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wie nachgewiesen wird, schon länger bekannt war. Die folgenden drei Aussätze haben den Himalayah zum Gegenstand. Dr. Hooker gibt unter 12) und 13) neue Bestimmungen über die Höhe des Tafellandes von Tübet und über die Hohe der Schneegrenze im östlichen Hima- lavah; wogegen R. Strachey eine sehr ausführliche Kritik über die bisherigen Angaben 14) zur Bestimmung der Schneelinien im westlichen Himalayah geschrieben hat. Er weist durch neue von ihm angestellte Messungen nach, daß die Zahlen, welche A. v. Humboldt für die unteren Schneegrenzen am südlichen und nördlichen Abfall angenommen hat, nicht unwesentlich geändert werden müssen, wiewohl das Hauptergebniß, welches der Nestor der Naturforscher schon im Jahre 1817 fand, unverändert bleibt, nämlich, daß auf der Nordseite die Schneegrenze weit höher steht, als auf der Südseite. Es erhellt aus den Zusammenstellungen, daß die Schneegrenze mindestens am südlichen Abhange des Himalayah nicht eine regelmäßige horizontale, sondern wie in den europäischen Alpen eine, je nach den Oertlichkeiten auf- und absteigende gekrümmte Linie bildet. Von ganz besonderem Interesse für die physikalische Geographie des Himalayah ist die Abhandlung von R. Strachey, in welcher 15) die Gletscher in den Hochwäldern des Pindur und Kuphinie beschrieben werden; sie ist es um so mehr, als die Existenz von Gletschern in dem indischen Gebirgssystem von den namhaftesten Naturforschern wenn nicht geläugnet, doch sehr in Zweifel gezogen worden ist, was dem Umstande zugeschrieben werden "muß, daß die ersten und bisherigen Beobachter nur von „Schneebetten" redeten und das eigentliche Wesen des Gletschers nicht fcstgcstellt hatten. Erst die Untersuchungen von Agassiz und Forbes in den Alpen haben die Engländer auf die richtige Spur gebracht, und Robert Strachey ist von ihnen der erste, der die Eisberge der Hochthäler erkannte. Um die Oertlichkeiten ganz deutlich zu machen, auf welche sich Strachey in seinen Schriften bezieht, hat der Herausgeber die große Karte vom brittischen Himalayah beigefügt, welche einen Bestandtheil seines Atlas von Asien bildet. 16) Ueber das Klima von Nordamerika ist ein Aufsatz von dem zu früh verstorbenen und unvergeßlichen Albert Gallatin. Derselbe ist aus dem Englischen übertragen. 17) „Gold, Platina, Diamanten in den Vereinigten Staaten" und in Kalifornien ist ein Aufsatz überschrieben, der sich auf offizielle Mittheilungen stützt, welche A. v. Humboldt von der Regierung der Vereinigten Staaten erhielt. Für den Pslan- zcn-Geographcn sehr wichtig ist eine Abhandlung des trefflichen de Candolle unter der Aufschrift: 18) über die Ursachen, welche dem Vorkommen der Pflanzen gegen Norden in Europa ein Ziel setzen. Am Schluß des Heftes findet sich 19) noch eine Uebersicht der Volksmenge des Königreiches Belgien nach der Spraclwerschiedenhcit. (A. A. Z.)
Etwas aus Ungarn. Die Gegend an der Theiß und Maros ist das eigentliche Magyarenland, dort wohnen noch Arpads Söhne ungemischt und ungetrübt von
fremdem Blute. Viel liest und fabelt man in Büchern von der Fruchtbarkeit dieses Landstrichs, und die Bewohner des nördlichen und östlichen Europa würden in der That nicht wenig verwundert staunen, wenn sie die wild hervorkeimende Ueberschwänglichkeit der Natur wahrnehmen: Wassermelonen in der Größe von Oxboft-Fässern, zentnerschwere Fische, Weinbeeren in der Größe von pru- nes de Reine Claude, langgehörnte Stiere, riesige Büffel und fast wild herumlaufenve Pferde. Einst tonnte man auch von der Wohlhabenheit seiner Bewohner sprechen, damit ist es für lange Zeit dahin. Den Ungarn hat man gegeben und die andern haben genommen. Reich ist der Boden, aber arm der Bewohner, und auf dem fettesten Boden der Erde lebt der Mensch nicht selten fast ebenso schlecht oder noch schlechter als der Hund. In hölzernen Hütten, zwischen Lehmwänden, wohnt der arme Schäfer oder Landwirth , ein leinen Henld, ein leinenes Beinkleid, ein breiter Hut und ein Zottelpelz sind seine ganze Bekleidung. Zu essen hat er wohl, zu trinken hinreichend von dein feurigen Ungarwein; doch von dem, was des Menschen Genuß eigentlich menschlich macht, weiß und begreift er in der Regel wenig oder nichts. Einst sprach man auch viel davon, wie in Ungarn die Diittel zum Leben billig, wie es hier wohlfeil fèi sonder Vergleich; auch diese Zeiten sind dahin, und namentlich der Reisende findet es nicht nur angenehmer und bequemer, sondern auch wohlfeiler am Rhein und an der Elbe, als an der Theiß und Marosr Die Kriegssahre haben große Quantitäten von Lebensmitteln hinweggenommen, für ungeheure Preise in Kossuthnoten wurde aufgekauft, und diese 9Zotcn wurden sodann für unwerth erklärt, und ihren Eigenthümern deren Ablieferung bei Strafe des Standrechts befohlen. Doch hat das Verbot wenig genützt. Der Ungar hat selbst zu den Noten des erilirten Kossuth noch nicht das Vertrauen verloren. Von Zeit zu Zeit, von Moment zu Moment, tauchen Gerüchte auf, Kossuth komme, mit ihm Türken und Ungarn. „Haben Sie gehört," raunt ein Freund dem andern zu, „Aussuff Pascha steht an der Grenze mit 80,000 Mann, Kossuth und Bem kommen mit ihm." Was nützt es zu beweisen, daß Jussuff Pascha gar nicht existirt, er will es glauben und glaubt es. Ein anderes Mal ist es wieder der König von Preußen, der Guyon und Klapka zu Generalen ernennt und gegen Oesterreich für Ungarn einsteht. So lächerlich diese Sagen dem gesunden Verstände sein mögen, sie sind nichtsdestoweniger Zeichen von der Gesinnung des Volkes, dem der gegenwärtige Zustand nicht zusagt. Diesen Zustand betrachtet er als ein Provisorium, der so nicht bleiben könne, und darum vergräbt er die weiland ungarischen Banknoten mit dem guten Glauben, sie doch bald wieder hervorziehen zu können. Daß die geheimen Anhänger Kossuths diesen Umstand benutzen, um die Hoffnungen des Volkes noch immer auf chren Apostel zu richten und ihn als den Messias für dessen Geldmassen hinzustellen, bedarf keiner weiteren Erläuterung.
— Unvergleichlich gut hat Lenau die Bauern am Tissastrande geschildert. Wir lassen eine dieser Schilderungen