Fuldaer Anzeiger
Fulda Blatt 2
Nr. 12 Fulda, 20. Januar 1926
Nah «nd Kern.
0 Neue Hochwassergefahr. Der in der Eifel und im Hochwald der Trierer Gegend begonnene starke Schneefall hat unverändert angehalten. Sollte plötzlich Tau- wetter und Regen eintreten, so würde bei dem noch nicht normalen Stand der Flüsse die Gefahr einer neuen Hochwasserkatastrophe in unmittelbare Nähe rücken. Die Mosel führt nur an verschiedenen Stellen Treibeis. — In der Mittelschweiz und im Jura hielt der Schneefall an. Die Temperatur ist im Steigen begriffen. An einzelnen Stellen hat es bereits geregnet.
O Brandkatastrophe bei Koburg. In Aicha bei Ko- burg brach Großfeuer aus, wodurch die Gehöfte des Bürgermeisters und Landwirts Alfred Faber und des Landwirts Alwin Faber (Wohnhäuser, Scheunen, Stallungen und Nebenräume) vollständig eingeäschert wurden. Der Bürgermeister Faber und ein Pferd wurden durch eine abgerissene Hochspannungsleitung durch Starkstrom getötet. Die Frau des Bürgermeisters wurde betäubt und verletzt. Die Entstehungsulsache des Brandes ist bisher nicht bekannt.
O Die Explosionskatastrophe in Berlin hat anscheinend noch mehr Opfer gefordert, als zuerst angenommen wurde. Man glaubt, daß noch mehrere Tote unter den Trümmern liegen. Mit einem großen Aufgebot von Bauhandwerkern haben die städtischen Behörden die erforderlichen Bergungsarbeiten fortgesetzt. Zunächst wurden die besonders gefährdeten Stellen durch starke Absteifungen gestützt, über die Ursache des Unglücks wird mitgeteilt, daß nach dem Ergebnis der Untersuchungen eine Gasexplosion nunmehr als sicher angenommen werden kann. Der angerichtete Sachschaden wird auf 300 000 Mark geschätzt.
O Schneestürme in Italien. In Mittelitalien dauern die Schneefälle an, besonders in der Gegend von Alessandria, wo das Thermometer auf minus 15 Grad sank, und in Piacenza, wo bei starkem Schneefall 10 Grad Kälte herrschen. An der Tyrrhenischen Küste wütete ein katastrophaler Sturm, durch den mehrere Schiffe im Hafen von Livorno beschädigt wurden. Ein bespannter Wagen wurde ins Meer geschleudert, so daß die Feuerwehr ihn bergen mußte. In der Nähe von Portoferraio wurde der Kai in einer Länge von 20 Meter eingerissen. Auch im Hafen von Viareggio wurde großer Schaden angerichtet.
0 Nach 13 Jahren unter Mordverdacht verhaftet. In Marseille ist ein österreichischer Staatsbürger verhaftet worden, der Sohn einer Wiener Offiziersfamilie, ein ehemaliger Student an der Technischen Hochschule, namens Felix Kundegraber, weil er im Verdacht steht, vor 13 Jahren eine Prostituierte in Wien ermordet und beraubt zu haben. Er war damals verschwunden und wurde m& m ausgLgetzen, inzwischen ist er aber tn Frankreich Kaufmann geworden und hatte dort geheiratet.
O Ein Krankenauto vom Sturm ins Meer geweht. An der ganzen spanischen Küste herrschen starke von Regen und Schneefällen begleitete Stürme. Das Meer hat mehrere kleinere Orte in der Nähe von Barcelona überschwemmt. über 200 Fischerboote wurden aufs Meer entführt. Viele Gebäude wurden beschädigt. Ein Krankenautomobil, das nach einem Küstenort zur Hilfe gerufen war, wurde vom Sturm ins Meer getrieben.
O Explosion in einer polnischen Fabrik. In W a r s ch a u ereignete sich in der Explosivstoffabrik Granat, die in einem Fort unweit Warschau gelegen ist, eine Explosion. Mehrere Arbeiter und Arbeiterinnen wurden verlebt, dar-
O Geburtstagsfeier in Doorn. Der frühere deutsche Kronprinz wird am 27. Januar zum Geburtstag seines ^Vaters in Doorn erscheinen. Es werden auch noch andere "Familienmitglieder erwartet.
Vergeßet der Angernden Vögel nicht, streuet Äörnerfutter!
sinter drei schwer. Als Ursache der Explosion wurde unvorsichtiges Hantieren einer Arbeiterin festgestellt.
0 Schiffskatastrophe im Schwarzen Meer. Auf dem Schwarzen Meer herrschte ein starker Orkan. Der Kreuzer „Samidie" traf auf der Fahrt nach S i n o b auf hoher See Trümmer des türkischen Dampfers „Enup" an. An der Mastspitze hatten sich vier Personen, darunter zwei Söhne des Kommandanten, festgeklammert. Sie gaben an, daß der Dampfer „Enup" mit einer Ladung von vierhundert Ochsen auf der Fahrt vom Bosporus nach Sinoü von dem Orkan überrascht und vollständig zertrümmert worden ist. 21 Mann der Besatzung fanden in den Wellen den Tod. Die vier Geretteten hatten zehn Stunden lang mit den Wellen gekämpft.
O Banditenübersall auf ein Newyorker Restaurant. Sechs bewaffnete Banditen, von denen jeder mit zwei Revolvern ausgerüstet war, haben sich einen tollkühnen Überfall geleistet. Sie drangen in ein vollbesetztes Newyorker Restaurant ein und raubten die zweihundert Gäste, die anwesend waren, vollständig aus. Ihre Beute betrug etwa 40 000 Mark. Die Banditen zwangen die Gäste, sich in Reih und Glied aufzustellen. Hierauf mußte ein Gast nach dem andern vortreten und seine Wertsachen abliefern.
Bunte Tageschronik.
Weimar. Der 22 Jahre alte Reichswehrsoldat Franke in Weimar verübte in der Kaserne Selbstmord, weil er den Abendurlaub überschritten hatte und sich vor der Strafe fürchtete.
München. In den Gebieten von Bayrisch-Zell, Tegernsee und Neuhaus sind 17 Touristen bei Skilauf und Rodeln schwer verletzt worden.
Kresew. Ein hiesiger Metzger hat seiner Braut, die auf dem Standesamt zur Eheschließung nicht erschienen war, in ihrer Wohnung kurzerhand den Hals durchgeschnitten. Ter Mörder wurde verhaftet.
Oslo. Die Spitzbergenflieger flogen von Stocksend ab und trafen in Brödöjsung ein, von wo sie in den nächsten Tagen den Flug in nördlicher Richtung fortfetzen werden.
Moskau. Unweit der Station Udatschnaja der Rjäsan- Uralbahn wurde der Postzug ausgeplündert. Die bewaffneten Banditen raubten aus dem Postwagen Geldsäckc mit Banknoten und Metallgeld und konnten unter Mitnahme von zwei Beamten der G. P. U. (früher Tscheka) in die Steppe entkommen.
Jarmar
Mittwoch
Wichtige Tagesnotiz:
Die Uebermittekung der Bezugsbestellung d. Bl. für Februar ist heute notwendig, denn für alle nach dem 25. eines Monats eingehenden Zeitungsbestellungen berechnet die Post eine Sondergebühr.
Weil im Prozeß Grans.
Zwölf JahreZnchthaus.
§ Hannover, 19. Januar
Im Nevisionsprozes; Grans wurde das Urteil verkündet. Der Angeklagte Grans wurde wegen Beihilfe zum Morde in zwei Fällen zuzwölfJahrcnZucht- H a u s und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Es wurde auf Verhängung der Polizeiaufsicht erkannt. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit sie Grans betreffen, zur Last des Angeklagten.
Weüere Vernehmuna von BarèeiS.
8 Berlin, 19. Januar
In der Verhandlung wurde die Vernehmung des Angeklagten Regierungsrai a. D. Walter Bartels fortgesetzt und das Konto besprochen, das der Angeklagte mit Holzmann ge- meinsam bei der Bank Kahn, Weil & Go. gehabt hav Weiter wurden die Konten, die Bartels bei der Gottler-Bank eröffnet vatle, eingehend erörtert. Holzmann B^be, so saaie Bartels hierzu aus, bei der Gottler-Bank ein s. o eingerichtet, über das er, der Angeklagte, disponiert habe. Auf "den Vorbalt des Vorsitzenden, daß dies doch wohl unzulässig sei, bemerkte der Angeklagte, daß er mit Gottler und den anderen Anae- stellten der Bank freundschaftlich verkehrt habe. Der Prolurtu Behrs war Vorsitzender des Vereins der russischen Flüchtlinge von 1918 gewesen. So sei er mit ihm bekanntgeworden und habe auch von ihm die Informationen über die ruflischen Emigranten bezogen. Der Angeklagte bestritt im übrigen ganz ent- lchièdeit, daß es sich um ein fingiertes Konto gebandelt habe. Bei dieser Gelegen! U behauptete der Angeklagte Bartels daß seine Tekephongefp^ che von Kriminalkommissar Dr. Grün- berger und Boris Tovbin mit Kutiskcrschem Gelde abgehört worden seien. Ter Staatsanwalt erklärte, Kriminalkommissar Dr. Grünberger habe die Abhörung der Telephongespräcbc'm Abrede gestellt. Der Angeklagte Bartels blieb aber bei seiner Behauptung ynd bekundete, daß er Beweise dafür erbringen
Aus dem Gerrchissü-Ql.
§ Die Scheidnngssache Bothmer. Vor der vierten Zivik- ta.amer des Landgerichtes Potsdam sollte der erste Bewers- termin in der Ehescheidungssache der Gräfin Bolymer statt- jinben. Iustizrat Ioscphsohn hatte ledoch einen Vertagungs- autrag zwecks Klärung wichtiger Angelegenheiten einbringet lassen. Der neue Termin wurde deshalb aus den 9. Februar festgesetzt. Graf Ludwig Bothmer war einige Zeit nicht in Potsdam. Während dieser Tage hat die Gräfin Bothmer mit Einwilligung ihres Mannes ihre Kinder in Potsdam bestickt und auch die ihr zusteheiidcn Möbel abholeu lassen. Beide Gatten beabsichtigen, die Scheidung so reinlich wie möglich zu gestalten. Ter Gräfin ist gestattet worden, ihre Kinder öfter in Berlin zu sehen.
§ Dcr Strafantrag wegen der Münchener Erschießungen. Im Münchener Mordprozeß stellte der Staatsanwalt folgenden Strafantrag: Für beide Angeklagte wegen Totschlags in elf Fällen als Mittäter, begangen durch die Erschießung der Pcrkacher Bürger, für jeden Fall sechs Jahre Zuchthaus. Die Strafe soll zusammengefaßt werden in eine Gesa m t; u d) t b a u s st r u j e von zehn Jahren. Tie Untersuchungshaft ist voll anzurechnen. Die Anklage wegen Mordes im Falle Ludwig wird fallen gelassen.
Weli und WEön.
w. Die neue. Nordpolexpedition Amundsens. Aus der bevorstehenden Polarexpedition Amundsen-Ellsworth wird Oberst Mobile die Führung des Luftschiffes „Norge" übernehmen. Die Fahrt von Rom nach Spitzbergen soll über Frankreich nach Pulham, von dort nach Leningrad, von dort nach Bvborgs- ntoen bei Vardö, wo ein Ankermast errichtet werden wird, und endlich nach Kingsbay auf Spitzbergen führen. Sofern sich die Luftschiffhalle in Leningrad als ungeeignet erweisen sollte, wird die Route über Oslo gewählt, wo eventuell ein Ankermast errichtet werden soll, und von Oslo über Schweden nach Byborgsmoen.
w. Beitrag der Rockefeller-Stiftung für das norwegische Ceruniinstitut. Das Kuratorium des Rockefeller-Fonds hat beschlossen, Norwegen einen Betrag von 1085 000 Kr. zur Vollendung und Ausstattung des neuen staatlichen Serum- und Vaccina-Jnstituts zu stiften, vorausgesetzt, daß dieses innerhalb Dieter Jahre fertiggestellt wird. Weitere Voraussetzung ist es, daß der zurückgebliebene Betrag aus früheren außerordenr-- liehen Staatsbewilligungen für das Institut zu Sauarbeiten zur Verfügung gestellt wird.
w. Entdeckung eines afrikanischen Zwergvolkes. Eine amerikanische Expedition, die die Kalahariwüste in Südafrika durchwandert, bat einen neuen Stamm zwergenhafter Buschmänner entdeckt, die sich angeblich nur von Insekten, Segeleiern und Wurzeln »kören.
Heièere Ecke.
Das Gleichnis. Der Lehrer erklärt den Kindern in der Schule das Gleichnis vom guten Hirten und seiner Herde. Um ihnen die Sache recht tief einzuprägen, fragt er folgendermaßen: „Wenn ihr nun alle kleine e^äflein wäret, was wäre ich bann wohl?" — Der kleine Max hebt den Finger und platzt heraus: „Das große Schaf!"
Schmeickelheft. Onkel: „Na, Fritzchen, wie geht es dir in der Schule?" — „O, sehr gut, gestern in der Rcchcnstunde hat mich der Lehrer sogar mit einem Vogel verglichen." — Onkel: „So?" — Frilmen: „Ja, er sagte, ich wäre ein netter Schmutzsink."
Genügend. Badearzt: „Lieber Herr, Ihre Frau Gemahlin muß sich unbedingt mehr Bewegung machen." — Herr: „Ich dachte, sie macht sich genügend Bewegung. Sechsmal am Tag wechselt sie die Toilette."
Der tolle Mister Teddy von Rewyorß.
Der Roman eines Eigenwilligen.
Bon Erich Friesen.
57. (Nachdruck verboten.)
Zum erstenmal berührt Elsie von selbst das unerquickliche Thema.
„Der arme Pit! Ich würde viel drum geben, wenn der Schuldige gefunden und der gerechten Strafe überliefert wäre!"
Peter Barns erwidert nichts. Obgleich er vielleicht noch mehr drum geben würde. Die schlichten, aus tiefstem Herzen kommenden Worte, die, wie alles, was das Mädchen sagt, den Stempel der Wahrheit tragen, verfehlen ihren Eindruck auf den gewiegten Kriminalisten nicht.
Und mehr und mehr wird er irre in der Annahme, Theodor Vanderbild sei der Mörder.
Die Sonne, die den ganzen Tag, seit langer Zeit zum erstenmal wieder, warm vom Himmel herunterleuchtet, hat den Schnee ringsum geschmolzen. Langsam senkt sich der Feuerball ins Meer hinab, noch einen letzten Elutblick versprühend, der alles ringsum vergoldet.
Er wirft auch feinen Strahl auf einen kleinen glitzernden Gegenstand, der zwischen Steingeröll liegt, sodâß er hell auffunkelt.
„Sieh da! Was ist das?"
Und wie ein Schießhund stürzt Peter Barns drauf los.
„Ein Kapital gefunden?" neckt Elsie.
„Vielleicht mehr als ein Kapital! Sehen Sie her!"
Und er präsentiert ihr einen goldenen Manschettenknopf, mit einem von kleinen Rubinen umgebenen Brillanten.
„Und der ist so viel wert?“
„Für mich — ja!"
Wie hypnotisiert blickt er eine Weile auf den blitzen- ben kleinen Gegenstand in seiner Hand. Dann wendet er W ersichtlicher Erregung zu seiner Begleiterin.
„Miß Elsie! Kennen Sie dies Ding da?"
Zum erstenmal hat sein Ton ihr gegenüber einen kleinen Anflug vom Untersuchungsrichter.
Sie schüttelt verwundert den Kopf.
„Wie sollte ich —“
„Sie haben ihn früher nie gesehen?"
„Nein."
„Nicht bei — Mister Teddy?"
„Auch nicht bei Mister Teddy. Bei niemand. Ich sagte es ja schon."
„Entsinnen Sie sich vielleicht noch, was für Manschettenknöpfe Mister Teddy am Tage des Mordes trug?"
„Gar keine. Er hatte ein Wollhemd an, wie ein ganz gewöhnlicher Handwerksbursche."
„Sie können das beschwören?"
„Ja. Das kann ich beschwören."
Peter Barns tut einen tiefen Atemzug. Er ist plötzlich wieder ganz Polizsiinfpektor, ganz Kriminalist.
Er weiß, dieser Manschettenknopf ist ein wichtiger Indizienbeweis. Nur ein Gutsituierter kommt dabei in Betracht, der solch kostbare Manschettenknöpfe trägt — kein Arbeiter oder dergleichen armer Teufel. Jetzt kennt er die Fährte, auf der er weiter suchen muß.
Nur Schweigen!. Schweigen! Damit der Schuldige nicht Wind bekommt und vor der Zeit verduftet!
Und er packt Elsie und Johny beim Arm und raunt ihnen hastig zu:
„Ich habe einen großen Fund getan, Kinder! Aber ihr müßt den Mund halten! Könnt ihr das? Auch du, Johny? Kein Wort davon erwähnen! Zu niemand! Auch nicht zu Mutter Parker! Verstanden?"
Johny nickt eifrig.
Elsie aber fragt in höchstem Erstaunen:
„Weshalb nicht, Mister Barns? Ich begreife nicht —“
„Weshalb nicht?" wiederholt Peter Barns in fieberhafter Erregung. „Begreifen Sie denn nicht, daß die Person, die den hierzu gehörigen zweiten Knopf besitzt, den Mord begangen haben muß?"
XXII.
Die „Argentinia" liegt im Hafen von Buenos Ayres vor Anker. Die Ladung ist gelöscht. Man rüstet sich zur Heimfahrt.
Theodor hat unermüdlich seine schwere Pflicht getan. Unterwegs. Und auch jetzt bei der Abladung. Nun heißt's für ihn: was beginnen? Zwar hat der Kapitän ihm angeboten, ihn auch für die Heimreise zu behalten. Doch „Teddy
Brown" wollte nicht. Er hat genug von Newyork und der ganzen Sippe dort. Zur urgewaltigen Natur Zieht's ihn mit aller Macht. Und zu den Naturvölkern, die noch nichts von Zivilisation kennen, aber auch nichts von all dem, was die vielgepriesene Zivilisation mit absoluter Konsequenz nach sich zieht: Einschnürung und Verbildung der natürlichsten Empfindungen im Menschen.
Er hat auf dem Schiff, wenn er aus dem Höllenreich der Maschinen ans Tageslicht kam und sich gesäubert hatte, bei Vecherklang und Würfelspiel die Bekanntschaft eines Mulatten gemacht, der ein paar Stunden von Buenos Ayres entfernt ein Gestüt besitzt und in Newyork ein paar feiner Pferde verkauft hatte.
Dieser Jim Pincock nun kam auf den Gedanken, wenn er Teddy Browns unermüdlichen Fleiß und feine Körperkraft und Gewandtheit sah, ihn für sein Gestüt zu gewinnen.
Und als die „Argentinia" Anker wirft, macht er ihm den Vorschlag.
Und — Teddy Brown nimmt an.
Nach einer Mulattenfarm! Zu Halbwilden! Außerhalb jeder Zivilisation! Welch lockende Perspektive!
Wieder einmal regt fien in Theodor die Abenteuerlust, der Hang zum Außergewöhnlichen. Und — er nimmt an.
Die „Argentinia" ist wieder abgebampft. Teddv Brown ist frei, zu tun, was ihm beliebt. Und noch an demselben Abend hält er seinen Einzug auf der Farrn der Pincocks.
Die Familie Pincock — Mann, Frau, zwei Kinder — empfängt ihn wie einen alten Freund. Sie ahnen wohl, daß dieser smarte Mensch mit dem Aeußern eines „Gentleman" kein geborener Reitknecht ist und auch nichr ..Teddy Brown" heißt. Daß er vielmehr aus irgend einem Grunde die Heimat verlassen wollte oder mußte. Aber in Argentinien nimmt man's nicht so genau. Wer etwas leistet — all right! Sonst — good bye!
So auch die Pincocks.
Und Teddy Brown leistet etwas. Noch nie hatten sie einen Burschen von solcher Eeschicklickkeit und solchem Mut, wie diesen „Gentleman"-Rcitknecht. Die Pferde parieren ihm wie niemandem sonst — Jim Pincock selbst nickt ausgenommen. Ein Blick, ein Wort von ihm wirkt mehr, als Knüffe und Peitsche der Anderen.
(Fortsetzung folgt.)