Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Anzeiger

Fulda Blatt 3 V .— X

Nr. 27 Fulda, 6. Februar 1926

Ein Förstermord.

Von Kriminalkommissar Busdorf vom Polizeipräsidium Berlin.

(Schluß.)

Der persönlich die Nachforschungen leitende Allensteiner Oberstaatsanwalt Wegerich ließ den Tatort und die Leiche sorgfältig fotografieren. Leider wird diese Maßnahme, die für den später die Sache bearbeitenden, Kriminalisten und auch für die Orientierung der Geschworenen so über­aus wichtig ist, bei ländlichen Verbrechen und speziell bei Förstermorden nur in den seltensten Fällen vorgenommen. In allen meinen, in Jagdzeitschriften und Fachblättern veröffentlichten Artikeln habe ich stets gebeten, mit allen Mitteln darauf hinzuwirken, daß eine Lichtbildaufnahme möglichst von allen Seiten her erfolgt. Herr Oberstaats­anwalt Begerich setzte sich sofort und ohne sonst jemand Kenntnis zu geben, — beides wichtige Voraussetzungen —, telegrafisch mit dem Polizeipräsidium Berlin, Kriminalab­teilung, in Verbindung und erbat meine Entsendung nach Wartenburg, die auch sofort verfügt wurde. Am Tage der Beerdigung des unglücklichen Försters traf ich auf der För­sterei ein und versah tags darauf schon den Dienst als „Nachfolger Bohls". Ich hatte so die beste Gelegenheit, den Tatort, Bohls dienstliche Gewohnheiten, und Land und Leute kennen zu lernen. In der Nähe der Mordstelle fand ich mehrere Fichtenstubben gestohlen und drei grüne Erlen abgesägt, d. h. ebenfalls gestohlen. Der Haumeister belehrte mich auf meine Frage, daß die Leute „Klotzen" (Holzpan­toffeln) von dem grünen Erlenholz anfertigen. Das schien mir wichtig, denn wer Stubben und Erlen gestohlen hat, wollte auch die trockene Fichte fortschassen und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mörder. Bohl war von einem Zeu­gen morgens kurz nach 6 Uhr gesehen worden, wie er in Richtung auf den Tatort zuging, die Fichte war also höchst­wahrscheinlich um diese Zeit gefällt worden. Wer um die­se außergewöhnliche Zeit einen Baum von 3—4 Festmetern noch wegschassen will, konnte nicht weit vom Tatort woh­nen. Höchstwahrscheinlich kamen auch mehrere Täter in Frage, denn einer hätte nicht versucht, die große Fichte zu stehlen, und es vor allem nicht versucht, den bewaffne­ten und als sehr energisch bekannten Förster zu überwäl­tigen und aufzuhängen. Mindestens ein sehr großer Mann mußte dabei gewesen sein, denn die Leine, an der die Leiche hing, war in einer Höhe von 2,05 Meter dreizehnmal um einen Zweig geschlungen, und zwar in einer sehr charakte­ristischen Weise, die ich hier nicht erörtern kann. Die Täter, oder einer derselben hatte Holz zum Pantoffelanfertigen gebraucht. Alle diese Feststellungen ergaben zunächst ge­wisse Richtlinien, die bei der Nachforschung nach den Mör­dern zu beachten waren. Es kamen noch andere Momente hinzu, die meinen Verdacht auf einen 20 Minuten vom Tatort entfernt im Walde wohnenden polnischen Arbeiter

lenkten. Franz Masuch war 1,86 Meter groß, sein bei ihm wohnender Sohn maß 1,96 Meter. Der alte Ma- such fertigte Pantoffeln an; da er ohne Arbeit und mittel­los war, mußte er sich das dazu erforderliche Erlenholz „verschaffen". Ich machte ^ " dem alten Masuch be­kannt, der natürlich hoch erfeut war, daß der neue „uner­fahrene" Förster seine Bekanntschaft suchte. So erfuhr ich alles was mir noch fehlte, um die Kette zu schließen. In Masuchs Hof lagen mehrere Fichtenstubbsn und grünes Erlenholz. Sein Sohn Viktor hatte am Tage vor dem Morde seine Stellung als Knecht aufgegeben, und Vater und Sohn hatten bei zwei Förstern vergeblich versucht, Er­laubnisscheine zum Stubbenroden zu erhalten. Bei der Unterhaltung mit Masuch hatte ich die Ueberzeugung er­langt, daß er mit Berufsverbrechern Umgang gehabt, also wahrscheinlich längere Zeit im Gefängnis gesessen hatte. Worte, die der Verbrechersprache entstammten, waren ihm durchaus geläufig — fast ebenso wie mir. Ich stellte fest, daß der alte Masuch sechs mal mit Gefängnis und zwei mal mit Zuchthaus bestraft worden war, und zwar wegen Wilderns, Diebstahls und schwerer Körperverletzung. Er hatte einen Nachbarn mit der Axt ins Gesicht geschlagen. Dieselbe Verletzung wies auch die Leiche des Försters Bohl auf!

Ich nahm beide Masuchs fest. Die Ueberraschung auf ihrer Seite war natürlich groß; diese „Freundschaft" mit dem neuen Förster war eine bittere Enttäuschung gewesen.

Hessische Adelige aus dem 18. IahchMdert.

Im 18. Jahrhundert — genau kann ich die Namen und die Zeit nicht mehr feststellen — waren einstmals ein Kö­nig von Preußen und ein Landgraf von Hessen beieinan­der, „preisend mit viel schönen Reden ihrer Länder Wert und Zahl." Dabei behauptete jeder der beiden hohen Her­ren, daß in einem Winkel seines Reiches ein Völkerstamm wohne, dessen prächtiger Kern durch eine sehr grobe Schale verdeckt werde; es kam dahin, daß die Herren miteinander wetteten, wer den gröbsten Va«er hätte. Bald darauf er­schien am ersten Regentage vor dem Schloß zu Berlin eine gewaltige Gestalt, „ein Bauersmann, mit grobem Kittel angetan, an Wuchs und Antlitz hoch und hehr." Er stützte Üch, auf einen mächtigen Knotenstock, hatte einen großen „Büchsenranzen" umhängen und an den Füßen ' grobe Schuhe und lange Gamaschen, die reichliche Spuren von der damals noch etwas mangelhaften Berliner Straßenreini­gung aufwiesen. Nachdem der Mann sich die Sache lange betrachtet, fragte er den vor dem Schlosse stehenden Po­sten: „Wohnt hier der Herr König?" und als der das be= i"hte, schickte er sich an, in dieses' einzutreten. Der Posten wollte es zwar wehren, aber ein Griff mit den mächtiegn Händen, und der Soldat lag auf der Erde und streckte alle Vier von sich. Als nun unser Mann in dem Palais zu­nächst niemand antraf, ging er mit dröhnendem Schritt die Treppe hinauf, wo ihm sofort einige Bediente ent­gegentraten und ihn hinausexpedieren wollten, mit dem Erfolg, daß alle drei sofort am Boden lagen, während der Bauer heftig schimpfte. Während des hierbei entstandenen Streites erschien plötzlich der König an der Türe und er­kundigte sich, was denn da vor sich gehe, und als er hörte, daß ein Bauersmann aus Hessen ihn sprechen wollte, ließ er den zu sich eintreten. Das tat er denn auch und bot zu- ^"chst der Majestät seine zwar ganz biedere aber nicht sehr salonfähige Rechte, wobei er sich sehr ungehalten darüber ausneß, daß man ihn, den Boten des Herrn Landgrafen, nicht sofort eingelassen habe.

Der König hieß den Mann vor allem sich setzen; der aber besah sich die feinen Stühle mit ihren dünnen Beinen

Beide bestritten natürlich energisch ihre Schuld und hatten auch für alle Fälle schon ihr Alibi zur Hand! Wie schon bemerkt, hatte ein Zeuge, ein Bekannter Bohls, eidlich ausgesagt, daß er den Förster Bohl 20 Minuten nach 6 Uhr gesehen hatte, als er nach dem Tatort zuging. Zwei Zeugen bekundeten, daß beide Masuchs um diese Zeit in ihrem Hof gestanden hatten. Ein Zweifel war ausge­schlossen, wie meine sorgfältigen Nachprüfungen ergaben. Der Sohn Viktor Masuch hatte sich auch um %7 Uhr Zi­garetten im Gasthof gekauft, was noch nie vorher geschehen war. Dann hatte er sich zu jenem Bauern zurückbegeben, dessen Dienst er zwei Tage vorher verlassen hatte. Hier fiel er dem Dienstpersonal durch sein scheues, verstörtes Wesen auf. Ein Dienstmädchen hatte ihm dies sogar auf den Kopf gesagt. Der alte Masuch war kurz nach 8 Uhr schon in der Stadt gewesen; mehrere Zeugen hatten ihn eine Stunde lang auf dem Marktplatz auf und ab gehen sehen. Dann hatte er einen Gutsbesitzer aufgesucht, an den er Ansprüche aus seinem früheren Dienstverhältnis gestellt hatte. Dem Gutsbesitzer war der Besuch Masuchs ganz über­raschend gewesen, da seine Ansprüche völlig unbegründet waren. Auf meine eingehende Befragung erklärte er mir, daß Masuchs Wesen ihm eigenartig erschienen sei, er habe, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, die Mütze in der Stube nicht abgenommen und an der Stirn eine frische Kratzwunde gehabt. Masuch gab auf Vorhalt an, er habe sich diese Wunde erst am anderen Tage beim Brettersägen zugezogen. Diese Behauptung konnte ich ihm durch einen Zeugen sofort widerlegen. Immerhin blieb die Zeugenbe­kundung, daß die Masuchs zur Zeit der Tat in ihrem Hofe gestanden hätten. Daran schien mein so mühsam aufgebau­ter Indizienbeweis zu scheitern. Ich ließ mich aber nicht verblüffen und stellte nach nochmaliger genauer Nachprü­fung fest, daß der eidlich vernommene Zeuge sich um 24 Stunden geirrt h«tte. Am Tatort war eine fast neue Ta­bakspfeife gefunden worden, die unzweifelhaft einem der Täter gehörte. Die Masuchs waren im Besitz ihrer ebenso neuen Tabakspfeifen. Ich wies ihnen nach, daß sie beim Kauf ihrer Tabakspfeifen eine dritte dem Kaufmann ge­stohlen hatten, eben die am Tatort gefundene. Diese war am Mundstück mit einem weißen Earnfaden umwickelt. In der Wohnung der Masuchs fand ich das Knäuel, von dem der Faden abgerissen war. Dennoch bestritten die beiden Masuchs weiter, die Mörder, zu sein.

Dem ermordeten Förster wardn das Notizbuch und das Zielfernrohr gestohlen worden. Nach dem objektiven Tat­bestand mutzte ich annehmen, daß Bohl die Holzdiebe über­rascht hatte und beim Aufschreiben ihrer Personalien über­fallen worden war. Oie Täter hatten also das Notizbuch, das ihre Namen enthielt, vernichtet. Eine sorgfältige Durch­suchung der Aschenhaufen, die nach polnischer Sitte sich ma- ' lerisch um Masuchs Haus gruppierten: war ergebnislos. | Ebenso resultatlos verlief die Durchsuchung des Hauses, der Moorlöcher im Walde und der dort ebenfalls Vorge­fundenen Aschenreste. Die Nummer des Zielfernrohres hatte ich durch Nachfrage bei der Fabrik ermittelt. Ein ge­brauchtes Zielfernrohr war von einem Unbekannten einem I Allensteiner Büchsenmacher zum Kauf angeboten worden. Eine Beschreibung des unbekannten Mannes konnte nicht gegeben werden, der Ankauf war abgelehnt worden. Sorg­fältige Nachforschungen an allen möglichen und unmög­lichen Orten fielen negativ aus.

Da schien das Bild, das ich mir von der Ermordung Bohls gemacht hate, plötzlich ein ganz neues Gesicht zu be- föHWeru Ich führte im Dienst als Förster die Collath- Voüüüchsfiinte, die der Ermordete aust seinem letzten Gang getragen hatte. Als ich zur Veköderung der Mardereijen einen Eichkater schießen wollte,.stellte ich zu meiner Ueber- rajchung fest, daß beide Schlagbolzen abgebrochen waren. Da das Gewehr geladen am Tatort gefunden worden war, mußte gefolgert werden, daß die Schlagbolzen vorher ab­gebrochen worden waren. Förster Bohl, der die größte Sorg­falt auf seine Waffen verwendete, war also wehrlos am Tatort erschienen. Er hatte auch, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit an diesem Tage seine Browningpistole nicht mit sich geführt. Welche mannigfaltigen Erwägungen und Schlüsse ließen sich daraus ziehen. Wieder begannen neue Ermittlungen in ganz anderer Richtung. Bohl hatte am Abend vor dem Morde gekneipt, und man hatte ihm sein Gewehr versteckt, um zu verhindern, daß er sich frühzeitig aus der lustigen Gesellschaft entferne. Die bei der Knei­perei anwesenden Förster und Jagdherren schieden als un­verdächtig von vornherein aus. Aber, wer konnte das Ge­wehr im Versteck beschädigt haben? Vielleicht konnten die­selben Personen den Förster am anderen Morgen an den Tatort gelockt haben, denn Bohl hatte ja seine Eisen in einem ganz entgegengesetzten Revierteil revidieren wollen und war auf vorläufig noch unerklärliche Weise an den Tatort gelangt. Wieviel Arbeit und nächtelanges Grübeln verursachten die abgebrochenen Schlagbolzen, doch schließ­lich klärte sich auch dieses Geheimnis auf. Das Gewehr, ein Selbstspanner, war nach dem Auffinden von unzähligen '

! und sagte: „Wenn ich mich darauf setze, gehen sie kaput", j und setzte sich kurzerhand auf den Sessel des Fürsten. Da I sprach er sich vor allem dahin aus, indem er auf seine j schmutzige Fußbekleidung hinwies und den Schmutz von j den Füßen ungeniert in das Zimmer schlenkerte, daß Ber­lin doch ein rechtes „Drecknest" sei und daß er von dem weiten Wege Hunger und Durst habe, worauf der König sofort ein Frühstück befahl; als dieses erschien, musterte der Bauer es mit kritischem Blicke und erklärte unter Hin­weis auf die Delikatessen: „Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht" und sprach dann: „da habe ich doch viel besseres bei mir". Darauf öffnete er seinen Ranzen und zog ein Schwarzbrot nebst „duftendem Käse" hervor, schabte den mit seinem Messer ab, strich dieses dann am Stuhlbein rein und schob mächtige Brocken in den Mund, wobei er aber nicht vergaß, den Fürsten zum „Mithalten" einzuladen. Nach dem Essen holte er aus der Tasche seines Kittels eine Flasche „Selbstgebrannten" und setzte sie an den Mund, indem er sagte „Prost, Herr König" und sie dann dem zum Gebrauch überreichte. Während der ganzen Unterhaltung aber vergaß der Mann nicht, Berlin mit Kassel zu vergleichen, wobei es an allerhand Seitenhieben auf die preußische Hauptstadt nicht fehlte. Endlich erhob er sich und sagte: „Ich habe nun genug, adjes Herr König, machts gut" — und verschwand.

Der König war sehr belustigt durch die ganze Geschichte und erklärte, solch einen groben Bauersmann habe er nicht. Es war aber auch eigentlich kein Bauersmann — ein sol­cher hätte es schwerlich gewagt, so ungeniert aufzutreten — es war vielmehr ein Herr von Münchhausen, der wie viele seines Geschlechts ein sehr stattlicher Mann war und der als Schwälmer Bauer verkleidet seinem Landgraf die Wette gewonnen hatte.

*

Vor etwa 150 Jahren sah sich der Landgraf zu Kassel veranlaßt, einen Gesandten nach Wien zu dem Kaiser zu senden. Mit der Mission wurde ein Freiherr Riedesel be­auftragt, der auch nach Wien reiste. Der Herr dortselbst, dessen Amt es war, die Gesandten bei dem Kaiser pinzu- führen, glaubte nun, er könne sich bei dem Manne aus dem

Personen geöffnet und besichtigt worden. Fast alle waren Laien im Umgang mit Selbstspannergewehren gewesen und hatten die gespannten Schlösser jedesmal ybgezogen und so die Schlagbolzen abgebrochen — eine vielen Jägern bekannte Erscheinung. Wie oft bin ich bei Bearbeitung ländlicher Mordsachen auf eine ähnliche Vernichtung von Tatspuren gestoßen. Nicht oft genug kann darauf aufmerk­sam gemacht werden, daß Tatort und Tatspuren mit pein­licher Sorgfalt unverändert und unberührt zu halten sind.

Aber trotz aller Schwierigkeiten gelang es mir, dennoch die Masuchs zu überführen und sogar zum Geständnis zu bringen. Leider kann ich die näheren Umstände der Oeffent- lichkeit nicht preisgeben, obgleich sie zweifellos der inter­essanteste Teil der Erzählung sein würden. Jeder Jäger hat ja seine Fanggeheimnisse und so habe auch ich sie für mein zweibeiniges Wild. Und ich gedenke sie noch recht oft anzuwenden, zum Wohle des arg bedrängten Förster­standes.

Ich fand das mit großem Raffinement versteckte Ziel­fernrohr des ermordeten Försters im Walde unter Moos versteckt. Die beiden Kollegen Bohls hatten mir eifrig da­bei geholfen. Sonntags früh bei beginnendem Büchsenlicht stießen wir nach kurzem Suchen auf unseren wichtigsten Fund, der mit kräftigem „Weidmannsheil" und ebenso kräftigem „ostpreußischem Maitrank" begrüßt und sehr nachhaltig begossen wurde. Die Masuchs legten angesichts dieses und anderer corpus delicti, die ich ihnen vorlegen konnte, ein umfassendes Geständnis ab.

Bei dem alsbald im Walde abgehaltenen Lokaltermin stellten die beiden Mörder die Tat genau so dar, wie ich sie mir rekonstruiert hatte:

Wie das meist der Fall ist, kannten sie durch Beobach­tungen und unauffälliges Befragen des Dienstpersonals genau die Gewohnheit Bohls, des Morgens um 6 Uhr seine Eisen im entgegengesetzten Revierteil zu kontrollie­ren. Sie fühlten sich daher durchaus sicher beim Fällen der Fichte. Als Bohl nun seine Försterei verließ, hate er bei günstigem Winde offenbar das Fallen der großen sichte gehört. Er hatte so die Masuchs überrascht und die Namen notiert. Als er die am Stubben lehnende Axt beschlagnah­men wollte, griff der Sohn ebenfalls nach der Axt und wollte sie nicht herausgeben. Inzwischen hatte sich der alte Masuch unbemerkt hinter den Förster gestellt und ihn plötz- Üch von hinten umklammert, worauf der junge Masuch von vorn zugriff. Der Alte bückte sich blitzschnell und riß dem Förster ein Bein hoch, so daß dieser mit dem ihn um­klammernden Sohn hinstürzte. Vermöge seiner großen Körperkräfte und seiner Gewandtheit gelang es Bohl trotz­dem, den Sohn unter sich zu bekommen.

Da ergriff der Alte den Fuß des Försters und drehte ihn mit Gewalt herum, sodaß nun der Förster unten zu liegen kam. Dann schlug der Alte mit der Axt auf den Be­amten ein und verwundete ihn schwer im Gesicht. Er be­fahl nun dem Sohn, den fast besinnungslosen, schwerver­letzten Föstrer festzuhalten, er wolle eine mitgebrachte Holzleine holen und ihn aufhängen. Der Förster bat ver- aeblich zweimal ihm das Leben zu lassen; der Alte ant­wortete: „Unter keinen Umständen", legte dem Förster die Leine um den Hals, und beide Masuchs zogen mit viehi­scher Roheit den Förster 30 Meter weit an der Leine in die Dickung, wo sie ihn an der Fichte aufhängten. Notizbuch und Zielfernrohr nahmen sie an sich und ergriffen die Flucht.

Das Schwurgericht Allenstein verurteilte im Februar 1925 den alten Masuch wegen Mordes zum Tode, er wurde am 26. August 1925 mittels Handbeil hingerichtet. Der junge Masuch wurde wegen Totschlags zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt.

Es war kurz vor dem Weibnachtsfeste, als ich von der schwergeprüften Fmstersfrau Abschied nahm. Dem kleinen Jungen, der täglich unzählige Male nach seinem lieben Vater gefragt hatte, mußte ich versprechen, daß dieser be­stimmt zum Weihnachtsfeste von seiner Reise zurückkehren würde. Zu all dem Jammer um Ernährer und zerstörtes Familienglück kam hinzu, daß die Stadt sich weigerte, Pen­sion zu zahlen, weil Bohl noch im Probedienstverhältnis gestanden hatte, und keinerlei Abmachungen und Versiche­rungsabschlüsse getroffen worden waren. Auf meine An­regung befürwortete der „Deutsche Försterbund" und der „Allgemeine Deutsche Jagdschutzverein" energisch die Unterstützung der Witwe, die dünn auch Erfolg hatten. Die Stadt Wartenburg zahlt in „hochherziger" Weise, ob­wohl sie nicht dazu „verpflichtet ist" 40 Mark pro Monat für Frau und Kind, dazu kommen 80 Mk. aus der Berufs­unfallkasse. Der in strenger Pflichterfüllung gefallene Be­amte hat sich und seine Treue gewiß höher eingeschätzt. Die deutschen Jäger aber haben vielleicht ein Interesse daran, Treue mit Treue zu vergelten und dafür zu sorgen, daß der Allgemeine Deutsche Jagdschutzverein durch einen vol­len Erfolg seiner Wühlfahrts-Lotterie in den Stand ge­setzt wird, dort hilfsbereit beizuspringen, wo andere Hilfs­quellen versagen.

kleinen Hessenland etwas erlauben und stellte den dem Kaiser vor mit dem Bemerken, daß der Herr „von Reit­esel" heiße. Da fiel ihm aber der Hesse sofort ins Worr und sagte: „Majestät halten zu Gnaden, ein Esel ist wohl da­bei, aber i ch heiße Riedesel". Von Stund an hat es nie­mand wieder gewagt, auf den hessischen Gesandten hoch­mütig von oben herunter zu schauen — man hatte genug an der einen Probe von der Schlagfertigkeit eines braven Hessen. ' B. E., Fulda.

Vermischtes.

Das gesunde Jahr 1925 im Ganzen. In der Bewegung der Bevölkerung hat das Jahr 1925 im Ganzen gehalten, was feine Einstigen Anfänge versprachen, zunächst aus den Groß­städten, aus denen das Ergebnis bereits vorliegt. Die Gesamt­zahl der Eheschließungen stieg gegen das Vorjahr von 254 441 auf 268 391 oder von 7,8 auf 8,4 von je 1000 der Bevölkerung. Ebenso stieg die Zahl der Lebendiggeborcnen von 129 706 auf 141 230 oder von 15,3 auf 15,9 von" 1000 Einwohnern. Aller­dings stieg das Verhältnis der ehelichen Geburten auf 13,2 nur auf" 13,3, das der unehelichen von 2,1 auf 2,5 zu 1000 Bewoh­nern. Die Zahl der Totgeborenen fiel dagegen von 38.5 auf 37,6 vom Taufend der Lebend- und Totgeborenen. Auch die Sterblichkeit der Säuglinge bis zu 1 Jâhr fiel von 101,1 auf 95,1 vom Tausend der Lebendgeborenen. Im Ganzen ist die Sterblichkeit ebenfalls zuriicktzègangen, von 11,7 auf 11,3 von je 1000 der Bevölkerung, im Vergleich zur Zahl der Lebendgebore- nen van 763,8 auf 709,7 auf 1000. Statt 194 340 starben nur 190 486. Ohne Ortsfremde besserte sich auf 1000 Einwohner und aufs Jahr berechnet die Sterblichkeit von 10,9 auf 10,4. a. ie Opfer der Tuberkulose gingen von 1,35 auf 1,17 zurück.

Eine Unglücksstatistik im deutschen Kergwerkswesen. Im Zusammenhang mit einem am Samstag erfolgten Gruben­unglück auf Zeche „Bismarck" in Buer-Erle, dem ersten größeren Grubenunglück in diesem Jahr. wird in Gewerkschastskrer,en darauf hingewiefen, daß die Unfallstanstik des Ruhrbergbaues für das Jahr 1925 die erschreckende Ziffer von 1000 Toten und 75 000 Verletzten aufweist. Die Bergarbciterovgamsatio- nen bereiten neue Schritte für die Beschleunigung der Arbeiter- schutzmaßnahmen im Steinkohlenbergbau vor.