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Düsseldorf, Neuß, Muffendott, Oberwinter, Breisig und noch an anderen Punkten mehrfach angetroffen worden. Die Exemplare von Brühl sind aber groß und schön, we­nigstens zwei derselben. Zn jedem Fall ist es merkwür­dig genug daß diese Thiere in so großer Anzahl in einer älteren Periode unseres Planeten im Thal unseres Stroms gelebt haben, welches durch das vielfache Aufsinden ihrer im Ganzen gut erhaltenen Reste im Rheinthal bewiesen wird. Wären diese kolossalen pflanzenfressenden Thiere noch vorhanden, so würden sie leicht den größten Theil der Vegetation unserer Gegend zerstören. — Bonn,

9 Nov/l850. Nöggerath.

Frankfurt, im November. Bei der leider wirk­lich vorhandenen und in den letzten Jahren so oft be­klagten Armuth an gehaltvollen Erzeugnissen der drama­tischen Literatur, kann es nur erfreulich sein, baß das am 11. d. M. zur ersten Aufführung auf hiesiger Bühne gelangte Schauspiel: „Ein deutsches Dichterleben", nach dem gleich­namigen Romane von Otto Müller von Mosenthal für Vie Bühne bearbeitet, sich einer entschieden günstigen Auf­nahme zu erfreuen gehabt hat.

(Eine Londoner Auktion.) Der verstorbene Hr. Mainwaring zu Coleby hatte mehrere Kirchengeräthschaf- ten von ansehnlichem Werth, einen Altartisch, Betstühle re. angekauft, um der Kirche zu Hailthorne ein Geschenk da­mit zu machen, war aber zuvor mit Tode abgegangen. Die Exekutoren der Verlassenschaft ließen alles Vorge­fundene zur Auktion bringen. Jene Gegenstände wurden in 10 Nummern eingeschrieben. Als die Reihe an die­selben kam, verlangte ein jüdischer Mäkler (broker) Hr. Benjamins von London, alle zehn Nummern sollten zu­sammen ausgcbotcn werden, er wolle dieselben erstehen. Der Auktionator ging darauf ein, verlangte aber erst das Angebot zu wissen. Hr. Benjamins bot 10 Pfd. Der Auktionator fand dieses Gebot nicht angemessen. Hr. Ben­jamins aber sagte, die Artikel hätten gar nicht dürfen zur Auktion gebracht werden; es mache den Betheiligten keine Ehre; er wolle dieselben ihrer Bestimmung zuführen und sei überzeugt, weder Christ noch Jude werde ihm darin hinderlich sein. — Der Auktionator gab nach, Nie­mand bot, Hrn. Benjamins wurden die Geräthschaften unter lautem Applaus zugeschlagen, welcher dieselben so­fort der Kirche zum Geschenk machte und an den Pfarr- vikar abschickte.

* Wien. (Beschluß. S. voriges Unterhaltungsblatt.) — Nach beendigter Vorstellung des „Propheten" führte man mich in rin nahes Kaffeehaus. Hier sah man eben keine Dandys, auch keine Officiere, deren weiße Uniformen in den übrigen Kaffeehäu­sern dominircn. Die Kunden haben meist ein bescheidenes Aus- sehen; auch ihr Verzehr ist sehr bescheiden. Kein stammender Punsch, kein aristokratisches Eis, eine kleine Tasse Kaffee und ein Gläschen Alkohol verschiedener Färbung sind das Gewöhnliche; die Havannah-Cigarre ist hier ein Mythus, dagegen die Hambur­ger und die plebejische Pfeife an der Tagesordnung. An allen

Tischen und Fenstern werden vertrauliche Unterhaltungen gepflogen, Notizen auf Papicrblättchcn genommen, Unterschriften gewechselt; ich glaubte aus einer Börse, oder in einer Gesellschaft von Mäk­lern zu sein. Eben wollte ich mich bei meinem Begleiter, einem Musiklchrcr, erkundigen, als diesen ein ältlicher Mann anredete: „. . . Stellen Sie sich die Einbildung des kleinen M.... vor, der hier neulich dritte Tenorpartien sang und jedes Mal ausgcpfiffcn wurde; er will bei mir erste Partiten und mehr Gehalt haben, als meine Primadonna. Sie wissen, was eine kleine Stadt in Ungarn vermag, und daß ich keine kaiserliche Unterstützung habe, wie das Kärnthnerthor - Theater. Meine Abonnenten verlangen den „Propheten" und Madame Lagrange als FideS. Wenn ich nun keinen Johann von Leyden unter billigen Bedingungen finde, so bringe ich nichts zu Stande. Er kann sein Glück machen; denn ein Erfolg öffnet ihm ein großes Theater. Aber diese Te- nore verlangen unsern Ruin. Ich finde ja zur Noth einen leb- haften Tenor unter den Choristen; ich gebe dem M.... nicht, was er verlangt. Mein Johann von Leyden wird etwas ungeschlacht sein; ich werde sagen, ich bringe ihn von Wien mit, dann ist cs schon gut!" Diese Geschäfte also werden hier gemacht. Es ist die österreichische Opcrnbörse. Hier kehren die vakanten Sänger aus allen Theilen des Reiches ein; hier werben die Direktoren; Te­nore und Bässe werden hier nach dem CourS notirt; für die Sän­gerinnen erscheinen Väter, Gatten oder Beschützer. Auch Ton- künstler zeigen sich jetzt dort; man kann sich da mit ersten Flötisten und Solo-Hornisten versehen. Die Wiener sind beharrlich im An- denken ihrer großen Künstler. Mozart und Beethoven werden verehrt, als lebten sie noch. Man zeigte mir ein Haus und des- srn zweites Stockwerk: da sei das Zimmer, worin Mozart gestor­ben. Es war ein ganz neues, sehr elegantes Haus. Ich bemerkte, Mozart sei doch schon an 60 Jahre todt. „Allerdings — wurde mir entgegnet — das alte Haus ist abgerissen, aber in dem neuen ist das Zimmer vollkommen an demselben Flecke hergestcllt." Das Haus heißt nun „Mozarthof". Auf der Hausflur prangt Mozarts große Büste in Erz gegossen; die Facadc zieren die Figuren von Beethoven, Weber, Rossini, Meycrbeer, Bellini rc. lächerlich genug komponirt. . . . Strauß habe ich zu Schönbrunn gehört, Denn Strauß ist nicht todt , wie die Zeitungen gemeldet haben; er lebt in seinem Sohn; dieser erzieht sich wieder einen Sohn zum Nach- folger. Die Strauß'sche Dynastie ist unvergänglich^ wie die der Bourbons. Strauß ist todt, es lebe Strauß! So lange es ein Wien gibt, wird darin getanzt, so lange getanzt wird, ist Strauß ein gemachter Mann ..... Ich habe auch Czerny ken­nen gelernt, den Altmeister der Klavierspieler; Liszt, Thalberg, Döhler, alle sind aus seiner Schule bervorgcgangen. Seit seinem 14. Jahre gibt er Unterricht im Klavierspiel; er ist ein guter Sechziger und reich, aber er gibt immer noch nicht nur seinen Unterricht, sondern schreibt auch fortwährend Musikstücke; seit 1820 hat er 900 Piecen geschrieben. Er denkt noch einige Tausend Seiten zn füllen.

* Fräulein C l a u ß aus Prag, bei uns durch ihr unübertreffliches Klavierspiel noch im frischesten Andenken, hat jetzt auch in Frankfurt a. M. den ungetheilten Beifall in ihren Koncerten errungen, „die (wie es in einer dortigen Recension heißt) ebenso zahlreich und von der Elite der Gesellschaft besucht, als interessant und glän­zend waren." Unter vielem Anderen Rühmlichen wird noch sehr wahr bemerkt: „Frl. Wilh. Clauß bat nicht nur dasjenige gelernt, was man lernen kann, sondern besitzt auch das, was sich nicht erlernen läßt, den innern Benis und die innere Durchdrungenheit der Kunst; ihr Spiel ist nicht nur technisch vollendet, sondern auch geistig, nicht nur elegant und abgerundet, sondern auch lebend voll und poetisch." —

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. —

Druck von Fr. scheel in Kassel.