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Kleine Zeitung für eilige Leser

* Im Reichstage stellte sich das neue Retchökabmett vor und Reicdökanzler Dr. Luther verlas die programmatische Enlörung der Regierung.

* Eine Mehrheit aus Dentschnalionalen, Völkischen, Sozial demokra.en und Kommunisten bestimmte im Reichstag ent­gegen den Regierung> -cn, daß die Frage des Vëlkcrüund- eintritrs mit der DiSkr.sFon über die Regierungiertlä-rung verbunden würde.

* Nach der letzten Zahlung beträgt die Zahl der Erwerbs­losen in Deutschland mrzett rund Millionen.

* Die Kampfkraft Abd-el-Krüms ist nach französischen Zei- tungunteldimgen noch ungeschlacht. Er verfügt noch heute über wenigstens 800(0 Mmpfdr.

ve', treuen wird. Das Gebot Der «Stunde „t, mit dem llarrn der Wiederaufrichtung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Volkes nach irnen und nach aussen praktische Maß- naht-tc« in sachlicher Arbeit zu ergreifen. Lassen Sie uns an die gen-einsame Arbeit im Dienste des Vaterlandes gehen, um die grasten Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage zu ubcr- winde:!.' Je entschlossener und tatkräftiger alle Teile dec- BvikeS diese Arbeit unterstützen, desto eher wird Deutschland wieder die StcUnug in der Welt erreichen, die der Größe und der Tiia tigteit seines Volkes gebührt.

sstüS der Mitte wird der Schluß der Kanzlcrrede mit Bravorusen begleitet, von rechts und links ertönt Zischen.

MZttauknsantzLae gegen die Regierung.

Berlin. Im Reichstage haben Die Bölkr?chcn einen MintrauenSantrag gegen die Regierung eingebracht. der lautet: „Die Regierung besitzt nicht das Vertrauen des Retchstag«. Im Falle Der Ablehnung lautet ein zweiter Antrag: „rf. Stresemann besitzt nicht das Vertrauen des Reichstages' Ferner beantraacn die Völkischen, die Zahlungen für Den Dawes-Plan einznsteUcn und die Summen zur Linderung der Rot und für die Arbeitslosen in Deutschland zu verwcn- den, weiter, den Eintritt in den Völkerbund zu unterlassen. Ebenfalls haben die Kommunisten einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung eingebracht.

Der Volksentscheid.

Von einem politischen Mitarbeiter wird uns ge- seyn ; üCli T

Vor einem halben Jahr war schon einmal die Rede davon, einen Volksentscheid zu veranstalten; es handelte

- sich damals darum, durch ein Volksbegehren einen Gesetz« cntwurf über die Aufwertung zum Volksentscheid zu .bringen. Da man sich damals aber über den Wortlaut des Gele" enrw urfes nicht einigen konnte, ein derartiges Volksbegehren sehr erhebliche Kosten verursacht und da­bei der Erfolg ein sehr unsicherer war, hat man dann von £ dem ganzen 'Plan Abstand genommen. Jetzt aber soll eine derartige Aktion wirklich vor sich gehen.

Es aibt in der demscken Vcrsassüng zwei Artikel, die den Gedanken einer wirklichen, Demokratie bis zu: letzten Konsequenz durchführen: es ist die Wahl des Reichspräsidenten und ec- ist der Volksentscheid. Das letzte bat man bei Schaffung der Verfassung einem Gebrauch der Schweiz entnommen, wo derartige Volksentscheide, allerdings rein kantonaler Natur, etwas ganz Gewöhn­liches sind, aber auch Abstimmungen sämtlicher Bürger der Schweiz nicht ganz selten stattzufinden pflegen. Ist eine derartige -Entscheidung eines 65-Millionen-Volkes nun an und für sich schon eine weit kompliziertere Sache, so sind die Bestimmungen, die das Verfahren beim Volksentscheid rewln. noch besonders verwickelter Ratn rx Zunächst einmal muß ein ganz bestimmt formulierter Gesetzentwurf vorliegen; das ist der Fall, wenn laut Ar- tiici 73 der Verfassung der Reichspräsident ein bereits , vom Reichstag beschlosienes Gesetz zum Volksentscheid bringen will oder wenn von anderer Seite her ein der­artiger Gesetzentwurs eingebracht wird, der nun zunächst einem Bolksbegehr zugrunde zu legen ist. Das Volks­begehren bedeutet nun nichts anderes als der, durch Llbstimmung von mindestens ein Zwanzigstel der Stimm­berechtigten ausgedrückte Wille, den vorliegenden Gesetz­entwurf einem Volksentscheid zu unterbreiten, wenn näm­lich ein Drittel des Reichstages die Verkündigung eines bereits beschlossenen Gesetzes verlangt. Wenn aber ein Gesetzentwurf der zweiten oben angedeuteten Art vor- gelcgr werden soll, wie das zurzeit mit dem sozialistischen 8 Gesetzentwurf über die en ts ch ä d i g u n g s l 0 s e Für­st e n a bfind n n g der Fall ist, so mutz sich ein Zehntel der Stimmberechtigten im Volksbegehren für den einge- reimmn Gesetzentwurf aussprechen. Er geht dann vor den Reichstag; wird er dort unverändert angenommen, dann findet ein Volksentscheid nicht statt. Damit ist bei dem zurzeit vorliegenden Gesetzentwurf nicht zu rechnen.

Wird außerdem dort der vereinbarte Kompromitzantrug der Stifte Gesetz, so kann der einem Volksentscheid zn- arunde liegende Gesetzentwnrf überhaupt nur dann Gesetz werden, wenn sich nicht bloß die Mehrheit der Abstrm- mcndcn dafür ausspricht, sondern überhaupt die Mehrheit der Stimmberechtigten abstimmt. Die Abstimmung beim Volksentscheid erfolgt in Form der Reichstagswahl, nur hat der Stimmberechtigte aus dem amtlichen Stimmzettel dann ja oder nein zum Ausdruck zu bringen. _

Nun können aber über denselben Gegenstand gleich­zeitig mehrere Volksbegehren stattfinden: und schließlich müssen auch in dem jetzt vorliegenden Falle mehr als 59 % der Stimmberechtigten sich deswegen an der Ab- stimmung beteiligen, weil es sich dabei um einen her« f a s s u n g s ändernden G e s c tz e n t w n r f handelt. Gelingt es also den Gegnern des Gesetzentwurfes, ihre Anhänger einfach zur Stimmenthaltung zu bringen, so ist es gar nicht unmöglich, daß der ganze Volksentscheid ungültig wird. Und stehen mehrere denselben Gegenstand betreffende, durch Volksbegehren geforderte Gesetzentwürfe -ul Entscheidung, so dürfte wohl keiner von ihnen oie absolute Mehrheit über die Hälfte der Stimmberechtigten erhalten.

Daß die Parteien, die den Gesetzentwurf über die entschädigungslose Fürstenabfindung bei der Reichs- legierung eingebracht haben, für ein Volksbegehren die notwendigen vier Millionen erhalten werden, ist ebenso sicher wie das gleiche Resultat bei einem anderen Gesetzentwurf, der vielleicht durch die Gegner dieses Ent- wnrfes eingebracht würde. Aber ob es dann gelingen wird, mehr als zwanzig Millionen an die eigentliche Ab­stimmung des Volksentscheides heranzubringen, trotz fjcp tigster Agitation, die das Dafür und das Dagegen ent» fesseln würde, ist nach den bisherigen Erfahrungen bei­spielsweise auch der letzten Reichspräsidentenwahl recht unsicher, und vielleicht werden die Veranstalter des ersten deutschen Volksentscheides hinterher die Klage aussprecheu müssen: Ein großer Answand nutzlos ward vertan.

Der Zulassungsantrag der Sozialdemokratisches und der Kommunistischen Partei für ein Volksbegehren auf Einbringung eines Reichsgesetzes über Enteignung der Fürstenvermögen ist durch die Mitglieder des Reichstags Wels, Ludwig und Thälmann im Reichsministerinm des Innern eingereicht worden.

Die LtrMen der 5RarintmeulereL

Flotte n v 0 r stsi ß und R e i ch s r e g i e r u n g.

Nachdem der deutschnationale Abg. Graf von Der Schul e n b urg die Angriffe uns Schmähungen gegen oas alle, Offizierskorps .zurückgewiesen hatte, kam im Unteraus­schuß oes Untersuchungsausschusses für Den Zusammenbruch

Admiral von Trotha

zu Wort,, Der seinerzeit Ches des Stabes der Hochseeflotte war. Es.sei nicht richtig, daß Die Mannschaften in dringenden Fällen keinen Urlaub bekommen hätten. Er selbst habe sich im Jahre 1916 mit Erfolg für Die Steigerung vcs Berpflc- gungsgeldes eingesetzt. Die Menagekommission habe auch prägen behandelt, Die mit Der Verpslegung nichts mehr zu tun latten, nämlich Themen, wie Die Revolution in Rußland, Die Internationalen Friedenskongresse usw. Dieser Zustand, ter au

Unbotmäßigkeft und Aufruhr grenzte, konnte von Der Marineleitung nicht geduldet werden, 'er im September 1918 non Der Marineleitung geplante Flottenvorstoß sei eine Notwendigkeit gewesen. Die englische Flotte wäre in einer Schlacht so geschädigt worden, daß sich ein ganz anderes Bild Der Mächte in der Welt ergeben hätte. Der Adtniral gibt ein genaues Bild des Schlachtplancs wieder, Der die

größte Wahrscheinlichkeit des Erfolges

in sich barg. Nicht nur Die Hochseeflotte, sondern auch Flug­zeuge, Torpedo- und U-Boote sollten in diesem Kampfe mit» wirken. Ob die Regierung des Prinzen Max von Baden von dem Flottenvorstoß unterrichtet war, kann Der Admiral nicht genau sagen. Auch Der sachverständige General Kuhl vertrat die Meinung, daß Die Flotte mit einem Vorstoß

dem Vaterland einen großen Dienst

geleistet hätte. Die politische Lage wäre hierdurch nicht ver­schlechtert worden, ebensowenig Die militärische. Der Abg. L'rüninghaus stellte sest. vaß Die damalige Reichsregierung mit Dem geplanten Flottenvorstotz einverstanden gewesen sei. Die Beschränkungen, Die das Kabinett des Prinzen Mar von Baden Der Seckriegslettung auserlegt habe, hätten sich nur aus Den U-Bootkrieg bezogen. Der Sachverständige Prosessor Delbrück bezweiselt, daß es nach den bisherigen Darstellungen geklärt ist, daß der Reichskanzler Prinz Max von Badcn.von dem Flottenvorstotz Der Marine in Kenntnis gesetzt worden sei. Demselben Zweisel gibt auch der Sachverständige Dr. Herz Ausdruck. Von Der Marineleitung sei eine unbestimmte Form Der Mitteilung an Den Reichskanzler gelangt, um Die Regierung im Unklaren zu lassen. Im Unterausschuß wurde im übrigen bekannt, daß Der Ausschuß feffgestellt habe, daß in der Broschüre Dittmanns eine amtliche Veröffentlichung nicht botliege.

Die Kampfstärke MH-el-Krims.

80000 Riskrieger unter Mass e n.

Ein Artikel des „Journal de Tébatä" beschäftigt sich mit den Kraft- und Kriegs mitteln, über die Abd-el-ürim in Marokko zurzeit noch versüge. Die Umstände, unter denen Abd-el-Krim den Kampf weiterführen wolle, seien nicht so schwierig, wie man annehmen könnte.

Nach neuesten Schätzungen verfügten die DHfleute über 28 000 Gewehre, die Dschrbaüas Wer 7000 und die G» inara und ihre Nachbaistrimmc über 25 000. Die AUsfiüu- Vischen in Franzvsisch-Marokrv hätten zu gewissen Zeii- pnnklen 40 000 Krieger gestellt, von denen sich inzwisttze«! allerdings 20 000 unterworfen hätten. Immerhin habe man es im ganzen doch mit u n g c f ü h r 80 080 Krie­gern zu tun. Der Verbrauch an Waffen und Munition fei durch die von den Risleuten bei der Einnahme vor­geschobener französischer und spanischer Posten erbeuteten Bestände mehr als ergänzt nnuben. Übrigens körnen aus der Tangerzonc Wöchentlich 800 bis 1000 Maultiere mit Hilfsmaterial aller Art für Abd-el-Krim an. Auch die Küste sei noch frei und an verschiedenen Stellen sei die Möglichkeit gegeben, Waffen zu landen.

Die Rifleute wären gewöhnlich in Trupps von 4000 bis 5000 Mann, höchstens 7000 Mann, eingeteilt und diese wieder in Unterabteilungen von 800 bis 1200 Mann. Sie hätten jedoch stets starke Reserven zur Verfügung ge­habt, die sie, dank der guten Verbindungswege, rasch hätten einsetzen können. Es fehle ihnen in Wirklichkeit lediglich an Nahrungsmitteln. Bei der Einnahme von Ajdir durch die Spanier hätte Abd-el-Krim sein Hauptquartier nach Targi st verlegt, von wo er mit unleugbarem organisatorischen Geschick den Ober­befehl führe.

Russisch-chinesisches Wommen.

Moskau. Am 24. Januar wurden vom sowjetruflischen Generalkonsul in Mulden, Krakowiccki, und dem Autzenlom- miffar Der drei chinesischen Ostprovinzen, Kao, lurzgejatz!- Eirundsatze eines Abkommens unterzeichnet, deren wesent­licher Inhalt folgender ist: Der Direktor der Ostchinabahn. Iwanow, sowie alle Beamten und Arbeiter, welche von den mandschurischen Behörden anläßlich des Konfliktes wegen Der Ostchinabahn verhaftet wurden, werden frei» gelassen Nach der Freilassung aller Verhafteten wird Der normale Eisenbahnverkehr wiederher gestellt: Militärtransporte erfolgen auf Grund Der big» innigen Bestimmungen, d. h. auf Kredit, welcher durch Den auf ‘ die chinesische Reaicrung entfallenden Teil der Ein­nahmen Der Bahn gedeckt wird; die F r a g e der Entschä­digung für Die Durch Maßnahmen mandschurischer Be­hörden während des Stonflifteä angerichteten Schäden wird gegenwärtig beraten und wird den Gegenstand eines weite­ren gemeinsamen Beschlusses bilden.

Kreuzer --Rersiu" vor Buenos Aires

Buenos Aires. Die Offiziere und Mannschaften des Kreuzers „Berlin" wurden beim Kirchgang am Sonntage auf den« Wege überall vom Publikum e n 1 h u siastisch be­grüßt. Offiziere und Mannschl-ften waren Gäste von Klubs und Vereinigungen. Der Kreuzer war am Freitag und Sonn­tag Kachmiftag für den allgemeinen Besuch freigefiellt. Alle argentinischen Zeitungen bringen, reich mit photographischen Ausnahmen, iß ' Eerrc lange Berichte über den Krruzerbesuch.

poliièsche Aunöschau.

Deutsches Reich.

Aussetzung der Fürsienprozcssc.

Im Rechtsausschub des Reichstages, der sich mit der Abfindung der Fürsten beschäftigte, ist ein Antrag des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Wirtschaftlichen Vereinigung eingegangen, nach dem alle Rechtsstreitigkeiten, die zwischen den Ländern und den ehemals regierenden Fürstenhäusern bei deut­schen Gerichten über die Auseinandersetzung und alle da­mit zusammenhängendsn Fragen anhängig sind, auf An­trag einer Partei bis zum Inkrafttreten einer reichsgesetz­lichen Regelung (Gesetz oder Volksentscheid) auszu­setzen sind. Völkische, Deutschnationale und Bayerische Volksparwi trugen rechtliche Bedenken gegen diesen Antrag vor. Im übrigen wurde bekannt, daß auch der F ü r st von Lippe den mit ihm abgeschlossenen Vertrag angefochten hat. Von völkischer Seite war im Ausschuß ein Antrag eingegangen, im Falle einer reichsgesetzlichen Regelung der Fürstenabfindungen die Vermögen der Ostjnden und sonstigen Fremdstämmigen zu enteignen und die Kreditbauken in öffentliche Handln -überführen.

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Oie von Grundlagen

Humoristischer Roman

von Freiherr v. Schlicht

Copyright 1925 by Oskar Meister, Verlag, Werdau.

(Nachdruck verboten.'

1.

Die gräfliche Familie von Gründingen hatte sich, wie stets euer heute gleich nach dem Diner in das Wohnzimmer zurück­gezogen. sich um den runden, großen Tisch herum versammelt — und langweilte sich entsetzlich.

„Und aus Lieser langen Weile heraus gähnte der Graf fetzt K plötzlich io laut. so intensiv, jo anhaltend und so von Herzen kommend daß feine beiden Töchter ihr Lachen nicht unter» drucken konnten, während die Gräfin, eine große. (Alante nett immer fAcne Erscheinung, obwohl sie den Fünfzigern n-O' mehr fern war, ihrem Mann einen ihrer aristokratischen Blicke zuwarf.

" Wer Eduard." Das war alles, was sich ihren Lippen st enk. ano aber es genügte auch vollständig.

Der Eros richtete sich aus (einer halbliegenden Stellung in d'e Höhe. letzte sich gerade und aufrecht im Stuhl zurecht und bar zu seiner Frau gewandt: „Cmichuldige. Konstanze. das ich c laut gähnte. — aber offen gestanden, ich finde es jede, - Beitreibung spottend langweilig."

„Du irrst dich. Eduard." klang es hoheitsvoll zurück. „Set habe es dir in diesen Wochen, die wir nun von unserer Rei!« zurück sind, schon zu wiederholten Malen gejagt: es ist nicht langweilig. sondern nur einsam."

„Den Unterschied verstehe ich nicht, das habe ich dir in den letzten Wochen ebenfalls schon zu wiederholten Malen er­

auch r

i ich verstehe es auch nicht" stimmte Alexa. die jüngste Tochter, ein mittelgroßes, schlankes, zierlickzes Ge- ihrem Vater bei. „Auch ich finde es nicht einsam und einmal langweilig, sondern geradezu, kommisjig stumpfsinnig."

2 ? Gräfin ließ ihre Handarbeit in den aristokratischen ^SW lallen und faltete entsetzt die langen, schmalen Finger Mit den tadellos manicuiten Nün->ln

Es dauerte lange, bis dis Gräfin sich endlich gefammel halte. Dann sagte sie: „Alexa, du hast da eben Worte ge braucht und Ausdrücke in den Mund genommen, die für ein« Komtesse im höchsten Grade ungehörig sind. So. wie du spricht keine junge Dame, nicht einmal eine bürgerliche höchstens ein ungebildeter Hausknecht."

„Und außerdem noch mein lieber Bruder Hans, Sr. Maje­stät schönster und leichtsinnigster Husarenofstzier."

Aus dem Lehnstuhl des Grafen heraus klang ein balbunfer drückier Klageseufzer, ein: „Ach ja!" der Zustimmung. Sein« Alexa hatte recht wimmer; ein bildschöner Bengel war bet Hans ja, aber leichWnnig — dafür gab es bald keinen Aus­druck mehr.

Er selbst war ja in feiner Jugend allerdings auch nicht anders gewesen, aber nach seiner Meinung doch nicht ein sol­cher Windhund wie fein Sohn Hans, de» das Glück, der Sohv eines vielsachen Millionärs zu fein, in vollen Zügen genoß, „ Aber der Seufzer des Grafen wurde nicht gehört. Die Grä- lm war von einem Entsetzen ins andere gefallen, und in dem letzten saß sie noch fest

"SBie?" — kam es endlich von ihren Lippen. — „Solche Ausdrücke gebraucht Hans — mein Sohn Hans?" Das sann und will ich nicht glauben."

Hans war das Lieblingskind der Gräfin, er hatte, wie sie die schlanke, aristokratische Erscheinung, die schlanken, schma­len Füße und Hände, er war, wie sie, von seinem alten Na­men durchdrungen und mit seinen tadellosen Manieren ihi Liebling.

„Seb will es nicht glauben," nahm die Gräfin noch einma das Wort, „aber, wenn auch. In der Reitbahn und im Pfsrdestall kann man sich schon mit Rücksicht auf seine Um gebung nicht immer so gewählt ausdrücken, wie man es alt gebildeter und vornehmer Mensch möchte. Aber hier in Dieser Räumen und in unserer Gegenwart sind derartige Ausdruck« durchaus unpassend."

Alexa wurde ungeduldig.

„Sei schon wieder gut, Mama, du weißt ja, ich denke mit nichts Böses Dabei, wenn ich einmal solchen Krailausdruck brauche. In Zukunst will ich es auch nicht wieder tun. Dann will ich auch ganz artig nur sagen: es ist hier langweilig." — „Nein: einsam," — wollte sie sich verbessern, aber sie kam nicht dazu, denn gleichsam, als hätte sie nur auf dieses (Stich*

wort gewartet, fèßte ihre Schwester Dagmar in Diesem Augenblick hinzu: „Zum Slerben langweilig!"

Sie schob die Zeitung beiseite, in Der sie bis jetzt geblättert hatte.

Dagmar war ein auffallend hübsches, junges Mädchen non zweiundzwanztg Jahren, groß und schlank, mit einem wun­dervoll feinen Profil und sinnenden, großen Augen. Sie war in ihrem Aeuhern Aristokratin, wie ihre Mutter, ohne Deren allzu starre und allzu strenge Adelsanschauungen ganz zu teilen.

Alexa war meist luftig, übermütig, zuweilen etwas burschi­kos und Handelle oft ganz impulsiv, während Dagmar rubic und gemessen war und allerdings mehr absichtlich als ihrem Temperament entsprechend eine gewisse vornehme Ruhe zur Schau trug.

Dagmar nahm von neuem Die Zeitung zur Hand: „Es ist wirklich ein Unglück, Papa, daß wir nur auf die „Kreuz- Zeitung" abonniert sind — sie bringt so wenig, und Das We­nige ist noch langweilig. Wenn ich an all Die Blätter zu­rückdenke. Die wir in Berlin im Hotel Continental hallen!"

„Ach ia--das Hotel Continental!"

Der Gras sprach es mit einem Seufzer, als Dächte er zurück an längst entschwundene schöne Zeilen, und als könne er sie Durch feine Klage wieder zurückbringen.

Die anderen logten gar nichts, aber alle dachten Dasselbe wie er. Und plötzlich waren sie alle wieder in Berlin.

Es mar aber auch Diesen Winter wirklich zu nett gewesen Wie alljährlich, waren sie im Januar Dorthin ins Hotel Con­tinental übergesiedelt, um Die gasfeste und zahllose andere Feste mitzumachen, Premieren zu besuchen und sich zu amü­sieren.

Der Zufall hatte es gefügt, daß es dieses Mal noch oiN luftiger und hübscher gewesen war, als sonst. Es war saß als hätte sich der ganze Adel in der Residenz ein Rendezvous gegeben. Selbst Familien. Die aus irgendwelchen Gründe" in den letzten Jahren der Residenz ferngeblieben waren, bot ten sich Dort wieder eingefunben, man hatte alte Bekanntsclnft len erneuert und neue angefnüpft. Es war einfach reizen« gewesen. Denn jeder hatte Das gesubden, was er suchte.

(Fortsetzung folgt.)