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^Fuldaer AnZeiger |

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Nr. 2l Uulda, 3H. Januar 1926

WoGenendtagung der Mleichszentrars für B^imaLdiensL

am 23. Januar in Lauterbach.

(Ausführlicher Eigenbericht d. Bl.)

Der Leiter der Landesabteilung Hessen der Reichszentrale für Heimatdienste, Herr O l l m e r t, Frankfurt a. M.. richtete zunächst herzliche Begrüßungswarte an die Erschienenen, hun­dert bis hundertundzwanzig Männer und Frauen aus Stadt und Kreis Lauterbach. Aufgabe solcher staatsbürgerlichen Bil­dungstage sei es, Aufklärung über die wichtigsten Ereignisse auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet in weite Kreise der Bevölkerung zu tragen. Die Reichszentrale für Heimaldienst ist keine Rachkriegsgründung, sondern wäh­rend des Krieges entstanden. Sie ist keiner Partei dienstbar und dem Reichspresseamt unterstellt.

Darauf ergriff das Wort Herr Erziehungsdirektor Beckmann, Frankfurt a. M., zu feinem Vortrag: „Deutsche Geschichte und deutsches Schicksal".

Wer nicht Optimist ist, sollte von zwei Dingen die Finger lassen: von der Erziehung und von der Politik! Slher heute, wo wir so tief gesunken sind, Optimist sein? Gewiß, wir leben in böser Zeil. Aber die Geschichte, die so überaus traurige deutsche Geschichte, führt uns nicht nur in ähnliche, noch schreck­lichere Zeiten, sondern läßt uns immer wieder emporsteigen. Ein Auf und Ab in ewigem Wechsel. Und so ist auch heute kein Grund zum Verzweifeln. Denken wir nur daran, wie verhält­nismäßig schnell Deuischland die ungeheuren Verluste des dreißigjährigen Krieges überwunden hat. Alle Deutschen müßten mehr aus der Geschichte lernen, müßten alle gleich stolz auf ihr Deutschtum sein. Der Franzose ist stolz auf die Helden seiner Geschichte, ganz gleich, ob sie dem Königtum, der Re­publik oder dem Kaiserreich angeboren. Seine Geschichte ist ihm ein großes Heldengedicht. Wie anders bei uns!

Die deutsche Geschichte und das, deutsche Schicksal! Sehen wir zurück auf Hermann, den Befreier. Er starb — durch deutsche Hand — weil er Deutschland einigen wollte. Auch in der Folgezeit verhinderten immer wieder Stammesgegensätze das rechtzeitige Zustandekommen eines deutschen Einheitsstaa- tcs. Einmal hatten wir für kurze Zeit ein einiges Deutschland: das Reich Karls des Großen. Aber es zerfiel im Laufe der Jahrhunderte in eine Unmasse von Staaten und Stätchen, die ganz willkürlich — nach rein dynastischen Gesichtspunkten — gebildet wurden. Glücklicherweise verminderte dann Napoleon als „die Kraft, die das Böse will und doch das Gute schafft", die Zahl der deutschen Staaten auf 35, die der Wiener Kon­greß „legitimierte". Bismarck hat dann für eine weitere Zu­sammenlegung gesorgt und im Jahre 1918 verschwanden 7 thü­ringische Staaten, so daß wir jetzt noch 18 Teilstoaten in Deutschland haben. Das Fehlen einer Zentralgewalt bedeutete von jeher das Unglück Deutschlands. Es warund bleibt die Aufgabe der großen deutschen Staaten (Preußen!), Deutsch­land zur völligen Einheit zu führen.

Zu der politischen Zerrissenheit und Uneinigkeit kamen nun nach der Reformation die ewigen Kämpfe um das Bekenntnis. (Unverantwortlich handelt, wer heute noch, auch nur im ge­ringsten, religiöse Gegensätze verschärft.) Sie führten schließlich, anrit nicht nur zu (völligem) innerpolitischem Tiefstand, sondern zu völliger außenpolitischer Bedeutungslosigkeit. Deutschland wurde der Kriegsschauplatz fremder Völker.

Da ist es kein Wunder daß es kein deutsches National- aefühl gab. Heute ist, Gott sei Dank — vieles besser geworden. Zur großen Enttäuschung der Franzosen blieb ganz Deutsch­land einig in dem Wunsche: Das Reich muß uns doch bleiben, in der Revolutionszeit sowohl als auch im Ruhrkampf. Das läßt uns hoffen!

Zum Schlüße kam der Redner noch auf die Frage Zen- tralismus oder Föderalismus? Das Bismarcksche Reich mit feinen 25 Bundesstaaten war nicht Schuld am Zusam­menbruch, sondern die Tatsache, daß Bismarck allein durch den Kaiser entlassen werden konnte. Eine weitere Zentralisierung hält der Redner für gut. Die Stammeseigenarten müssen na­türlich gewahrt bleiben. Eine Beseitigung der kleinen Staa­ten würde außerdem eine bedeutende Ersparnis bedeuten.

Staatsbürger müssen wir erziehen, nicht Bierbank­politiker, nicht solche, die alle ihre Rechte kennen, nein, Staats­bürger, die auch alle ihre Pflichten kennen und erfüllen. Die Formen des politischen Kampfes müssen veredelt werden, rein sachlich müssen die Auseinandersetzungen vor sich gehen. Nie­mand sollte sagen: Ich bin nationaler als Du! Wenn einer sagt: Ich bin frömmer als Du, so ist seine Frömmigkeit nicht sehr groß!! — Unsere Jugend aber halte man fern von dem „Parteispuck", bis sic reif ist. Unser Wahlspruch sei: Ich hab mich ergeben ...

Der tolle Mister Teddy von Newyork.

Der Roman eines Eigenwilligen.

Von Erich Friesen.

65) (Nachdruck verboten.)

Seine Sinne schwinden. Er verliert das Gleichgewicht. Und stürzt über das Geländer. _

Ein unartikulierter Schrei — ein dumpfer Fall — Dann alles still. Totenstill.

Nur die Wellen singen ihren monotonen Rauschesang.

XXVIII.

Nicht umsonst ist Peter Barns „Newyorks findigster De­tektiv". Seine Nase stöbert jebe, auch die verborgenste Fährte auf, gleich dem geriebensten Polizeihund. So auch diesmal.

Obgleich kein Mensch auf den Gedanken gekommen wäre, Henry Bartley könne sich nach den gestrigen Vor­kommnissen heute noch in Coney-Island aushalten, treibt Peter Barns sein nie verfehlender Instinkt doch unwider­stehlich dorthin.

Nicht nur nach Coney-Island, sondern auch zur Strand­mauer, zum Tatort des Mordes.

Seit Monaten umlauert er den Fleck mit den Lux- augen des gewiegten Kriminalisten, als ob ihm von da unten her das Licht der Wahrheit entgegenleuchten müsse.

Die Wahrheit ist bereits an den Tag gekommen. Denn für Barns gibt es keine Zweifel mehr.

Was ist es, das ihn auch heute, nach seiner Unterre­dung mit Mister Teddy, wieder nach Coney-Island treibt? Das ihn, wie alle Tage vorher, die Strandmauer ab­laufen laßt? Das ihn auch heute aufmerksam hinunter­spähen läßt nach der Stelle, wo der Ermordete damals aufgcfunden wurde? ...

Er könnte doch nachgerade wissen, daß es da unten für ihn keine lleberraschungen mehr gibt.

Trotzdem er späht hinunter. Und traut seinen Augen nicht.

Liegt dort nicht jemand zwischen den Steinen ge­rade so. wie damals am Tage des Mordes?

Peter Barns schüttelt unmutig den Kopf, lind schilt sich ein „hysterisches altes Weib", das so lange allabend- 11 rfc nnr m ^,l\f .-.{'n h ^rtk .-ui uttkre MoK n urH itnrh ötnom n^r-:

Reicher Beifall lohnte den Redner. Seine Ausführungen waren so klar und überzeugend, daß eine Aussprache nicht st a t t fa nd. _______________

Als zweiter Redner des Tages sprach Herr Privatdozent Dr. Raab, Eießen, über: „Deutschlands Wirtschaft und Fi­nanzen : Tatsachen und Aufgaben".

Wenn man Einsicht gewinnen will in die wirtschaftlichen Zusammenhänge eines Volkes, muß man feine Vermögens- und Einkommensbilanzen aufstellen und vergleichen. Bei den fol­genden Aufstellungen sind alle Beträge in Vorkriegs-Eoldmark umgerechnet, da ja das Gold auf der ganzen Welt an Kauf­kraft verloren hat.

Stand des deutschen Volksvermögens:

1913.

Gold-Mark

Milliarden

Sachwerte in Privat- und öffentl. Besitz im Innern 350 Besitz usw. im Ausland 25

Reinvermögen 375 1924.

Gold-Mark

Milliarden

Reinvermögen 1913 375

Dermögensminderung 200

175

Die Vermögensminderung setzt sich zusammen aus: Verluste durch Krieg und Kriegsfolgen 160

Belastung durch Reparationen 40

200

Interessant ist, daß die Zahl 160 Milliarden für Kriegsverluste nach verschiedenen Methoden unabhängig voneinander sowohl von dem Redner als auch von dem verstorbenen Staatssekretär a. D. Helfferich berechnet wurde. Sie schließt natürlich nicht nur die eigentlichen Kriegskosten. das was „verpulvert" wurde, in sich, sondern alles was vernichtet oder dem Ausland zuge­führt wurde, z. B. die Verluste beim Rückzug, die Lieferungen beim Waffenstillstand und zur Ausführung des Versailler Ver­trags, die abgetretenen Gebiete, Kolonien, die Flotte, Lokomo­tiven und vieles andere.

Was die Reparationsforderungen anlangt, so kann man diese eigentlich gar nicht zahlenknäßig angeben, da sie noch nicht festgelegt sind. Ob die Alliierten 400 oder 132 Goldmilliarden fordern, das ist eines so sinnlos wie das andere. Zu verzinsen sind vorläufig „nur" 40 Goldmark-Milliarden. Die Forderung von 132 Milliarden besteht dabei nominell auch noch.

Das Einkommen des deutschen Volkes betrug:

im Reiche im Ausland

1913 37

3

40

1924

28

28

Die Ausgaben:

1913 1924

1. Verbrauch der Wirtschaft

27 ’/o 16 ' Vo

2. Oeffentliche Verwaltung

4% st, 9% st.

3. Vernrögens-Zuwachs

8% st, — —

4. Zahlungen an das Ausland

— st, 2% st.

40 28

Was ergibt sich aus dieser Gegenüberstellung? Vor dem Kriege betrug der Ertrag der Wirtschaft rund 11 Proz., heute rund 13 Proz. Die Wirtschaft hat also mehr erzielt als früher. Die Lebenshaltung ist durchschnittlich auf 60—70 Proz. gesun­ken. Das Volksvermögen konnte nicht vermehrt werden. In der Inflationszeit ist ès sogar verhindert worden (Sachwerte ins Ausland!). Die Zahlungen an das Ausland werden im­mer größer. Was können und müssen wir tun, um eine Bes­serung herbeizufllhren?

Die Lebenshaltung — auch der Lohn- und Gehaltsempfän­ger — kann nicht noch weiter, berabgedrückt werden. Dies würde zudem der Wirtschaft mehr schaden als nützen. Auch den Achtstundentag kann man nicht für die Not allein verantwort­lich machen. Man muß die Wirtschaft rentabler gestalten, in der gleichen Zeit — bei gleichem Lohn — mehr als seither er­zeugen, und zwar nicht durch schnellere Bewegung der Hand, sondern durch Maschinen, besser durchdachte Arbeitsmethoden usw. Eine solche Produktionssteigerung kostet Geld! Aus­landskredite sind abzulehnen. Die Lebenshaltung einschrän­ken, hieße die Volksgesundheit untergraben, den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Eine Hoffnung wäre die anderweitige Regelung der Reparationskoften. Schon lange dämmert es bei unseren Feinden, daß sie sich ins eigene Fleisch geschnitten ha­ben (dauernde Arbeitslosigkeit, Absatzkrisen usw.). Die deut­schen Sachlieferungen bilden eine unerwünschte Konkurrenz für die Industrie des Auslandes. Deshalb wird in den nächsten Jahren sicherlich eine Neuregelung kommen. Ms diese Er­kenntnis reif geworden ist, müssen wir aber unsere Aufgaben anders gestalten. Dies ist möglich bei der öffentlichen Verwal- cung. Nicht durch Abbau und Gehaltsabzüge, sondern durch Verringerung der öffentlichen Tätigkeit und der Instanzen. Dor allem aber ist es unverantwortlich, wenn man Pensionen und Renten nicht nur an die auszahlt, die darauf angewiesen sind,

meiutlichen Dieb, bis cs zur fixen Idee bei ihr wird, daß wirklich ein Dieb darunter liegt.

Doch kann er nicht hindern, daß seine Augen nochmals scharf hinter den großen Brillengläsern hinabspähen.

Peter Barns ist aber kein hysterisches altes Weib, son­dern ein echt amerikanischer „matter-of-fact-man", der niemals an Halluzinationen leidet, dessen sämtliche Sinne vielmehr unheimlich klar und nüchtern funktionieren.

So tut er auch diesmal das vernünftigste, was ein Mensch in seiner Lage tun kann: er llexien die Mauer hinunter, um sich durch näheren Augenschein zu überzeugen, was da unten ist.

Und zum erstenmal in seinem Leben ist Peter Barns verblüfft.

Denn zusammengerollt wie ein Igel, liegt dort ein Mann. Und dieser Mann ist — Peter Barns faßt sich an die Stirn, ob er nicht träume — ist — Henry Bartley! . .

Als Barns sich von seiner Verblüffung erholt hat, läßt er zuerst einen gellen Pfiff auf seiner Polizeipfeife nach Hilfe ertönen. Dann versucht er, den Verunglückten auf­zurichten. Dabei gewahrt er, daß große Blutstropfen aus einer offenen Schläfenwundc sickern. Und daß das Be­wußtsein geschwunden ist. Doch schlägt das Herz noch, wenn auch matt und unregelmäßig ---

Als bald darauf zwei Polizisten eintreffen, lautet Barns' kurzer Befehl:

„Rasch! Ins nächste Haus! Zu den Parkers auf Pine- Wood! Jede Sekunde ist kostbar!" —

Eine Viertelstunde später liegt Henry Bartley in der kleinen Hütte der Parkers. Und zwar — grausame fronte des Schicksals! — auf demselben Lager, auf dem vor Monaten der arme Pit Mackay geruht hatte!! Der Mör­der und der von ihm Ermordete!!!

Mit gefalteten Händen steht Elsie daneben. In ihrem Herzen kämpfen die widersprechendsten Empfindungen: Entsetzen, Abscheu — und doch auch wieder Mitleiden. Sie hat ihn ja einst geliebt, den Wann. der da still, mit ge­schlossenen Augen und blutüberströmt Vor ihr liegt — nur kurze Zeit und in einem ihr jetzt selbst unbegreiflich er­scheinenden Rausch aber, sie hat ihn geliebt — ober glaubte wenigstens, ihn zu lieben. Und ihre Augen füllen sich mit Tränen.

Als He Mi railb. wie auf etwas Unrechtem ertappt, ab-

fondern auch solchen, die bereits ein ausreichendes Einkommen aus ihrem Beruf besitzen. Man braucht gar nicht diese Rechte zu streichen, sollte sie aber unter den heutigen Verhältnissen ruhen lassen, solange der Bezugsberechtigte versorgt ist.

Kann man auf diese Weise die Ausgaben beschränken, so sind weniger Steuern nötig und die freiwerdenden Beträge könnten die Wirtschaft neu beleben. Nur nach großen Opfern kann es endlich wieder aufwärts gehen.

Mr die überaus klaren Ausführungen spendete die Ver­sammlung auch diesem Redner lebhaften Beifall. In der Aus- , spräche hob Herr Dr. Schütz ergänzend hervor, daß sich heute alle Schichten der Bevölkerung auf die verringerte Lebens­haltung einstellen müßten.

Der Nachmittag brachte den mit Spannung erwarteten Vortrag des Herrn Trupvenunterrichtsleitrrs Studienrat S t i e m m e r, Cassel, über „Die großen Mächte im Wandel der Nachkriegspolitik".

Er ging aus von der vollendeten Tatsache des Versailler Vertrags und glaubt, daß wir der weiteren Entwicklung der Dinge mit Ruhe entgegensetzen können, die Zeit arbeite für uns. Für alle Deutschen gibt es selbstverständlich nur ein Ziel: Revision des Versailler Vertrags. Ueber die Wege kann man im Zweifel sein. Fest dürfte liehen, daß wir sie mit Waffen­gewalt nicht erzwingen können.

Was haben unsere Feinde gewollt und was haben sie er­reicht? Sie haben gegen ihre eigenen Interessen gewütet!

Amerika hat dies bald Angesehen und deshalb den Ver­trag nicht ratifiziert. Schon seit Roosevelt hat es die .Monroe- Doktrin" aufgegeben (Amerika den Amerikanern, keine Einmi­schung in europäische Verhältniße). Es hat nicht nur uns. son­dern vor allem England außerordentlich geschädigt. Früher besaß es eine ziemlich unbedeutende Handelsflotte, heute tritt es in starken Wettbewerb mit England, doch dies muß gute Miene zum bösen Spiel machen. Heute ist nicht mehr der at­lantische Ozean, sondern der pazifische das Machtzentrum der Welt. Das kleine, aber starke'Japan ist dort der Gegner Amerikas. So könnte man in Washington unmöglich den Ver­trag annehmen, denn dieser ließ ja Japan auf dem asiatischen Festland Fuß faßen. Und England — ließ seinen langjährigen Bundesgenossen fallen, um sich nicht mit Amerika zu verfein­den. — Nibelungenpolitik macht man nur in Deutschland! — Japan blieb deshalb keine andere Wahl, als sich an R u ß - land anzufchliotzen. Dieses gewaltige Reich ist trotz aller Prophezeihungen nicht auseinander gefallen und hat jetzt wieder feinen Hafen Wladiwostock zurückerhalten. Wieder einmal neigt es mehr nach Asien. England hat schwere Sorgen, ob und wie es seinen Streubesitz — fein Weltreich — zusammen­halten kann. Es hütet sich vor offenen Zusammenstößen mit Frankreich und noch mehr mit Amerika. England und Amerika wollen ihre Geschäfte zusammen machen! Die Zukunft wird den großen Reichen gehören: dem englisch-amerikanischen Reich, Rußland und vielleicht auch dem volkreichen China.

Die europäischen Staaten sind dagegen Zwerge. Auch wir müssen uns daran gewöhnen, in Kontinenten zu denken. Wenn der Haß andauert, werden sich die Völker selbst zerfleischen. Deutschlands und Frankreichs Wirtschaften sind aufeinander angewiesen. Mit Waffengewalt konnte Frankreich das feh­lende Ruhrgebiet nicht erringen. Da auch England und Amerika es im Stiche ließen, mußte es nach Locarno gehen. Wir können mit dem Erfolg zufrieden sein. Wir haben — nach Bismarck — das Erreichbare erstrebt und erreicht. Auch bezüglich der Offfragen und sogar Elsaß-Lothringen brauchen wir noch nicht alle Hoffnung zu begraben. Mit Gewalt können wir allerdings nichts ausrichten. Politik heißt, im geeigneten Augenblick das Richtige tun! Wir müßen ein Volk der Zu­kunft werden, unsere Blicke von Einzeldingen abwenden, hin aus das Ganze uVv mit festem Willen dem Ziel entgegenstreben!

In der Aussprache brachte Herr Vogel zum Ausdruck, daß er nicht an eine aufrichtige Freundschaft Frankreichs glaube, da es ja gezwungen nach Locarno gegangen sei. Der Redner konnte dies nicht ganz von der Hand weisen, glaubt aber cm eine allmähliche Besserung der Lage. Auch der Leiter der Ta­gung meint, daß wir mit der Waffe des Geistes, der einzigen, die wir noch besitzen, kämpfen münen, damit der Geist von Lo­carno endlich auch in Frankreich sich durchsetze.

Darauf dankte Herr Kreisdirektor Michel im Namen aller Erschienenen der Reichszentrale und den Rednern dafür, daß sie die Wolke des Pessimismus, die über uns gelagert, zer­streut hätten. Eine Erkenntnis der Tagung fei : Gottes Müh­len mahlen langsam und anders als der menschliche Verstand es sich ausmalt.

Zum Schluß dankte Herr A l l m e r t nochmals allen, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen, den Herren Kreisdirektor Michel, Bürgermeister Walz, Realschuldirektor Stein und Kreisschulra: Lorentz sowie der Preße und nicht zu­letzt auch den Herren Rednern. Gleichzeitig versprach er eine weitere, ähnliche Tagung, wenn möglich, noch in diesem Jahr. Ein stärkerer Besuch wäre sehr zu begrüßen und wohl auch mit Sicherheit zu erwarten.

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wendet, sieht sie Peter Barns' Augen forschend auf sich gerichtet — mit einem seltsam angstvollen Ausdruck, den sie sich nicht erklären kann.

Ein Arzt ist rasch zur Stelle. Er nimmt eine genaue Untersuchung vor. Dann sendet er einen Boten ins Schloß mit der Weisung, Mister William Vanderbild möge her- überkommen. Aber sofort.

Der alte Herr ist nicht wenig erschrocken über die neue Wendung, die der seltsame Fall genommen hat. Er äußert den Wunsch, man möge einen reitenden Boten nach der Cottage senden und die Braut des Verunglückten be­nachrichtigen.

Dr. Morris schüttelt mit einem Blick auf das grau­bleiche Gesicht des Verunglückten bedauernd den Kopf.

„Ich fürchte, es wird zu spät sein. Immerhin — man kann es versuchen."

Henry Bartley hat die Augen noch nicht aufgeschlagen. Uebcrhaupt bisher kein Zeichen wiederkehrenden Bewußt­seins gegeben. Völlig teilnahmslos liegt er da, ohne sich zu rühren.

Eine starke Morphiumeinspritzung hat den gewünsch­ten Erfolg.

Unruhig beginnt der Schwerleidende den Kopf hin und her zu bewegen. Seine Lider öffnen sich: doch ist sein ver­schleierter Blick verständnislos umher.

„Wo — wo bin ich?"

Als er Elsie gewahrt, zieht etwas wie ein schemenhaf­tes Erkennen über seine Züge.

„Ach so —“ murmelt er vor sich hin — „ja — ich ver­lor das Gleichgewicht — fiel--wie bin ich — hierher gekommen?"

Er will sich rühren. Vergebens. Alle Glieder wie gelähmt.

Erschüttert beugt William Vanderbild sich über ihn.

„Armer Henry! Haben Sie Schmerzen?"

„Nein. Ich fühl' mich leicht — so leicht, als müßt' ich fliegen — —“

Vandcrbilds Blick sucht den des Arztes.

„Ein gutes Zeichen! Wie, Doktor?"

Wieder schüttelt dieser den Kopf.

„Nein, Sir. Im Gegenteil! Seine Gefühlsnerven find gelähmt. Schwere Verletzungen des Rückenmarks.