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M L8. Sonntag, den 8. December. 1S5O*
Heffenlicd.
Auf, Wach' heraus, geschultert dann Und präsentirt's Gewehr!
Vor wem? ein schlichter Bürgersmann Kommt seinen Weg daher.
ES hat der schlichte Bürgersmann Ein Zeichen auf dem Hut, DaS Zeichen, Kameraden, isl's, Dem ihr die Ehr' anthut.
Tas Zeichen ist euch wohlbekannt, Weil eS der Hesse trägt, Wenn er für Fürst und Vaterland Und für sein Recht sich schlägt.
Ter Bürger spricht, ach laßt das sein, Mich geht's ja nichts mehr an, Der Waffenrock ist nicht mehr mein, Ich hab' ihn auögcthan.
Tas Trommelspicl, der Krieger Zug Erfreuen mich nicht mehr, Mein Schlachtenroß geht an dem Pflug So traurig vor mir her.
Und bist du, lieber Hauptmann, auch Ein schlichter Bürgersmann, Wir ziehen doch nach altem Brauch Die Waffen vor dir an.
Und gabst du deine Waffen auch, War's edler Sinn, nicht Zwang. Dein ernster Schwur, er galt dir mehr Als Sold und hoher Rang.
Ten Eid, der dich dem Fürsten band, Den Eid von gleichem Werth, Ten du geschworen Volk und Land, Den hast du gleich geehrt.
Gib Gott den Herrschern guten Rath Durch Männer von Verstand; Unfrieden nie gefruchtet hat Dem Fürsten und dem Land.
Die Heffcntreu, sie ist nicht neu, Sie dauert »»geschwächt;
Der Hess' ist seinem Fürsten treu, So lang der Fürst dem Recht.
Drum Wach' heraus, geschultert dann, Und präsentirt's Gewehr,
Der Hauptmann war ein braver Mann, Ein Mann von Pflicht und Ehr'.
Vermischtes.
(Changarnier.) Ein Korrespondent der Allg. Ztg. schreibt Folgendes von dem ebenso mertwürvigen als räth- selhaften Mann: Changarnier sitzt fest, die Majorität hält ihm die Steigbügel, und die zwiefache monarchische Partei die Zügel, links die Partei der Orleanisten, die der Legitimisten rechts; beive vorläufig einträchtig lenkend, wie die schwierige Zeit erheischt; nach welcher Seite hin aber künftig siegreich ist nicht abzusehen. Wohin sich Changarnier neigt ist ein Geheimniß, ob er mit einer von beiden einverstanden, weiß keiner; über sein Wollen und Streben herrscht Dunkel; weit unbequemer als die vielen Worte anderer ist für das Elysee sein Schweigen, besorglich für alle diese verschlossene Haltung. Vorderhand, versichern seine Freunde, und die Verbreitung dieser Ansicht ist ihm angenehm, betrachtet er sich als Hochwächter der öffentlichen Ruhe, und will der wicderein- tretenden Nationalversammlung dieses anvertraute Gut unversehrt überantworten; dann aber die bisher eingenommene Stellung aufgeben und seine Befugnisse in die Hände der Landesvertretung niederlegen. Solche Selbstverleugnung dürfte einigem Zweifel' unterworfen oder doch mit Vorsicht anzunehmen sein. Man darf nicht vergessen, daß die Zeitdauer der ersten Präsidentschaft der Republik abläuft, und Changarnier als Bewerber zur zweiten dem Präsiventen persönlich gegenübersteht, und zwar nicht ohne Aussicht auf Erfolg. Ob seine derartigen Bestrebungen aus persönlichem Ehrgeiz hervorgehen, oder aber mit an- dern weiter ausgreifenden und folgereicheren Planen in Verbindung stehen, daüber herrscht noch vollständiges Dunkel. In dieser Beziehung ist ein längerer Leitartikel in einem Abendblatt des Evenement nicht ohne Bedeutung. Wir heben daraus folgendes hervor: „Wir können," heißt cs darin, „nunmehr mit gutem Grund den von den monarchischen Führern für den nächsten Feld-