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Fuldaer Anzeiger

Fulda Blatt 2

Nr. 22 Fulda, 1. Februar 1926

Die finanzielle Lage des hessischen Staates.

Von unterrichteter Seite wird uns über die augenblick­lichen Verhandlungen des Landtages mitgeteilt :

Nach den Ausführungen des Herrn Finanzministers im Landtag zum Staatsvoranschlag für 1926 ist die Lage der hessischen Finanzen bedrohlich und ihre zukünftige Entwick­lung nicht minder bedenklich. Den Ernst der Situation beleuchtet das Spielen mit dem Gedanken einer Auflösung des Volksstaates Hessen bezw. seiner Zuteilung an ein größeres Nachbarland und andererseits der Wunsch und Ruf nach einem Diktator!

Finanzausschuß und Landtag sind in die Beratung des Staatsvoranschlags eingetreten, die nach den einzelnen Kapiteln und Titeln geschieht, in der selbstverständlichen Absicht, die Finanznot des Staates nach Möglichkeit zu er­leichtern. Mit noch ungebrochener Kraft wird augenblick­lich das Kapitel 1 Forst- und Kameralgüter unter Forst­verwaltung durchberaten. Als vorläufiges Ergebnis bean­tragt der Finanzausschuß unter anderem die weitere Auf­lösung einer größeren Anzahl von Forstämtern und För­stereien, Herabsetzung der Zahl der verwendeten Assessoren von 17 auf 7 und der Forstschreiberstellen von 107 auf 71.

Hierzu einige kritische Bemerkungen:

Das Ziel jeder Forstwirtschaft besteht darin, auf der gegebenen Fläche dauernd einen möglichst hohen Re n- èrtrag unter Erhaltung bezw. Steigerung des Ka­pitals, das in dem vorhandenen Holzvorrat und der Vo- denkraft steckt, zu erzielen. Dieses hohe Ziel zu erreichen ist nur möglich durch einen intensiven Wirtschaftsbetrick. Ein solcher erlaubt in großen Zügen durch die sogen. Forst­einrichtung die im Walde arbeitenden Kapitalwerte und deren natürliche Vermehrung durch den Zuwachs zu er­fassen, hiernach kalkulatorisch die Rente für die nächste Zeit zu schätzen und jährlich festzulegen; ferner das zum E n- schlag kommende Holz auszusuchen, nach den marktgängig­sten und bestbezahlten Formungen aufarbeiten zu laßen und geschickt zu verkaufen, sowie die Erhaltung des Wal­des auf künstlichem oder natürlichem Wege zu betreiben.

Die Wissenschaft hat nachgewiesen, daß für die zw! ck- mäßigste Ausnützung der Arbeitskräfte der leitenden Be­amten und ihrer Gehilfen eines Forstwirtschaftsbetrieles die diese Fülle von Arbeit zu erledigen haben, die Fläche maßgebend ist. Die zweckmäßigste Flächengröße, die sehr stark beeinflußt wird durch die Zusammensetzung des W il- des aus einer oder mehrerer Holzarten, durch gute oder schlechte Absatzmöglichkeit des Holzes und anderes meyr, entspricht für unseren Hessischen Wald für ein Forstamt und für eine Försterei den augenblicklichen Verhältnissen. Außerdem haben die hessischen Forstämter auch noch den landwirtschaftlich genutzten fiskalischen Grundbesitz zu ver­walten im Gegensatz zu anderen Ländern.

somit: â Lu vâben. wie man es..Är mirt-. schaftlrch richtig halten kann, eine bereits vorhandene vor­bildliche betriebstechnische Organisation des unendlich wichtigen Staats- und Eemeindeforstwirtschaftsbetriebes . abzuändern bezw. auf den Stand von 1879 zurllckzuführen, I um zu sparen! Das ist nicht gespart, sondern bedeutet / einen wirtschaftlichen Rückschritt, den die Staatsfinanzen ' auf längere Sicht erheblich spüren werden. Ein intensiver Betrieb im obengenannten Sinne ist bei größeren Forst­amts- und Förstereibezirken auf die Dauer unmöglich.

< Ganz abwegig ist der Vorschlag, die Zahl der beschäf­tigten Assessoren, Förster und Forstschreiber zu vermin- ! dern. Kein Kaufmann wird einen Teil seiner unbedingt / nötigen Hilfskräfte entlassen. Um nur ein Beispiel her- j auszugreifen, sei kurz angeführt, daß die Assessoren in der 1 Hauptsache zu Forsteinrichtungsarbeiten dringend benötigt werden, die die Grundlage unserer gesamten Wirtschaft bilden. Ohne Forsteinrichtung kann von einer geregelten Wirtschaft keine Rede mehr sein, es muß zu einem plan­losen Hauen in unseren Waldbeständen kommen, zu einem -regellosen Betrieb, den die Finanzlage des Staates am I allerwenigsten vertragen kann.

Bedauerlich ist die geringe Kenntnis und Einsicht selbst der gebildeten Kreise in die Forstwirtschaft. Nur aus die­ser Tatsache können Vorschläge wie die des Finanzaus­schusses entstehen.

Mit kurzsichtigen Sparmaßnahmen oft kleinlichster Art in den Forstwirtschaftsbetrieben kann der Finanznot des Staates auf die Dauer nicht geholfen werden. Die einzige Möglichkeit, die Reinerträge des Waldes nachhaltig zu steigern und hiermit die Einnahmen des Staates u. der Ge­meinden zu erhöhen, liegt in einer großzügigen, nach kauf­männischen Grundsätzen geformten Umstellung der Bewirt­schaftung des Staats- und Eemeindewaldes. Sie könnte ge­schehen durch Abtrennung aus der allgemeinen Staatsver­waltung und Verselbständigung ähnlich der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Reichspost, wenn uns die Wissenschaft hierfür die nötigen Grundlagen geliefert hat. Ein solcher Schritt ermöglichte uns endlich einen klaren Einblick in die Erfolge unserer Wirtschaft und gäbe dem Betriebsleiter die richtigen Fingerzeige, wo er evtl, wirk- lch sparen kann.

Roggen- oder WeLzenbrot?

wsn. Frankfurt a. M., 29. Jan. Von der Handelskam­mer Frankfurt a. M.-Hanau ist seit einiger Zeit eine Pro­paganda eingeleitet worden, um anstelle unseres vielfach mit teurem ausländischen Weizenmehl hergestellten Brotes ein reines Roggenbrot. zu setzen, das vollständig aus den Erzeugnissen unserer einheimischen Landwirtschaft herge­stellt werden kann. Es ist dies, wie Syndikus Dr. Wolff ausführte, eine brennende volkswirtschaftliche Frage, deren Lösung es uns ermöglicht, bei einer Mindereinfuhr von ungefähr 400 000 Tonnen ausländischem Weizen nicht we­niger als eine Milliarde Mark einzusparen. Die Frage be­dürfe umsomehr einer Lösung, als wir wahrscheinlich in absehbarer Zeit garnicht mehr in der Lage seien, solche Riesenbetröge dem Auslande für Weizen noch weiterhin zuzuführen. Von dem Geschäftsführer des Reichslandbun­des Dobler wurde darauf hingewiesen, daß heute die deutsche Landwirtschaft ihre letzte Roggenernte nur zu einem geringen Bruchteil verkauft habe, während auf der anderen Seite sehr große Mengen von Weizen eingeführt worden seien. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus beantworteten Geheimrat Prof, von Norden und ein Ver­treter des Städtischen Gesundheitsamtes die Frage, ob Meizenbrot dem Roggenbrot vorzuziehen sei. Prof, von Norden vertrat den Standpunkt, daß man sowohl mit Roggen- als mit Weizenbrot eine gute Ernährung herbei­führen könne. Aber auch die Aerzte müßten diese Frage nicht allein von rein wissenschaftlichem Standpunkte aus' betrachten, sondern auch von volkswirtschaftlichem. Aus­schlaggebend sei daher, welches Brot billiger beschafft wer­den könne, weil dann auch eine bessere Ernährung gesichert werden könne. Die Vertreter der Bäckerinnung brachten zum Ausdruck, duß es unmöglich sei, dem Verbraucher ein Brot aufzudrängen, das seinem Geschmack nicht entspreche. Das heutige Mehl gestatte nicht die Herstellung eines gu­ten Roggenbrotes. Demgegenüber führt der Vorsitzende der Frankfurter Getreidebörse aus, daß das Mühlenge- werbe durchaus in der Lage sei, den Bäckern das von ihnen gewünschte, nicht zu stark ausgemahlene Roggenmehl zur Perfügung zu stellen. Uebereinstimmend kam die Meinung zum Ausdruck, daß ein gutes Roggenbrot sich bei der brei­ten Masse ohne stärkere Propaganda, sondern vielmehr nur durch seine Güte durchsetzen werde. Um die Frage einer xnbgiijtigeit MM LNtLMWMMLL wArde unter der Führung der Handelskammer ein Ausschuß gebildet, in der die Handelskammer, die Bäckerinnung, die Aerzteschaft, die Nahrungsmittelchemiker, die Verbraucher, die Land­wirtschaft und die Presse vertreten sind. Bereits in der nächsten Woche wird eine Sitzung dieses Ausschusses abge­halten werden, in der die Mittel erwogen werden sollen, um diese Frage nicht nur für den hiesigen Bezirk, sondern auch für Deutschland im allgemeinen zu lösen.

Aus Hessen und NachHargebisèsn.

Einschränkung der Frühjahrsmessen. Bei der herrschen­den Wirtschaftskrise sind die Aussichten für einige der in den letzten Jahren entstandenen Messen so trübe geworden, daß sie in diesem Frühjahr ausfallen oder sich Einschrän­kungen auferlegen. So sind die Frühjahrsmessen in Wesel und Danzig ganz abgesagt worden. Köln läßt seine tech­nische Messe ausfallen, ebenso findet die. Berliner Echuh- und Ledermesse, die erst mit der Bekleidungsmesse zusam- I men in diesem Frühjahr stattfinden sollte, nicht statt.

Geschäftliche Rückständigkeiten. Durch Postnachnahme oder Postauftrag eingezogene Beträge können für Post­scheckkunden mit Zahlkarte auf ihr Postscheckkonto über­wiesen werden. Man sollte glauben, daß jeder Geschäfts­mann von diesem billigen und einfachen Verfahren zu feinem und seiner Kunden Nutzen möglichst weiten Ge­brauch machen müßte. Das ist aber selbst bei großen Ge­schäften nicht immer der Fall. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß sogar große Geschäfte mit bedeutendem Versandverkehr sich die eingezogenen Nachnahme- und Postauftragsbeträge noch mit Postanweisung senden lassen und dafür die teure Postanweisungsgebühr zahlen. Es ist dringend zu empfehlen, mit solcher geschäftlichen Rückstän­digkeit aufzuräumen.

Aufhebung des Sichtvermerkszwangs zwischen Deutsch­land und den Niederlanden. Zwischen der Deutschen und der Niederländischen Regierung ist die gegenseitige Auf­hebung des Sichtvermerkszwanges mit Wirkung vom 1. Februar 1920 vereinbart worden. Von diesem Zeit­punkt an können Reichsangehörige die Niederlande und niederländische Statsangehörige das Reichsgebiet über die amtlich zugelassenen Grenzübergangsstellen jederzeit lediglich auf Grund eines gültigen Heimatpasses ohne Sichtvermerk betreten und verlassen. Für Kinder unter 15 Jahren genügt an Stelle eines Passes ein amtlicher Aus­weis über Name, Alter, Staatsangehörigkeit, Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt; der Kinderausweis muß bei Kindern über 10 Jahre mit einem Lichtbild versehen sein. Im kleinen Erenzverkehr mit den Niederlanden sind wei­tere Paßerleichterungen vorgesehen; diese treten am 1. März 1926 in Kraft.

* Aus dem Vogelsberg. Zeiten und Menschen ändern sich und zumal der Krieg hat Altes versinken lassen und Neuem die Wege bereitet. Abgesehen von dem Sammeln der verschiedensten Trockenpflanzen, deren Produkte oft als Ersatz--Ersatz die Menschen in harter Notzeit quälten, wur­den während des Krieges und kurz nach seinem Ende alte Bräuche und Arbeiten wieder wach, die schon vor 1914 immer mehr im Zurückgehen begriffen waren. Das gute alte Spinnrad schnurrte wieder, Oellichter flackerten trüb­selig im abendlichen Zimmer, und den Tabakspfeifen derer, die Rauch als des Lebens Urgeist ansprechen, ent­quoll der süße Duft von Klee- und Huflattichblättern, dem der Heusamendampf oft den nötigen Pfeffer gab. Brom- beerblätter brauten wieder wie einst den Abendtee, und die Ohweläwbroih ist seitdem wieder Nationalgetränk ge­worden, schmeckt sie doch beinahe so gut wieKaffibunn". Viele der wieder erstandenen Bräuche ebben wieder ab oder sind gar schon dahin. Die Karbidlampe liegt verrostet in der Rumpelkammer und Huflattich sieht man wieder zahlreicher, denn er war selten geworden. Unsere Flüßchen sind fauler geworden, steht doch manch ein Oelmühlenrad heute still, das vor einigen Jahren nimmer Ruhe erlangen konnte! Wie ist man hoffnungsvoll mit derFettflasche" zum Schlagmüller gezogen, aber Oel war meist seins da; denn entweder fehlte das Wasser oder derSume" oder die Gendarmerie war da. In Wirklichkeit hatte aber ein Städter für teures Geld die fettige Beute geschnappt. Ja, das war ein Weidwerk annodazumal, wofür man keinen Paß für 50 Mark brauchte, aber Beute gab es dennoch oft, sonst wären wir ja auch nicht mehr da.

Ober-Mörlen, 27. Jan. Gestern starb die älteste Ein­wohnerin unseres Ortes, die Witwe Scheibel in der Velsgasse, im 96. Lebensjahre.

Gießen, 29. Jan. Die Stadtverordnetenversammlung hat das Aufkommen aus Gewerbesteuern auf 250 000 Mk. festgesetzt, wovon 125 000 Mk. aus der Besteuerung des Anlage- und Betriebskapitals und 125 000 Mk. aus der Besteuerung des Eewerbeertrags aufzubringen sind. Der Zuschlag beträgt wie bisher 30 Prozent.

Gießen, 29. Jan. (Schwierige Lage bei den Ortskrankenkassen.) Nachdem die Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Stadt sich kürzlich schon gezwun­gen sah, wegen außerordentlich starker mißbräuchlicher In­anspruchnahme ihrer Einrichtungen durch unreelle Mit­glieder die Höhe ihrer Leistungen an die Krankheitsver­sicherten herabzusetzen, sieht sich jetzt auch die Allgemeine Ortskrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises zu der gleichen Maßnahme gezwungen. Beide Kassen klagen sehr darüber, daß sie von arbeitslos gewordenen Mitglie­dern durch Krankmeldungen in schlimmster Weise miß­braucht worden sind und daß bei vertrauensärztlicher Nach­prüfung der Krankmeldungen sich ergeben hat, daß ein großer Teil der betreffenden^ Personen kerngesund war. Um das Fortbestehen der Kassen sicherzustellen, mußten die Leistungen abgebaut werden.

Der tolle Mister Teddy von Newyork.

Der Roman eines Eigenwilligen.

Von Erich Friesen.

66) (Nachdruck verboten.)

So! Nun seid ihr wohl zufrieden?" schließt Henry Bartley mit einem letzten Anflug von Spott.Jetzt l überlaßt mich meinem Schicksal! Ich bin genau so futsch, wie der Pit Mackay ffft!"

I Und er dreht den Kopf nach der Wand.

I Auf einen Wink des Arztes verlassen alle das Zimmer. ,Dr. Morris bleibt allein mit dem Sterbenden.

) 29. :

l Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht vom !Tode Henry Bartleys und seinem sensationellen Bekennt- I nis durch Newyork.

Extrablätter werden ausgebrüllt:

sDer tolle Mister Teddy von Newyork unschuldig in Untersuchungshaft! Umfassendes Geständnis des Mör­ders!"

Kein Theater, kein Tingeltangel, keine Schaustellung irgend welcher Art vermag es heute, das Publikum zu fesseln.

Habt ihr schon gehört? Dieser Bartley! Der Hal­lunke! Gut, daß der Teufel ihn geholt hat! Der Galgen wäre zu schade für ihn gewesen! Läßt seinen eigenen Vet­ter ins Untersuchungsgefängnis spazieren, während er selbst--

So tuschelt man. Und schüttelt die Köpfe. Und skanda- liert. Und regt sich auf. Und verzapft allerhand Weisheit, wie mannie diesem Henry Bartley, der sich wer weiß wie aufgcspiclt, getraut hätte." Während doch bis gestern noch jedermann es sich zur hohen Ehre anrechnete, wenn das Parlamentsmitglied, der Besitzer so vieler Ehren­ämter, der zukünftige Präsidentschaftskandidat Henry Bartley ihm auch nur zwei Finger seiner Hand reichte oder ihn eines Kopfnickens würdigte.

Die ganze moralische Entrüstung, das Bewußtsein, daß man sich so lange hat düpieren lassen, metamarphosiert sich in eine übertriebene Begeisterung für den Haupthel­den, dentollen Mister Teddy".

Von dem Moment des Bekanntwerdens seiner Unschuld an ist das Untersuchungsgefängnis umlagert. Man will

es stürmen. Will den in feiner Ehre Gekränkten heraus­holen. Nur mit großer Mühe und raffinierter Klugheit gelingt es Peter Barns' Popularität, die aufgeregte Menge im Zaum zu halten.

Auf einer rasch improvisierten Estrade stehend, schleu­dert er Beruhigungsworte über die nach Tausenden zäh­lenden Köpfe hinweg.

Und während man horcht und zustimmt oder auch murrt und flucht, tut sich insgeheim eine Hintertür im Untersuchungsgefängnis auf und Mister Teddy wird herausgelassen.

Doch irgendwer muß von dem Trick Wind gekriegt haben.

Denn plötzlich wälzt sich der Menschenstrom vom Haupt­portal zur Hinterpforte, wo ein geschlossenes Auto steht, in das gerade Mister Teddy einsteigen will.

Und ein Begeisterungssturm bricht los, wie ihn New­york seit Jahren nicht erlebt hat und gegen den jeder an­dere Orkan wie ein zartes Geflüster anmutet.

Three cheers for Mister Teddy! Three cheers!"

So brüllt es in frenetischem Jubel. Hunderte von Hän­den strecken sich aus, um den Gefeierten hochzuheben und im Triumph davonzutragen.

Doch solche Huldigung ist nicht nach Mister Teddys Ge­schmack.

Mit einem Satz schwingt er sich auf das Dach des Autos. Eine beschwichtigende Handbewegung und man läßt nach.

Dank euch, meine Freunde!" schallt Teddys markige Stimme weithin über die lautlos verharrende Menge. Eure Sympathie tut mir wohl, das glaubt mir! Aber vergessen wir in unserer Freude nicht, daß wir sie dem Be­kenntnis eines - Toten zu danken haben! Drum laßt mich meiner Wege gehen ruhig, ohne Jubelgeschrei, ohne Provokation irgendwelcher Art! Nochmals, meine Freunde: ich danke euch!"

Grüßend schwenkt er seine Mütze. Und schleudert sie in weitem Bogen mitten hinein in die begeisterte Menge.

Und während alles jubelt und vorwärts drängt und versucht, die Trophäe zu erhaschen, ist Mister Teddy in seinem Auto aller Augen entschwunden.

Der yanfee gibt sich rasch zufrieden, sobald er die Rich­tigkeit dèr Argumente einsicht.

So auch hier.

Nur noch vereinzelte Hochrufe schmettern gleich Trom­petengedröhn hinter dem mit Eilzugsgeschwindigkeit da­vonjagenden Auto her.

Bevor der Abend graut, schließt William Vanderbild seinen Sohn in die Arme. Nicht alsräudiges Schaf", als verlorener Sohn" kehrt Teddy heim ins Vaterhaus. Nein aufrecht, hocherhobenen Hauptes.

Vor seiner Ankunft hatte Miß Harriet eine lange Aus­sprache mit Evelyne in der Cottage. Und gleich darnach William Vanderbild mit Edward Harding.' Weder die Frauen noch die beiden Männer verloren ein weiteres Wort über den Inhalt ihrer Unterredung.

Doch war das Resultat, daß am nächsten Morgen in der Cottage sämtliche Jalousien heruntergelassen waren.

Mister Harding und Miss Evelyne sind auf unbe­stimmte Zeit verreist" meldet der Diener jedem, der cs wissen will.

Für Teddy freilich bedeutet die plötzliche Abreise des geliebter. Mädchens eine herbe Enttäuschung. Zwar glaub'e er, von dem Mahn, sie habe jemals etwas für ihn empfunden, geheilt zu fein, da sie sich mit einem anderen verlobt hatte. Dock verletzt es ihn, daß sie nicht einmal seine Rückkehr aus dem Untersuchungsgefängnis abwar- tctc. um ihm wenigstens noch die Hand zu drücken.

Er ahnt ja nicht, daß es gerade ihre unentwegte Liebe zu ihm ist, die sie forttreibt. Daß sie es nicht wagt, ihm in die Augen zu blicken. Ahnt nicht, welch Umftanb sic zu dieser merkwürdigen Verlobung getrieben hatte.

Er weiß nur: sie ist fort, ihm entrückt durch eigenen Willen. Und sein Stolz bäumt sich auf. Fest preßt er die Lippen zusammen. Und ruft mannhaft sein rebellisches Herz zur Ordnung. Und bringt es sogar so weit. schließlich zufrieden zu sein, daß Evelyne bei der in aller Stille statt« findenden Beerdigung des Toten nicht anwesend in. damit ihr Zartgefühl nicht durch etwaige neugierige oder indis­krete Blicke verletzt wird.

Elsie Parker ist inzwischen mit Johnn nach Newyork zurückgekchrt.

Zwar wollte ihre Mutter sic gern für immer bei sich behalten. Und auch der Vater hätte nichts mehr dagegen gehabt. Aber Elsie mochte sich nicht von Johny trennen. Auch verbot ihr ihr Unabhängiglcitsgefübl, den Eltern weiterhin tur Last zu fallen.

(Fortsetzung folgt.)