Fuldaer Anzeigers
Fulda Blatt 2 I
^T”""-7Sb<b 30. Januar 1926
Vergeben - nicht Rache.
Röm. 12, 19: Rächei euch selber nicht, meine Liebten, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es teht geschrieben: die Rache ist mein, ich will vergelten, pricht der Herr.
Rächet euch selber nicht! Diesem Wort stimmt jeder Christ zu. Aber wenige handeln danach. Und wieviel Unheil ist durch die Rache angerichtet worden! Du sagst: „Ich räche mich nicht. Ich mach es, wie die Schrift cs will: ich überlasse Gott die Vergeltung." Ich sage dir: Denk nach! Bist du damit schon besser als die, die sich selbst rächen — oder vielleicht schlimmer? Wenn du Gott die Vergeltung überläßt, weil du dich nicht genügend rächen kannst oder weil du dich scheust vor den Folgen oder weil du dich fürchtest vor Gegenrache; und wenn du daher sprichst: Ich überlaß es Gott, der wird's ihm schon besorgen, gründlicher als ich es kann: mit dem heimlichen Wunsch: Wenn's ihm doch tüchtig gegeben würde — dann bist du noch schlimmer als der, der sich selbst rächt. Dann bist du rachsüchtig und dazu feige und ein Heuchler ■ und ein Frevler, indem du Gott, den gütigen und gerechten, zum Henkersknecht für deine ungöttliche Rachsucht machen willst. Mach Platz dem Zorn Gottes, das heißt: tritt demütig beiseite und vertraue ihm voll Glauben, daß' er es besser ordnen wird als du es möchtest; das heißt: sprich hochherzig zu ihm: „Ich überlasse dir meinen Feind, aber lch bitte dich: Vater, vergib ihm!" Handelst du so? Dann handelst du recht. P. H. P.
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Amz Max Wh her ^Kow^fM Darlegungen des ehemaligen Reichskanzlers,
letzten, Ru^ewandeMungey im Untersuchungsausschuß des Reichstages über den Zu-amrneubrucy spielte die orage eine große Rolle, ob der damalige Reichskanzler Prinz Max von Baden von dem beabsichtigten Vorstoß der deutschen flotte g e tv u ß t habe oder nicht. Dem uuteriuchungsausschuß wurden in dieser Anaelegenh-nr nunmehr Darlegungen aus dem in Druck befindlichen Buche des früheren Reichskanzlers Prinz Max von Baden als Arb-ttts- material sur den Ausschuß bekanntgegebeu. Es heißt darin u a.: Staatssekretär Ritter von Mann sei in der Kabinetts- am 2. November erschienen und habe von einer
Meuterei der Mannschaften
mehrerer großer Schiffe berichtet, die sich geweigert hätten, dem
?"slau,en am 29. und 30. Oktober Folge zu lei- sten. Als Beweggrund hatten sie angegeben, daß die Offiziere und das dlottenkonimando den Frieden nicht wollten, v. Mann habe einen Aufruf der Regieruug erbeten,
^^sthnung zur Disziplin, aber kein Amnestiever- sprecheu enthalten chllte. Tatsächlich sollte nach Meinung des Prinzen Max von Baden am 29. Oktober die
Flotte zur Entscheidungsschlacht
ausfahren Der Befehl wurde am 31. Oktober unter dem Erdnruck der D^uterei zurückgezogen, das damalige Kabinett MMâ L^KSpember auigesoroert, die Legende von ’S.’ Jf^rt durch Flugblätter zu zerstreuen. Die allgemeine Wendung, die Admiral S.;eer in Gengenwart des Konteradmirals von Levetzow am 20. Oktober dein Kanzler
habe, „daß der Hochseeflotte nach Einstellung des U-Boot-Krieges die volle Freiheit des Handelns zurück- gegeben wurde", konnte aber nie den Sinn haben, daß die deutiche flotte innerhalb der nächsten zehn Tage den ^5.^d^auf Leben und Tod mit der englischen Flotte ^.$te" iS**, l/beni «alte hätte die Reichsleitung von der enb« Befehlsausgabe präzise Meldung erhalten müssen.
Max von Baden ist davon überzeugt, daß ein Mißtrauen anderer Art durch die Marineleitung der letzte Be- Weggrund gewesen ist. Das Mißtrauen der Regierung sei durch nichts gerechtfertigt worden. In den Darlegungen W es dann: Prinz Max von Baden stehe noch heute vor einem Rätsel, warum die Marine sich ihm nicht anvertraut habe. Bei der Beantwortung der Frage, ob es
ohne Kiel keine Revolution gegeben hätte, müsse man nicht nur die materiellen Machlui-tlel der Feinde, sondern auch den Willen der feindlichen Völker in
Diq von Gründmgen.D
Humoristischer Roman von Freiherr v. Schlicht.
Copyright 1925 by Oskar Meister, Verlag, Werdau.
4) (Nachdruck verboten.)
Sie kannte in dieser Hinsicht nur eine unrühmliche Aus° riahme. Und das war ihr Mann. Der freute sich auch seines stolzen, vornehmen Namens, aber von der richtigen Bedeutung der hohen Auszeichnung, adelig zu sein, war er nicht durchdrungen. Er war ihr zu leutselig, er machte sich häufig in ihren Augen zu populär, er streckte dem Nachbar Weidemann die Hände zuweilen viel herzlicher entgegen, als einem adeligen Nachbar, der zu Besuch kam. Vergebens hatte sie versucht, ihn in dieser Hinsicht zu ändern, vielleicht würde dies dem Baron gelingen, der konnte doch unter Umständen nicht nur der Reitlehrer ihrer Töchter, sondern auch der Erzieher ihres Mannes werden. Und bei diesem Gedanken schloß sie den Baron schon setzt — natürlich nur bildlich — mit einer gewissen Begeisterung in die Arme.
Ob er wohl auch Tennis spielen kann? dachte Alera. Was nützte es, daß man im Garten unter großen Unkosten einen wahrhaft idealen Tennisplatz angelegt hatte? Sie selbst war nne leidenschaftliche Spielerin, und doch fehlte es meist an *mem Partner. Dagmar konnte diesem Sport kein Interesse abgewinnen, und wenn sie sich schließlich durch die Bitten der Schwester erweichen ließ, doch einmal den Schläger zur Hand nehmen, dann geschah es immer nur für wenige Minuten unb gelangweilt legte sie dann das Racket wieder fort. Sie Pielte schlecht, und immer nur zu verlieren, machte ihr eben« wwenig Vergnügen wie die ewigen Ermahnungen der Schweller. Nur wenn Hans mit feinen Freunden kam, konnte ^lexa ihrem Lieblingssport huldigen, aber ernsthaft wurde Qud} dann nicht gespielt, dann wurden Witze erzähl!, cs wurde ßelacht und Unsinn getrieben, so daß man schließlich, anstatt me Bälle zu schlagen, mit dem Schläger in der Hand auf dem •aasen saß und sich unterhielt.
Ob er wohl auch Tennis spielt? Was ihr zuerst nur als Hoffnung erschien, wurde ihr plötzlich zur Gewißheit: denn einen adeligen Kavallerieoffizier a. D„ der noch nie das Rak- zur Hand genommen hat, gibt es doch gar nicht. Und in fS Freude, von nun an täglich ihrem geliebten Tennis hub •9«i zu können, hieß sie schon jetzt den Gast von ganzem lerzen willkommen. Und in ihrer Lebhaftigkeit rief sie: Mmitg, an deiner^Stelle würde ich gleich heute noch an die
Mttgch! tWTi. SSM^mmMr 5s; snnsrerg^Tt^ vmas darauf einen Brief des früheren Vizekanzlers Payer, in dem dieser erklärt, eine Absicht, die Engländer zu einer großen Seeschlacht herauszufordern, sei ihm überhaupt erst durch die Verhandlungen im Münchener Dolchstotzprozeß bekannt geworden. Dem Kriegskabinett sei von einer solchen Absicht niemals Mitteilung gemacht worden. Der Ausschuß nahm dann noch ein Korreferat des Abgeordneten Bergsträsser zu dem früher erstatteten Referat des Abgeordneten Rosenberg über das Problem und die
Vehandlungsweise der Dvlchstoßfrage
entgegen. Der Korreferent betonte die Wichtigkeit, die USP. von den linksradikalen Gruppen zu unterscheiden. Das ent« scheidenste Erlebnis aller Menschen im Kriege sei das Erlebnis von der Ungerechtigkeit der Welt gewesen. Die Beratungen werden am nächsten Donnerstag fortgesetzt werden.
politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Ein neuer deutsch-russischer Zwischenfall.
Das deutsche Generalkonsulat in Tiflis hatte einem nach Moskau reisenden deutschen Ingenieur als Gelegenheitskurier ein für die deutsche Botschaft in Moskau bestimmtes Briefpaket mitgegeben. Der Ingenieur hatte dieses Paket unvorsichtigerweise in seinen Koffer gelegt und den Koffer als Gepäck aufgegeben. Dieser Koffer war bei der Ankunft in Moskau verschwunden. Er wurde erst nach Reklamationen herbeigeschafft und es stellte sich dabei heraus, daß das Briefpaket erbrochen und wieder zugesiegelt worden war. Da sich bei den Briefen auch solche befanden, die sich mit der Verhaftung der Deutschen in Georgien befaßten, liegt die Vermutung nahe, daß hier ein ursächlicher Zusammenhang besteht und daß die russische Geheimpolizei ihre Hände im Spiel hat. Ein solcher Verdacht ist aber bisher durch keine Gründe bewiesen und wird von der Sowjetregierung auch bestritten. Die deutsche Beschwerde hat dazu geführt, daß die Sowjetregierung i sich grundsätzlich bereit erklärt hat, sich zu e n t s ch u l d i - : gen. über die Einzelheiten dabei schweben noch Ver- ; bandlunaen.
I Übernahme der Sandbank durch die öffentliche Hanv.
Die preußische Staatsregierung hat sich entschlossen, der Gewährung weiterer Kredite an die in Schwierigkeiten befindliche Landbank näherzuneten. Bedingung wird dabei sein, daß die sämtlichen der Gruppe der Ostdeutschen Privatbank gehörigen Aktien, soweit sie nicht auf die Provinz Grenzmark übergehen, dem Staate oder der Staatsbank zu einem Kurse von 1 pro Mille zur Verfügung gestellt werden, und daß ferner dem Staate maßgebender Einfluß auf die Bestellung der Vorstandsmitglieder und des Aufsichtsratsvorsitzenden der Landbank eingeräumt wird. Das Eintreten des Staates ist demnach, so betont der Preußische Pressedienst, lediglich von der Absicht geleitet, die von der Landbank eingesetzten Siedler vor den nicht zu übersehenden Folgen eines Konkurses der Gesellschaft zu bewahren und die S i e d l u n g s- ckätigkeitinderGrenzmark nicht zu unterbrechen.
Die Kredite an die Landwrrrschaft.
Seitens des Reichsernährnngsminisieriums besteht nicht, wie entgegen anderen Nachrichten offiziös miigeteili wird, die Absicht, einen Druck auf die vorzeitige Ablösung der Winzer- und S i! o k r e d i t e durch die Gold- diskontbankkredite auszuüben. Den beteiligten Kredit- nehmern bleibt die wirtschaftliche Disposition darüber überlassen, ob Anlaß und Gelegenheit besteht, eine Ab- ^yilOj^ .;si. <Viiibli4..ß^^ und ' ihre Fälligkeitstermine durch Überführung in Gold- diskontbankkredite vorzunehmeu. Das letztere gilt auch von den seitens der Reicksreaieruna bereitaestellten Kraftpflugkrediten. Die Erntebergnugskredite sind nicht von der Reichsregierung, sondern von bestimmten zentralen Kreditinstituten gewährt. Wieweit ihre Ablösung durch Golddiskontbankkredite durchführbar ist, ist Gegenstand der Entschließung der kreditsuchenden Landwirte und ihrer GläubigerkrKitinstitute.
Die Abfindung der Fürstenhäuser.
Im Rechtsausschuß des Reichstages, der sich mit der Fürstenabfindung beschäftigt, ist eine Mehrheit für das sogenannte Sperrgesetz vorhanden, nach dem bis zur reichsgesetzlichen Regelung der Abfindungsfrage alle Auseinandersetzungsprozesse der Fürstenhäuser ruhen sollen. Ein endgültiger Beschluß wird wahrscheinlich am nächsten Dienstag gefaßt werden, auf den sich der Ausschuß , I vertaat bat.
Geschäftsstelle schreiben, denn sonst schnappt ihn uns womöglich noch ein anderer vor der Nase fort."
„Du hast wirklich Ausdrücke, Alexa," schalt die Gräfin non neuem, „Ausdrücke, die alles andere, aber nur nicht gräsi b find "
„Alexa meint es ja nicht so schlimm. Konstanze. Aber im übrigen hat das Mädel mit dem, was sie sagt, eigentlich recht W!e denkt ihr darüber?"
Die Gräfin schwieg noch einen Augenblick, dann meinte sie „Eine Anfrage verpslichiet |o schließlich zu nichts."
„Und was meinst du dazu. Dagmar?"
Die war, während sich Die anderen unterhielten, noch schweigsamer gewesen als sonst. Sie konnte einen Gedanken der sich ihr plötzlich aufgedrängt hatte, nicht wieder los werden. Sollte Der Offizier a. D., Der sich da um die Stellung bewarb, vielleicht derselbe fein, den sie fast täglich im Taner- sali hatte reiten sehen und der sich gar nicht die Mühe aeaeben hatte, zu verbergen, wie sehr ihr Aeußeres ihm gefiel? Deutlich genug hatten seine Blicke ihr das stets gesagt, und eines Tages hatte sie ihre Neugierde nicht mehr unterdrücken können und sich bei dem Stallmeister, der neben ihr ritt, mit einigen kurzen Worten nach ihm erkundigt. Der hatte Den Namen selbst nicht gemusst nur erzählt, es sei ein verabschiedeter Offizier. Der nie anders als „Der Herr Baron" genannt würde, und er lebe davon, daß er für fremde Leute, zuweilen auch für höchststehende Persönlichkeiten, Pferde zuritte, da er ein anerkannt guter Reiter sei. Ob die gnädige Komtesse c« wünsche, daß der Herr Baron ihr vorgestellt würde?
Sie hatte nur energisch mit dem Kopf geschüttelt und roat mit feinem Wort mehr aus ihn zurückaekommen. Aber noch kühler als sonst hatte sie sich seinen Blicken gegenüber verhallen, und als sie einmal ihre Peitsche in der Garderobe hatte liegen lassen und er ihr die feine anbot, um das störrische Pferd über die Hürde zu bringen, da hatte sie fein Anerbieten, ohne mit einem Wort dafür zu danken, nur mit einem hochmütigen Blick so kalt abgelehnt, daß sie sich selbst dessen ' hinterher beinahe schämte.
Aber auf Den Baron selbst schien das gar keinen Eindruck gemacht zu haben. Nur ein leises, spöttisches Lächeln hatte für eine Sekunde seinen Mund umspielt, dann hatte er Die Arbeit mit seinem Pferd wieder ausgenommen.
Dagmar war empört gewesen über Die stummen Huldiaun gen. Die er ihr dargebracht hatte. Aber dennoch ehipfanD sie es fast wie eine Ungezogenheit, und beinahe als eine Taktlosigkeit, daß er sie von jenem Tage an, seit sie feine Hilse ablehnte, gar nicht mehr zu bemerken schien. Die Schuld für sein Berhalten, die sie selbst trug, schob sie ihm zu. Sie war m^lpr als unhöflich gewesen und nannte ihn deswegen taktlos.
Frankreich.
X Straffestsetzung durch die Geschworenen in Frankreich. Der Senat hat einem Gesetzentwurf seine Zu- stunmung gegeben, durch den die Geschworenen nicht nur einen Wahrspruch zu fällen haben, sondern in Zukunft auch an der Festsetzung der Strafe be- te * m t werden sollen. Der Justizminister hat namens der Regierung seine Z u st i m m u n g zu diesem Gesetzentwurf gegeben.
. Japan.
X ier japanische Ministerpräsident Kato gestorben. Aus gemeldet, daß der japanische Ministerpräsident gestorben ist. Kato wurde 1859 geboren und trat Beendigiing seines Universitätsstudiums im Jahre 1887 in das Auswärtige Amt ein. Kato, der enakand- freundlich eingestellt war, war zweimal Gesandter in Lon- bon und hatte in mehreren Kabinetten das Ministerium des Rußeren inne. Er stellte im August 1914 an Deutschland ein Ultimatum wegen Kiautschou und erklärte den Krieg. 1915 trat er mit dem Kabinett Ein nm -u- uao spielte bis 1924 eine einflußreiche Rolle als Por- teifuhree im Parlament. Im Juni 1924 wurde er Ministerpräsident mnd schlug im Gegensatz zu seinen Vor- gangern eine Politik ein, die sich völlig an England an- lehnte.
Aus Zn- und Ausland.
Berlin. Im Verwaltungsrat der Teutschen Reichsbahn- gewllswaft wurde mitgeteilt, daß die Einnahmen der Reichsbahn ständig zurückgehen, und daß es uner- "aglich Ware, die Personalausgaben ohne gleichzeitige Tarn- erhohung zu steigern.
.. Dresden. Die Stadtverordnetenversammlung genehmcate die Beurlaubung des zum Reichsinnenminister ernannten Bürgermeisters Dr. Kulz aus die Dauer von drei Monaten unter Verzicht auf feine Gehaltsansprüche.
Amsterdam. Dem Genfer Korrespondenten des „Tel->- graa;" zufolge wird derneueKommissardes Völkerbundes in Danzig, Professor Dr. van Hamel, am 21. >ve.mar die Ausübung seiner Funktionen übernehmen.
Rom. Eine große Stenge Studenten und junger Vur- irfnrn sammelte sich vor der deutschen Botschaft an und demonstrierten johlend und schreiend vor dem aesttstos- ;enen Parktor. Karabinieri und faschistische Miliz verhinderten Ausschreitungen.
Bukarest. Die Konferenz Der Kleinen Entente soll vom 18. bis 20. Februar in Veldes flattfinden. In Der Hauptsache soll die Stelluna der Kleinen Entente zu Locarno und ein Garantievertrag der Balkanstaaten besprochen werden.
preußischer Landtag.
(120. Sitzung.) tt. Berlin, 29. Januar.
Haus stimmte zunächst zum Thema „Wahrung der prenmzcyen Interessen im Verwaltungsrat der Reich rbahn- ge;eü;chaft" gemäß einem Ausschußbeschluß einer Entschtießung zu, in Der das Staatsministerium ersucht wird, dahin zu wirken, daß Der gegenwärtig freie Sitz im Verwaltungsrat der Retchsbahngesellschaft umgehend noch durch ein von Preußen zu benennendes Mitglied besetzt wird.
Dann beschließt das Haus, daß der auf sozialdemokratischen Antrag einzusetzende Untersuchungsausschuß für D:e Fememorde 15 Mitglieder baden soll. Hierauf Wird die allgemeine Besprechung in der ersten Beratung des 1,1 a it â t) a 11 ö b l a n ë für 1926 forigesetn. Bei einer scharf zugespitzten Rede des kvmmunistischeii Abg. Pieck über die Arbeitslosen kommt es zu lebhaften
Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten unö Koiutntimstett.
Abg. Gehrmann (Toz.) ruft nach der Rednertribüne hin: Ver- leumDer! — Abg. Bartels (Komm.) wirft mit einer Broschüre nach dem Sozialdeniokraten. Ein anderer Kommunist droht mit einem dicken Eichenknüppel. Die Ruhe tritt jedoch bald nieder ein, ohne daß es zu Tätlichkeiten kömmt. Der Redner wirst Den Sozialdemokraten vor, daß es nur eine Geste von sbnen gewe-en sei, nicht in das Kabinett Pitt ner einzutreten Präsident Bartels ruft nachträglich de» Abg. Bartels (Komm > -ur Ordnung, weil er mit einer Broschüre nach dem Abg Gehrmann geworfen hat. (Lebhafte Unruhe und Zurufe bei den Komm.) Abg. Casper (Komm.) erhält wegen beleidigender Zurufe einen Ordnungsruf.
Abg. Falk (Dem.) weist die Kritik des Abg. Waentig ;Soz.) gegen Die Ausführungen des Finanzministers zurück, fordert Rolstandsarbeiten für die Erwerbslosen, bei Denen nach wirtschaftlichen Gefichtskunklen verfahren werde.
Abg. Müller-Franken (Wirtsch. Vgg.) bezweifelt, daß es gelingen werde, den Fehlbetrag im Haushalt zu decken angesichts der ungeheuren Aufwendungen für die Erwerbslosen und der Entschädigungen aus der Hochwasierkatastrophe
Aber wenn er sich auch anscheinend gar nicht mehr um sie bekümmerte und selbst dann nicht mehr noch ihr hinfah menn sie ganz allein zusammen in der Bahn ritten, so glaubte sie dennoch zu wissen, daß er keinen Blick von ihr verwandte sobald sie ihn nicht beobachten konnte. Das machte sie unruhig und nervös, das übertrug sich auf ihren Sitz und auf Die Zügelführung. und daß sie sich Dann in feiner Gegenwart non dem Bereiter ermahnen und unterrichten lassen mußte, erfüllte sie aufs neue mit Zorn gegen ihn.
Wer und was war Dieser verabschiedete Varon. Dt es sich anscheinend zur Ehre anrechnete, für hohe und höchste Herrschaften gegen Bezahlung Pferde zuzureiten, und was mellte er oon ihr? Wußte er nicht, wer und. was sie war? Woher nahm er Den Mut. um nicht zu sagen, die Urmerfcorenher feine Blicke zu ihr zu erheben, als stände er mit ihr auf de: - selben gesellschaftlichen Stufe?
Sie nahm sich vor, sich auch ihrerseits gar n;»t ihn zu kümmern, ihn vollständig als Luft zu betrachten o:.: feine Gegenwart genierte sie doch, bis sie dann schließ! h ur einem Vorwand das Reiten ganz aufgab. nur um ihn nicht mehr ;u leben und um ihm nicht mehr zu begegnen
Sie Jwu ■ sofort an ibn denken müssen, als sie Die Snnom las. Selbe er an Tattersall zufällig davon erfahren haben daß man Dem Grafen geraten hatte seinen Töchtern noch» mass üeitutnemrhi geben zu lassen? lind hatte er nur Des« halb die Annonce erlassen, um dadurch wenn der Zuial! *hm günstig war nach Schloß Gründingen zu komnien? Sollte er feine Keckheit io weit treiben, sich ihr unter Diesem Dör- wand doch wieder zu nähern, obgleich sie ihm Deutlich a nun ’u verstehen gegeben hatte, daß sie feine Gegenwart und auch nur seine persönliche Bekanntschaft in feiner Weise nnmkhe?
..Was meinst du dazu. Dagmar?" fragte Der Graf noch ew- nol. als Diete immer noch schwieg.
„I ch s nde. die Sache eilt nicht so." gab sie anscheinend ganz elrchgiiHig zurück. „Aber trenn du schon heute schreib«n willst — worum nicht? Ich habe es mir überlegt: vielleicht -K es doch ganz gut, wenn auch ich noch einmal Unterricht nehme Schaden sann es auf feinen Fall. Und ob Der Lehre- nur Kaoaüerieori'3ier a. D. ist und Baron beißt — das ist Dreh schließlich ganz gleichgültig — er ist und bleibt doch nur unser Re m hi er — treuer nichts.“
Und ie lebhafter Die anderen wünschten. daN er einem jeden von ihnen doch noch etwas anderes fern möchte um io lebhafter stimmten sie Dagmar zu So setzte sich denn Der Graf noch am Abend an seinen Schreibtisch und erbat „unter höflicher Bezugnahme auf Die in Der „Kreuz-Zeitung" erlassene Annonce Den Besuch Des Aerm Bara"
(Fortsetzung folgt.)