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Wurf, wobei' er betonte" baH manche Titèl, auf die 'sich Besitz­ansprüche der Fürsten stützen, an Märchen aus uralten Zeiten erinnern. Hier müsse endlich aufgeräumt werden; denn

daS gesunde Rechtsempfinden deS Volkes

könne eS nicht ertragen, daß die Fürstenfamilien fast ihr ge­samtes Eigentum behalten sollen, während alle übrigen deut­schen Volksgenossen die Kricgsfolge durch große Vermögens- Verluste, teilweise durch vollständige Verarmung, tragen müssen, Unter bestimmten Voraussetzungen sei die rückwirkende Kraft schon jetzt im Kompromißennvurs vorgesehen. Über eine et­waige Ergänzung dieser Bestimmungen werde man sich recht­zeitig verständigen müssen. Dann sprach der Abgeordnete Dr, P sleger von der Bayerischen Volkspartei, der verlangte, daß ans dem Rechtswege genau festgestellt werden müsse, was Staatseigentum und was früheres fürstliches Eigentum sei. Der völkische Abgeordnete Frick betonte, daß seine Freunde kein Interesse dafür haben, sich besonders für die Fürsten cin- zusetzen, da sie zum großen Teil

ihr jetziges Unglück selbst verschuldet hatten. Ein Teil seiner Freunde macht seine Stellung davon abbängig, daß klargestellt wird, welche Vermögenswerte tat­sächlich in Frage kommen. Wenn ein deutscher Eingriff in die Vermögensrechte erfolgt, dann verlangen wir auch die Enteignung der seit dem 1. August 1914 eingewanderten Ost- luden und anderen Fremdstämmigen, der Kriegs-, Revolu- rions-, Inslations- und Rcparationsgewinuler. Der Kom­munist Neubauer trat für entschädigungslose Enteignung aller Fürsten ein. Da der kommunistische Redner auch Am griffe gegen die Sozialdemokratie richtete, antwortete ihm der Abg. Dr. Rosenfeld, daß die Sozialdemokraten nach wie vor zu ihrem Antrag auf entschädigungslose Enteignung standen, aber sich bemühen würden, den Kompromißântrag zu verbessern. Selbstverständlich gehe der Volksentscheid weiter mid werde von diesen Beratungen gar nicht berührt.

Die Feme-LlnLersuchgngen.

Ausschuß des Reichstags.

DerFememordausschuß des Reichstags trat Mittwoch unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Schetter (Ztrl) zu einer Sitzung zusammen. Der Vorsitzende gab einen Überblick über den Stand der Materialbeschaffung. Er teilte mit, daß dem Aus­schuß bisher noch keine GcrichlZakien übersandt worden sind, weil die verschiedenen Behörden mitgeteilt haben, daß keine Akten vorlägcn. Der Vorsitzende hat mit dem Reichswehr- minister, dem Reichsjustizminister und mit dem preußischen Innenminister verhandelt. Von allen drei Stellen soll eine

Denkschrift

noch bis zum 1. März dem Ausschuß vorgelegt werden. Der Vorsitzende teilte weiter mit, daß das Material des preußischen Innenministers mehr als 50 Bände umfasse. Dem Ausschuß sollen auch die Anklageschriften in den noch schwebenden und neuen Verfahren zugänglich gemacht werden. Der Vorsitzende hält ein Zusammenarbeiten mit dem Fememordausschuß des Preußischen Landtages für zweckmäßig. Auch von feiten des Vorsitzenden des Landragsausschusses sei ihm die Bereitwilligkeit einer Zusammenarbeit erklärt worden.

Abg. Schneller (Komm.) beantragte, ohne die in Aus- sickn gestellten Denkschrislen abzuwaren, schon jetzt einen Be- rianerftatter dieses Ausschusses zu ernennen und von der Rcichsrcgierung und der preußischen Regierung sofort Aus­kunft über die Fememorde und die Femeorganiju.Mnen zu verlangen. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Kommunisten abgelchnt. Abg. Bergsträsser (Dem.) regte die Frage an, ob es möglich sei, einem Ausschußmitglied die Möglichkeit zu verschaffen, als Berichterstatter des Ausschusses den Schwurgerichtsverhandlungen über Fememord bei­zuwohnen. Abg. Dr. Mittelmann (D. Vp.) hielt es für zweckmäßig, alle Mitglieder des Ausschusses an den Gerichts­verhandlungen teilnehmen zu lassen.

Die Aussprache über diesen Punkt wurde jedoch abge­brochen. Der Ausschuß wird seine nächste Sitzung sofort an- beraumen, sobald ihm eine der in Aussicht gestellten Regie­rungsdenkschriften vorliegt oder falls inzwischen ein Haupt- verhandlungstermin in einem Fememsrdprozetz bekannt wird.

Ausschuß des preußischen Landtags.

Bei der weiteren Zeugenvernehmung sagt Oberstaatsan­walt Rohrlack aus Landsberg a. d. W/über den Be- sreiungèversuch der Fememordverdächtigen im Dezember 1925 aus. In Landsberg saßen eine Anzahl von Personen, die mit den Fememorden in Verbindung gebracht wurden, namentlich Schultz und Rafael. Rafael wollte sich seiner Aburteilung durch die Flucht entziehen und setzte sich deshalb mit einigen anderen Strafgefangenen in Ver­bindung. Er versprach diesen Befreiung und außerdem bare Entschädigung. Dabei wurden verschiedene Pläne beraten, wie die Flucht in Szene zu setzen sei, die am 14. Dezember tatsächlich versucht wurde. Ter Hilsswachtmeister Bartsch wurde in die Schusterzelle gelockt, dort niedergerissen und man versuchte ihm den Schlüsselbund zu entwinden. Bartsch rief aber um Hilfe, ein gefangener Friseur Franke eilte her­bei und setzte den SignaihebelMeuterei" in Bewegung. Auf diese Weise wurde die Durchführung verhindert. Von den Tätern erhielt einer 1^ Jahre Zuchthaus, einer 1 Jahr und Rafael wegen Anstiftung 1%. Jahr Gefängnis. Gegen weitere Beteiligte schwebt noch das Untersuchungsverfahren. Für den inhaftierten Oberleutnant Schultz sind Beträge von 1600 Mark eingegangen, zum kleineren Teil von seinem Verteidi- jer, zum größeren Teil von einem Herrn von Oppen.

Kriminalkommissar Stumm vom Polizeipräsidium Berlin unterschreibt die Ausführungen des Assessors Schmidt und stellt noch einmal fest, daß ein Darlehen der Arbeitgeber­vereinigung tatsächlich für Schultz verwandt wurde, ohne daß man jedoch wisse, ob dieses Geld dem Fluchtversuch gedient habe. Darüber schweben noch Ermittlungen. Die Möglich­keit weiterer Beziehungen zwischen Schultz, dem Zenträlver- band und anderen Verbänden sei nicht sicher, aber könnte immerhin vermutet werden.

Durch einige Fragen der Ausschußmitglieder nach den Geldgebern veranlaßt, hält nun der Vorsitzende den Aus- schluß der Öffentlichkeit für geboten und es wird eine nicht­öffentliche Sitzung abgehalten, bevor die Vertagung auf Mitt­woch eintritt

Sachverständigengutachten.

Dei der Mittwoch fortgesetzten Verhandlung teilte der Ver­treter des Justizministeriums, Wirth, den Wortlaut eines Sachverständigengutachtens mit. Es heißt darin, daß beim Sentralverband der Landarbeiter mit Ausnahme des Abg. èeyer niemand ein Konto gehabt hat. Auch für das Unter- suchungsgesängnis Landsberg a. d. W. bestand weder unter diesem noch unter einem ähnlichen Namen ein Konto. Auf dem Konto Meyer stehen nur kleinere Beträge, die aber nicht mit der zur Erörterung stehenden Angelegenheit in Verbindung gebracht werden können. Auf Befragen bestätigt Oberjustizrar Wirth, daß die am 1.3. Juni 1925 gezahlten 5000 Mark erst später zurückgezahlt worden sind.

Berichterstatter Abg. Kuttner (Toz.) führt aus, daß der Strafgefangene Neugebauer ausgesagt habe, er sei aufgeforbert worden, nach feiner Entlassung zugunsten der in Landsberg sitzenden politischen Gefangenen Beziehungen anzuknüpfen. Die gewechselten Kassiber seien übrigens sämtlich ausgefangen worden. Reichstagèabg. Lemmer (Dem.) teilte mit, daß das Vorstandsmitglied des Landarbeiterverbandes, Tauer, das politisch dem Zentrum angehöre, gegen seine Kollegen Meyer uno Behrens in einer Besprechung des Vorstandes schwere Vorwürfe und die Anschuldigung erhoben habe, daß ein Dai- lehen von 5000 Mark an Oberleutnant Schultz gegeben worden sei. Dem Zeugen sei mitgeteilt worden, daß diese 5000 Mark zn dem Zwecke gegeben seien, um sie dem im Gefängnis sitzen­den Oberleutnant Schultz zur Verfügung zu stellen. Abg. Lemmer bekundete noch, daß er seine Mitteilungen im wesentlichen den inneren Auseinandersetzungen der Christlichen Gewerkschaften verdanke. Reichstagsabg. Behrens als vijMki-Leuür^ über dâü LriâiMM^r. LusM.uk.. Waler

beschließen wird, äußert sich zunächst über die Organisation des ZèUtralverbandes der Landarbeiter. Für die Geldgeschäfte unb Die banktechnischen Transaktionen des Zentralverbandes wurde dieLandvolkbank" gegründet. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob nicht auch noch einAusschuß für nationale Ausklärung" gebildet worden ist antwortet Behrens, daß er von diesem Ausschuß für nationale Aufklärung erst Kenntnis durch die Zeitungsnotizen erhalten habe. Der Ausschuß sei aber seines Wissens keine Organisation des Zcntralverbandesi

Dwische?- Reichstag.

(163. Sitzung.) CB. Berlin, 17. Februar.

Die allgemeine Aussprache über den Justiz el at wurde fortgesetzt. Abg. Dr. Korsch (Komm.) empfahl eine ganze Reihe kommunistischer Anträge auf Reform des Strafrechts. Danach soll die Ehescheidung erleichtert, die Rechtsstellung un­ehelicher Mütter und Kinder verbessert und die Todesstrafe abgeswafst werden. Die Emmingerfchen Verordnungen müß­ten schleunigst beseitigt werden. Dringend notwenbig sei neben einer Reform des Strafrechts eine Reform der Straf­prozeßordnung und des Strafvollzuges. Die Aushebung des Swatsgerichtshofes zum Schutze der Republik fei zu be­grüßen. Weiter verlangte der Redner Aufhebung des Re- publikschntzacsetzes.

Abg. Dr. Haas (Dem.) führte aus, daß in weiten Kreisen deS deutschen Volkes das Vertrauen zur deutschen Rechts- pflcge geschwunden sei. Das sei eine beunruhigende Erschei­nung, bereit Ursache man nachgehen sollte. Heute liegen die Dinge so, daß der Republikaner in weiten Gebieten Deutsch­lands Gefahr laufe, sein Recht vor Gericht nicht zu finden. (Zustimmung links.) Der Redner führte eine ganze Reihe von Urteilen an, worin nach feiner Meinung Fehlurteile zugunsten rechtsgerichteter unb zuungunsten republikanischer Personen gefällt wurden. Unerhört seien auch die

Landesverratsurteile,

die gefällt wurden, wenn jemand Verschwörungen der Schwar­zen Reichswehr aufdeckte. Dieses Verhalten der Gerichte und der Staatsanwaltschaft müßte im Auslande den Eindruck er­wecken, als sollte die Schwarze Reichswehr amtlich gedeckt werden. Außenpolitisch gefährlich sei auch der im Berliner F e m e m o r d p r o z c ß vor Gericht gegen den Willen der Reichs- und Landesinstanzen verfügte Ausschluß der Offent- llchkcit. Viele Richter halten überhaupt jede objektive Kritik an der Rechtspflege schon für ein Verbrechen. Demgegenüber müsse die Notwendigkeit betont werden, daß die Justiz durch innere Bcrcinigungsarbeilen sich wieder das Vertrauen ver­schafft, das sie durch eine Fülle von Fehlurteilen in der Öffentlichkeit verloren hat. (Beifall links.)

Abg. Hampe (Wirtsch. Vgg.) wünschte eine Verbesserung und Beschleunigung des E h e s ch e i d u n g s v e r s a h r e n s. Das Berussrichtertum könne nicht entbehrt werden, da eine Wahl der Richter durch das Volk keinen Fortschritt bedeute. Die Frage, ob die Simultanzulassung der Anwälte gewährt werden solle, müsse der Entscheidung ber Länder überlassen werden. Ebenso sei eine Beseitigung der Oberlandesgerichte aus gesunden föderalistischen Gründen nicht möglich. Die Arbeitsgerichte würden von seiner Partei glatt abgelehnt. Das Übermaß bei der Einsetzung von parlamentarischen Unter« suchungsausschüssen störe die öffentliche Rechtspflege.

Abg. Emminger (Bayer. Vp.) meinte, daß die Gesetz­gebungsmaschine in der nächsten Zeit etwas weniger arbeiten sollte. Die gesetzliche Regelung der A u f w e r t u n g s f r a g e sei ein gewaltiger Fortschritt, wofür dem Reichsjustizministe- rium für die ungeheure Arbeit Dank gebührt. Der Einzel- richter sei seinerzeit aus Sparsamkeitsgründen notwendig gewesen. Es sei zweifellos auch in manchen Urteilen von Einzelrichtern zu großen Mißgriffen gekommen, aber bann hätte die Berufungsinstanz die Möglichkeit zur Kor­rektur gehabt. Im R u h r a b w e h r k a m p f hätte Reichs­präsident Ebert die Mindeststrasen für Wirtschaftsspionage durch Verordnung aus zehn Jahre Zuchthaus festgesetzt. Daran fei das Gericht gebunden gewesen.

Abg. Frick (Völk.) meinte, man könne von einer deut­schen Rechts n oft sprechen. '»W ohne politischen Einfluß würde in der neudeutschen Republik bas Recht verweigert. Der Staatsgerichtshof zum Schutze ber Republik müsse noch vor dem 1. April beseitigt werden. Der Redner wandte sich dann gegen die parlamentarischen Unter­suchungsausschüsse. Es sei ein ganz unmöglicher Zustand, wenn der Abg. Dittmann, der der Meutereianstiftung 1917 beschuldigt war, im Ausschuß als Ankläger der Admirale hatte austrelen können.

Der Redner meinte schließlich, der Fememord rummel sei nur eine Frucht jüdisch-sozialistischer Hetze.

Abg. Dr. Heuß (Dem.) begründete eine Interpellation, welche Maßnahmen die Regierung ergreifen wolle, um der unbefugten Veröffentlichung amtlicher Aktenstücke, Dokumente und Dienstkorrespondenzen durch ehemalige Reichsbeamte oder Offiziere cntgcgenzutretcn. Die Interpellation beziehe sich auf die Veröffentlichung wichtiger amtlicher Schriften durch den Großadmiral Tirpitz.

Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) führte Beschwerde darüber, daß das Landgericht 1 Berlin dem Anträge der Verteidigung auf Ablehnung einer Schöffin stattgegeben hat, weil bie- Verteidigung mit Rücksichtauf das Schamgefühl" behin­dert sei, alles zur Aufklärung des Sachverhalts Notwendige vorzubringen.

Reichsjustizminister Dr. Marx

erwiderte, daß die Justizverwaltung auf dem Standpunkt stehe, daß auch bei Sittlichkcitsprozesseu die Mitwirkung der Frau als Schöffin von großem Wert sein könne. Die Sache werde nachgeprüft werden. .Der Minister erklärte.weiter, daß auch die Interpellation wegen ber amtlichen Schriftstücke spä­ter beantwortet werden könne.

Politische Aunöschau.

Oemsches Reich.

DaS Duellgesest im Neichsrat.

Im Reichsrat beantragte der Vertreter der Provinz Pommern, Graf Behr, Einspruch gegen die Reichstags­beschlüsse zu erheben, durch die Duellvergehen bei Offi- ziereit zur Dienstentlassung führen. Zur -Begründung führte er aus, es liege durchaus kein Bedürfnis für eine solche Regelung vor, da nach unwidersprochen gebliebenen Nachrichten seit Bestehen der Reichswehr auch nicht ein Fall von Zweikampf in ihr vorgekommen sei. Der Antrag fand nicht die genügende Unterstützung. Der Ausschuß­antrag (Kenntnisnahme ohne Einspruch) wurde mit Mehr­heit i^l einfacher Abstimmung angenommen.

Einnahmen deS Deutschen Reiches.

Im Januar 1926 wurden aus Besitz- sind Verkehrs- steuern 473,9, aus Zöllen und Verbrauchsabgaben 189,4 und abgerundet somit im ganzen 663,5 Millionen Mark aufgebracht. Für die Zeit vom 1. April 1925, bis 31. Ja­nuar 1926 stellen sich die Einnahmen aus Besitz- und Verkehrs st euern insgesamt auf 4302,7 Millio­nen, aus Zöllen und Verbrauchsabgaben auf 1643 Millio­nen, aus sonstigen Abgaben auf 1 Million, und somit ab­gerundet insgesamt auf 5946,4 gegenüber dem Vor­anschlag für das gesamte Rechnungsjahr 1925 von 6770,5 Millionen Mark.

Die Gewerkschaften beim Neichswirtschaftsniknister.

Auf Einladung des Reichswirtschaftsministers Dr. Curtius fand im Reichswirtschaftsniinisterium eine Aus­sprache mit den Vertretern der Arbeitnehmer-Spitzen- organisationen statt. Dr. Curtius betonte, daß er größten Wert auf eine dauernde Fühlungnahmemit den Gewerkschaften und auf die Herstellung eines gegenseitigen Vertrauensverhältnisses lege. Er ging dann näLu auf die üioßen Mordenden Fraacn. wie \ B. das.

"russische Geschäft, die schwere Lage der Ruhrkohlen- industrie, den Wohnungsbattund die Frage der Schaffung einer Exportkreditversicherung zur Belebung der Wirt­schaft ein. Der Minister kündigte eine Denkschrift der Re­gierung an, die sich mit den einzelnen aufgeworfenen Problemen beschäftigen wird.

Aus In- und AusianK.

Berlin. Der R e i èh s w i r > sch a f,t S r a t soll »ach de» Äililfftn des Versasjunstschrsschüsses auf 144 $liu lieber beschränkt werden. Ihm soll auch daS Recht zu Inittativ- gefetzen sowie zur Ernennung eigener Veauslrägter zur Unter­richtung vcs Reichörats und des Reichstags eingeräumt werden.

Berlin. Mit dèm - 28. Februar scheidet bot Kommandeur ber Hl. Kavallerievivision, Generalleutnant Paul Hasse, aus dem HeereâiLnsh aus. An feine Stelle tritt Generalmajor von Wèreck. Riit dem 1. März werden Generalmajor Ludwig zum Chef des Heereswaffenamts wnb Oberst von Buchholtz zum Inspekteur der Pioniere und der Festungen ernannt.

Kiel. Auf der Germania- Werft 'ief vaS M otortank- schissK a N a d ö l i 1 c" botst Siapèl. Es hat eine Größe von 15 000 Tonnen unb ist mit zwei Kruppschen Zwcttakt- Diesël-Moioren von je 1500 Pferdestärken ausgerüstet. Das Schiff soll eine Geschwindigkeit von 11 Knoten haben unb ist für bie Imperial Oil-Limited of Toronto in K anada be­stimmt.

Nürnberg. Nach einer Meldung der Fränkischen Tagespost hat der Staatsanwalt Beschwerde eingelegt gegen ben Beschluß der Nürnberger gtraffammer, dem Amrag des Staatsanwalts betreffend Euilettung eines Meineidsversahrens gegen Oberbürgermeister Dr. Luppe nicht stattzugeben. Der Fall toirb nunmehr das Oberste Landesgericht in München beschäftigen.

Prag. Bei Wiedereröffnung des Tschechische» Parlaments kam es zu großen Lärm- unb Prügelszenen, so daß bie Rede be3 Außenministers Benesch vollständig im Lärm unterging.

London. Nach, einer Mitteilung des Aâitsminjsteriunis waren die Lsbens-HMungskoste» in England, berechnet nach dem. Durchschnitt der Einzelhandelspreise, am 1. Februar un­gefähr 73 Proz. über betten im Juli 1914. Die entsprechenden Ziffern für den letzten Monat sind 75 Proz. und für das vorige Jahr 79 Proz.

Washington. Der MarinauEschutz des Reprüscniantenhauscs nahm das auf fünf Jahre berechnete MarinlustschifsLaupro- gramm an, dessen Kosten sich auf 100 Millionen Dollar belaufen. Das Programm sieht u. a. den Bau zweier Luftschiffe von der dreifachen Größe derShenandoah" und den Bau von lOOO Marineflugzeugen vor.

Aus.Hesses-Rasiau und Rachbargebretel!.

Merkblatt für den 19. Februar.

Sonnenaufgang 78 II Monöausgcmg IO54 V. ©onnenuntergang S-i |l Monvuntergang 122 B.

1731 Frau Rat Goethe, Goethes Mutter, i» Frankfurt am Main geb. 1865 Der Forschurtgsreisende Sven v. Hedin in Stockholm geb.

Die Erziehung ist das größte PrsLlsm und das Schwie­rigste, was dem Menschen kann «ufgegcben werden.

Kant.

Wetterbericht.

Unsere Witiertlng steht unter dem Einfluß der von Westen heranziehenden Tiasausläufer. Bei England liegt heute nach­mittag ein kräftiger Ausläufer mit starkem Sruüfall, der unse­ren Bezirk bis morgen erreichen wird. Bei westlichen, vorüber­gehend auch nordwestlichen Winden erfahren die Temperaturen keine wesentliche Bendertmzf." Späterhin werden bie^gScw schlüge wieder nachlassen und vöruhcrgëhend aussetzen. Ä'üs- sichten bis Freitag abend: Wolkig bis bedeckt, einzelne Regen­fälle, Temperatur wenig geändert. :, 1 .

Neue SüMtKHSnamen.

Unter dieser Ueberschrift brachte Nr. 31 dieser Zeitung eine Notiz über neue deutsche von Bub­litz vorgeschlagene Sonntagsnamen. Natürlich ist es zu wünschen, daß alte unverständliche Ausdrücke und Namen innerhalb unserer deutschen evangelischen Kirche nach Möglichkeit verdeutscht werden. Dies geschieht ja auch in wachsendem Maße. Für Oberkonsistorium: Landeskirchen­amt, Zentralkirchensonds: Landeskirchcnkasse, für Ober- konsistorialrat: Oüerkirchenrat, für Landessynode und Dekanatssynode: Landdskirchentag und Dekanatstag. Hoffentlich übersetzt man das römffchs Wort Prälat recht bald mit Landes'oischof, wie es viele deutsche Landes­kirchen schon getan haben. Nicht einverstandesi aber, außer den ganz radikal Völkischen, werden sich alle wirklich christlich evangelisch Empfindenden mit den neuen Sonn­tagsnamen von Bublitz erklären. Für den Sonntag der hl. drei Könige oder das Landesmiffionsfest den gänzlich unverständlichen und unevangelischen Namen:Maria im Schnee" zu setzen ist so gesucht, daß wohl niemand diesen Vorschlag ernst nehmen wird. Wer überhaupt das Bu6- litzsche Machwerk, genannt Jahrweiser durchlieft, der hat den Eindruck, daß es sich hier nicht um einen deutsch- christlichen, sondern deutsch-heidnischen Kalender handelt. Der Kalender ist doch dazu da, an den großen Festen die Erinnerung an das Leben Jesu und bei den täglichen Ka- lendernamen die Erinnerung an große Männer und Frauen der christlichen Kirche sind des eigenen Volkes wach zu halten. Außer Luther hat Bublitz sämtliche geschicht­liche Namen herausgeworfen und hafür alle möglichen und unmöglichen deutschen Vornamen gesetzt. . Dies be­deutet einen Rückfall aus der geschichtlichen Offenbarungs­religion in eine sogenannte deutsche Naturreligion, die es Ar dieser Form niemals gegeben hat. Sonntagsttamen wie: Freias Blick, Hammers Heimkehr, Roggenmuhme, Regentrude, verraten das zur Genüge. Es scheint vielen unbekannt zu sein, daß wir durch Dr. Pieper schon seit einem halben Jahrhundert einen ausgezeichneten evan­gelischen Kalender haben, in dem die alten katholischen Heiligennamen durch die Namen hervorragender evange­lischer Männer und Frauen aller Zeiten und Völker er­setzt sind. Zahlreiche Kalender Men diese Namen schon, andere evangelische Kalenderdrucker . drucken gedankenlos den alten Kalender immer wieder ab, der alsevang." bezeichnet wird, aber meist dieselben Heiligennamen, nur etwas umgefteüt, aufweist. Die deutsche Christenheit wirb niemals einverstanden. sein, daß alte liebe Namen wie Advent und Epiphanias verdrängt werden. Verdeutscht sind sie schon lange, unb zwar von der Vereinigung der Freunde der Dorfkirche. Diese hâm den deutschen Namen sinngemäß aus dem Geiste des Sonntags und dem Inhalt des Sonntagseuqngeliums genommen, z. B. 1. Advent: Sonntag des Einzugs, 3. Advent: der Sonntag des Täu­fers, 4. Advent: der Sonntag der Freude. Rogate: der Sonntag des Gebets. Sexagesimä: der Sonntag des Sä­manns.' Ebenso alle 26 Trinitatissonntage. Wie schön, wenn wir da haben einen Sonntag der Barmherzigkeit (4. d. Trin.), deO Gotteskindschaft (8, il Trin.), der Treue (9. n. Trin.), der Mühseligen (16. n. Tritt.), der 1 Familie (21. n. Trin.). Das sind wirklich Namen mit Jn- , halt und zwar mit geistigem Inhalt. In diesem Sinne sind gewiß alle deutsch denkenden Christen mit einer Per-