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Landwirte- beLampfè Die Feinde unserer Körner und WTehlvorrAe!

Von H. Dk ü 11 c r.

Von der Saat bis zum Mehlfack ist das Getreide, unser wich­tigste-.' Dolksnahrungsmitter, der Vernichtung, durch unzählige Schädlinge preiegeaebem Kaum ist im Herbst der Acker aus« ec. sät, so sieht man bald Raben in Scharen aus demselben emsig scharren und picken. Einige ganz freche Gesellen spazieren sogar schon während des Säens auf demselben, herum und kehren, ver­scheucht, immer wieder zurück. Ist das letzte Gespann vom Acker, so läßt sich der Hauptschwarm nieder und beginnt unter lautem Gekrächze sein vernichtendes Werk, dem von vielen Landwirten viel zu mutig Leoeurung bei gemessen wird. Hin und wieder hört man sagen, ach die Raben lesen nur das Ungeziefer auf, wir Würmer. Engerlinge und bergt Dies ist jedoch ein sehr be- Lauerliaer Irrtum. Wohl wird der an der Oberfläche liegende Engerling? nicht verschmäht, was jedoch nicht ausreicht, den yun- cer der ost noch Hunderten zählenden Radenschar zu stillen, Ihr Besuch ailr lediglich dem der Erdè anoer:ramen Saatgut. Was jo eine Anzahl Radew binnen einer Stunde davon vertilgt, da­von machen sich die wenigsten einen Begriff. Es sei hier nur ein Beispiel angegeben, welches manchem zu denken geben wird. Auf einem mit Weizen ausgesäten Stück Land von einem Mor­gen zählte ich, soweit es mir bei dem allgemeinen Durcheinan­der möglich war. an die vierhundert Raben, die eifrig mit dem Auslesen der Körner beschäftigt waren. Ein Auf scheuchen hatte menic Erfolg, sie flogen wohl auf, strichen ein Stück weiter und kehrten im Bogen wieder zurück. Im nächsten Doch bat ich einen mir bekannten Jäger unter Schilderung Les Umstandes, mir ein Exemplar auf dem unweit entfernten Acker zu schießen Er ließ sich auch nicht lange bitten, sondern hängte die Flinte um und folgte mir nach der bezeichneten Stelle. Im Schutze einer Hecke pirschten wir uns auf Sdsugroeite heran. Raben sind aber schlauer als man Lenkt. Auf einer abseits stehenden Erle sagen zwei 5niet als Beobachter. Plötzlich stiessen sie ein lautes Krah, krah aus, worauf sich augenblicklich der ganze Schwärm in die Lüste erhob. Ein Doppelschuß kostete immerhin dreien das Leben, da der Jäger in die dichtgeballte Masse hielt. Ich öff= riete einen der erlegten Raben und zählte in dessen Kropf 125 Weigentörner, worüber selbst der Jäger erstaunt war. Rehmen wir diese Zahl mal 400, so ergibt sich folgendes Rechenexrmpel: 125X400 — 50 000 Körner. Aus ein Kilo Weizen gehen zirka 20 000 Körner, mithin hatten die 400 Raben 2,5 Kilo Weizen vertilgt. Auf einen Morgen sät man 75—80 Kilo. Nach obiger Feststellung wäre somit in einem Monat sämtliches Saatgut auf« gefressen, wenn es durch Untereggen und Eingraben nicht davor geschützt wäre. Immerhin aber fällt ein Drittel bis zur Hälfte der Gefräßigkeit der Raben an den von ihnen heimgesuchten Stellen zum Opfer und mancher Landwirt wundert sich, daß im nächsten Jahr sein Weizen so dünne steht, obwohl er ihn doch dickt genug gestreut hat. Allein anderen wird dann die Schuld gegeben, als, den Radew. Der Schaden, den sie anrichten, darf nicht cm Wert des Saatgutes, sondern muß am Ausfall der Ernte im nächsten Jahre "gemessen werden. Dabei treten be­denkliche Zahlen zutage. Ferner müßen wir uns vor Augen fuhren, daß jeder auf solche Art verlorene Zentner Getreide für gutes Geld aus dem Ausland eingejührt werden muß, was einen fühlbaren Verlust am Volksvermögen ausmacht. Darum rücke jeder Landwirt, nein jeder Bürger dem schwarzen Gesindel, das nicht allein unserer Volkscrnühiung gefährlich wird, son- bem auch sonst norft allerhand Schaden durch Vernichtung für den Landwirt nützlicher Insektenfresser anrichtet, energisch mit allen Mitteln zu Leide. Wenige werden wissen, daß ein Rabe ein Alter bis über 100 Jahre erreicht, da mag sich jeder den Schaden selbst ausrechnen, den ein solcher „Rabenvater" in feinern Leben anrichtct. Wie vertilgt man nun diese Schädlinge? Ich habe schon erwähnt, wo man ihrer habhaft werden kann, das ist aber leichter gesagt als getan. Ich habe schon den Fang mit Fallen probiert, aber vergebens, ein Rabe ist sehr mißtrauisch, er spaziert wohl um die Falle herum, aber er traut dem Frieden nicht, weiß er doch auch, daß Brotrinben und Speck- brocken nicht mit dem Schnee vom Himmel fallen. Im Winter aber ist die geeignetste Zeit mm Vertilgen. Man legt am besten an die durch Feuchtigkeit schneefreien Stellen, an denen sich die Raben gerne aushalten. Erst, welches man am besten von der Landesanftalt bezieht. Präparate selbst angufertigen ist weniger raticm. weil dabei häuf: Unglück-fälle vorkommen. Sehr zu empfehlen ist das Aushrdsn der Rester im Frühjahr, ein Sport für mutige Kletterer. Ein Psannkuchen aus frischen Raden- eièrn ist als Lohn für das Baumsteigen nicht zu veirühien, man verbuche es nur einmal. Auch junge Raben in Butter gebacken sollen nicht übel schmecken. Wir wollen nun unser Augenmerk auf einen anderen Schädling unserer Körnerfrüchte pichten. Ein jedes Kind kennt ihn, den frechen Graurock, es ist der Sper­ling, allwege Spgtz genannt. Aus dem Saatgut macht er sich weniger; denn er hat es viel bequemer, er schlüpft unter dem Dach- durch auf den Boden und tut sich dort' an den aufgespei- ierten Körnerfrüchten üblich. Dabei pladdert er in den Fruchtmengen herum, daß die Korner unter dem Fachvorsyruna heraustaßen. Unter einem Dachsparren baut er sein Rest, von wo aus er seine Jungen in die Geheimnisse des Getreidespeicher- einweiht. Wenn im Sommer die Ernte der Reise cntgrgcnoeht xchen die Sperlinge in Schwärmen seldwärts. Wehe dem Wei- ,zenacker. Ler einer solchen Spatzenschar als „Tischlein deck biet)“ bient, taube Siebten sind die Reste ihrer Mahlzeit. Vogelschem Herr nutzen wenig oder gar nichts. Der Hut des Lumpen ist wie zum Hohn mit kalkigen Auswürfen bedeckt. Der Sperling neu mehrt sich sehr »ahlreich, eine Hauptbcrivgung ist daher das Ausheben brr Nester. Jedoch soll man nicht eher damit be« sinnen, als bis Eier oder Junge in demselben sind, weil sonst ter Sperling anderswo sein Nest baut und dort unbeschadtt seine Jungen großzieht, und das Zerstören daher zwecklos ist dm Winter fängt man rhn am beiten mit einem Sieb. Man stellt dasselbe über eine mit Körnern bestreute Stelle. Aus der einen Seite unterstützt man es mit einem an einem Bindfaden beseitigten Holzstab. Sind nun eine Anzahl Spatzen unter dem Sieb, so zieht man aus sicherem Versteck mit kurzem Ruck an der Korsel den Stab unter dem Sieb weg. Dieses 'fällt herab und alle darunter befindlichen Spatzen sind gefangen und können nun getötet werden. Daher lasse man als vernünftiger Mensch n'.chr leinen Zorn an dem Tier aus, das Töten sei vielmehr kurz und Mmerzlos. Auch gebe man die gejäteten Sperlinge nickt den Katzen zum Fra», weil diese sonst zum Fang auf Singvöoel verleitet weruem üluger den geheberten Schädlingen richten die jjiaufé ou^&o^tT ntt, wcld)29 jebeirt Sqitöidirt wt genüge besannt fein wird. Es seien hier nur einige praktische Winke zu deren Vertilgung angegeben. Im Felde läßt sich jetzt mit Leichtigkeit Wager in die von den Mäusen bewohnten Kes­sel leiten wodurch dieselben in den Gängen ersaufen. Da wo sich kein Wasser Einbringen läßt, empfiehlt sich das im „Kosmos" angegebene Räuchergerät. Man verwendet dazu ein Ofenrohr von einem Meter Länge und versteht es inwendig mit einèm Rost cm unteren Ende, indem man einige Drähte kreuzweise , bincurchsührt und außen vernietet. Am anderen Ende wird das Rohr mit einem gutsitzenden Deckel verschlossen, in dessen Al'tte sich eine kleine runde Oesnung befindet, Auf den Rest lcnj man etwas feuchtes Stroh oder Holz, damit die weitere Füllung nicht durchrutscht, zu welcher man viel Rauch entwickelnde Stoffe wK Lumpen, Lederstücke und ziemlich Schwefe! verwendet. Obenauf legt man glühende Kohlen oder sonstige leicht brennbare Stoffe und v«r,chl:eß! das Rohr mir besagtem Deckel. Hierauf drückt "s^.^ mit dem unteren Ende in einen bewohnten Mäuseaano. Tur.!, die Deckelössnung steckt man einen Handblafebalg oder <yabrtabpumpe und facht das Feuer an, wodurch der Rauch in pte Gange getrieben wird uno dort die Mäuse ersticken läßt.

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zuvor müssen jedoch sämtliche CäiiH' verstopft werden, damit den Mäusen der Ausweg zur Flucht abghMHten wirb. Im Hause sind eine automatische Wasserfalle ober eine Katze die besten Berti lgunHsmittel. Ich komme nun noch auf eins andere Art Feinde unserer Körner und Mehloorräle zu sprechen. Es find dies Kornwurm und Mehlmotte. Der Kornwurm bohrt die Ee- treiLekörüer an und legt ein Ei in jedes Korn. Die daraus ent­stehende Kornmolie nimmt beim Ausschlüpfen die leere Schale Lurch die Ziesel ritzen mit. Der Bauer sagt dann das Korn ist lebendig, weil es zu alt ist. Das ganze Dach liegt dann manch­mal voll leerer EelreiLeschalen. Als einzig wirksames Mittel hat sich bis jetzt das zeitweise Uinschauselu des Getreides bewährt: Die Mehlmotte findet sich hauptsächlich in Mühlen vor, wo sie in den Ritzen der Mehlkasten haust. Man vernichtet sie am besten durch SchwefeDämpfe. Vorher mutz man jedoch die Mehlvor­räte aus den Kasten ausräumen, damit sie nicht verdorben wer« den. So sehen wir, daß unser wichttgstes Volksnahrungsinittel, Las Brot, vom Samenkorn bis zum Mehl, ja bis zum gebackenen Brar, dauernd von Feinden bedroht ist: denn die Mäuse be­trachten frischgebackenes Brot als Leckerbissen. Diese Schädlinge zu bekämpfen fei allen ans Herz gelegt, die nicht wollen, daß alljährlich Hunderrlarkfendc von Mark unserem Volksvermögen entzogen werden.

Zurüsshallen der Mch durch dis KO.

Es gibt nicht selten Kühe, welche den Versuchen, sie zu melfen, Widerstand entgegensetzen und die Milch ab­sichtlich zurückhalten. Dagegen gibt OkoNomierat Lim- bourg-Nörvenich folgende Verhaltungsmaßregeln: Sofort nach der Geburt wird 'das Kalb von der Kuh entfernt; es öarf nicht vorher von der Mutter trockengeleckt, sondern muß durch.Strohwische trocken abgerieben werden. Wo das Kalb von der Mütter sofort entfernt wird, hält keine Kuh beim Melken die Milch zurück; sie lässt sich tadellos ausmelken bei Beachtung folgender Punkte: Ein vor­heriges Anziehen der Zitzen mit beiden Händen ist eine Hauptsache beim Melken. Ein guter Melker muß in 5 Minuten jede Kuh bis auf den letzten Tropfen Milch im Euter ausgemolken haben. Zum Anziehen der Zitzen find etwa 2 Minuten und zum Ausmelken 3 Minuten erforder­lich. Die erste Milch der angezogenen reinen Zitzen wird auf die Hand gemolken und die angezogenen Zitzen wer­ben damit angefeuchtet. Bei der Brunst der Kühe halten die Tiere häufig die Milch zurück. Um dies in diesem Falle sofort zu verhindern, legt der Melker, aus dem Melkstuhle sitzend, den rechten Arm in aller Ruhe über den Rücken der Kuh, drückt den Mittelfinger der rechten Hand fest in die Vertiefung des Mittelrückgrals, woran! das Tier sich langsam bis auf den Boden mit dem Bauche senkt und sich sodann miede: langsam non neuem auf« richtet. Sofort gibt dann die Kuh reichlich die Milch ab, ist dann schnell ausgemolken bis aus den letzten fettreichen Milchtropfen. Ein guter Melker muß bis zur Hälfte des Eimers Schaum melken. Sauberes, reinliches Ausmelken der Tiere ist die Hauptsache! Von einer Kuh, die beim drei­maligen Melken jedesmal 5 Liter Milch gibt, hat das letzte Liter Milch der jedesmaligen 5 Liter fünfmal soviel Fettgehalt wie das erste Liter Milch. Hinzugefügt^dais noch werden, daß manchmal schon ein Wechsel des Stall­personals Wunder wirkt. Manche Kühe, die sich von einer Frau nicht melken lassen, geben die Milch fofor/ willig ab. sobald ein Mann das Melken übernimmt.

Gelbßschüffe.

Die verwirrten Zeiten, in denen wir leben, haben die Zahl der Eigenttimsvergehen ins Ungeheure gesteigert Besonders wer einsam wohnt, kann ein Lied davon sin­gen. Die staatliche Polizei, die wir nicht nur ans Grün­den unserer wirtschaftlichen Not, sondern auch unter dem Druck der Ententemächte an Zahl beschränkt halten müs­sen, reicht nicht aus. An vielen Orten haben sich private Bewachungsgesellschaften gebildet, aber auch sie kommen mehr für kleine Städte als für das flache Land in Be­ttacht. So bleibt vielfach nur die Selbsthilfe übrig. Es ist nicht verwunderlich, daß sich eine förmliche Industrie für allerhand Sicherheitsvorrichtungen herausgebildet hat. Selbstschüsse sind ein Artikel geworben, der heute einen Massenabsatz findet. Unsere Abbildung zeigt eigen solchen

Apparat von setzt sehr verbreiteter Form. Einer Er­klärung bedarf es saunt Durch eine Spiralfeder wird ein Bolzen gespannt, der mit einer Anslösnngsvorrichtung in Verbindung steht. Diese. Anslösnngsvorrichtung steht ihrerseits mit einem Draht oder einer dünnen Schnur in Verbiusung, die man Daranlnüpft. Wird der Draht oder die Schnur angezogen, indem der Einbrecher dagegen rennt oder indem er eine Tür öffnet oder vergl., so ent­lädt sich der Schuß, der in der lanfartigen Hülse sitzt. Diese Hülfen haben gewöhnlich das normale Kaliber von Jagdgewehren, so daß man jede Jagdpairone als Selbst­schuß einrichten kann. Man kann sie blind laden oder mit Lalz ober Schrot. Benutzt man den Selbstschuß zum Schutze von Feldscheunen oder Mieten, so darf man ihn nur blind laden, Das sollte man auch sonst nach Möglich­keit tun. Gewöhnlich wird der Lärm des Schusses hin- reichen, um die Spitzbuben zu verscheuchen. Nur in ein« gezäunten Räumen darf man scharfe Selbstschüsse legen und auch nur mit Einwilligung der Polizeibehörde, also be§ Amtsvorstehers oder dör sonst zuständigen Behörde, die vorher^ die erteilte Bewilligung öffentlich bekannt­machen muß. Man erkundige sich aber vorher genau nach der Rechtslage. Es ist schon vorgekommen, daß Einbrecher, die, auf ihrer Dicbesfahrt Schaden durch Selbstschüsse, hiiBangeln, Tellereisen oder Fallgruben genommen hatten, nachher die Unverschämtheit besessen haben, den Eigen­tümer ans Schadenersatz oder gar auf eine Rente zu ver­klagen, rind es hat Gerichte gegeben, die den Eigeniümer verurteilt haben, trotzdem er den Anforderungen genügt, die behördliche Erlaubnis eingeholt, die Bekanntmachung veranlaßt und sein cingezäunles Grundstück durch War- MlngstasM kenntlich gemacht hatte. Also lieber doppelt vorsichtig fein! Es, kann ohnedies immer wieder vorkom­men, daß,Unschuldige den Selbstschutz anslösen, und mit Feuerwaffen soll man vorsichtig fein, selbst wenn man ne m der Hand hat und den AL schliß auf ein sicheres Ziel bestimmen kann.

â«K«-Ett

Mchizeiirges Wügem

Ein altes Sprichwort sagt: Ter Pflug soll am Ernte­wagen hängen. Aber leider wird das, oft ohne aus­reichende Entschuldigung, nicht immer befolgt. Viele, weitaus die meisten Landwirte lassen der Sense unmittel­bar den Pflug folgen, doch ein kleiner Teil der Ackers- lcute tut cs immer noch nicht. Was nützen uns letzten Endes alle Forschungen, wenn nicht die gesamte Land­wirtschaft sie zu ihrem eigenen Nutz und Frommen in die Tat umsetzt? Das soll keineswegs heitzen, daß, sobald die Wissenschaftler etwas Neues nusgcheckt haben oder ans- gebeckt zu haben glauben, dies mir nichts dir nichts nach Schema F aus die landwirtschaftliche Praxis übertragen werden müsse. Im Gegenteil! In der Studierstube, am grünen Tische aufgeworfene Folgerungen sind erst jahre­lang aufs sorgfältigste zu prüfen, bevor man ein end­gültiges Urteil fallen darf, inwieweit ihnen ein praktischer Wert innewohnt. Wurde die Frage bejaht, dann aber soll man auch andererseits ohne viel Federlesen sich die Neuerungen, soweit sie eben in den Rahmen der betreffen« den Wirtschaft Hineinpassen, zunutze machen. Um gleich ein Beispiel zu wählen! In sämtlichen landwirtschaftlichen Werken wie im grossen landwirtschaftlichen Blätterwalde wird immer und immer wieder gepredigt:. Sobald die Frucht das Feld räumt, sind die abgeeruteten Schläge flach zu pflügen.

Und wie steht's um die Frucht? Geht man in den Monaten August und September durch die Fluren, bietet sich sicher dem Auge eine ganze Reihe Schläge, die in den Stoppeln liegen. Hält man dann Nachfrage, wes­halb der Schälpflug nicht eingesetzt wurde, hört man die verschiedensten Ausreden: es habe an Zeit gemangelt, der Boden sei zu hart gewesen usw. Es soll keineswegs ge­leugnet werden, daß solche Umstände oft, ja sehr oft, die Schuld tragen. Doch andererseits gilt hier das Wort: Wo ein Wille ist — da ist auch ein Weg. Nur dann wird der Landwirt in der Lage sein, seinen Kuttnrflächen vollauf befriedigende Ern. . abzuzwingen, wenn er dem Boden die nötige Pflege zuteil werden läßt. Und dazu rechnet in erster Linie das Schälpflügen. Indem wir die Stoppeln unmittelbar nach der Räumung des Feldes flach unter­pflügen, vernichten wir nicht nur eine Unmenge Unkraut- samen, sondern verhindern zugleich eine übermäßig starke Verdunstung und eine Verkrustung der Ackerkrume. Drei Gesichtspunkte, wichtig genug, sich zum Schälpflügen die erforderliche Zeit zu nehmen und andere dringende Arbei­ten um einige Tage hinauszuschieben. Darum sollte für alle die Mahnung gelten: Sobald die Ernte beschafft ist, nehmt den Pflug, das Mehrschar aus den Schuppen und ruft euch die alten, aber leider viel zu wenig beachteten Worte ins Gedächtnis:

Denk nicht so drauf, deine Äcker zu mehren, Als. die du hast, zu pflegen und zu kchrcit.

ÄWWWWUWWWWWWWWMWWW^E^â Die WurzelhiLduRg der Kartoffel.

Ueber die Gestaltung der Wurzelsysteme unserer Nutzpflanzen sind wir uns noch sehr im unklaren. Die meisten Menschen machen sich ja über das, was ihnen nicht täglich in die Augen springt — und Biele selbst darüber nicht — keine Gedanken. Aber selbst die Gelehrten lieben cs nicht, die schwierigen und zeitraubenden Würzeiuntersuchungen anzustellen. Das ist ein großer Nachteil. Semi die zweckmäßige Berbindung von Tiefwurzlern und Flachwurzleru ui eine der Hauptaufgaben des Fruchtwechsel s Es ist einleuchtend, daß sie nicht befriedigend gelöst werden kann ohne eine genaue Kenntnis des Per- laufs und der Verzweigung des Wurzelsystems.

Aber noch ein zweiter Gesichtspunkt verdeutlicht die Wichtigkeit der Wurzelkunde. Alle Ertragsteige­rung im Pflanzenbau, die durch Bodenbearbeitung und Düngung herbeigeführt werden kann, wird allein durch die Wurzeln vermittelt; denn auf die oberirdi­schen Teile der Pflanze hat der Mensch während des Wachstums so gut wie gar keinen Einfluß.

Besondere Wichtigkeit kommt nun dem Studium der Kartoffelwurzel zu, da wir von ihr bislang am wenigsten wußten. Viele A b b a u e r s ch e i n it n - gen führt von Dü rühei m darauf zurück, „daß die Sorte die Fähigkeit verloren hat, ein großes und feines Wurzelsysiem zu bilden. Bei allen Sämlingen kann man ein ungewöhnlich ausgebildetes Wuwe!- netz festftellen, bei allen abgebauten Sorten fällt jedoch dessen Dürftigkeit auf. Warum gedeihen alle Kartoffeln, die vom Sandboden kommen, zunächst ans schwerem Boden gut? Nach meiner Ansicht grössten­teils deshalb, weil sie die Fähigkeit zur BKdMk" einer kräftigen Bewurzlung mitbringen, die sie am schwerem Boden sehr schnell verlieren. Dann zeigt die Pflanze mit den vergröberten Wurzel bildnngèu sehr bald alle Anzeichen einer falschen Ernährung, und sie beginnt zu kränkeln."

Es ist überraschend, wie sehr bisher die Mei­nungen der Beobachter über die Wurzelentfaltüng der Kartoffel auseinandergingen. Meist wird sie den Flachwurzlern zugezühlt.- Man nahm an, daß die Kartoffel, ein unbedeutendes, dürftiges Wurzelsystem habe, dessen Kürze und Einfachheit schwierige Unter« Nutzungen überflüssig mache. Daß dem nicht so ist, zeigen neue Untersuchungen, die Dr. Böhme auf* dem Göttinger Versuchsfeld eingestellt hat. Er unter« suchte die Sorte „Industrie". Das Gesamtergebnis seiner Untersuchungen faßt er in di» Worte zu­sammen: „Wir fanden bei den Kartoffelpflanzen, die wir am Ende der Wachstumszeit dem Boden ent« nahmen, eine große Anzahl Wurzeln, die über 200 Zentimeter tief binabgedrungen sind!" Im Tiefen- wachstum steht die Kartoffel also keineswegs hinter dem Getreide zurück, ihre Wurzeln reichen doppelt so tief als mau bisher gemeinhin auuahm.

Bei diesem Ergebnis ist allerdings zu berücksich­tigen, daß es sich nur ans die eine Sorte Industrie und auf die besondere» Berhältnisse deS Göttinger Versuchsfeldes mit einem tiefgründigen Lehmboden bezieht. Hr war ziemlich feucht und stark mit Regen- wurmröhren durchsetzt. Die Untersuchungen müßten mit anderen Sorten und auf den leichteren, eigent­lichen Kartofselböden wiederholt werden. Vielleicht treten da ganz ändert Erscheinungen zutage.