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Unterhaltungsblatt

zur Reum Hessischen Zeitung.

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Sonntag, den 15» December.

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Hans Christian Oersted und seine Schrift:

Der Geist in der Natur".

Wie viel seit Göthe bis auf den heutigen Tag auch in Deutschland die Wissenschaft an Ergiebigkeit für das Leben gewonnen, wie Manches aus ihren gehei­men Schatzkammern seitdem seine praktische Anwen­dung gefunden und Gemeingut geworden, wie die her­vorragendsten ihrer Pfleger selbst sich bemühten, ihren nichtssagenden Nimbus zu zerstreuen, das wird beson­ders einleuchtend, wenn man den Blick auf das Feld der Naturwissenschaften richtet. Dieses unermeßliche Gebiet, Jahrhunderte hindurch der großen Menge mehr oder weniger verschlossen, seit den Magiern des Alterthums, seit den Sterndeutern und Adepten des Mittelalters bis zu den Cagliostro und Mesmer des vorigen Jahrhunderts großentheils ein gleichsam pri- vilegirter Tummelplatz des Betruges und des Aber­glaubens , hat in unserer Zeit nicht nur an innerer Produktivität für das Leben unendlich zugenommen, sondern auch allgemeiner Theilnahme und Bildung seine Zugänge nach allen Seiten hin eröffnet. Im Kosmos, Theil I. S. 386, sagt Alerander von Hum­boldt :Von den fernsten Nebelflecken und von krei­senden Doppelsternen sind wir zu den kleinsten Orga­nismen der thierischen Schöpfung in Meer und Land, und zu den zarten Pflanzenkeimen herabgestiegen, welche die nackte Felsklippe am Abhang eisiger Berggipfel be­kleiden. Nach theilweise erkannten Gesetzen konnten hier die Erscheinungen geordnet werden. Gesetze an­derer, geheimnißvollerer Art walten in den höchsten Lebenskreisen der organischen Welt, in denen des viel- fach gestalteten, mit schaffender Geisteskraft begabten, spracherzeugenden Menschengeschlechts. Ein physisches Naturgemälde bezeichnet die Grenze, wo die Sphäre der Intelligenz beginnt und der Fernblick sich senkt in eine andere Welt. Es bezeichnet die Grenze und überschreitet sie nicht." Hans Christian Oersted, eben­falls Naturforscher wie Humboldt, versuchte es, diese Grenze zu überschreiten. Ein vor länger als dreißig Jahren von ihm betretener und seitdem getreu verfolg­ter Weg führt ihn zur Erkenntniß der Vernunftgesetze m der Natur und durch diese zur Annahme eines Ver­nunftreichs , welches das ganze Dasein umfaßt: Die- [elbe Kraft, dieselbe Geschwindigkeit, welche in der Natur im Größten wie im Kleinsten waltet, waltet auch im menschlichen Geiste, in der menschlichen Ver­

nunft; sie ist einheitlich, allgültig und von Ewigkeit entspringend aus dem schaffenden Gottesgedanken; es eröffnet sich dem Geiste eine höhere Wirklichkeit, als die der sichtbaren Natur, die Grundlage der Ideen des Guten, Wahren und Schönen wird enthüllt und der wissenschaftliche Aufschwung zur Gotteserkenntniß vorbereitet. Eine Entwicklung dieser Denk- und An­schauungsweise hat Oersted in der kürzlich erschienenen Schrift:Der Geist in der Natur", dem Publikum dargelcgt.

Das Licht, welches (im Jahre 1820) die große Entdeckung Oersted's über den inneren Zusammenhang der Elektricität und des Magnetismus verbreitete, erweckte endlich, nach langem Schlummer , ein allge­meines Interesse für den periodischem Wechsel der elektro-magnetischen Ladung des Erdkörpers. Diese glänzende Entdeckung Oersted's aber, wodurch die Wissenschaft einen Schritt that , wie er nur alle Jahr­tausende glückt, welcher die Menschheit das Vorhan­densein derweltumgestaltenden" elektro - magnetischen Telegraphen verdankt, und welche jetzt nach ihrer wei­teren Entwickelung die Grundlage einer neuen Abthei­lung unserer physikalischen Lehrbücher bildet, ist nicht sein einziges Verdienst um die Wissenschaft. Seine anderweitigen Erfindungen und Entdeckungen auf dein Gebiete der Erperimental-Physik, das ihm eigenthüm­liche erfolgreiche Streben, die bisherigen Schranken der Naturwissenschaft zu durchbrechen, namentlich den verhüllten Zusammenhang des Körperlichen mit dem Geistigen aufzufinden und nachzuweisen, wie er denn auch die Fundamente zu einerPhysik des Schönen" gelegt hat, und endlich das schon eben angedeutete Faßliche, Populäre seiner Lehrmethode, dieses alles hat ihm längst eine Stelle unter den hervorragenden Männern unserer Zeit angewiesen. Wenn nun ein Mann von solchen Antecedentien, ein Held solcher Er­oberungen auf seiner Siegesbahn weiter schreitet , wenn er als Vorkämpfer ein Gebiet betritt, wo zwar schon Manchem der Boden unter den Füßen wich , aber, wie in keinem anderen, noch ungepflückte Lorbern winken, wer möchte da noch fragen, ob es sich der Mühe lohnen werde, ihm zu folgen ? Freilich läßt sich hier eine Eroberung nicht sofort vor den Augen der Welt greifbar konstatiren, wie z. B. das Dasein der elektro-magnetischen Kraft durch die Errichtung elek­tro - magnetischer Telegraphen. Freilich weiß Nie­mand , wenn die Bäume blühen, ob sie Früchte treu