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Lokales und Provinzielles.

Bauernregeln für den Monat Februar.

Regenbogen am Morgen des flirten Sorgen Regen­bogen am Abend den Hirten ladend. Wind vorm Sin­ken der Sonn' ist mit Regen verbündet Wind norm Steigen der Sonn' uns gut Wetter verkündet. Wenn kurz vor Vollmond der Sonnausgang neblid) war, wirds Werter in den Tagen warm und^klar. sauber Nord im Februar, meldet an ein gutes Jahr. Friert es nicht im Hornung ein, wird's ein schlechtes Kornjahr sein. -- Wenn es an Lichtmeß stürmt und schneit ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber hell, kommt der Frühling nicht so schnell. Scheinet an Lichtmeß die Sonne heiß, io stammt noch viel Schnee und Eis.. Lichtmeß hell und har gibt ein gutes Roggenjahr. Auf Lichtmeß laß' es Winter fein, so kommt der Frühling bald herern. Wie der Februar, so der August. Ist's zu Lichtmeß licht, geht der Winter nicht. Die Nacht vor Petri,Stuhlseier (22. Februars weiset an, was wir 40 Tage für Wetter bau. Viel Regen im Februar, viel Sonnenschein das ganze Jahr. Tummeln die Krähen sich noch, bleibt uns des Winkers Joch: wenn sie vom Feld verschwinden, wird sich balv Wärme finden. Wenn es friert an Petri Stuhl­feier, friert es noch 14 mal Heuer.

Aufschub der Friedensmiete in Preußen? Wie ver­lautet, wird zurzeit zwischen Reich und den Laudern über 5in sozialdemokratischen Antrag auf Hmausjmwvung der vollen Friedensmiete, die bekanntlich am 1. April in h rau treten soll, verhandelt. Die Länder verlangen vom Reiche für den Fall der Hinausschiebung der Sheisfteuercrbe- bung, daß es ihnen den entstehenden Ausfall, insoweit Etüatâ- und Gemeindeeinnahmen in Frage kommen» er­

setzen soll.

H Wie erhält man landwirtschaftliche HypoLherar- Hretzite? Die Deutsche Rentenbank-Kredm- 8 nft alt teilt folgendes mit: Jeder Landwirt, der an Sen von der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt zu vcr- ssbenden Hhpothekarkrcditen beteiligt sein mochte, braucht üch tun dies zu erreichen, keinesfalls einer gewerbsmuLi- Mh oder Gelegenheits-Vermittlung zu bedienen. Er kann ieinen Antrag unmittelbar, bei einem derjenigen Real- tebitinftitute einreichen, durch die die Deutsche dlènten- >«i^rcbitanftalt die Gelder der Landwirticyaft zufuhren. Wird ^as sind: die Landschaften, die otfentlichrechtlichen keattrebitinftitute (wie Landesbanken, Landeskrewt- rässcn) die 5Ppothe?enbankcn und die Sparkasten. ^o- die Institute Zweigniederlassungen und Agenturen unterhalten, können Anträge natürlich auch bei diesen ein» »eveiät werden. Die genossenschaftlichen Krcdttorganfta- üonen werden in der Lage sein, den mit rynen un Ber- kehr stehenden Landwirten diejenige Stelle zu bezeichnen, bei welcher sie ihren Antrag auf Hypoèhekarkrcdlt am besten einreichen werden, so daß Vermittlergebuhren zu Kzftsn des Landwirtes vermieden werden.

LsförderunFSstsllcn bei der Poft. Der Verwaltungsrat der Reichspost beabsichtigt, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, trotz der vom Ministerium als gespannt erklärten Finanzlage für den Etat 1926 mehrere hundert Beförderungsstellen zu schassen. Bekanntlich sieht der Reichshaushalt 1926 für die anderen Reichsbeamten auf Grund eines Kabinettsbsjchlusses keinerlei Bssörderungs- stellen vor.

Alsfeld, 28. Ian. (Rückgang der Schafzucht.) Die Genoffenschaftsschäferei in Merlau ist wegen Anren­tabilität eingegangen. Auch in ankeren Orten in der Pro­vinz Oberhessen haben die Eenogenschaftsschäfereien das- selü Schicksal erlitten.

Ziegenhain. (Hoch klingt das Lied vom bra­ven Mann . .) Ein Sjähriger Junge aus Althatten­dorf war in die hochgehende Berfa gefallen und unterge- gangen. Auf sein Geschrei eilte der Schreiner Dietmar her­bei, sprang in das Wasser und rettete unter eigener Le­bensgefahr den mit den Wellen ringenden Knaben vom, Tode des Ertrinkens.

Melsungen. Dem Polizeibetriebsassistenten Schreckhase gelang es, einen wegen Betrugs bestraften Versicherungs- inipeftor zu verhaften. Es handelt sich um einen Kauf­mann Otto Scheumann, gebürtig aus Cassel, der zuletzt in Hagen wohnhaft war und im Jahre 1924 vom Amts­gericht Belve wegen Betruges mit 18 Monaten Gefängnis bestraft wurde. Sch. bereiste jetzt den Kreis Melsungen für eine Versicherungsgesellschaft aus Görlitz. Er hatte sich hier schon gut eingeniftet und auch einem Melsunger Mäd­chen die Heirat versprochen.

Hoheneiche, 27. Jan. (Mutiger Retter.) Beim Ro­deln stürzte ein fünffähriges Mädchen von hier in die hoch- gehenden Fluten der Sontra. Der Fabrikarbeiter Peter Koch

rettete das Kind, nachdem es bereift eine Strecke von 300 Me­ter abgetrieben worden war. Die sofort vorgenommenen Wie- derdcULungsversuche riefen das Mädchen ins- Leben zurück.

* Gießen. (Schöffengericht Gieße n.) Der Arbei­ter K. B. von Ulrichstein hat sich dadurch strafbar gemacht, daß er den Personenzug 4-02 von Gießen nach Eschhofen mit einer Arbeiterrückfahrkarte benutzte, nachdem er auf dieser, die für eine Rückfahrt noch nicht benutzt war das Ausgabedatum 5. 9. 1925 in 3. 10. 1985 umgeändert hatte. Das Gericht hielt eine Strafe von 2 Wochen Gefängnis für eine ausreichende Sühne, zamak eine gewisse wirtschnflliche Siotlage vorhanden war und der Täter sich offenbar der Tragweite seiner Handlungsweise nicht voll bewußt war. Das R eich sviehseuchengesetz ver­pflichtet die Viehhändler, bei Viehtransporten behördliche Ur­sprungszeugnisse mit sich zu führen und dieselben auf Verlangen den Polizei beamten vorzuzeigen. Der Viehhändler 6. von Brandoberndors zeigte auf dem Vieh markt in Gießen im Okto­ber 1925 ein gefälschtes Ursprungszeugnis nor; er hatte das Zeugnis jo abgeändert, daß es auf seinen damaligen Viehtrans- port genau patzte. Das Motiv des Angeklagten ist nicht klar festzustellen, es konnte insbesondere nicht nachgewiejen werden, daß er sich oder einem andern einen rechtswidrigen Vermögens­vorteil verschaffen wollte. Er muhte jedoch bestraft werden, weil er in rechtswidriger Absicht eine öffentliche Urkunde Ursprungszeugnis des Bürgermeisteramts zu dem Zwecke der Täuschung benutzt hat. Er erhielt 1 Monat Gefängnis, an deren Stelle eine Geldstrafe von 150 Ji gefetzt wurde. Straf­mildernd wurde in Erwägung gezogen, daß der Verurteilte noch unbestraft ist und unüberlegt gehandelt hat.

* Lich, 28. Jan. (5 0 Iahre Freiwillige Feuer­weh r.) Die hiesige Freiwillige Feuerwehr, der zur Zeit 90 Wehrleute angehören, kann in diesem Jahre die Feier ihres 50jährigen Bestehens begehen. Dies geschieht in Form eines oberhessischen Feuerwehrfestes, das im Juli ftattfindet. Eine Freiwillige Sanitätskolonne vom Ro­ten Kreuz ist der Wehr angeschlossen, außerdem wurde eine eigene Feuerwehrkapelle im letzten Jahr gegründet.

* Lich, 25. Jan. Die Zahl der Erwerbslosen betrügt weit über 100. Die erste städtische Holzversteigerung der ganzen Gegend, die gewöhnlich inbezug auf die Preisge­staltung für alle weitere Versteigerungen in den Ge­meinde- und fürstlichen Waldungen der Gegend maßgebend ist, fand bereits in dem nach Nonnenroth zu gelegenen WalbdiftriktGroßhäuser Berg" statt. Hohe Holzpreise wurden erzielt, die einmal durch den strengen Winter ver­ursacht werden, der in die Vorräte große Lücken gerissen hat, dann aber auch durch die Tatsache, daß in diesem Jahre (nach dem zu starken Holzschlag der letzten Jahre) bedeutend weniger Holz gefällt worden ist. 4 Raummeter Buchenscheit kosteten zwischen 50 und 68 Mark, 2 Raum­meter Buchenknüppel zwischen 20 und 25 Mark, während 4 Raummeter Buchenstock durchschnittlich 25 Mark und 50 Buchenwellen durchschnittlich 15 Mark kosteten. Gar man* cher, der als stiller Beobachter dem oft tollen Preistreiben mit zugesehen hat, wird für sich gedacht haben, daß das Zahlen vielen Käufern sicherlich schwerer halten wird als das Bieten.

Lich, 28. Jan. (Gegen die Vergnügungen.) Da in diesem Winter von fast allen Vereinen schon Unter- haltungsabende und Vergnügungen veranstaltet worden sind, hat der Gemeinderat beschlossen, den Vereinen für weitere Veranstaltungen die Zusage nicht mehr zu ertei­len. Es bezieht sich das vor allem auf die karnevalistischen Veranstaltungen.

Wetzlar, 28. Jan. (Zur großen Armee abbe- r u f e n.) Rechnungsrat a. D. Wilhelm Dittert ist dieser Tage im Alter von über 80 Jahren gestorben. Er hat als Soldat nicht nur die Kriege von 1866 und 1870/71 mitge­macht: als der Weltkrieg ausorach, litt es den angehende« Siebziger nicht mehr zu Hause und er ging nochmals ins Feld. Durch die dabei erlittenen Strapazen hatte seine einst sehr kräftige Gesundheit beträchtlich gelitten.

Limburg, 28. Jan. (Nassauischer Berufsschul- verein.) Hier wurde ein nassauischer Berufsschulverein für den Regierungsbezirk Wiesbaden gegründet, der alle Lehrkräfte der gewerblichen, kaufmännischen und länd­lichen Berufs- und Fortbildungsschulen vereinen soll. Der Verein betrachtet es als feine Aufgabe, mit allen für diese Schulen interessierten Kreisen, wie Innungen, ferner Handwerks-, Handels- und Landwirtschaftskammer, Ee- msindevertrsrungen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerver­bänden usw. organisatorisch Fühlung zu nehmen und sie für die Förderung der Berufsschulen zu interessieren.

- Bad Nauheim, 28. Jan. (Von derH a s s i a".) Der Pflichtbezug desHessischen Kamerad", des Verbands­organs derHaffia", fand in der Hauptversammlung des hiesigen Krieger- und MilitärvereinsHaffia" einmüti­gen Beifall. Die Neuerung hat bereits eine stattliche Reihe neuer Mitglieder dem Verein zugeführt. Beschlossen wurde, an die Hinterbliebenen der verstorbenen Kameraden wie früher wieder regelmäßig ein Sterbegeld auszuzah- len, das bis zu 50 Mark betragen soll.

Bad NanhkiM, 28. Jan. , (A u s d e m P urteilen b e n.) In der Hauptversammlung der Sozialdemokrati­schen Partei wurde beschlossen, sich im kommenden Ge­schäftsjahr noch mehr als seither vor allem der Vildungs- arbeit und der Fürsorgetatigkeit zu widmen. Es wurden daher besondere Ausschüsse gewählt und zwar ein Bil- dungs- und ein Wohlfahrtsausschuß. Auch ein besonderer Beamtenausschuß soll eingesetzt werden. In der stark besuchten Jahresversammlung der deutschen Volkspartei hielt Parteisekretär Weißer-Gießen eine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über die politische Lage. Was er ausführte, war ein erneutes Bekenntnis zu Dr. Stresemann.

FricdS-rg, 27. Jan. (F r ü h ja hr s P f erdemark t.) Der Sriebberger Frühjahrspferdemartt wird am Dienstag, den 10. Februar abgehalten.

* Aus Oberhesfen, 28. Jan. Es ist eine auffallende Er- ' scheinung, daß die I a g d p r e i s e im Vogelsberg als auch in der Wetterau bedeutend niedriger sind wie in der Vorkriegszeit. So wurde z. V. in Ober-Roßbach nur etwa 80 Prozent der Vorkriegszeit, in Busenborn 70 Mark gegen 100 Mark der Vorkriegsjahre.

Frankfurt a. M., 27. Jan. Am Samstag, bin 30. Januar, kann Fran Emma Großmann geb. Stephani in Frankfurt a. M. ihren 101. Geburtstag feiern. Sie Jubilarin, die körperlich und geistig bei bestem Wohlbefinden ist, ist die älteste Ein­wohnerin der Stadt Frankfurt. Ihr Diener Jakob Becker, der 31 Jahre bei ihr tätig isst wird- demnächst 80 Jahre alt.

Frankfurt a. M., 28. Jan. (Deutsche Photogra­ph ische Ausstellung.) Der Eentralverband (Rèichs- verband) Deutscher Phatographenvereine und Innungen E. V. hält in Frankfurt a. M. seine diesjährige protze Hauptv'er- - fammlunF ab. In Verbindung mit ihr wird im Hause ,Merk-W Lund" vom 14. August bis 1. September die Deutsche Moto-M. graphische Ausstellung 192'6 stattsindeu. Auskünfte durch die AusstelluMs leiiung der Deutschers Photographischen Ausstellung 1923, Frankfurt a. M., Haus Offenbach. :

Darmstadt. Sie Spareinlagen bei d en öffent­lichen Sparkassen Hessens haben nach der vorläusi- gen Statistik Ende 1925 den Betrag von rund 39,3 Millionen Mark erreicht. Durch die Gutschrift der Zinsen wird eine Er­höhung auf etwa 41 Millionen Mark eintreten. Am Ende des vorausgeangenen Jahres betrugen die Spareinlagen rund 14 Millionen Mark. Das Jahr 1925 hat somit Len-' ansW-W lichen Zuwachs- von 27 Millionen Mark gebracht. Dieser Er­folg ist nicht zuletzt der Rührigkeit der Sparkassen zu verdan­ken, welche keine Mühe scheuten, dem großen Pnblik'.iin den in der Inflationszeit untevgegangenen Spargebanken wieder nahe zu bringen; es liegt darin aber auch der Semeis Les zurückge­kehrten Vertrauens zur Reichsmarkwährung. Dieses Ver­trauen ist durchaus begründet. Aus den fortlaufenden- Serös* fentlichungem der Reichsbank ergibt sich, daß die vorgeschrie- ' bene Deckung des Notenumlaufs zeitweise 60 Proz. erreichte und damit den gesetzlich geforderten Mindestsatz von 40 Proz. erheblich überschritt. Sie Organisation der neuen Reichsbank bietet die unbedingte Gewähr, daß eine Notenausgabe unter Außerachtlassung der gesetzlichen Deckungsvorschriften ausge­schlossen ist. ReichsmartnvLen gelten im internationalen Ver­kehr als vollwertig. Wer im Ausland reift, weiß daß sie über­all sehr gerne ohne weitere Umständlichkeiten in Zahlung ge­nommen werden.

Darmstadt, 27. Jan. (Anlage de-r hessischen Gemeindegelder.) Das hessische Mènisteriurn des' Innern hat, wie Lie Frankfurter Zeitung hört, den Hessi-1 scheu Gemeinden empfohlen, bei der Anlage ihrer jeweils verfügbaren Mittel, keinen höheren Zinssatz als 8 Proz. oder den jeweils vom Staate verlangten Zinssatz für Staatsgelder zu fordern, mit der Maßgabe, daß hie Kredit­institute bei denen sie ihre Mittel erstiegen, diese Gelder im Verkehr mit ihrem Kundenkreis im Durchschnitt mit keinem höheren Aufschlag als 1 Prozent über dem von ihnen abverlangten Zinssatz weiter zu ge­ben und in ihrem gesamten Geschäftsverkehr die Zins­spanne auf einen möglichst niedrigen Satz zu beschränken.

Pforzheim, 28. Jan. (Nicht abgehobener Lot­te r i e g e w i n n.) Daß ein Lotteriegewinn von 7000 Mk. nicht abgehoben wird, dürfte gewiß zu den größten' Sel­tenheiten gehören. Dieser Gewinn der Pforzheimer Wit­wentrost-Lotterie, der auf die Nr. 68 793 fiel, ist trotz wie­derholter Aufforderung noch nicht avgeholt worden.

Neustadt a. d. H., 27. Jan. Sie älteste Einwohnerin der Pfalz, Frau Veronika Vogt, ist in Gleishorbach im 101. Lebens­jahre gestorben. Im Juni v. I. hatte die Frau noch in völliger Rüstigkeit im Kreise ihrer Enkel und Urenkel ihren 100. Ge­burtstag gefeiert, aus welchem Anlaß sie von einer Abovdnuug Les bayerischen Landtags unter Führung Les Vizepräsidenten.-' Dörfler begrüßt wurde.

NürRberg, 27. Jan. (Ein altes Brautpaar.) In Sonthofen-Rieden sank- eine Hochzeit statt, bei der die beiden beteiligten Parteien das stattliche Alter von 140 Lenzen in die Wagschale legen konnten. Der Bräutigam zählt 72 Jahre, Lie Braut schwebt im Vlüienalter von 68 Jahren.

Die Worte sind im Flüsterton gesprochen.,Doch Henry Vartketz muß den Sinn von den Lippen des Arztes abge­lesen haben. Ein Zucken überläuft seinen Körper.

Ich, muß sterben? preßt er mühsam hervor.Die Wahrheit, Doktor! Ja oder nein?"

. Dr. Morris schweigt einige Sekunden. Dann erwidert er mit feierlichem Ernst:

Ja.

Keine Rètrung mehr?"

Nein."

Tiefs Stille . . .

Ob der Sterbende die ganze Tragweite dieses einen Wortes empfindet? Ob Grauen und Entsetzen ihn packen? Oder ob ihm das nahende Ende als Erlösung erscheint aus einem Labyrinth, in das er sich durch eigene Schuld verstrickr hat? Und aus dem es für ihn kein Entrinnen mehr gibt, als durch den mitleidsvollen Tod? Wer kann es jagen?

Keine Miene in seinem unbeweglichen Gesicht zuckt. Stumm und starr liegt er da. Und wartet--

Plötzlich kommt etwas wie Leben in die schon halb ge­brochenen Au gen.

Meiß j i e es? Evelyne?" bringt er mit Anstren­gung hervor.Sie wird froh sein----"

Schweigen. Niemand widerspricht. Nicht einmal aus Barmherzigkeit.

Mitten hinein in diese drückende Stille draußen ein Hupensignal. Und das plötzliche Halten eines Autos.

Nach wenig Sekunden schon tritt Edward Harding ein. And Hinter ihm seins Tochter.

.Evelyne ist sehr bleich fast so bleich, wie der Ster­bende selbst. Ihr Vater steht alt und verfallen aus. Man hat ihn aus dem Bett herausgeholt, in dem er neuerdings bis gegen Mittag der Ruhe pflegt, und die verjüngenden Hande seines Kammerdisners hatten keine Zeit mehr, ihre Kunst an ihm zu erproben. Wider seinen Willen hat man ihn .mitgeichleppt. Und man sieht ihm an, daß er sich mäch­tig unbehaglich fühlt.

Mit Aufbietung all ihrer Willenskraft überwindet Evelyne ihre Scheu. Gesenkten Hauptes tritt sie näher.

,-Jch ich danke dir, daß du gekommen bist mur­melt der Sterbende, die umflorten Augen auf sie richtend.

Es ist das letztemal mit mir geht's geht's zu Ende--

Er schweigt erschöpft, um plötzlich hastig herauszu­stoßen:

Wo wo ist er? Theodor?"

Wieder tiefes Schweigen. Doch es sagt Bartley genug. Seine Glieder sind gelahmtz schon umschweben ihn die Schatten des Todes. Aber noch immer arbeitet sein Hirn dies wohlgeschulte, trainierte, nie rastende Hirn, das es stets verstanden hat, die verwegensten Pläne auszubrüten, wenn es den eigenen Vorteil galt.

So so murmelt er in sich hinein.Also ver­haftet!" .

Mit einem seltsamen Ausdruck irren seine Augen von dem Einen zum Ander«. Und bleiben schließlich an Peter Barns' undurchdringlichem Gesicht hängen.

Wenn ich der Welt Lebewohl sagte ohne zu bekennen es würde die Sache erschweren!"

Vielleicht."

Selbst wenn Las Gericht ihn, den Andern frei- sprächc wegen Mangel an hahaha, an Beweisen die Welt würde anders urteilen, wie?"

Wohl möglich!"

Schwüle Pause. Die Tragik der Stunde lastet auf allen wie ein drückender Alb.

Und plötzlich schluchzt Evelyne, mitten hinein in die tiefe Stille, laut auf.

Ein verbissener Ausdruck breitet sich über Bartleys Züge. Wem gelten diese Tränen? Ihm, dem Sterbenden? Oder dem Anderen, dem Lebenden? Sicher dem Lebenden, der hinter Schloß und, Riegel schmachtet!

All right! Mag er weiter schmachten! Er, der Ster­bende, wird nichts tun, um den Lebenden por dem Gefäng­nis zu bewahren.

Und in stummer Abwehr schließt er die Augen.

Da fühlt er, wie eine weiche warme Hand sich auf seine Stirn legt. Und eine sanfte Stimme, halb von Tränen er­stickt, raunt ihm mitleidsvoll zu:

-Angesichts der Majestät des Todes schwindet jeder I Groll. Ich habe alles verziehen. Schlaf' ruhig!"

Dem Sterbenden ist es, als vernehme er eine Stimme 1 aus lichten Höhen. Ein Hauch stillen Friedens, den fein

ränkevoller Geist nie gekannt, senkt sich auf ihn herab.

Er hebt die müden Lider und sieht Evelynes Augen voll' himmlischem Erbarmen auf sich ruhen--

UndDoktor!" stöhnt er.Doktor!! Eine Mor-s phiumspritze! Damit ich sagen kann, was zu sagen ist! Rasch!! Ich habe habe keine Zeit mehr zu ver­lieren !" .

Die Spritze tut sofort ihre Wirkung. Noch einmal flackert das mattglimmende .Lebenslicht auf, bevor es für immer verlöscht.

Wenn mir gestern jemand gesagt hätte, ich würde heute bekennen ich hätte ihm geradeaus ins Gesicht gelacht," ironisiert Bartley sich selbst.Aber gestern-gehörte ich noch dem Leben an. Heute bin ich vorbei. für im­mer. Ich weiß, meine Minuten sind gezählt. Bliebe ich am Leben kein Wort käme über meine Lippen. Lieber würde ich ein Dutzend Unschuldiger am Galgen zappeln sehen, als dich aufgehen, Evelyne. Denn ich habie dich geliebt mit wahnsinniger Leidenschaft, mit einer Art von Ra­serei! Um dich zu besitzen, habe ich gelogen und betrogen habe ich Dokumente gefälscht habe ich gemor­det! Ja" seine Stimme wird kräftiger, energischer gemordet!! I ch war es, der Pit Mackay,tötete! Ich!!"

Es ist heraus, das inhaltschwere Wort. Ein Seufzer der Erleichterung hebt die Brust des Sterbenden. Noch einmal sammt seine wahre Natur zum Durchbruch seine rück­sichtslose Energie, fein brutaler Haß gegen alles, was sich seinen Zwecken hindernd in den Weg stellte.

Ich tat es nicht in der Notwehr! O nein! frägt er mit einem mephistophelischen Lachen heraus, das allen einen Schauer über den Rücken jagt.Aus dem Hinterhalt griff ich ihn an, weil er mir im Wege war! Ich Paßte ihn

er mußte sterben! Ein Stoß' und er flog über die Strandmauer. Ein Schuß und das letzte Steftdjeii Keinen war entflohen ffft!

Die grausame Ironie in den letzten Worten übt eine schauervollc Wirkung aus. Nur Peter Barns, der an der­lei dramatische Szenen gewöhnt ist, bewahrt seien stoische Ruhe. Eifrig notiert er jedes Wort des wichtigen Bekennt­nisses,

(FortsPyng. sglgtZ