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zur Reuen Hessischen Zeitung.
M âS. Sorrsetag, den IT 9èovembee. I8SV.
Wie Kanalisirnng der Landenge von Panama.
Am 14. Oktober (wird der Nordd. freien Presse geschrieben) ward in London ein Privatvertrag abgeschlossen, der an welthistorischer Wichtigkeit manchen Staatsvertrag zwischen großen Mächten weit hinter sich läßt. Er bezieht sich auf die Verbindung zwischen dem atlantischen und dem stillen Meere durch den centro-amerikanischen Isthmus. Bekanntlich hatte eine in Newyork residirende nordamerikanische Gesellschaft von der Regierung der Republik Nicaragua die Koncession zur Herstellung einer künstlichen Wasserstraße zwischen den beiden Meeren erhalten, und zwar durch Kanalisirung des aus dem großen See von Nicaragua oder Granada herströmenden, sehr tiefen, aber durch mehrere gefährliche Stromschnellen unterbrochenen Flusses San Juan, und Durchstechung des schmalen Isthmus zwischen jenem See und dem stillen Meere. Diese Landenge ist nicht über 3*/2 deutsche (circa 15 englisches Meilen breit, und erhebt sich nach dem Hafenorte San Juan del Sur zu nur 615 Fuß engl., nach der schönen Bai von Salinas zu aber nur 258 Fuß über das Niveau beider Meere. Ueber den See von Nicaragua indessen erhebt sich der Isthmus auf der ersten Linie nur 487 Fuß, auf der zweiten nur 130 Fuß, indem der See von Nicaragua 128 Fuß über dem Spiegel der beiden Meere bei Fluthzeit liegt. Bekanntlich hatte die Regierung von Nicaragua ein sehr zweifelhaftes Recht, die Koncession mit ihren Nebenbegünstigungen zu ertheilen, so daß die amerikanische Gesellschaft den Obersten Aspinwal nach London gesandt hatte, um englische Kapitalisten zu einer namhaften Zeichnung zur Beförderung des Unternehmens zu bewegen. Dies gelang jedoch dem Obersten nicht, und zwar politischer Hindernisse wegen. An der Beseitigung dieser Hemmnisse arbeitete der englische Gesandte in Nordamerika, Sir Henry Bulwer, mit so bedeutendem Erfolge, daß die Gesellschaft in Newyork neue Bevollmächtigte nach London sandte. ^ic,c, die HH. White und van der Bilt trafen am 5. Aov. ein; ihre Vorschläge fanden Gehör bei mehreren der großen Kaufleute und Banquiers in der Eitv, worunter die HH. Rothschild, Baring u. a.; sie wurden von Sir Henry Pilly, dem Gouverneur derHud- ,ons-Ban-Company, kraftvoll unterstützt; und schon nach 9 Tagen, nämlich am 14. Okt., ward ein Ver
trag abgeschlossen, der in Deutschland nach dem frankfurter Maßstabe wenigstens 9 Jahre erfordert haben würde, ehe er unter der Leitung ausgezeichneter Staatsmänner zur gründlichen und gediegenen Reife gediehen wäre. Das Unternehmen wird jetzt zur Hälfte mit englischem, zur Hälfte mit amerikanischem Kapital ausgeführt werden. Die Kosten der Schiffbarmachung des San Juan werden auf 4 Mill. Lstrl. veranschlagt, aber die Totalsumme läßt sich noch nicht feststellen, weil man über den Punkt, wo der Isthmus zu durchstechen ist, noch nicht ganz im Klaren ist. Die zwölf amerikanischen Ingenieurs, die dort nivelliren, werden aber wohl bald alle Zweifel beseitigen. Die kürzeren Linien.nach San Juan del Sur, auf dem Gebiet von Nicaragua, und nach der Bai von Salinas, aus dem Gebiet der Republik Costa Rica, hat man einstweilen noch weniger berücksichtigt. Dagegen hat man sich provisorisch, aber keineswegs entschieden für die von Louis Napoleon advocirte längere Linie nach dem Lee von Managua und von da weiter entweder nach Realejo, oder noch weiter nördlich nach der großen Bai von Fonseca hin erklärt. Der See von Managua liegt 28 Fuß über dem von Nicaragua, mit welchem er durch den kleinen Fluß Tipitapa in Verbindung steht, und 156 Fuß über dem stillen Meere. Das höchste Niveau des Landes zwischen dem See von Managua und Realejo ist 56 Fuß über dem See, und 212 Fuß über dem stillen Meere; das höchste Niveau zwischen tiefem See und der Bai von Fonseca ,oll noch niedriger sein, ist aber einstweilen noch nicht bekannt. Die Länge dieser Wasserstraße ist: der San Juan-Fluß 90 engl. Meilen; Durchschnitt des See's Salinas gegenüber 60 Meilen; Isthmus von Salinas 15 Meilen: zusammen 155 englische Meilen. Die zweite Linie nach Realejo ist 213 Meilen lang. Die dritte Linie 275 Meilen. Verglichen 165, 243 und 175 engl. M. Hr. Squiers, der amerikan. Gesandte in Nicaragua, rechnet 330 Meilen bis nach Realejo. Laut des Vertrages zwischen der Republik Nicaragua und der vereinigten Gesellschaft in New-Iörk und London muß der Kanal, oder genauer die Verbindung, innerhalb 12 Jahren fertig sein, und nach Vollendung hat die Gesellschaft die volle Benutzung auf 85 Jahre, also bis zum Jahre 1947; und während fernerer 10 oder 20 Jahre genießt sie 15 pEt. der Netto-Einnahme. Die Regierung von Nicaragua hat ihr ferner das ausschließliche Privilegium ertheilt, wäh-