I Fuldaer Anzeiger
Fulda Blatt 2
Nr. 13 Fulda, 21. Januar 1926
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politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Gedenkfeiern zur Reichsgründung.
Von zahlreichen politischen, studentischen, wissenschaftlichen und vaterländischen Verbänden und Vereinigungen des In- und Auslandes wurde der Gründung des Reiches durch entsprechend würdige Feiern gedacht. In Berlin fand aus diesem Anlaß in Gegenwart des Reichspräsidenten v. Hindenburg, von Mitgliedern der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, der Parlamente, des Diplomatischen Korps, der Hochschulen usw. im Dom eine liturgische Andacht statt.
Preissenkungsgesetz und Handwerk.
Die Fraktion der Deutschen Volkspartei im Preußischen Landtag hat gegenüber dem Gesetzentwurf zur Preissenkung einen Antrag eingebracht, in dem gesagt wird, daß das Gesetz mit seiner Androhung von Geld- und Gefängnisstrafen gegen Handwerksmeister und Gewerbetreibende vom Handwerk und Gewerbe als Ausnahmegesetz empfunden werde. Grundvoraussetzung der Preissenkung sei eine vernünftige Wirtschafts- und Sozialpolitik, die Gewerbeförderung, Leistungssteigerung, Lastenverminderung und gerechte Lastenverteilung verfolge. Der Antrag fordert, daß der Gesetzentwurf nur unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte zur Annahme gelangt.
Deutschnationale Anträge aus Verfassungsänderung.
Wie Graf Westarp mitteilt, haben sich die Deutschnationalen entschlossen, mit einer Reihe von Anträgen auf die Reform der Verfassung hinzuarbeiten und eine Einschränkung der Befugnisse des Reichstages anzustreben. Vor allem soll nach diesen Anträgen dieStellungdes Reichspräsidenten gestärkt werden. Der Artikel 54 der Rejchsverfassung müsse fallen, wonach der Reichskanzler bei jedem Mißtrauensvotum einer Reichstagsmehrheit zurückzutreten gezwungen sei. Verlangt wird ein Recht für den Reichspräsidenten, durch Entlassung bzw. Ernennung des Reichskanzlers eigene Politik zu treiben. Schließlich werden die Anträge sich auf eine Herabsetzung der Zahl der Reichstagsabgeordneten erstrecken.
Aus Zn- und Ausland.
Berlin. Die Tünsicye Nationalversammlung hat einer Gesetzesvorlage der türkischen Regierung zugcstimmt, wonach Die Z a h ( u n g von Pensionen an die außerhalb der Türkei lebenden Empfänger wieder ausgenommen werden soll. Das Gesetz wird in erster Linie denjenigen deutschen-Reichs- angehörigen zugute kommen, die einen Anspruch aus Die Zahlung türkischer Pensionen besitzen.
Smin. Der Verwaltungsrat Der Deutschen Renteybank haben beschlossen, den Zinsfuß aller an die Personal- Ire d i t i n st i t u t e begebenen Kredite um 1 % zu senken mit Der Maßgabe, daß der Zinssatz für den letzten Kreditnehmer grundsätzlich auf 10 J4 % ermäßigt werden soll.
Paris. Wie die Agentur Indo-Pacific aus Peking berichtet, ist es nördlich von Schanghaikwan zwischen der auf seiten Tschangtsolins stehenden Kavallerie von Heilungkiar inld den Vorposten der Truppen von Knomintschung zu einem Gefecht gekommen. Tschangtsolin habe,Befehl gegeben, Kuomintschung anzngreisen, nachdem er beschlossen habe, Li- schingling zu Helsen, Tientsin einzunehmeii, indem er ihm Waffen und Munition sandte.
St. Ottilien. Durch Erlaß der englischen Regierung ist den Missionaren des Benediktinerstistes St. Ottilien in Bayern die Einreise in ihr altes Mission sg ehiet in Ostasrika freigegeben worden.
London. „Daily Mail" meldet ans Nairobi: Ein holländischer Kaufmann mit Namen Mayer wurde von Somalis an der Nordgrenze von Kenya erschossen. Tie Polizei sand die Spur der Mörder. Ein Somalineger wurde getötet, die anderen enttarnen nach Abessinien.
London. „Daily Mail" berichte: aus Tokio, daß die öffentliche Meinung Japans über das Ergebnis der letzten Volkszählung beunruhigt sei, nach welchem die Bevölkerung in den letzten fünf Jahren jährlich um 750 000 zugenommen hat.
Der tolle Mister Teddy von Newyork.
Der Roman eines Eigenwilligen.
Von Erich Friesen.
58. (Nachdruck verboten.)
Theodor ist zufrieden. Der beständige Verkehr mit den Pferden tut ihm wohl. Einen wilden Hengst zu bändigen, eine tückische Stute zur Sanftmut zu erziehen, beruhigt sein rebellisches Blut. Es zieht ihn auch von unnützen Grübeleien ab, die sich wider seinen Willen hie und da noch einstellen.
Denn die Vergangenheit mit ihren heißen Wünschen und herben Enttäuschungen ist nicht tot in ihm — o nein. Sie ist nur gebändigt durch seinen starken Willen, gleichwie die wilden Hengste, die er ins Joch zwingt.
Ob er die Kraft wird haben, sie für immer im Zaum zu halten? Oder ob sie urplötzlich und unerwartet sich avf- bäumen wird, um mit elementarer Wildheit davon zu stürmen und alles niederzutreten, was sich ihr hindernd in den Weg stellt?
Theodor fragt es sich oft.
Und nur zu bald kommt der Tag, der ihm die Antwort darauf gibt.
3im Pincock ist in Buenos Ayres gewesen. In Geschäften. Und wohl auch etwas zum Vergnügen. Denn kreuzfidel kehrt er spät abends heim zu seiner schwarzen Gemahlin und seinen wilden Pferden.
Er hat ein Bündel Zeitungen mitgebracht „damit man doch einmal erfährt, wie es in der Welt aussieht."
Und am nächsten Tage hockt die ganze Familie auf der Erde, mit dem „New Port Herald" beschäftigt. Jim Pincock, des Lesens kundig, buchstabiert sich allerlei zusammen. Seine Gemahlin kokettiert mit den Illustrationen. Die Kinder stecken die Zeitungsblätter in den Mund und schnuppern daran herum.
Ein eigenes Gefühl durchzuckt Theodor, als er nach Wochen zum erstenmal wieder eine Newyorker Zeitung sieht.
Unwillkürlich will auch er danach greifen.
Doch rasch zieht er die Hand wieder zurück. Wozu alte Wunden auf reinen?
Hochflui der Zwangsversteigerungen.
Ein Spiegelbild der herrschenden Not.
Es ist sonst kein Sport von mir, Statistik zu treiben, aber dieser Tage fiel mein Blick zufällig im Anzeigenteil einer großen Zeitung aus die Abteilung: Z w a n g s v e r st e i g e r u n g e n! Und da wurde ich unwillkürlich für eine Weile zum Statistiker.
Zunächst die Anzahl der Anzeigen. Nicht weniger als 0'2 Zwangsversteigerungen werden an einem einzigen Vor- mittag, fast alle zu Der gleichen Stunde, in den Psandkammern derselben Stadt abgehalten. Dem Kulturhistoriker und dem Wirtschafisgeschichtssorscher späterer Zeiten wird solch eine Zeilungsanzeigenseite reichen Stoss zu Untersuchungen bieten. Für uns Miterlebende ist ihr Anblick bedrückend traurig. Wer Geld hat, braucht kein Kaufhaus und keine Spezialsirma mehr aufzusuchen, er findet alles in den Versteigerungsanzeigen dieser einen Zeitungsseite. Dinge des Luxus und Wohlde- Hagens neben denen des schlichtesten Alllagsbedarfs. Das 60pferdige Rennautomobil und den behaglichen Lederklubsessel neben oen. Handkarren und dem Kinderwagen. Das Gesetz unterscheidet zwischen überflüssigen Gegenständen und solchen des unentbehrlichsten Bedarfs. Ein überschlag über die Versteigerungsinjeraw zeigt aber, daß die am meisten gepfändeten Gegenstände Geldschränke. Schreib- Maschinen und Nähmaschinen sind. Geldschränke, nun ja, das mag sein. Wer schon nicht mehr zahlen kann, der braucht auch keinen Geldschrank. Man kann höchstens fragen, wer ihn denn ersteigern soll, denn wenn die wirtschaftliche Entwicklung noch eine Weile so weilergeht, wird der „Tresor" fiir uns alle das überflüssigste sämtlicher Besitztümer sein. Schreibmaschinen hat wohl stets nur der gekauft, der sie gebraucht Hal, und daß sie in so großer Zahl gepfändet werden können, beweist Die zunehmende Lethargie des geschäftlichen Lebens. Aber Nähmaschinen dürfen niemals stillestehn, in guten wie in den schlimmsten Zeiten nicht. Und in solchen schlimmsten Zeiten, wie wir sie heute durchleben, schon gar nichl, denn da sind sie in den Händen jeder fleißigen Hausfrau und Kindermulter eine Kampswasse gegen die lauernd hcran- schlcichende Not, welche nicht gepfändet werden sollte. Der nächste zahlreichst angebotene Artikel ist der Schreibtisch, der freilich nicht für jeden unentbehrlich fein mag, besonders nicht, Wenn er im Rahmen einer „hochvornehmen Herren- zimmereinrichtung im Stile Louis XIV." oder „in romanischer Stilform" auftritt. Merkwürdig, wie das Mitleid schwindet, sobald eine Wohnungsausstattung nach Raffke und Inflationszeit klingt! Gobelinpolstergarnituren, Kronleuchter, Bronce- wandkandelaber. Seidenteppiche, echte Perserbrücken, Hochanlike Holzskulpturen, ein original chinesisches Rauchzimmer, eine Galerie hochkünstlerischer Ölgemälde, Platinarmbanduhren mit Brillanten, man kann ohne diese Dinge leben. Dagegen hefte! sich das Mitgefühl sofort an diejenigen Anzeigen, die das Aus- löschcn einer Arbeitsstätte bedeuten. Wenn Bohr- und Drehbänke, Leitspindeldrehbänke, Kaltsägen, Fräsmaschinen. Pelz- und Lcderuähmaschinen, das gesamte Werkzeug einer Auio- reparaturanstalt, Schnell- und Tiegeldruckpressen usw., die in reicher Auswahl zu finden sind, versteigert werden, so sieht das Auge über den Rand des Zeitungsblattes hinweg die verhärmten Arbeitsmänner, denen man diese Verdienstgeräle aus den Händen genommen hat. Eine ganze Reihe kleiner Fabrik- betriebe gesellt sich hinzu. Man kann gegen sofortige Bar- Zahlung kaufen eine vollständige Marmeladen- und Fruchtsaftfabrik, eine Grammophonfabrik, eine Radioapparawft.br, k mit vielen Vorräten an Äntenncndraht und Besiau'. teilen, man kann eine Konfektionsnäherei mit Vorräten an Ball-, Woll-, Voile- und Leinenkleidern erwerben, oder wenn man mehr für ein Ladengeschäft ist, so winkt : . Gelegenheit, moderne Verkaufseinrichtungen aller Art für Schuhe, Leder. Sei je, Zucker- waren usw. zu erwerben. Fehlt es an einer Betriebskrast, so gibt es Motoren jeder Art, auch Dieselmotoren neuesten Modells. Dazwischen eüigefm-vi sind immer wieder ganze Haushaltung seinrichtungen. Schlafzimmer in Mahagoni, Lack, Eiche und auch in schlichtem Kiefernholz, Lebensmittel jeglicher Art, Konserven kistenweise, Wein und Sekt in vollständigen Logerkellern. ünd zur Heimschassung dieser Schätze kann man gleich hsnzuerwerben je nach Bedarf: . Lastautos, Roll-, Platten-, Molkerei-, Kohlen-, Achsen-, Latten- Ilnd Handwagen und einen Wagen für Straßenhandel.
Das alles wird an einem einzigen Morgen mit einer gewissen Sinnlosigkeit auf den Kaufmarkt einer einzigen Stadt geschleudert. Käme auf diese Weise wenigstens der Gläubiger zu einem angemessenen Bruchteil seines Guthabens, so würde das unerbittlich harte Verfahren volkswirtschaftlich nicht ganz verfehlt sein. Aber alle Besucher dieser Zwangsversteigerungen stellen fest, daß die Pfandgegenstände in diesen geldarmen Zeiten meistenteils geradezu verschleudert werden. Was kann wohl ein „Posten Nerzfutter, Otterkragen, Skunks-, Bisam- und BiberscÄe", die vielleicht aus der Leipziger Pelzmesse eine Sensation waren, bei dem Ausgebot in einer entlegenen Pfandkammer vor einem halben Dutzend Arme-Lcutc- Trödler cinbringen? Oder — auch das steht auf der Auzeigen- sammlung — „eine zoologische Sammlung von Korallen und Schlangen in Präparalegiäsern"? Aber selbst Die nützlichen Dinge, die Nähmaschinen, Kücheneinrichtungen. Kinderwüsche, fallen ja alle nicht an die unbemittelten Leute, die ihrer bedürftig sein würden, sondern infolge eines Mißstandes, gegen den man immer noch machtlos ist, werden sie ausnahmslos von einem kleinen, eng zusammengeschlossenen Trust von gewerbsmäßigen Allhändlern erbeutet
„Es schleppen siet) Gesetz und Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort." Das Zwangsversteigerungswesen, wie es gegen- ivärtig in einer Zeit allgemeiner Zahlungsschwierigkeit aus
Er geht hinaus und beschäftigt sich mit den Pferden.
Doch seine Gedanken sind nicht dabei. Sie sind drinnen im Zimmer beim „New Pork Herald" —
Und bei — Evelyne Harding--—
Die Erinnerung bäumt sich auf.
Noch ein kurzer Kampf — dann geht er mit raschen Schritten zu den Andern und nimmt eines der zerstreut umherliegenden Zeitungsblättcr — „nur um einen Blick hineinzuwerfcn".
Aus dem einen Blick werden zwei. Und drei. Und zehn. Und hundert.
Bald ist er so vertieft in die Lektüre, daß er nichts um sich her hört und sieht.
Und plötzlich weiten sich feine Augen. Tiefer beugt er sich auf das Blatt herab, als habe er nicht recht gesehen.
Wieder und wieder liest er dieselbe Notiz. Und faßt sich an den Kopf. Und wird bleich wie der Tod.
Und springt schließlich empor und lacht wie ein Irrsinniger auf.
„Was hat der Mister?" fragt Jim Pincock erschrocken.
„Ich muß fort! Heute noch! Sogleich!"
Und Theodor deutet auf eine fettgedruckte Lokalnotiz.
Jim Pincock buchstabiert sich den Inhalt zusammen. Und guckt seinen Gentleman-Reitknecht verschmitzt an. Er begreift. Hat sich immer schon etwas Aehnliches gedacht.
„Dieser Theodor Vanderbild —"
"Umso besser, daß der Mister hier ist. Weit vom Schuß!"
Aber ich bin’s doch nicht gewesen! Muß bin, um meine Ehre zu verteidigen!" versucht Theodor Mister Pincock klar zu machen.
Doch der schüttelt verständnislos seinen schwarzen Wollkopf und meint pbilosophilch:
„Sicher ist sicher, Mister! Man weiß nie, wie es kommt!"
Sein Mulattenhirn begreift nicht, wie man einen sicheren Schlupfwinkel verlassen kann, um sich in die Ee- fahrzone zu begeben.
xxin.
Rasch rauschen die Tage hinab in den nimmer rastenden Strom der Zeit. Und auch die Wochen. Weihnachten mit seinen lieblichen Freuden und frommen Schauern ist vorbei. Das neue Jahr rüstet sich zum Einzug.
geübt wird, ist längst aus Vernunft zum unslnn geworden. Der - rutsche Reichstag hat das ja auch einzusehen begonnen? vnb eine Abmilderung der unerhörten Härten, mit denen das Verfahren viele Schuldlose trifft und ihnen oft um ganz geringer Schuldbeträge willen alles entreißt, was sie sich mühsar- »US Arbeitsgroschen aufgebaut haben, steht in Aussicht. Nur laßt die Abhilfe leider auf sich warten. I. K.
Hauptversammlung des Hess. Grünlandvereins am 15. Januar 1926.
Die Tagung des Hess. Grünlandvereins, die im Rahmen der Hess. Landw. Woche in Darmstadt im dichtbesetzten „Rummelbräu" stattfand, erbrachte durch ihren erfreulich zahlreichen Besuch erneut den Beweis, daß das Interesse der landw. Bevölkerung für den neuzeitlichen Grünlandgedanken gerade in der jetzigen Notzeit immer mehr wächst und daß der Wert, der in der Arbeit der Erünlandorganisation steckt, auch richtig erkannt wird.
Nach der Eröffnung der Versammlung und Begrüßung der Erschienenen durch den 1. Vorsitzenden des Vereins, Herrn Domänenpächter Fritz Ruoff- Konradsdorf, erhielt Herr Oek.-Rat Dr. Hamann, Direktor der Hess. Landw.-Kammer, das Wort zu feinem Vortrag: „Ist die seither im Vogelsberg und in einem Teil des Odenwaldes übliche Betriebsweise gerechtfertigt oder ist eine Umstellung dieser Betriebsweise erforderlich und nach welcher Richtung?"
In vortrefflicher Weise führte der Vortragende zunächst aus, daß sich die Lage der Landwirtschaft insonderheit im Vogelsberg, in den letzten Jahren infolge des Verlustes mehrerer Ernten geradezu katastrophal gestaltete. Im Fortgang feiner Rede beleuchtete er die Ursachen dieser Not. Schuld daran sind vor allem die klimatischen Verhältnisse: lange Winter, heftige und kalte Winde, hohe Niederschlagsmengen und reichliche Nebel- und Taubildung. Die Ausführungen wurden durch reichliches Zahlenmaterial eingehend unterstrichen. Trotzdem der Ackerbau sehr erschwert ist und die Erträge unsicher sind, ist der Anteil des Ackerlandes im Vogelsberg noch sehr groß. Es wäre schon früher zu überlegen gewesen, ob man so wie bisher auf die Dauer weiterwirtschaften könne. Der Odenwald ist im Vergleich zum Vogelsberg bezügl. des Klimas etwas günstiger gestellt. Aber auch im Odenwald waren durch nachteilige Witterungsverhältnisse in den letzten Jahren Ernteverluste in größerem Maße vorhanden. Der Redner hob dann hervor, daß für die Zukunft die Forderung erhoben werden muß, das Hauptgewicht in jenen Gebieten auf die Viehzucht in Verbindung mit neuzeitlicher Grünlandwirtschaft zu legen. In Höhenlagen von 500 Meter aufwärts sollte überhaupt kein Ackerbau mehr getrieben werden. Durch Beispielsanlagen auf ihren Versuchsgütern will die Landwirtschaftskammer zeigen, was erreicht werden kann. Die Einzelhut im Vogelsberg hat heute keine Berechtigung mehr, die Hutweiden müssen in beste Dauerweiden umgewandelt werden. Im Odenwald muß auch dem Feldfutterbau größte Beachtung geschenkt werden. Die Umstellung in die neue Wirtschaftsrichtung kann zwar nicht von heute auf morgen erfolgen, sie muß aber kommen. Von Seiten des Staates und auch des Reiches muß für die notwendigen Meliorationen Beihilfe geleistet werden. Der Referent schloß mit den Worten, daß auch schwierige Zeiten, überwunden werden müssen, denn nur auf einer gefunden Landwirtschaft kann sich eine lebenskräftige deutsche Ee- samtwirtschaft aufbauen.
Reicher Beifall brachte den Dank der Versammlung für die äußerst wertvollen, anregenden und tiefschürfenden Ausführungen zum Ausdruck.
Anschließend sprach dann noch Herr Dr. K ö n e k a m p- Bonn, der frühere Geschäftsführer des Vereins, über: „Die Bauernberatung im Erünlandverein — Rückblick und Ausblick in Hessen."
Der Redner betonte einleitend, daß sich der Bauer nicht auf die Hilfe von außen verlassen dürfe, sondern daß er bestrebt sein muß, sich selbst zu helfen. Das Rückgrat des bäuerlichen Betriebes liegt vor allem in der Viehwirtschaft. Im weiteren Verlauf gab der Referent einen Ueberblick über die Entwicklung des Hess. Grünland- vereins, der im Anfang feines Bestehens mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, doch ist das Vertrauen in die Organisation bei den Landwirten seit den drei Jahren seines Bestehens ständig im Wachsen. An der Hand zahlenmäßiger Angaben gab der Vortragende dann einen Ueberblick über die Arbeit des letzten Jahres. Diese erstreckte sich vor allem auf die Neuanlage von Erünlän- dereien und die Verbesserung bereits vorhandener Flächen durch wirtschaft!. Maßnahmen. Die Erfahrungen, die dabei gesammelt wurden, gehen in erster Linie dahin, daß
In Pine-Wood ist alles noch beim alten. Scheinbar wenigstens. ,
Inspektor Barns erscheint nach wie vor tagtäglich auf der Bildfläche. Aber mehr, um „mal bei den Parkers 'reinzuguckcn", als „beruflich". Er wartet Henry Bartleys Rückkehr ab, bevor er zu weiteren Maßnahmen schreitet.
Evelyne Harding ist still und in sich gekehrt worden. Das harmlose Jungmädcl ist durch die Tragik der Verhältnisse zum wissenden Weibe gereift. Ihre erzwungene Verlobung drückt ebenso auf ihr Gemüt wie der ungeheuerliche Verdacht, der über dem Etillgeliebten ihres Herzens schwebt. Zwar glaubt sie nicht an feine Schuld — nach keiner Richtung hin. Aber der geheimnisvolle Mord mit feinen kriminellen Folgen liegt wie ein Alb auf ihrer Brust.
Ihre meiste Zeit verbringt sie jetzt auf Pine-Wood. Sie ist dem Vater noch immer mit inniger Liebe zugetan. Aber seine beständigen Lobeshymnen auf Henry Bartley, sein Mangel an Verständnis für ihre Lage, entfremdet ihn ihr.
Nicht mehr wie früher find Vater und Tochter unzertrennlich.
Dafür hat sich das Verhältnis zwischen ihr und Miß Harriet noch inniger gestaltet. Seit sie der guten alten Dame damals ihr Herz ausgeschüttet hatte und so vollem Verständnis begegnete, umschließt die beiden Frauen ein festes Freundschaftsband. Noch gefestigt durch den Umstand, daß beide unumstößlich an Theodors Unschuld glauben — trotz der Beweise, die gegen ihn sprechen.
Ihre Unterhaltung dreht sich denn auch zumeist um ihn. Während Henry Bartley nur ab und zu einmal erwähnt wird — und von beiden Seiten mit Reserve und ersichtlichem Widerstreben. f , ,
Miß Harriets größte Sorge ist, ob ^.deodor noch lebt. Sie kann es nicht begreifen, daß er so ganz aus ihrem Gesichtskreis verschwunden ist, und meint, es .wupe ihm ein Unglück zugestoßcn sein. Evelyne jedoch ist anderer Ansicht. . - .
Er lebt'" beteuert sie immer wieder voll Inbrunst. „Ich hätte es gefühlt, wenn er gestorben wäre!"
Und dabei füllen sich ihre Augen mit Tranen.
Und Miß Harriet schweigt dann zumeist. Was soll sie auch dem jungen Geschöpf zum Trost sagen? Sie kennt den