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FuKaer AWAgsr

I Fulda Blatt 2

Nr. 44

Fulda, 26. Februar

1926

MäLMismonopol?

Börsenhausse. Die Clektrowerie zeigen schon seit Wochen an den Maklcrtascln das 4 r oder gar das + + +, b. h., sind außerordentlich begehrt. Was geht vor? Man munkelt von gewaltigen Zusammenschlüssen, bei denen die Allgemeine ElektrizitätsgeseAschast eine führende Rolle spielt. Wie schon einmal vor 15 Jahren, als-sie um ein Haar Monopollieferant für Groß-Bèrlin geworden wäre. Großkraftwerk ist überhaupt seit Jahren Trumps. Da ist — wohl als größtes — das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswerk in Essen, dessen Aktien in ihrer Mehrheit übrigens der „Vereinigten Industrie A.-G.", der „Viag" gehören, jener Gesellschaft, in die jetzt die R e i ch s b e t r i e b c zum größten Teil aufgeben und deren Kapital wieder größtenteils im Besitz des. Reiches ist. Das Netz des Rheinisch-Wcstsälischen Elek­trizitätswerles reicht von Boun bis zur holländischen Grenze, von Osnabrück bis Aachen. Da ist daun weiter das modernste Werk, Zschornewitz—Golpa, das Berlin mit Strom versorgt und gleichfalls reichseigen ist Da ist ferner das ehemalige oberschlesifche Werk Chorzow, das jetzt in Ostoberschlesien liegt, über dessen Verwendung aber gerade jetzt, vor dem Schiedsgericht, im Haag gestritten ivird. .Da sind die Waschen seewerke in Bayern», die Städtischen^ Elektrizitätswerke in Berlin — aber größer als dieses ist z, B„das der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" ober der Chemischen Werte Griesheim-Elektrom. Fast 8»»z staatlich monopolisiert ist die Elektrizitätsversorgung in Sachsen, staatlich sind auch die Ostpreußischeu Elektrizi­tätswerke. Im ganzen gab es 1913 4000 Elektrizitäts- betriebc mit Eigenerzcugnng, jetzt aber nur noch 3000.

Rationell wird der Einzelbetrieb, wenn als Be- triebsmaterial in unmittelbarster Nähe Braunkohle oder Wasserkraft vorhanden ist. Volkswirtschaftlich aber ist dar­über hinaus eine enge betriebsorganisatorische Verbin- sung zwischen den Betrieben der verschiedenartigen Stand­arte notwendig, um schnellstens Ausfälle bei Stromliefe- rttng ausgleichen zu können. Also die Möglichkeit des Stromaustausches. Das wird erschwert, weil der ge­mischt-wirtschaftliche Betrieb, also die finanzielle Einfluß­nahme des Reichs, der Länder oder namentlich der Kom­munen, die Regel ist.

Der preußische Handelsminister, Dr. Schreiber, hat sich nun über die Ausgaben, und zwar die. volkswirt­schaftlichen Aufgaben des Staates bei der Elektrowirt­schaft geäußert. Ohne weiteres ist die Absicht zu billigen, jene oben angedeutete Verbindung zwischen den Elcktri- zitätsbetrieben herbeizuführen, die je nach ihrem Stanv- ort mit Braunkohle, mit Steinkohle oder mit Wasserkraft arbeiten. Und ebenso richtig ist die zweite Absicht, zwischen den einzelnen Zentralwerken einen technisch jetzt möglichen Zusammenhang zu bilden zwecks gegenseitiger Unter­stützung; grundsätzlich steht der Minister übrigens auf dem Standpunkt einer schärfsten Trennung dieser Jntcr- essenreviere.

Nun laufen aber die verschiedenen Wünsche der Kommunal verbände — meist der Provinzen — oft genug wild gegeneinander. Und die „Eleltrowerke", deren Aktien gleichfalls zum größten Teil dem Reich gehören, die aber größere Pläne einer neuen ausländi­schen Kapitalsinvestierung haben, stören noch mehr. Preußen hat also zu einer selbständigen organisatorisch:» und betriebstechnischen Regelung — oder was es dafür hält — die Wege durchaus nicht frei. Ob man darüber sehr klagen kann, weiß man doch nicht so recht. Denn mit einer staatlichen oder kommunalen Monopolversor- gung bei der Licht-, Wärme- oder Kraftwirtschaft — so wirtschaftlich rationell sie auch sein mag oder werden kann — haben jedenfalls die Abnehmer ihre ebenso eigenarti­gen wie manchmal für ihren Geldbeutel recht schmerz- dastcn Erfahrungen gemacht, und besonders das sächsische

Dip von Gründingen.

Humoristischsr Roman von Freiherr v. Schlicht.

Copyright .1925 Ly Citat Meister. Verlag, Werdau,

27)

(Nachdruck verboten.)

Es dauerte lange, bis der Baron sich wieder gesammelt hatte. Dann wandte er fast mechanisch seinen Blick wieder Dagmar zu.

Wohl ein paar Sekunden sah er sie ruhig an. Dann sagte er mit leiser Stimme: „Ich danke Ihnen, Komtesse."

Er tat ihr jo leib. Sie hatte den Wunsch, ihn irgendwie zu trösten — ihm etwas Freundliches zu sagen. Sa_bacl)te sie zurück an das, was er vorhin erwähnt hatte: „Das Schicksal ist stärker, als wir selbst, Herr Baron," kam xs endlich über ihre Lippen. .

Einen Augenblick saß er noch niedergedrückt da, dann wart er, wie vorhin sie, stolz und übermütig den Kops zurück: „Doch wer nicht Trotz dem Schicksal beut, — der ist kein Mmm."

Er war mit eineinmal ganz wieder der Alte. Seine Spann­kraft war wieder erwacht. Die Wunde war schnell geschlossen, wenn sie auch noch brannte. Aber höher noch erhob er den Kopf and sah ihr fest in die Augen.

Der Kampf war aufs neue entbrannt Aber sie suhlte sich ihres Sieges nicht mel)t jo sicher — —

7.

Wie im Fluge waren die Tage dahingegangen, der Urlaub von Hans lè zu Ende. Morgen sollte er abreifen, noch im­mer hatte er sich niemand anvertraut, keiner wußte, weshalb er so plötzlich nach Haus gekommen war.

War es wirklich in erster Linie Sehnsucht nach der Mutier- liâe gewesen? . .

So schmerzhaft pnd so kränkend, ja fast beleidigend es^ auch für sie war, — die Gräfin mußte dennoch zugeben, daß ihn keine sentimentale Aufwallung hierher gejährt hatte. Am meisten ärgerte sie sich, daß der Gras mit seiner Skat-Prophe­zeiung Recht behielt. Kein Tag war vergangen, an dem er nicht stundenlang mit den anderen Herren Skat drosch. 'Dieses Wort „dreschen" allein sand die Gräfin skandalös, und als kürzlich Weidemanns da waren, halte» die Herren bis morgens um vier Uhr gesessen. Natürlich hatten die Damen sich schon sehr ui el früher zurückgezogen, Marianne war allein weg^'faljren, und der Graf hatte seinen Gast beim Morgen­gramm dann nach Hause jähren lassen.

Und »was hatten die Herren nicht in jener Nacht aufammew petrunMu! Selt, Buruunder. Kognak. — nein, sie mußte fid

BrlMèt wieâ® ein solches

Monopol hat seine tiefen Schattenseiten. Noch schlimmer wäre allerdings: ein P r ip a t m o n opol; aber eine solche Gefahr fdjdint doch überhaupt nicht vorzuliege''.. Ebensowenig wird man des.Preußischen Hgndelsnnnistcrs Versicherungen völlig Glauben schenken, daß. Preußen ein Energiemonopol nicht anstyehe. Denn nicht bloß die Koni« munalisicrung, sondern agcb die staatliche. Einflußnahme hat gerade in den letzten Jahren eine bedenklich große Ausdehnung crfqln.cn, Ter Minister gibt das, übrigens selbst zu.

Das Beispiel der Verstaatlichung der Eisenbahnen, ist nur teilweise glücklich, denn die sind wir ja los. Und cs liegt durchaus nicht im Interesse der Volkswirtschaft, daß etwa unsere Elsktrizftütswrrtschaft, staatlich, geworden, denl Zugriff auswärtiger Mächte preisgegeben sein könnte. Auch gerade deswegen ist ein übermäßiger staatlicher Ein­fluß ober gqr ein tatsächliches Monopol des Staates nicht zu begrüße», weil kaum eine einzige Industrie so oft uns so schnell technischen Umstellungen unterworfen ist wie geraoe die Elektroindustrie.

Dienst am Volkstum.

(Ein Eeücnkblait für die deutsche Turnkunst.)

Von Erich Denkert (Dresden),

„Man kann es dem Turner, der eigentlich leibt und lebt und sich leibhaftig erweiset, nicht oft und nachdrücklich ge­nug einschärfens Latz keiner den Adel des Leibes und der Seele mehr wahren muß, denn gerade er.“ F. L. Jahn.

Mit diesem Worte, das sich in seiner „Deutschen Turnkunst" findet, ist zugleich der Geist gekennzeichnet, in dem dieses Werk, vqn dem Karl Raumer sagt,' „es fällt schwer, aus Jahns Buch, eine Auswahl von Stellen zu treffen — weil alles, aber alles charakteristisch, das Buch wie fein Verfasser aus einem Guß ist" geschrieben ist. Es. ist. wohl ein böses, Wort, das Wort Geist, und.wird um so gefährlicher, je mehr cs mit der Zeit in Zu­sammenhang bringt und vom „Zeitgeist" spricht.

Aber diese beiden Begriffe, die schon die Griechen von Anaxagores übernommen hatten, physts' und nus, Stoff und Geist, gehören ja auch heute noch untrennbar zusammen. Goethe sagt da in einem Briefe an C. v. Knebel: ,Mcm es nicht zu Kopse will, Laß Geist und Materie, Seele und Körper, Gedanke und Ausdehnung oder Wille und Bewegung die notmenbigen Doppelinaredlen'zen des Universums warèn, sind und sein wer­den, die beide gleiche Rechte für sich fordern und deswegen beide -zusammen wohl als Stellvertreter Gottes angesehen werden können — wer zu dieser Vorstellung sich nicht erheben kann, der hätte das Denken längst aujgeben und auf gemeinen Weltklatsch seine Tage verwenden sollen! (Weim. A. 4, 22, Wl), oder zu Jacobi: „Wer das Höchste will, muß das Ganze wollen; wer vom Geiste handelt, muß die Natur, wer von 2er Natur, spricht, muß den Geist voraussetzen, oder im stillen mitverstehen. Der Ge­danke läßt sich nicht vom Gedachten, Ler Wille nicht vom Beweg­ten trennen." (Jub.-A, 30, 403), oder in einem Briefe an Eich­städt : „Wer die Geschichte recht erkannt hat, Lem wird aus tau- jenö Beispielen klar sein, Latz das Vergeistigen des Körperlichen wie das Verkörpern des Geistigen nicht einen Augenblick geruht hat, sondern immer in Propheten, Religiösen, Dichtern, Red­nern, Künstlern und Kunstgeni^sen hin und her pulsiert hat; vor- unb nachzeitig immer gleichzeitig oft" (Weim. A 4, 25, 225); am besten wohl in „Weihelm Meisters Wanderjahren" (Jub.- A. 20, 208), wo es heitzt: „An und in den Boden findet man für die höchsten irdischen Bedürfnissen das Material eine, Welt des Stoffes, den höchsten Fähigkeiten des Menfchem Mr 'Bear­beitung übergeben; aber auf jenem geistigen Wege werden im­mer Teilnahme, Liebe, geregelte freie Wirksamkeit gefunden.

Die beiden Welten gegeneinander zu bringen, ihre beidersei­tigen Eigenschaften in der vorübergehenden Lebenserscheinung zu manifestieren, das ist die höchste Gestalt, wozu sich der Mensch auszubilden hat. Was hat zu dieser Auseinandersetzung ge­führt? Nichts anders als der Gedanke, daß es neben den for­malen Zielen deutscher Turnkunst, der Körperkultur, ein ideelles Ziel gibt, das seit Jahns Tagen die deutschen Turner ausgezeich­net hat, die Pflege des Deutschtums. Ein hohes Ziel und ein Programm, das neben vielen andern, die man im neuen Jahre verfolgen, will, oder das über allen andern zu stehen wohl be­rechtigt und geeignet ist, mitzuhelfen am Aufbau und Wieder­aufstieg unseres deutschen Landes und unseres deutschen Volkes.

Wo sind uns aber Richtlinien gegeben für dieses ideelle Pro­gramm, wie ich's nennen will? Nichtige Frage; denn das sollte ein jeder wissen, der deutscher Turner ist. Oder hätte gar noch keiner Jahns „Deutsche Turnkunst" gelesen aber davon gehört? Er ist es, der Wege weist; denn aus jeder Zeile feines Werkes spricht der Deuffche. Und das ist eben das Ziel. Deutsch zu sein und deutsch zu bleiben! „Der Vorbericht iit'ein wahres Kunstwerk, ein Muster von körniger Schreibart, nein ohne Schnie­gelei, voll ohne Uebermaß, ebenso schön im Stoff als In der Form. Von der Turnsprachc kommt der Verfasser auf die Sprach­reinheit und stellt Lie einzigen wahren Gesetze darüber auf. Je-

woyl etwas in Hans geirrt haben. Vielleicht war er in ge­wisser Beziehung doch auch der Sohn seines Vaiers, obgleich ihr lieber gewesen wäre, wenn sie hätte sagen können: „Alles, was er hat, hat er von mir."

Aber das Skaljpielen hatte er nicht von ihr, dagegen prote­stierte die Gräfin. Es war das erste Mal, daß sie ihren Sohn beinahe verleugnete.

„Was der Bengel wohl haben mag?" dachte der Graf. Er sprach überhaupt nur noch oom Abschiednehinen, wie traurig es fei, daß Hans schon wieder fort müsse. Wie ungewiß es wäre, wann man sich wiedersehe. Und wenn er sich dann selbst weich- und wehmütig geredet hatte, dann sagte er: „Na. Hans, noch brauchst du ja aber nicht zu meinen, noch bist du. ja nicht fort. Vorher sitzen wir noch einmal ganz allein in aller Ruhe in meinem Zimmer und plaudern miteinander. Dann erzählst du mir alles, was dich beschäftigt, und schüttest mir deine kleinen und großen Sorgen aus."

Man mußte es dem Grafen lassen, er war ein rührender Vater; er bettelte geradezu um das Sündenregister seines Sohnes, um ihm dadurch, daß er alles verzieh und bezahlte, aufs neue feine große Liebe beweisen zu können.

Hans sollte sein Herz ausschütten.

Aber Hans schüttete nid)t Der Graf erwartete ihn ver­gebens.

Statt dessen erschien Hans am letzten Tag feines Urlaubs während der Nachmittagsstunden in dein Zimmer des Ba­rons.

Da der Boy nicht da war, batte er sich nicht anmeldèn lassen, sondern nur an die Tür geklopft und war auf das „Herein" eingetreten.

Der Varon saß an feinem Schreibtisch. Sobald er aber feinen Besuch erkannte, sprang er auf und bot ihm einen Sessel an.

„Ich störe doch nicht, Herr Baron?" meinte Hans, während er Platz nahm und sich eine Zigarette anzündete. „Ich sehr. Sie waren bei dar Arbeit. Ich will Sie nicht lange aufhatten. Sie wissen, ich reife morgen früh ab. Wir sehen uns ja zwar nachher noch bei dem Diner und bleiben dann hoftenilich noch lange bei der Zigarre beisammen. Auf jeden Fall wollte ich mir aber trotzdem erlauben, Ihnen meinen offiziellen Ab- idnebsbefud) an machen."

„Aya — nun töniml es!" dachte der Varon. „Ich habe cs ja gewußt, daß diese Stunde schlagen würde. Nun ist sie da — ich bin begierig."

„Sie sind wirklich sehr liebenswürdig, Herr Graf. Aber einer solchen Förmlichkeit hätte es doch wirklich nicht bedurft“

Hans widersprach: „Doch, Herr Baron. Hätten wir uns unter anderen Verhältnissen kennen gelernt, dann vielleicht nicht, dann hätte ein Händedruck und ein -auf giiu'horWu’n"

Mut

Ler, Ler irgend gu

schreibt, taari Den Ävcvcnch: zu bleiern Wette Darob lesenJajien,. Der Verfasser stellt nicht Giun-jätze bl dein sein ganzes Buch gehorcht Liefe» halb Lehre und Wert", sagt Harnisch der, Tunsiuche jagst daß es „ein deut jch e Same in Demjdur Sprac deutschem Wort zu benennen“, so „keiner zur Turngemeiuschait kommen

e uns ist ein

tehrter Ler deutschen Saltsti lobt, treibt und beschönigt".

der wissentlich ü Ausländerei

Und biejc Weisung hat so herrliche Früchte gezeitigt, daß wir Lies Erbe Ludwig Jahns immer von neuem erwerben müssen um es zu besitzen. Wo in. Europa oder bet ganzen Welt auch Deutsche sich zufamtnensinLen mögen, da leben sie im Vereist mit der deutschen Turnkunst. Die Versasiung der ersten deut­schen Turngemeinbe in Cincinnati 1807 bestimmt: „In sämtlichen Verhandlungen der Turngemeinbe soll deutsch gefprochen uns bei Anreden „Du" gebraucht werden." Die unzähligen Verei­nigungen deutscher Brüder im Auslande leben in “demselben. Sinne*. Ist es da nicht Pflicht, daß die Brüder im Heimatlan­de, cs ihnen vortun? Das beutjaje Turnen und ras deutsche Volkstum gehören zusammen, wie Physis und nus, für alle Zei­ten. „Wir wollen halten und bauern, fest uns hatten unb seit der schönen Güter Vesitzum. Nur wer fest auf dem Sinne be- hqrit, Ler bildet die Welt sich. Dies ist unser! so läßt uNS ja­gest unb so es behaupten." (Eoehje.)

A«sHtffe«-RüssaL und Rachbargebieten.

Frühjahrsmüdigkeit.

Schnee- und regenreich hat der Winter das Erdreich bis in seine Tiefen mit Feuchtigkeit gesättigt. Immer' mächtiger wird mit dem. steigenden, Tageslicht des Früh- ? jahrs die Sehnsucht des Wassers, zum Himmel, von, dem es gekommen ist, wieder emporzusteigen. Nur auf großen Umwegen aber kann all , die Feuchtigkeit, die der Schoß der Erde in sich ausgenommen hat, wieder aus dem Dunkel zum Lichte empor. Die Huld der ersten Frühjahrsjonne indessen bahnt seiner Sehnsucht Wege. Wyrmestd gleiten ihre Strahlen über alles, was an Baumen und Sirau- chern und Pflanzen in der Erde wurzelt. Ta weitet sich das. winterstarr in sich zusammengekrochene Holz, die Stämme, die Steno.el, die Zweige dehnen sich; ihre Adern. • öffnen sich, alles Verschrumpelte wird glatt und glän­zend und rundet sich zu kleinen und feinen Kanälen. Nur die Wurzelkanälchen, die im kühlen Erdreich von bet Sonne nicht so unmittelbar berührt werden, kommen nicht so schnell mit. Und nur allmählich werdèn sie sg saugkräs-. 'tig unb aufnahmefähig, daß sie all die geweiteten Adern i^rer. Bäume und Sträucher mit dem lebendigmachenhcn Lebensjas: ganz erfüllen können. Haben sie das erst ge­schafft, dann ist auf einmal das ganze Frühlingsweben her Natur da, dann ist die Winterstarre ganz überwun­den. Und der lebensspendende Saft, in den Pflanzen wird offenbar in ihrem Blätter- und Blütenprangen.

Mit dem Menschen ist es gar nicht so viel anders. Auch seine Adern bereiten und weiten sich für die neuen Lebens­säfte, mit denen das Frühjahr ihn erfüllen will. Und diese Vorbereitung verrät, sich in der Frühjahrsmüdigkeit, die gerade jo um die Fcbruar-Märzwende uns mit einer sonst unverständlichen Schlaffheit lähmt. Eine Müdigkeit, die ganz verschieden ist von der, die von den ballnächrlichen Anstrengungen der gesellschaftlichen Wintersaifon her­kommt. Denn das ist eine körperliche, eine MuskelerrNü- dung; eine Ermüdung vielleicht auch der Seele, die das winterliche Treiben satt hat. Unter der Frühjahrsmüdig­keit aber leiden auch alle, die ein sehr geregeltes, vergnü­genarmes Winterlaben geführt haben. Denn sie ist eine Müdigkeit des Blutes. Weder im Tempo noch in seiner Fülle kommt es so.schnell mit, daß es die geweiteten Adern ganz versorgen kann. Erst wenn unser. Blut durch die köst­lichen Gaben der jungen Frühgemüfe etwas von der fri­schen Kraft der Ijimmelentftammten, himmelansrrebenden Säfte der Erde in sich ausgenommen hat, oder wenn wir ihm durch eine der vielgepriesenen Blutauffrischungs- kuren nachgeholfen haben, erst dann verliert sich die Frühjahrsmüdigkeit. Und die Fröhlichkeit eines frisch- durchbluteten Herzens schenkt uns dann die himmlische Frühlingsfreude.

Rückgang des Postfchcckoerkehrs. Der Umsatz der deut­schen Postscheckämter hatte im Chober zum ersten Mal» 10. Milliarden, genauer 10 009 Millionen überschritten. Er ging dann im November auf 9194 Millionen zurück, brachte es aber im Dezember auch nur auf 9716 Millionen.

auch genügst Aber so--ich meine — — Sie verstehen mich?"

Der Baron verstand. „Nicht jeder junge Leutnant, nickst jeder junge, reiche Graf denkt so wie Sie. Ich danke Ihnen." „Bitte sehr — gar keine Ursache--und dann — ich meine--ich wollte zum Abschied auch noch sagen, wie es mich gefreut hat. Sie persönlich kennen gelernt zu haben, denn wenn ich es Ihnen auch früher noch nicht jagte, so weiß ich von Ihrem bisherigen Leben viel mehr aL^ eie glauben, auch die Geschichte von den sünszchn Mille, die Sie Ihrem Kame­raden —"

Mit einer raschen Handbewegung unterbrach der Varon seinen Gast. „Bitte — sprechen Sie nicht weiter. Herr Graf."

Und als der etwas verlegen schwieg, stürmten mit einem* mal alte Erinnerungen auf den Baron ein. Wie viele Jahre lag der Abend nicht schon zurück! Und doch sah er ihn jetzt' mit einemmal wieder ganz deutlich vor sich: der große Spiel- saal im Klub — die Luft geschwängert von Zigaretten- und Zigarrenrauch — ein lautes Stimmengewirr — das Knallen der Sektpfropfen — die Rufe des Bankhalters--und dann plötzlich Totenstille. Ein Herr war ins Zimmer getre­ten und hatte mit lauter Stimme gerufen: man hätte ihm aus feiner Brieftasche, die er draußen in seinem Mantel hatte stecken lassen, sünftehntausend Mark gestohlen! Fünfzchn- taysend Mark! Dieselbe Summe, die eben der „lange Langen", wie seine Freunde ihn nannten, in drei Sähen von je fünftausend Mark im Spiel gesetzt und verloren hatte. — . Um den Freund vor Öen anderen nicht in Verlegenheit zu bringen, hatte er, als das Spiel begann, die Frage unter­lassen, bei welchem Enkel des Propheten er doch noch wieder Seid aufgetrieben habe. In dem Augenblick, als er dann in das totenblasse Gesicht des Kameraden sah, hatte er die Ant­wort auf seine unausgesprochene Frage gehabt. Er war nach Hause gestürzt, um sich Geld zu holen, das letzte, was er von seinem großen Vermögen noch sein eigen nannte, Kamm daß ihm noch ein paar Taufendmarkscheine für sich selbst ‘Wieben. Aber der Freund und Regimentskamerad durfte nicht als Dcb dastehen — niemand durfte etwas davon ei fahren. Ä

, Als er zurückkam, war cs aber doch schon zu spät: der Freund hatte sich im Iagdzinnncr deslftKlubs mit einer der dort befindlichen Dueilpistalcn, die schon zu wiederholten Malen den Klubmitgliedern zur Austragung eines Ehren­handels gedient hatten, eine Kugel in He. Stirn gejagt und war auf der Stelle tot gewesen. Ihm selbst mfm-v es in der allgemeinen Aufregung, das Paket Banknoten in die Baiewt- tafebe des Bestohlenen au schieben, ohne daß es Ke merkt mnrhe

(yortfetjuna folgt)