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Fuldaer Anzeiger

Fulda Blatt 2

Nr. 9 Fulda, 16. Januar 1926

Die Münchener Erschießungen.

aam^j Noskes Aussage.

§ München, 15. Januar.

Oberpräsident Noske, der im Jahre 1919 Reichswehr- Minister war, erklärte, die seinerzeit erteilten Besehle ließen NW nicht auf eine bestimmte Formel bringen. Ursprünglich babe er eine schonungsvolle Behandlung der Gefangenen an- befohlen, doch habe das sich in der Praxis als unmöglich er­wiesen. Er sah sich genötigt, am 9. März 1919 den bekannten Schießerlatz herauszugcben. der in der damaligen Zeit eine Selbstverständlichkeit war. Die zunehmende Grausamkeit der Spartakisten und die Erwägung, daß die Neichshauptstadt nicht auf längere Zeit Straßenkämpsen ausgesetzt sein dürfe, habe ihn dazu bestimmt. ,

Aus diesen Erlaß haben sich auch Leute für Handlungen berufen, für die der Erlaß nicht gedacht war. Ob den Truppen aus dem Wege nach München Befehle mitgegeben wurden, denen der Erlaß zugrunde lag, wisse er nicht. Die Dtnge haben sich in jeder Stadt anders abgespielt. Er habe damals dem General Oven direkt oder indirekt nur eine Anweisung gegeben, nämlich so rasch wie möglich der Räteherrschaft in München ein Ende zu machen. Die militärische Aktion sollte durch keinerlei Rücksichtnahme aus innerbayerische politische Erwä­gungen beeinträchtigt werden. In diesem Zusammenhänge kommt Noske darauf zu sprechen, daß nach der Anklageschrift preußische Truppen in Badern kein Standrecht hätten, wenn die oberste Gewalt bei den bäuerischen Militärbehörden ge- iep n habe. Er stellte nachdrücklich und entschieden fest, daß er das nicht gelten fassen könne. Die vollziehende Gewalt über das ganze Reich war durch die rechtmäßige Regierung ihm übertragen. Und von einer Verpflichtung, aus bayerische Stellen Rücksicht zu nehmen, konnte keine Rede sein.

Ser Prozeß Solzmann-SartelS.

, Holzmann geflohen?

K Berlin, 14. Januar.

Vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte begann der Prozeß gegen den russischen Staatsangehörigen Michael Holz­mann, den früheren Leiter des Berliner Fremdenamtes, Re- gierungsrat Walter Bartels, und den früheren Kriminal- bètriebsassistenlen Karl Rothe. Holzmann wird beschuldigt, seinen ursprünglichen Geschäftsfreund Iwan K u t i s k e r er­heblich betrogen und sich durch Erpressungen von ihm gesetz­widrige Vermögensvorteile verschafft zu haben. Ferner wird ihm zur Last gelegt, den früheren Leiter des Berliner Fremden- amt, Regicrungsral Bartels, durch Geschenke und Barzu- wenvungen bestochen zu haben. Bartels ist der passiven Be­stechung angeklagt. Das gleiche Vergehen wird dem Rothe zur Last gelegt.

Als die Angeklagten aufgerufen wurden, stellte es sich heraus, daß Holzmann nicht erschienen war. Aus Befragen des Vorsitzenden erklärte der Verteidiger, daß Holzmann fest zu- gesagt hätte, zu erscheinen. Der Vorsitzende schlug deshalb vor, die Verhandlung auszusetzen. Der Staatsanwalt erklärte, daß sich Holzmann die Weihnachisseiertage über in Berlin aufge­halten habe und am 8. dieses Monats bei der Vernehmung des Zeugen Steinhardt anwesend gewesen sei. Er beantrage, den Ä v0W'!iuhreii ^u,id. ihn^ durch einen Gerichtsarzt an Ort und Stelle bei der Vorführung untersuchen zu lassen. Das Gericht beschloß demgeniäß.

*

Nach einer Meldung aus Dresden ist der Kaufmann Michael Holzmann zurzeit nicht, wie man glaubte, im Sanatorium Loschwitz bei Dresden, sonder» hat die Heilstätte, in der er sich während der letzten Monate mehrmals ausge- halten hat, am 5. Januar verlassen, um nach Berlin zurüazu- lehren. Es besteht kaum ein Zweifel, daß Holzmann die Flucht ergriffen hat, um sich dem Prozeß gegen ihn, der jetzt statt« finden sollte, zu entziehen.

§ Berlin,' 15. Januar.

Gichacl Holzmann ist nicht da. In dem großen Prozeß Holzman »--Bartels begann man ohne ihn. Unschlüssig standen zunächst Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte im Ver­handlungszimmer.

Die Angeklagtenbank ist mit Aktenbündeln und einem großen Reisekorb voller Akten angefüllt. Der Vorsitzende stellt fest, daß Holzmann auch heute nicht erschienen sei. Es hat sich inzwischen herauLgesiellt, daß der Angeklagte Holzmann nicht zu ermitteln ist. Polizeibeainte Waren in seiner Woh­nung, wo ihnen Holzmanns Frau mitteilte, er sei in Dresden. Daraufhin sind Berliner Beamte »ach Dresden gefahren, aber auch dort ist er nicht zu ermitteln gewesen. Es ist anzunehmen, daß Holzmann geflüchtet ist. Der Staatsanwalt beantragt, das Verfahren gegen ihn zu vertagen und gegen Bartels allein zu verhandeln. Der Verteidiger Holzmanns stellte den Antrag, den ganzen Prozeß zu vertagen, bis man Holzmann gesunde» habe.

Der Angeklagte Bartels bittet dringend, daß verhandelt wird, denn er sei körperlich und seelisch gebrochen und müsse so schnell wie möglich seine Ehre wiederherstellc». Dasselbe ver­langt der Angeklagte Rothe. Der Rechtsbeistand Iwan Kutiskers beantragte die Zulassung Kutiskers als Nebenkläger. Gegen Holzmann wird ein Haftbefehl erlassen werden.

Steckbrief hinter Holzmann.

Berlin. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den flüchtigen Kaufmann Michael Holzmann einen Steckbrief erlassen und Kriminalkommissar Walter Müller damit beauftragt, nach dem Flüchtige» zu fahnden. Außcrdem sind die restliche«! 13 500 Mark von der Kaution, die Holzmann gestellt hatte, durch seine Flucht dem Gericht verfallen. Holzmann hat sich ins Ausland begeben und dem Gericht milgeteilt, daß sein schlechter Ge­sundheitszustand gegenwärtig keine Gerichtsverhandlung gegen ihn zulasse.

Der Prozeß Grans.

§ Hann o v e r, 15. Januar.

Die Zeugenaussagen brachten anfänglich im großen und ganzen nichts Neues. Die Zeugenliste, die ursprünglich 32 Zeugen auswics, ist im Laufe der jetzigen Verhandlung durch die verschiedenen Beweisanträge schon bis auf über 50 ge­stiegen, so daß wohl kaum der Prozeß am Freitag abgeschlosseir sein wird. Das Urteil wird wohl erst im Saufe her kommen­den Woche gesprochen werden können. Die Verteidigung stellte den Antrag, einen Berliner Herrn zu vernehmen, demgegen­über sich Haarmaiin über die Gründe geäußert hat, die ihn zur Belastung des Grans im Hauptverfahren veranlaßten. Es kommt zu einer lebhaften Kontroverse. Sie ergibt, daß sich Grans trotz strenger Einzelhaft verbotene Dinge im Gefängnis zu verschaffen wußte und sich mit den Gefangenen vom Fenster aus mittels Winkens unterhielt, wofür er auch einmal bestraft | wurde.

Weiterhin wurde Polizciiuspcktor M e i n e a e vernom­men, der betonte, daß Grans eine Zeitung verlangt habe, ba« mit er sich seine früheren Aussagen ins Gedächtnis zurückrufen könnte. Er bezeichnete Grans al8 einen überaus gerissenen Menschen. Während der Vernehmung der Zeugen Hilde - brecht und Johann Hartmann wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Hildebrecht belastete GranS sehr stark, indem er zunächst darlegte, wie er in Lüneburg. wo er selbst

zurzeit eine längere Strafe verbüßt, von zwei (Befangenen ver­prügelt und bedroht worden sei, weil er gegen Erans au »gesagt habe. Der Angeklagte ®rans leugnete, was dieser Zeuge gegen ihn aussagte.

Aus dem Gerichtssaal.

$ Ter Berliner Akticnfâlfchcrprozrtz. Tie Vernehmung der Angeklagten im Aktienfälscherprozeß über ihre Beteiligung an der Fälschung der Elberfelder Glanzaklien wurde zu Ende geführt. Günther Jacobi wollte von den Fälschungen selbst nichts gewußt haben unb auch in diesem Falle nur von feinem Bruder als Werkzeug benutzt worden sein. Die Aktien wurden in die gemeinsame Wohnung von Wehrsritz und der Störes gebracht und dort geschnitten und gestempelt. Man hatte auch sogar gefälschte Stempel des Finanzamtes für die Talons in Bereitschaft. Die Angeklagte Margot Storck bestritt, von den Fälschungen etwas gewußt zu haben. Sic habe nie eine Aktie gefeiten oder besessen und daher nicht gewußt, was dort gemacht werde. Weiter kam zur Sprache, daß die Lebensführung der Angeklagten Storck eine sehr luxuriöse war. Auch Rösner von Blumenthal lebte ebenso wie die anderen Angeklagten auf großen« Fuße.

§ Eine Antikricgsschrift vor Gericht. Vor dem Gemeinsamen Schöffengericht in Leipzig hatten sich wegen Gotteslästerung und Verbreitung unzüchtiger Schriften der ,ozialdemokratifche Schriftsteller Bruno Vogel und neun andere Personen, dar­unter der Inhaber des VerlagsDie Wölfe", Artur Wolf, unb der Maler und Graphiker Berlit aus Leipzig zu verant­worten. Ende 1924 erschien im VerlagDie Wölfe" eine von Vogel heransgegebene Anlikriegsschrist unter dem TitelEs lcbe der Krieg" mit 11 Skizzen kriegsscindlicher unb anti« militaristischer Tendenz aus der Zeil von 19141919. Die Broschüre war in einer Artslage von 5000 Stück erschienen und wurde vom Staatsanwalt beschlagnahmt, besonders wegen der SkizzeDer Heldentod des Gefreite» Müller III. In später Abendstunde wurde da- Urteil gefällt. Es lautete gegen Vogel wegen Verbreirung unzüchtiger Schriften auf 500 Mark Geldstrafe, gegen Wolf wegen Verbreitung unzüchtiger Schrif­ten und Vergehens gegen das Pressegesetz auf 1000 Mark Geld- firafe, gegen den Maler Berlit auf 100 Mark Geldstrafe und gegen den Verleger Banersdorf auf 100 Mark Geldstrafe. Die Anklage wcacn Gotteslästerung wurde fallen gelassen. Tie übrigen sechs Angeklagten wurden frcigejprochen.

3^0^ unb Fem.

O Wohnungszählung in Sachsen. Nach einer Mittei- des sächsischen Arbeitsministeriums wird in den nächsten Tagen in ganz Sachsen eine Wohnungszählung durchgeführt, um die Unterlagen für eine Abänderung der Sassen* <en ^ Wohnungszwangswirtschaft zu

O Tödlicher Unfall. In G r e i f f e n b e r g (Pom- mern) wurde ein Landwirt namens Opitz, als er mit sei­nem Fuhrwerk das Hohe Tor passierte, gegen die Mauer des Tores geschleudert und getötet. Vor vier Wochen ist m der sehr engen Durchfahrt ein Fleischeimeister ums Leben gekommen.

O Eröffnung des ersten Einheitspreisladens in Köln. In Köln ist der erste Einheitspreisladen, eine Einrichtung nach amerikanischem Muster, eingerichtet worden. Das Geschäft hat nur Preise von 25 und 50 Pfennigen, wofür eine große Anzahl von Gebrauchsartikeln für das tägliche Leben, Haushaliungsgcgenstände usw. zu haben sind. Dei der Eröffnung spielten sich auf der Straße stürmische Szenen ab. Um den Eingang zu dem Geschäft wurden wahre Faustkämpfe ausgeführt. Der Andrang der Kauf- luftigen und Neugierigen nahm schließlich einen solchen Umfang an, daß der gesamte Verkehr auf der unteren Breiten Straße unterbunden wurde unb die Polizei ge­zwungen war, eine zeitweise Schließung des Geschäfts an. zuordnen. Es ist beabsichtigt, in nächster Zeit noch mehrere solcher Geschäfte zu eröffnen.

0 Eis im holländischen Hochwassergebiet. Das Gebiet zwischen Maas und Waal ist eine unübersehbare Eis­fläche, die noch nicht stark genug ist, um einen Verkehr zu gestatten. Die Zufuhr von Lebensmitteln durch Boote nach den überschwemmten Gebieten ist aber unmöglich geworden. Die Bewohner, die ihre Häuser nicht verlassen können, leben auf ungeheizten Dachböden und leiden sehr unter der Kälte. Jetzt droht auch noch Lebcnsmittelmangel. Aus Nordholland wird starkes Eistreiben gemeldet, das die Brücken bedroht. Pioniertruppen habe» bei größter Kälte gearbeitet, um das unter den Brücken angestaute Eis abzufchwemmen. Jetzt sind neue Truppen eingetroffen, die das Eis sprengen sollen.

0 MoskauLondon in 24 Stunden. Nach dem 1. April wird Moskau von London und umgekehrt innerhalb von nur 24 Stunden im Flugzeug zu erreichen sein. Da­bei wird Berlin den Hauptverbindungsort bilden. Für diesen Flug werden jetzt besondere Lichtmale eingerichtet, in einer Entfernung von immer 12 Meilen, und Notlan­dungsplätze alle 20 Meilen. Kürzlich wurden Nachtprobe­flüge abgehalten mit Luftfahrzeugen, die zehn Passagiere trugen.

0 Die Lage der eingefrorenen Schiffe sehr ernst. Die Lage der im Finnischen Meerbusen eingeschlossenen Schiffe wird immer hoffnungsloser. Der Gcleiizug fommt täglich nur etwa drei Seemeilen vorwärts. Die Dampfer leiden unter Kohlenmangel. Infolgedessen geht jetzt der dritte große russische Eisbrecher auf Veranlassung des deutschen Konsulats in Leningrad zur Hilfeleistung ab.

0 Ärztliche Stationen für Seeleute. Norwegen hat be­reits in seinen Seehäfen 21 ärztliche Stationen für S r- Tente eingerichtet und beim Roten Kreuz angeregt, daß in allen Welthäfen solche Einrichtungen geschaffen werden. Die Matrosen aller Nationen würden dadurch die Mög­lichkeit bekommen, ohne große Ausgaben ihren Gesund­heitszustand untersuchen zu lassen und rechtzeitig Behand­lung zu finden.

0 Erlöschen des BcsuvS. Das Observatorium auf dem Vesuv teilt amtlich mit, daß die Tätigkeit des Vesuvs, die am 4. Januar im Innern des Kraters des Vesuvs be­gann, vollständig beendet ist. Seit bem 10. Januar ist die Tätigkeit des Vesuvs wieder normal. Die in einigen ausländischen Zeitungen erschienenen Meldungen über Menschenopfer unb Sachschäden sind vollkommen unbe­gründet.

O Hochwasser und Erdstöße in Kleinasie»«. Infolge zweitägigen strömenden Regens ist der S e i h u » bei A b a u a über die Ufer getreten und hat das anliegende Ackerland überschwemmt. Menschenverluste sind nicht zu beklagen. Bei Balikeissir, S.eraiköi und De­in i r d j i sind mehrere Erdstöße erfolgt, die jedoch seinen Schaden eingerichtet haben.

Bunte Tageschronik.

Berlin. Zu bent 60. Geburtstage des Primus der evange- lisch-liitherifchc» Kirche in Schweden, des bekannten Führers und Organisators der 'Stockholiner Kirchcnkonferenz, Erzbischof I). Dr. Söderblom- U p sala, hat der Präsident bcö Tem- fd?cu evangelischen Kircheuauöschuffes, D. Dr. Kapier, dem Jubilar die herzlichen Wünsche der im Kirchenbund zusammen geschlossene» 28 deutschen Landeskirche» übermittelt. Auch Reichskanzler Luther sandte ein Glückwunschtelegramm.

Dresden. In Dresden wurde ein Mann namens Lcpperl berhaftet, der am Weihnachtstage 1924 einen Kaffendoren der Sächsischen Wcbstuhlfabrik in Chemnitz Überfällen und er­mordet hatte.

Paris. Tie Schnee stürme dauern an fast allen Punkten der französischen Stufte an. Jni Kanal ist die Stt ifs- fahrt außerordentlich schwierig gewoide». Ter Verkehr Zwi England und Frankreich erleidet große Verspäiunge».

Paris. Auf einer abschüssige» Straße in Grenoble em gleiste ein Straßenbahnwagen unb fuhr in ein Haus hinein. Dabei wurde der Führer des Straßenbahnivagens gelotet.

London. Wie Revier auS Wilburton meldet, muß >ede Hoffnung, einige von den 93 in der Grube bei Oklahoma noch verschütteten Bergleuten am Leben zu finden, auf« gegeben werden.

Pola. Eine Feuersbrunst zerstörte hier grefje Zabat« Niederlagen. Es sind zwei Millionen Kilogramm Tabak im Werte von 25 Millionen Lire verbrannt. Die Entftehungs- urfache des Brandes ist noch nicht aufgeklärt.

Börse und Handel.

* Frankfurter Börse vom 15. Januar. Die Bildung des westdeutschen Mo-ntanlrustes gab der Börse ungewöhnliche Festigkeit auf allen Märkten. Naturgemäß wirkte sie sich am schärfsten auf dem Montanmorkt aus, wo westliche Wene in bebeuienben Posten zum Umsatz kamen. Bei vielen Werten gingen infolgedessen die Kurse sprunghaft in die Höhe. Der oberschlesisshe Markt verkehrte wohl fest, hatte aber geringe Umfäte. Naliwerte zogen lebhaft an. Auf dem Lhemiemarkt lagen Anilinwerte bei guten Umsätzen fest, gewannen aber nicht in dem erwarteten Matze. Wahrend Mafchinenroerte ge­ringe Veränderungen aufwiesen, holten Elekirowerte stärker auf. Hier wirkten besonders bei den Mainkrastwexken gute Aufträge, die mit der heute erfolgten Gründung der Lahnkrast- werkc in engem Zusammenhang stehen, erneut turstreibenb. Der Zuckermarkt verkehrte anfänglich uneinheitlich, später etwas befestigt. Mr Schiftahriswerte bekundete das Auslaird wieder besonderes Interesse. Norddeutscher Lloyd sprangen auf 117. Erhebliche Kursgewinne erzielten indessen auch Bankwerte, die gleichfalls stark in ausländische Interessenkreise hineinge­zogen wurden. Deutsche Renten verkehrten unvermindert fest. Von Auslandsrenten standen Mexikaner im Vordergrund des Geschäfts. Aber auch Bagdad, Monasttr, Mexikaner, Ungar Gold unb Rumänen hatten flotte Umsätze. Die Börse schloß bei starker Nachfrage nach Montan- und Anilinwerten sehr fest. Die Auswärtsbewegung an der Börse setzte sich abends im stärksten Ausmaß fort und umfaßte alle Märkte fast gleich­mäßig. Ehemiewerte gewannen weitere drei Prozent, Bank­werte bis zu zwei Prozent. Besonders wurden Diskont und Dresden gefragt. Elektrowerte hatten ruhigeres Geschäft. Dagegen verkehrten westliche Montanwerte weiterhin autzerre- wöhnlich fest. Auch Autoanteile sind fortgesetzt stark gefragt. Zuckerwerte hatten uneinheitliche Haltung. Es wurden fol­gende Kurse genannt: Diskontogefellfchaft 112, Dresdner Bank 110, Badische Anilin 117, Höchster Farben 117, Griesheim 117, Elberfelder Farben 117, Rütgers 68.5, A. E. G. 93.75, Reichs­bank 147, Luxemburger 79.75, Gelsenkirchen 86, Mannesman» 68, Phönix 73.75, Aschersleben 110, Zucker Heilbronn 42.5, Bagdad I 8.5, Bagdad II 7.25 (sehr fest), Wayß u. Freytag 69.

©etreibebörfe vom 15. Jan. Die Lage ist etwas fester, wenn auch die Umsätze nach wie vor recht bescheiden find. Es wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen 25.7526, Roggen 17.5017.75, Gerste 22.51125, Hafer 18.5021.50, Mais 21, Weizenmehl 41-41.50, Roggenmehl 2626.50, Weizenkleie 11.1011.30, Raggenkleie 11.2511.50.

Amtliche Berliner Notierungen Pont 15. Januar.

* Börsenbericht. Tie Nachricht vom Zustandekommen deS Montanlrusts wirkte stark stimulierend, voui Monlanmarli ging daraufhin eine kräftige Haussebewegung aus, einzelne Papiere tonnten bis zu 6 % profitieren. Ter Gcldmarll ist weiterhin äußerst flüssig: tägliches Geld war gU 68 %, monatliches Geld zu 8,509,50 A reichlich erhältlich.

* Devrscnbörfr. Dollar 4,194,21; c n g l. Pfund 20,58-20,43; holl. Gulde» 168,66169,08; Danz. 80,81 bis 81,01; franz. Frank 15,7015,74; b e I g. 19,0419,08; sch w e i z. 81,0581,25: Italien 16,9316,97; schwed. Krone 112,36112,64; bau. 104,57104,83; norweg. 85,54 bis 85,76; t s ch e ch. 12,4112,45; ö st e r r. Schilling 59,04 bis 59,18; p o l n. Zlotv (nidjtamtlirb) 53.1558,45.

Produktenbörse. Die Schluß'urse lauteten sowohl in Liverpool als in Amerika merklich höher, woraufhin auch hier die Preislage sich erhöhte. Im Anschluß baran war las An­gebot aus prompte Abladung vom Jnlandc teurer. Im Siese« rungshaudel war sowohl bei Weizen alS bei Roggen ber KurS- fortjchritt wieder eingebüßr, so daß die Anjangskurse die gleichen wie die- letzten offiziellen Schlußkurse waren. Von Gerste schien das Angebot weniger dringend als bisher, von Hafer blieb cs klein und die Forderungen traten weiter hoch gehalten. Über das Mehlgeschäft wird nach tote vor geklagt. Futterartikel ruhig.

Getreide und Olsoaten per 1000 Kilogramm, sonst per 100 Kilo­gramm in Reichsmark:

I 15. 1. I 14 1. Weiz matt 1247-253 !247-253 pommerf». 247-253 247-253 Rogg., märk. 145-152 445-152 pemmerfeb. 144-151 141-151 westprenß

Braugerste IS7-209 .182-209 Flittergerfte 150-164 150-164 Hafer, mark. 160-171 160-171 yommcrfch. ,

westprenß ;

WeiZènMebl

p. 100 kg ir.' DIii.br. inkl/ Sack (feinst.1 Mrk. ».Not. 3 2,7-36.2 3 2.7-36,2

Noggenmryts

P.IM kg fr.:

Berlin brj

inkl. Sack 22.2-24.2 22,2-24,2

I 15. 1. I 14 1. Wcizkl.f.Brl. 11,2-11.511 2-11,5 Rogkl. f.BrI. 9.7-10.2 9 7:02 Raps 350-355 350-355 Leinsaat ; - Vitt -Erbsen 26-34 20"4 ti.Speiscerbs. 22-25 22-25 guttererbjen 20-22 20-22 Peluschken 19-20 19-2) Ackerbohnen 20-21 23-21 Wicken 20.5-23 20,5-23 Lupin» blaue 12-12.5 12-12.5 Lupin., gelbe 14-15 14-15 SerabcUa 18 19 18-19 Rapskuchen i 15,2 15.2-15,5 Leinkuchen 23.5-23,6 23,6-23.8 Trockenschtzl. 8-8.2 8.1-8,8 Sova-Schrot 20 4-20.5 20.5-20,6 £orfml.30uli i 8,2-8 4 8.2-8 4 Karteffelslck. 14 7-15 514.7-15.7

* Die amtliche GrosshanVclSindrxziffcr Pont 13. Januar. Die auf den Stichtag des 13. Januar berechnete Großhandels- ii!terzisfe«c des Stätiflischën Reichsamts ist gegenüber bem Siaude vom 6. Januar (121,6) um 0,8 % auf 120,6 zurückgc- gangen. Gesunken sind die Preise für Gerste, Hafer, Butter, tcifch, Milch, Seinengarn, Schwingflachs, Blei und Maschinen- vl. Höher lagen die Preise für Schmalz, Rindshäule, Kalb­felle lind einige Texlilrohstoffe. Von bett Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 116,7 auf 115,2 ober um 1,3 %, die Jndustrieftofse von 131,0 auf 130,7 oder um 0,2 % nadtgegeben.

* Der Milchpreis beträgt in der Zeit vom 15. bis 21. Ja­nuar für aue nach Berlin liefernden Erzeuger unverändert 15,5 Pfennig je Liter frei Berlin.

* Marttlerich! vom Magrrvichhos in Friedrichsfelde. Rindermartt. Auftrieb: 692 Stück Rindvieh, 108 Stück Kälber, 684 Stück Milchkühe, 402 Stück Pferde. Verlauf des Marktes: Langsam bei gedruckten Preisen. Es touren gezahlt für: A. Milchkühe unb hochtragende Kühe 1. Qualität 360500 M., 2. Qualität 280360 M., 3. Qualität 200300 M. B. Ausge­suchte Kühc über Notiz; tragende Färsen 1. Qualität 250 bis 390 M., 2. Qualität 160230 M. pro Srück; ausgesuchte Färse» über Notiz. D. Jungvieh zur Mast: Bullen, Stiere unb Färsen 3036 M. pro Rentner Lebendgewicht. Langsames Geschäft. E. Pserdemarkl: Ausgesuchte Posten über Nonz: Pferde 1. Klasse 9001200 M., L Klasse 600900 MP 3. Klasse 300 bis 600 M., 4. Klasse 50300 M.

* Kartoffelpreise. Karwffelerzeugerprcisc je Zentner ab märkischer Station. Festgestellt durch die Londwirtschafts- fammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin. Wciße Kartosselu 1,6V M., rote Kartoffeln 1,80 W.