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gerichtlich zu verfolgen, die Zahlungsmittel fehlten, ein Arrangement wurde durch eben jenen Einfluß vereitelt, es wurde allerdings auch ein wenig spionirt und Klindworth gerieth in Noth und Verlegenheit. AlleiN-dieser Lage wußte er doch eine für ihn ansprechende Veite abzuge­winnen, denn aus den wirklichen und eingebildeten Ver­folgungen setzte er ein Bild zusammen, das ihn als eines der bedeutenden, wichtigen und interessanten Opfer poli­tischer Verfolgung und fürstlicher Rache darßellte, wäh­rend seine häusliche Lage so kärglich geworden war, daß Unterstützungen sogar an Naturalien der bei ihm wohnen­den Gefährtin willkommene Liebesgaben zu sein scheinen. Dennoch konnte eine solche Lage einem Manne wie Klind­worth noch erträglich scheinen, sie ließ der Phantasie Spiel- raunt, er konnte, wie jenes Mädchen auf der Antike, keine Chimäre liebkosen; aber ihm stand noch Härteres bevor durch die Erbitterung des Herzogs Karl. Die>er ernannte plötzlich den Legationsrath, den großen Politiker, den Talleyrand, allenfalls den Cellamare von Braunschweig, zum — Postmeister in Helmstedt. Pegasus im Joche, die Musen am Waschtrogel Das hielt er nicht aus, und da ein Ausschlagen des Amtes den Verlust seines Ein­kommens zur Folge gehabt hätte und er dann den uner­bittlichen Gläubigern anhcimgcfallcn wäre, so entfloh er in einer kalten Winternacht, und zwar — was charakte­ristisch ist — über den Stadtgraben. Er ging — irren wir nicht — über Frankfurt a. M. nach England, indem er dem Herzoge Karl Rache schwor. Zu dieser sollte sich bald Gelegenheit finden, denn als der Herzog in Folge der Ereignisse des September 1830 das Land verließ, kam er in England mit Klindworth zusammen und untcr- nahm von dort, mit Hülfe eines Abenteurers, Bender von Biencnthal, jenen Zug zur Wiedereroberung seines Landes, der auf eine so eigenthümliche Art scheiterte. Bei jener Gelegenheit hatte der Herzog Karl eine Art von offenem Brief drucket! und in vielen Exemplaren verbreiten lassen, worin er sich, wie seitdem immer, als das Opfer seines Freiheitssinnes und der Liebe zu seinem Volke darstellte und Dinge versprach, die selbst einem damaligen Dema­gogen die Haare aufsträuben konnten. Offenbar hatte Klindworth ihm diese Schritte angerathen und dabei die doppelte Freude gehabt, dem Herzoge einen Rath zu geben, der ihn bei den absolutistischen Machten für immer un­möglich machte, und sich diesen Rath gut bezahlen zu lassen. Welche Rolle Klindworth demnächst bei Louis Philipp gespielt hat, ist aus der „Revue retrospektive“ zu ersehen; welche Rolle er in der jüngsten Vergangenheit bei dem kaiserlichen Reichsbannerträger gespielt hat und noch spielen wird, darüber werden demnächst die Enthül­lungen auch nicht ausbleiben. Ein Freund in Braun­schweig hatte ihm früher eine nicht unbeträchtliche Summe geliehen; als Klindworth nun in offenbar reichlichen Ver­hältnissen in Paris lebte, und jener Freund um sein Geld bat, da, wir müssen cs zu seinem Ruhme sagen, verwei­gerte er nicht die Zahlung, sondern machte aus das Freund­lichste Hoffnung, sie dereinst zu leisten.

* Brüssel. Das Andenken der Königin Luise, statt schwächer zu werden, wächst vielmehr täglich an innerem

Gehalt. Beide Kammern haben sich zur Pflicht gemacht, gleich nach ihrer Konstituirung dem König ihre Theil­nahme an seinem Verlust und die Empfindung desselben von Seiten des Landes in Adressen auSzudrücken, welche durch Deputationen überreicht und von dem König mit Worten der tiefsten Rührung beantwortet wurden. Man spricht jetzt von nichts, als dem Testament der Königin, wodurch sie ihre Wohlthätigkeit auch über das Leben hin­aus verlängert. Nichts aber soll einem das Testament begleitende» Briefe an den König gleichkommen, worin sie ihm für Alles dankt, was er im Leben für sie gethan und was er ihr gewesen ist; der meisterhafte Schl soll der bedeutendsten Schriftsteller würdig sein. Uebrigens sind die Hauptbestimmungen des Testaments ungültig; die Königin setzt, nach Abzug der reichlichen Legate, den König zum alleinigen Erben ein; nach belgischem Recht dürfen aber Eheleute, welche Kinder haben, nur theilweise über ihr Vermögen zu Gunsten anderer Personen, wenn es auch der andere Gatte selbst ist, letztwillig verfügen. Interessant ist eine Klausel des Testaments, worin die Königin bestimmt: „wenn der König sich wieder vermählt, „bitte ich ihn, seiner künftigen Gemalin dieses (wir wis­sen nicht, welcher kostbare Gegenstand es ist) „zu geben, „als ein Andenken des Glückes, das ich gehabt habe, und „als ein Unterpfand dessen, welches ihr zu Theil werden „wird!"

Mammuthszähne bei Brühl gefunden. (Aus der Kölnischen Zeitung.) Kürzlich sind drei große Backen­zähne des Mammuth oder urweltlichen Elephanten (Ele- phas primigenius) bei Brühl in der Nähe des Bahn­hofs ausgegraben und durch die vorsorgliche Vermittlung des Bergmeisters Bergmann in Brühl an das naturhisto­rische Museum der hiesigen königlichen Universität abgege­ben worden. Diese Zähne, im Ganzen gut erhalten, rühren von alten Individuen her, sind alle drei obere Backenzähne, und es scheint daß jeder einem andern Exemplar eines dieser Thiere angehört hat; der größte hat eine Länge von 10 Zoll. Die drei Zähne mögen zusam- fast 25 Pfund wiegen. Bekanntlich hatte das Mammuth in seinem ausgewachsenen Zustande gewöhnlich in jedem Kiefer auf jeder Seite mr einen Backenzahn, also int ganzen vier; selten findet man auf einer Seite eines Kie­sers zwei solcher Zähne. Wenn die Zähne durch das Kauen sich abgenutzt hatten, so traten von hinten wieder neue hervor, welche die alten heraus schoben; zwei solcher Zähne sind gerade nur dann auf einer Seite eines Kie­fers vorhanden, wenn das Thier in dem Proceß des Zah­nens begriffen war. Die Zähne wurden bei Brühl in einer Lehmgrube gefunden, welche zum Ziegeln angelegt war. Unter der Dammerde, welche einen Fuß dick ist, liegt eine Lehmschicht von sechs Fuß Dicke, und dann folgt eine 1'/, Fuß dicke Sandschicht, unter dieser aber wieder Lehm. Unmittelbar auf jenem Sande wurden die Zähne angetroffen. Es sind diese zwar nicht die ersten Mammuthszähne, welche im Thal des Rheins der hiesigen Gegend gefunden wurden; früher sind deren schon, sowie auch andere Knochenreste desselben Thieres, bei Cleve,