzgrheben: Preis v. Niederrad: Leichte Klasse: 1. Irmgard v, Opel aufAristokrat"; schwere Klasse: Prinz Sigismund von Preußen aufEis"; Preis des Frankfurter Rennklubs: Oberleutnant Gerhard aufZeppelin"; Preis des Frankfurter Renn- und Fahrklubs: Prinz Sigismund von Preußen aufJurist"; Paarklasse: Prinz und Prinzessin Sigis­mund von Preußen aufCis" undPrometheur". Die Haupt- prüfung am Samstag, der Otto Koch-Erinnerungspreis, wurde von Oberleutnant Andreae aüf Oppenheimers'Zwergkönig" gewonnen, während der Preis vom Frankfurter Tatterfall an BohnstedtsBana-Heri" fiel.

Mainz, 6. März. Vor einiger Zeit war hier der kleine Sohn eines französischen Gendarmen namens Barthe am Rande eines durch Unwetter hochgehenden Wassergrabens ausgeglitten und hineingefallen. Er wurde von der Strömung erfaßt und fortge- riffen. Auf die verzweifelten Hilferufe seiner Schwester stürzte der zwölfjährige deutsche Knabe Axenkopf hinzu und warf sich obwohl völlig bekleidet und dadurch zum Rettungswerk stark behindert, in die Flut. Er erhielt von dem französischen Gene­ral Euillaumat einen Brief, in dem er öffentlich belobigt wurde. Außerdem hat ihm die französische Militärbehörde eine größere Summe Geldes für ihn und seine Mutter zugestellt.

Hofheim i. T 7. März. (Hunde als Versteige­rn n g s g e g e n st ä n d e.) Im Auftrag der Vollstrek- kungsbehörde wurden hier wegen rückständiger Steuern 10 Hunde zwangsweise ihren Besitzern verkauft. Auch in Frankfurt werden in den nächsten Tagen zahlreiche Hunde zwangsweise im Auftrag der städtischen Steuer­kassen versteigert.

Limburg, 7. März. (Seltsamer Diebstahl.) In Mittelfischbach wurde aus der Schule die schwere eichene Treppe gestohlen. Die Treppe konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Schweinfurt, 7. März. (Billige Butter.) Auf dem hiesigen Wochenmarkte kostete Samstag das Pfund Butter 1.10 R.-^t ( in Frankfurt 230 R.-^t), das Ei wurde mit neun Pfennigen bezahlt.

Neuses, 7. März. (V i e r t r i u k e r st r e i k.) Die hie­sigen Essnwohner wollen solange auf den geliebten Bier­genuss verzichten, bis der Preis fürdie Maß" nicht auf 30 Pfennige herabgesetzt ist. Vis dahin muß sich jeder Biertrinker gegen eine Strafe von fünf Mark Buße an den Kirchenbauverein verpflichten, sich des Biergenufses zu enthalten.

Bad Dürkheim. (Die Tragödie des Entlasse- n e n.) Der schon über 30 Jahre bei der Firma Cordier, Papierfabrik (Jägertal) beschäftigte 89jährige Papier­

arbeiter Franz Möllert beging gestern Selbstmord, da er wegen Lieferung von angeblich minderwertigerem Papier entlasten worden war.

Eisenach, 6. März. (Eine Schaufpielertragö- d i e.) Vor einigen Tagen ist die beim hiesigen Stadt­theater beschäftigte Schauspielerin Karin Strahl plötzlich spurlos verschwunden. Gestern wurde nun der 21jährige Schauspieler Hans Martin, der mit der Vermißten ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, in seiner Wohnung erschossen aufgefunden. Abends zuvor hatte er noch auf der Buhne mitgewirkt und sich in heiterer Stimmung nach­hause begeben. Martin hat seinem Leben, wie aus einem Briefe an seine Eltern hervorgeht, freiwillig ein Ende ge­macht. Der hiesige Theaterbetrieb ist dadurch in schwere Bedrängnis geraten.

Nah und Kern.

O Ein blutiger Zusammenstoß mit Wilderern. Von der in dieser Beziehung übel berüchtigen holländischen Grenze wird über einen blutigen Zusammenstoß mit Wilderern berichtet: In den Wäldern bei Twisteden stieß der Jagd- und Forsiauf- scher Rudolf Zell auf fünf holländische Wilddiebe, welche auf deutschem Gebiete jagten. Dem Zuruf:Hände hoch, Gewehr ab!" leisteten die Verbrecher keine Folge. Daraufhin gab der Jagdaufseher einen Schreckschuß ab. Als ein Wilddieb eine Kugel an Zell vorbeijagte, streckte dieser den Wilderer nieder. Nach den polizeilichen Feststellungen log dessen Gewehr in der Blutlache. Der Wilddieb wurde von seinen Helfershelfern über die nahe Grenze getragen und liegt in dem holländischen Dorfe Siebengewald besinnungslos darnieder.

0 Vereiteltes Attentat auf den Berlin Münchener Schnellzug. Die Neichsbahndirektion München teilt mit' E der Nacht vom 7. zum 8. März wurden südlich der Statton Munchen-Moosach, etwa 150 Meter vor dem Ein­fahrtssignal in der Nähe der Hartmannshofener Über­fahrt, zwei Eisenbahnschwellen quer über das Gleis gelegt.

um diese Zeit fällige Berliner Schnellzug D 25 kam glücklicherweise nicht zur Entgleisung. Für die Ergreifung des Täters wird eine Belohnung von 1000 Reichsmark ausgesetzt.

0 Eine organisierte Schülerdiebesbande. AIs Urheber von zahllosen Ladendiebstählen und Schaukästeneinbrüchen, du seit langer Zeit in E b e r s w a l d e in der Mark vor­kamen, ist-es jetzt drirch Zufall der dorttgen Kriminal­polizei gelungen, sieben Volksschüler, die unter dem Vor­wande, Kienholz zu verkaufen, Lebensmittel- und Textil­warengeschäfte plünderten, zu verhaften. Die Jungens, die durchschnittlich 11 bis 14 Jahre alt waren hatten eine richtige Räuberbande organisiert und planmäßig ihr Diebstähle und Einbrüche ausgeführt.

O Wiederverhaftung des Bandenführers Görisch Ein vefährlkcher Räuber, der 25 Jahre alte Techniker Paul r i sch , konnte nach kurzer Gegenwehr von Beamten der Berliner Kriminalpolizei, Abteilung la, in Berlin ver­altet werden. Görisch gehörte der berüchtigten Pkettner- Bande an. Den Räubern fielen seinerzeit große Summen baren Geldes in die Hände, das sie angeblich für Partei­zwecke verwendeten. Görisch war im Juni aus dem Braunschweiger Zuchthaus ausgebrochen.

0 Das berühmte Shakespeare-Theater in Stratford on Avon ist durch Feuer zerstört worden. Von dem Gebäude sind nur noch die Mauern übriggeblieben. Immerhin ist es gelungen, die Manuskripte und wertvolle Erstausgaben sowie mehrere Gegenstände, die dem Dichter gehört haben sollen, zu retten.

0 Ein Schloß mietfrei abzngeben. Der berühmte Fulham-Palast in London, die historische Residenz der Bischöfe Londoms, ist auf der Suche nach Mietern. Der Besitzer, Bischof Dr. Ingram, der in diesem Jahre in Kanada eine Werbetätigkeit auszuüben hat, erklärt sich außerstande, mit zehntausend Pfund jährlich den Palast weiterzubehalten. Er bietet das Schloß mietfrei aus, je­doch müßte der betreffende Bewohner die Steuern usw. bezahlen sowie das Personal unterhalten. Bis jetzt hat sich noch kein Interessent gemeldet. Der Palast ist zur Zeit der Regierung Heinrichs VII. erbaut worden.

0 Sturmkatastrophe im Golf von Neapel. Die Küste von Sizilien und der Golf von Neapel wurden von schweren Stürmen heimgesucht, die 11 Todesopfer forderten Sechs Fischerbarken kenterten, der Sachschaden ist sehr groß. Der Wind erreichte eine Stundengeschwindigkeit osn 80 Seemeilen

Ditz von Gründingen.

Humoristischer Roman von Freiherr v. Schlicht.

Copyright 1925 bq Oskar Meister. Verlag, Werdau,

36) (Nachdruck verboten.)

Alexa wußte, daß die Schwester die Schuld trug, daß bei Landrat noch ledig war. Er hatte selbst ost scherzend davor gesprochen und erklärt: selbst wenn er eine Göttin an Schön­heit, Klugheit, Anmut und allen anderen möglichen und un­möglichen Tugenden seiner Schwester zuführen und erklärer würde: das ist meine Braut, selbst dann würde sie sagen: du ist für dich noch lange nicht gut genug. Und sie würde ihn keine Ruhe lassen, bis er ihr zuliebe doch wieder frei und un­gebunden dastand.

So hatte ich also doch recht, wenn ich annahm, daß er sich nur Habilitieren ließ, weil er sich verheiraten will," dachte die Gräfin.

Aber auch da hatte sie unrecht. In Wirklichkeit hatte er einen ganz anderen Grund, der ihn veranlaßt hatte, darun zu bitten, daß ihm der Adel, der früher schon einmal in feinet Familie erblich gewesen war, von neuem verliehen werde Er konnte sich nicht darüber täuschen, daß fein bürgerliche: Name ihm für eine Karriere, wie er sie sich dachte, doch eil Hindernis war. Gewiß, auch Bürgerliche brachten es zun Minister. Aber trotzdem: schaden konnte der Adel keines­wegs, und damit war ihm auch hie Möglichkeit gegeben, n die nächste Nähe der maßgebenden Persönlichkeiten zu kom mcn. mit ihnen in direkte Berührung zu treten.

Er wollte Karriere machen, weil er die Arbeit liebte, uni weil ihn die praktische Verwendung seiner Kenntnisse unt Fähigkeiten reizte, und da war ihm der Adel nur förderlich

®r begründete fein Gesuch mit der Motivierung, daß voi vielen Jahren in feiner Familie der Hannoversche Militärade erblich gewesen fei, daß er aber später von dem preußischer Heroldsamt nicht anerkannt wurde. Trotzdem hätte er viel leicht kein Gehör gefunden, wenn man nicht schon in Berlir an maßgebender Stelle auf ihn aufmerksam geworden wäre

Zum Teil hatte er allerdings auch Alexas wegen um bet übel nachgesucht. Als feine Schwester ihm vor einigen Mo unten davon sprach, daß sie doch wohl dem Werben ihre« alten Verehrers nachgeben werde, da war fein erster Gedank, gewesen, nun auch zu heiraten. Er hatte im Geiste Umschar gehalten unter allen jungen Damen, die er kannte und Mr iljn in Frage kamen, und immer wieder mar er auf Alcxc zurückgekommen. Eine bessere Frau als die konnte er fid >iad) feiner Meinung gar nicht wünschen, aber er verkannt: Oie Schwierigkeiten nicht, die sich ihm, dem Bürgerlichen, ent

qegenstelllen, wenn er die Absicht zeigen wurde, ernstlich um sie zu werben. Daß Alexa, falls sie ihn jemals lieben sollte, an feinem bürgerlichen Namen Anstoß nehmen würde, hielt er für ausgeschlossen, ober er kannte die starren Ansichten der Gräfin uni) den Einfluß, den sie auf ihren Mann ausübte, obgleich oder vielleicht gerade weil der sein freier Herr war und tun und lassen konnte, was er wollte---

War er aber nobilitiert. so würbe die Gräfin ihn zwar auch noch nicht als ihresgleichen anfeben, aber dann war doch we­nigstens die Möglichkeit vorhanden, daß sie sich mit Würde in das Unvermeidliche fügen würde.

Natürlich war der Landrat auch Leutnant der Reserve. Er hatte bei einem sehr feudalen Kavallerieregiment gedient, und trotzdem er damals nichts in die Wagschals zu werfen hatte als" feinen bürgerlichen Namen und feine Millionen, war er doch bei feinem alten Regiment Offizier geworden, und ei erzählte jetzt von einem Herrenabend, den er noch vor we­nigen Tagen dort mitgemacht hatte. Auch zwei königlich« Prinzen hatten daran teilgenommen, und von denen kam das Gespräch auf den Hof, auf einige neue harmlose Kaiseranek­doten und schließlich auf die Vorliebe des Herrschers für den Automobilsport.

ISie werden sich schon auch noch bekehren lasten, Herr Ba­ron," meinte der Landrat.Oder stehen Sie dem moderner Kraftwagen noch immer so ablehnend gegenüber wie damals, als wir am ersten Tage unserer Bekanntschaft davor sprachen?"

ISie haben mich ganz falsch verstanden, Herr Landrat. Ick habe die Wichtigkeit des Automobils nie verkannt, aber keine, selbst nicht die schönste Automobilfahrt bietet mir einen Erlaß für das Vergnügen, ein paar feurige Jucker zu lenken, ober nun gar erst einen schönen Gaul zu reifen."

Ganz meine Ansicht, lieber Baron," stimmte der Graf ihm bei,und ich meine: wir alten Kavalleristen haben die Pflicht, die den Gäulen gelobte Treue bis an den Tod zu hal­ten, und wer seinen Pferden die Beine abschraubt und sie auf Kammer gibt, der sündigt an dem herrlichsten Geschöpf, das der liebe Herrgott nächst dem Menschen hat auf die Welt kom­men lassen.

Bravo, Herr Graf," rief der Baron.

Aber der Landrat erhob abwehrend beide Hände:Meine Herren, verzeihen Sie das harte Wort: Sie reden von Din­gen. die Sie nicht verstehen. Sie, Herr Graf, haben mir zu wiederholten Malen erklärt, feine Macht der Erde brächte Sie je in ein Automobil, und Sie, Herr Baron, sagten ein­mal: ich vermeide es soviel wie nur möglich, mich in ein Auto zu setzen. Ja, meine Herren, wie wollen Sie denn da Freude und Lust an dem neuen Sport bekommen, wenn Sie UlP oar nicht Äleaen? ^Wip soll ich Sie denn da bekehren?"

Aber wir wollen uns doch auch gar nicht bekehren lasten/ riefen der Baron und der Graf fast gleichzeitig, und der Graj fing noch einmal an:Wir alten Kavalleristen---"

Er fand das Wort sehr schön, er berauschte sich gewisser­maßen daran, und sicher hätte er eine begeisterte Rede übet seine kavalleristische Tätigkeit gehalten, trotzdem er sie, so­lange er im Dienst war, täglich verwünschte, wenn der Land­rat ihn nicht unterbrochen hätte.

Ich bin doch auch Kavallerist gewesen, Herr Graf. Sein« Majestät ist doch auch ein leidenschaftlicher Reiter. Ich er­innere Sie nur an feine Teilnahme an den Parforcejagder und an die großen Kaoallerieattacken, die er in jedem Manö­ver selbst anführt. Aber das eine schließt doch das ander« nicht aus. Ich will Ihnen sogar entgegenkommen. Ihnen ge stehen, daß ich mir das Automobil zuerst nur kaufte, weil ec Mode war und weil ich es satt hatte, mich danach fragen zr lassen, wann ich mir einen Wagen kaufen würde. Aber seit­dem ich ihn habe, liebe ich ihn mit allen Fasern meines Her­zens."

Und Ihre schönen Gäule stehen unterdessen im Stall unt bekommen dicke Beine," schalt der Graf.Sie werden stet und lahm. es ist ein Jammer."

Der Landral wurde ein klein wenig verlegen:Sie haber vielleicht recht. Das Klügste wäre es schon, die Tiere zu ver­kaufen, ober ich kann mich doch nicht von ihnen trennen Sie wissen übrigens, Herr Baron, daß Sie mir noch einer Besuch schuldig sind, eigentlich weniger mir, als meinen Stall. Es würde mich aufrichtig freuen, Ihnen meine Pferd« einmal Dorreiten und vorfahren zu lassen. Wenn es Ihn er recht ist, lasse ich Sie einmal zu mir abholen. Mein Kutschei wird froh fein, wenn er mal endlich wieder jemand jahrer darf."

Der Baron erklärte sich sehr gern zu dem Besuch bereit dann aber fragte er:Ist es nicht auch ein Unrecht aeger Ihren Sutfdter, daß Sie dem gar keine Arbeit mehr gebens Er verlernt das Fahren, und wenn es später ein Unglück gibt was dann? Auch die Pferde wollen täglich im Geschirr gehen: spannt man die nur alle paar Wochen ein, dann wer­den sie unruhig und machen Dummheiten."

(Fottsctzung folgt.)

Heiteres.

Suse ist, seit sie einen Kindcrzarten besucht, sehr artig ge­worden. Eines Tages brennt Suse darauf, der Mutter das heute gehörte 91?ärchen von der Goldman« und Pechmane wie­derzuerzählen. Steil im Stuhl sitzend, schildert sie mit empör­ten Augen die Goldmarie am Spinnrad:Und die döse Stief­mutter ließ die arme Goldman« von fnih bis abends Spinnst drehen!" Kl. H.