Unterhalt nngsblatt
zm MWM HeMschLU Zeitung.
M 46* Sonntag, den 2^ November. 18SV
Wer vaterländische Kunstverein.
Unser vaterländischer Kunstverein hat mit der am 15. d. M. Statt gehabten Verloosung der in diesem Jahre angekauften Bilder seine hauptsächlichste öffentliche Thätigkeit für dieses Jahr geschlossen. Aus den zur Verloosung gekommenen Bildern dürfen wir in mannichfacher Beziehung den erfreulichen Schluß ziehen, daß die damaligen Leiter des Vereines es sich angelegen sein lassen, die heimischen Talente, namentlich da, wo sie sich an künstlerischer Ausbildung mit den Kräften des Auslandes messen können, nicht mehr tu übergehen. Wir haben der diesjährigen Wahl vor Allen zu den Hauptgewinnen zwei werthe Schöpfungen begabter Landsleute" zu danken. Das Eine „eine Partie aus dem Habichtswalde" ist von naturwahrer Wirkung und poetischer Auffassung, von Bromeis; das Andere: „eine Falkenjagd", von dem jugendlichen v. Wille, kann mindestens ein schönes Bild genannt werden, welches wohl verdient hat, von dem Vereine als Anerkennung des nicht gewöhnlichen Talentes des jungen Mannes gewürdigt zu werden. — Doch auch die ausgestellten kleineren Gewinne (lithographische Blätter) sind fast sämmtlich mit Einsicht und jedem Geschmack ausgewählt und werden darum auch nicht verfehlen, vom Publikum gut ausgenommen zu werden. Auch von diesen lithografischen Blättern müssen wir cs rühmend hervorheben, daß sich unter ihnen neben der anerkennenswerthen Wahl einer lithographischen Nachbildung des berühmten Kupferstiches nach Raphael (die Trauung des Joseph mit der Maria) mehrere inländische Arbeiten befinden, zu deren Wahl wir dem Kunstverein nur Glück wünschen können. So ist z. B. ein kleines Blatt zu erwähnen, ein anmuthiges Bildchen nach Reutern, dessen Original sich im Besitz der Prinzessin Karoline von Hessen befinden soll, sowie ein Pendant zu demselben nach Grimm, — beide von Georg Koch, einem um lithograpische Kunstleistungen in unserer Vaterstadt sehr verdienten Manne, dem wir dann auch den Genuß eines äußerst interessanten, auch als Kunstwerk vortrefflichen Bildes zu danken haben, nämlich des großen lithographischen Blattes „Rubens mit seinem Sohne", nach dem mit Recht gefeierten von Rubens selbst gemalten Originale, welches sich im Besitze eines hiesigen Kunstfreundes, des Hrn. Geh. Hofrath Harnier, befindet. Für die Darbietung dieses Bildes sind wir dem Verein in der
That vielen Dank schuldig. Wir erinnern uns, daß bereits im verwichenen Sommer in einem Artikel des deutschen Kunstblattes dieser Lithographie ehrende Erwähnung geschah. Ein namhafte? Dresdner Künstler, der bei seinem Aufenthalte in Kassel die eben begonnene Arbeit gesehen hatte, machte schon damals im Voraus auf das jetzt vollendete Bild aufmerksam. Nicht blos die fleißige und geschmackvolle Arbeit, sondern auch die sinnige und edle Auffassung der herrlichen Köpft macht das Bild des großen Meisters nicht unwerth. Unser meist sehr flacher Pariser Bilderkram ist durch dieses Werk um ein kerniges vollwichtiges Kunstwerk reicher geworden. Der klare und kräftige Druck des Bildes zeigt uns, daß wir einen lithographischen Kunstdruck nicht mehr in fernem Ausland zu suchen brauchen, daß die Erzeugnisse dieser Anstalt mit denen anderer Städte getrost wetteifern können. Möchte es dem Künstler, dem, wie wir hören, auch die Anerkennung seines Strebens im Auslande nicht mangelt, gelingen, für seine Arbeiten sich ein weiteres Feld' zu eröffnen, als ihm unter den jetzigen trostlosen Zuständen das Inland gewähren kann. In Bezug auf diese Zustände gegenüber der ohnehin gedrückt darnieder liegenden Kunst wollten wir aber nicht versäumen, alles Ernstes und dringend darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn irgendwen», jetzt dieser Zweig der Kultur eines besondern Schutzes bedarf, um nicht für Jahrzehende der Barbarei anheim zu fallen. Gerade jetzt in einer zerrütteten Zeit müssen die ästhetischen Haltpunkte des Lebens gepflegt werden, wäre es auch nur, um wenigstens die Erinnerung der Kunst nicht abbrechen und untergehen zu lassen. Mit großer Anerkennung müssen jvir deshalb auf die unermüdliche Thätigkeit des kassellchen Kunstvereins Hinblicken, dem wir gerade jetzt die so sehr verdiente allgemeine Betheiligung von Herzen wünschen.
Vermischtes.
München. Eine Deputation von Künstlern und Handwerkern hat das vereinte Geschenk beider Körperschaften, das Album nebst dem dazu gehörigen Schreibschrank dem König Ludwig übergeben. Der Schrank ist ein sehr kunstreiches Werk aus Eichenholz mit Firniß überzogen, mit reichen Schnitzereien und Ornamenten, mit Schlössern und Wappen von vergoldeter Bronze und Email,