Neujahrsgruß der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft.
Die Arbeit der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft, die neben Studenten und Hochschulprofessoren Persönlichkeiten aller Kreise unseres Volkes zu lebendiger Werkgemeinschaft im Dienste der notleidenden akademischen Jugend zusammenfaßt, hat im Jahre 1925 reiche Früchte getragen, besonders dank der verständnisvollen finanziellen Unterstützung der Reichsregierung. Die bisher oft nur behelfsmäßig eingerichteten Studentenspeisungen, die über 25 000 deutschen Studenten täglich billige Nahrung gewähren, konnten vielfach ausgebaut und als freundliche Gaststätten eingerichtet werden, ja'es gelang sogar an einigen Hochschulen, zum ersten Mal den Gedanken des Studentenhauses zu verwirklichen, das allen Studenten ohne Unterschied von Partei und Konfession Heimat und Sammelpunkt zu gemeinsamer Arbeit und Ausspannung sein will.
In der „Studienstiftung des Deutschen Volkes" ist ein umfassendes Werk geschaffen, um einigen der tüchtigsten menschlich und wissenschaftlich bewährtesten Söhnen der armen und verarmten Kreise unseres Volkes das Hochschulstudium zu ermöglichen durch ausreichende Unterstützung, die schon nach Ablegung der Reifeprüfung einsetzt. 219 junge Studenten konnten bereits in diesem Jahre ausgenommen werden, 1074 neu zu bearbeitende Gesuche der höheren Schulen aus allen Teilen des Reiches liegen vor. Eine besonders erfreuliche Entwicklung nahm auch die „Darlehnskasse der Deutschen Studentenschaft", die langfristige Studiendarlehen an solche Studierende ausgibt, die dem Abschluß ihrer Studien entgegengehen. 4100 Darlehen im Gesamtbeträge von 1 362 000.— Mark konnten seit Beginn des Sommer-Semesters 1925 bis zum Jahresende ausgegeben werden, sodaß die Gesamtzahl der seit Bestehen der Darlehnskasse gewährten Darlehen nunmehr
Schlitz. Was die Zeitungen Amerikas berichten. Ein Schlitzerländer Mädchen, das vor etwa 30 Jahren nach Amerika ausgewandert und dort glücklich Frau und Mutter geworden ist, und die noch mit großer Liebe an ihrem Heimatdörfchen hängt, und schon manchen der so begehrten Dollars hat herüberflattern lassen, schreibt unter anderem ihrer Schwester und deren Angehörigen .... Wenn ihr englisch lesen könntet, würde ich Euch die Zeitung schicken, in welcher geschrieben steht: „Deutschland hat Frankreich 30 000 Schwärme Bienen liefern müssen, um seine Schuld zu bezahlen. Als die Bienen in Frankreich waren, haben sie keinen Honig mehr gemacht und die Königin hat keine Eier gelegt. Frankreich hat nun die leeren Bienenkörbe und Deutschland hat — bezahlt!"
Lustbarkeitssteuer und Erwerbslosennot.'
Cassel. Um die Not der Erwerbslosen zu lindern, vertritt der Magistrat die Ansicht, daß man alle Mittel verfügbar machen müßte, um die Finanzlage der Stadt und damit ihre Tätigkeit in der Wohlfahrtspflege zu verbessern. Zu diesem Zweck prüft der Magistrat die Lustbarkeitssteuerverordnung und wird evtl, nach Anhören der beteiligten Arbeitnehmer- und Arbeitgeberkreise eine Erhöhung der Lustbarkeitssteuer beantragen. Vorläufig hat er, um keine Zeit zu verlieren, verschärfte steuerliche Maßnahmen angeordnet. So z. V. wird ein Wohltätigkeitsfest nur dann auf Steuererlaß rechnen können, wenn der für die Wohltätigkeit abzuliefernde Betrag die Höhe der erlassenen Steuer erreicht. Diese Maßnahmen sollen sich nicht gegen die Vergnügungen überhaupt, sondern nur gegen die Feste richten, die dem gesamten Wirtschaftsleben unnötigerweise Mittel entziehen. Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber (Hotel- und Gastwirte, Kellner, Musiker pp.) haben sich durch die Organisationen bereits an den Magistrat gewandt und gegen jeden Versuch einer Erhöhung der Lustbarkeitssteuer protestiert, da mit ihr eine Erdrosselung des wirtschaftlichen Lebens verknüpft wäre.
Vermischtes.
Ausschreitungen in Berlin während der Sylvesternacht.
350 Personen verletzt, zwei Tote.
Berlin, 3. Jan. Der Sylvester-Trubel in Berlin hat leider zu einer Reihe grober Ausschreitungen auf den Straßen geführt. Im ganzen wurden 455 polizeiliche Fest stellungen vorgenommen. 37 Personen werden dem Untersuchungsrichter zugefllhrt werden. Besonders zahlreich sind die Schlägereien gewesen, bei denen etwa 350 Personen verletzt wurden. Auch 2 Todesopfer haben die Schlägereien gefordert. In einer Gastwirtschaft in der Liegnitzer Straße im Südosten der Stadt wurde ein 29jähriger Arbeiter durch einen Messerstich in die Halsschlagader getötet, während sein Bruder schwer verletzt wurde. Eine zweite Schlägerei mit tödlichem Ausgang spielte sich in der Frankfurter Allee ab, wo ein Schlächtergeselle einen Messerstich in die Lunge erhielt, dem er auf dem Transport ins Krankenhaus erlag. Außerdem sind noch 11 Selbstmordversuche zu verzeichnen.
10.780 beträgt. Endlich war es möglich, am 1. November in Arosa die seit langem ersehnte Heilstätte für lungenkranke deutsche Studenten zu eröffnen, in der zunächst 35 Patienten Aufnahme finden können.
Es ist der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft ein dringendes Anliegen, am Jahresschluß, rückblik- kend auf die Eesamtarbeit des Jahres, allen, die an diesem Werke zur Erhaltung und Erstarkung wertvollsten deutschen Volks- und Kulturgutes, sei es durch Mitarbeit an den einzelnen Universitäten und Hochschulen, fef es durch Beteiligung an der Arbeit der Wirtschaftshilfe selbst, mitgeholfen haben, aufrichtigen und tiefsten Dank auszusprechen. Dieser Dank gilt in gleicher Weise allen Freunden und Gliedern der Arbeit aus allen Kreisen des Volkes, aus Wissenschaft und Wirtschaft, von den leitenden Männern der Regierung des Reiches und der Länder bis zum jüngsten Studenten, der den Gedanken der Selbsthilfe durch eigene Mitarbeit zur Tat werden ließ.
Schwere und harte Aufgaben stehen bevor. Die Not dieses Winters zeigt ihre Spuren auch an den Hochschulen; die Zahlen der Speisungsteilnehmer und Unterstützungs- gesuche steigen ständig. Die Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft wird in gemeinsamer Arbeit mit den ihr angeschlossenen Wirtschaftsorganisationen der Hochschulen alle Kraft daran setzen, dieser Not zu begegnen. Sie erbittet dazu Förderung und tätige Mitarbeit aller um die Zukunft unserer Studentenschaft Besorgten. Sie ist sicher, daß alte bewährte Freunde ihr auch weiterhin zur Seite stehen, und hofft, daß das neue Jahr eine Erweiterung und Festigung des Kreises der Freunde dieser Arbeit bringt.
Sturmschäden am Eifelturm.
Durch die heftigen Stürme der letzten Tage haben die Antennen am Eifelturm mehrfach gelitten. Die kleine Antenne ist niedergebrochen und hat bei ihrem Sturz auch die große Antenne beschädigt. Es ist zu befürchten, daß auch diese reißt. Der Funkverkehr mußte vorläufig eingestellt werden Man ist damit beschäftigt, wenigstens eine Antenne wieder betriebsfähig zu machen.
Erdbeben in Norditalien.
Triest, 3. Jan. Ein Teil Norditaliens ist von einem starken Erdbeben heimgesucht worden, das in Trieft etwa 2 Minuten andauerte. In Fiume, Görz, Monofalcone und auch in Venedig kampiert die Bevölkerung im Freien, da man weitere Erdstöße befürchtet. In Venedig sind zahlreiche Häuser beschädigt.
Gesperrte Bahnstrecken.
Wie wir erfahren, ist infolge Hochwassers die Bahnstrecke Börßum—Vienenburg stark gefährdet. Die Ober- brücke zwischen den Stationen Wiedelah und Vienenburg ist unterspült und geborsten. Die Gleise zwischen Schladen und Vienenburg sind auf zirka 100 Meter unterspült. Der Zugverkehr ist vollständig eingestellt. Die Dauer der Störung ist unabsehbar.
Die Halberstüdter—Vlankenburger Eisenbahn hat'aus denselben Gründen den Betrieb auf den Strecken Quedlinburg— Thale und Quedlinburg— Blankenburg eingestellt. Der Bahndamm Quedlinburg— Wettersleben ist stark unterspült. Die Reichsbahnstrecken Quedlinburg— Thale und Quedlinburg— Suderode sind gesperrt, da bei Bude 59 der Bahndamm durch die Bode überflutet wird.
Platens Grab in Syrakus.
Auf einen Schritt, den die Platen-Gesellschaft bei der italienischen Regierung zum Zwecke der Erhaltung des Grabes August von Platens in Syrakus tat, hat der Ministerpräsident Mussolini. in einem Schreiben an den Präsidenten der Gesellschaft, Hans von Hülfen, mitgeteilt, daß er Anweisung zur Restaurierung der Grabstätte dieses Dichters geben werde, dessen Name in Italien unvergessen sei.
Tagesgeschichte.
Hilfsmaßnahmen.
Eine halbe Million für das Rheinland.
Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die preußischen Minister des Innern und der Finanzen haben zur Linderung der ersten Not der durch das Rhein-Hochwasser Geschädigten dem Oberpräsidenten in Koblenz einen Betrag von 500000 Mark zur Verfügung gestellt. Der Oberpräsident von Koblenz ist mit der Durchführung der inzwischen eingeleiteten staatlichen Notstandsaktion betraut worden.
Es wird ferner darauf hingewiesen, daß den zur Abwehr der Gefahren vorhandenen behördlichen Stellen (Tief und Wasserbauämtern usw.) auch die freiwilligen Helfer die Technische Nothilfe zur Verfügung stehen. Im Notfalle
wollen die örtlichen Dienststellen der Technischen Nothilfe verständigt werden, über deren Sitz die Landratsämter Aufschluß geben können.
Wer wird Deutschland auf der Weltwirtschaftskonferenz vertreten?
Berlrn, 3. Jan. Das Völkerbundssekretariat hat mit der deutschen Regierung über die Entsendung deutscher Delegierten zur Weltwirtschaftskonferenz Fühlung genommen. Dagegen sind einzelne deutsche Persönlichkeiten noch nicht befragt worden im Gegensatz zu anderen Staaten, die in der vorbereitenden Kommission bereits vertreten sind. In Berlin wird erklärt, daß Deutschland erst in den Völkerbund ausgenommen sein müsse, ehe es sich über die Beschickung der Weltwirtschaftskonferenz und der vorbereitenden Kommission schlüssig werden könne.
Die Stadthalle in Bingen beschlagnahmt.
Bingen, 3. ^an. Die englische Besatzungsbehörde, die kürzlich noch von einer Beschlagnahme der Festhalle abgesehen hatte ist nunmehr doch zu einer Beschlagnahme der Halle geschritten. Die Uebergabe wird heute erfolgen. Wozu die Halle Verwendung finden soll, ist nicht bekannt. Die Stadtverwaltung hat gegen die Beschlagnahme bei den zuständigen Stellen Einspruch erhoben.
Belgische Finanzleute für die Rückgabe Eupens und Malmedys.
Brüssel, 3. Jan. Belgische Finanzleute haben der Regierung die Abtretung von Eupen und Malmedy an Deutschland vorgeschlagen, wofür Deutschland als Gegenleistung sich verpflichten müsse, die während der Besetzung Belgiens ausgegebenen Papiermarkbeträge zurückzunehmen Die betreffenden Bankiers halten die Operation für das beste Mittel zur Sanierung des belgischen Franks.
Die belgische Regierung lehnt es jedoch entschieden ab, die Ueberlassung dieses Gebietes an Deutschland überhaupt in Erwägung zu ziehen.
Verminderung des belgischen Heeres.
Brüssel, 3. Jan. In der Kammer wurde das neue Militärgesetz mit 119 gegen 15 Stimmen angenommen. Das stehende Heer beträgt darnach /7 300 Mann, was eine Verminderung um 5300 Mann bedeutet. Für die Infanterie wird die Dienstzeit von 12 auf 10 Monate und für die tech Nischen Truppen von 13 auf 12 Monate herabgesetzt.
Italienische Verhöhnung des „Locarno-Geistes".
Mailand, 3. ^san. Das Organ Mussolinis, der „Popolo d'Jtalia" nimmt in einem Leitartikel erneut scharfe Stellung gegen Deutschland. Locarno mit seinem Pazifismus und dem Verzicht auf Elfaß-Lothringen habe auch dazu geführt, daß die deutschen Demokraten und Sozia- listeu, von den^Nationalisten wegen, ihrer Verzichtpolitik angegriffen, sich nunmehr gegen Italien wenden, um ihre elefantenschweren Schritte gegen Südtirol zu richten, das ihre Verzichte am Rhein und an der Weichsel (!) decken soll. Namentlich in Bayern und Oesterreich habe eine italien-feindliche Bewegung begonnen, doch sei diese auch antipreußisch (!) Hoffentlich beachte man in Deutschland die- «sen ihren Charakter wie auch die große Bedeutung, die Italien heute in Europa habe.
Auch das hiesige faschistische Blatt „Tevere" wendet sich gegen den Geist von Locarno, indem es sich über ihn lustig macht. Die beiden Hauptpartner von Locarno, Frankreich und Deutschland, litten heute unter schweren Krisen, dagegen genössen die beiden Garanten, England und Italien, dank der Elastizität der Bestimmungen von Locarno weiteste Handlungsfreiheit und würden diese gegebenenfalls in ihrem nationalen Interesse ausnutzen. Das faschistische Italien könne nach dem Siege über seine inneren Feinde nunmehr seine volle Aufmerksamkeit auf die Außenpolitik konzentrieren und werde, gestützt auf seine Militärmacht, Realpolitik treiben.
H Die Washingtoner Finanzkonferenz.
London, 3. Jan. „Morning Post" meldet aus Washington: Wenn auch die Konferenz des Gouverneurs der Bank von England, des Generalagenten für Reparationen und des Gouverneurs der Bundes-Reserve-Bank mit Schatz- amtssekretür Mellon offiziell lediglich als Höflichkeitsformel bezeichnet wird, besteht guter Grund zu der Annahme, daß die Frage besprochen wurde, wie Frankreich aus dem finanziellen Sumpf gezogen werden könne, und wie es Deutschland ermöglicht werden könne, seine Reparationszahlungen weiter zu leisten. Der praktischste Plan scheint der zu sein, deutsche Eisenbahnbons im Betrage von einer halben Milliarde Goldmark an ein englisch-amerikanisches Syndikat zu verkaufen und es Frankreich mit dem größeren Teil des Erlöses zu ermöglichen, seine Finanzen zu stabilisieren, während englische und amerikanische Banken der französischen Regierung den gleichen Teilbetrag leihen würden, wovon ein Teil zur Begleichung der Schulden an die Vereinigten Staaten verwendet werden würde.
1 Ein neuer Zankapfel.
Von parlamentarischer Seite wird uns zu den zu erwartenden Folgen eines Gemeindebestimmungsrechtes geschrieben:
Das Gemeindebestimmungsrecht wird zu den zahlreichen schon bestehenden Spaltungen politischer, konfessioneller und sozialer Natur einen neuen Zwiespalt in das deutsche Volk