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Der ist's, vor dem der Feinde Schaarcn,
Von dir gezähmt, in grauen Jahren
Vom Belt zum Tiberstrom gebebt.
Unsterblich Weib! hoff' auf den Freier,
Ter dir mit kühner Hand den Schleier
Von der umflorten Stirne hebt!
Stuttgart, 4. Nov. So eben erfahren wir, daß Der Dichter G. Schwab in der vergangenen Nacht an einem Schlagfluß plötzlich gestorben ist. Das obige Liek ist sein Schwanengesang : wir dürfen hoffen, daß dieser Umstand seine Wirkung erhöhen werde. Der Tod des Dichters, der im In- und Auslande zahlreiche Freunde unk Bekannte zählte, wird eine ausgebreitete Theilnahme finden.
— In Italien macht Verdi's Oper: „Luisa Miller" nach Schiller's „Kabale unD Liebe" fortwährend großes Aufsehen. Namentlich hat diese Oper in Mailand solchen Beifall gesunken, daß sofort ein Cyklus von acht Vorstellungen eröffnet werden mußte. Es bleibt immer auffallend, daß dieser, dem deutschen Komponisten so nahe liegende, Stoff von einem italienischen Dichter benutzt werden mußte, um im Lande der Gesänge Aufsehen zu erregen.
— Ritter Spontini, der berühmte Komponist, ist am 12. Oktober in Jesi, seinem Geburtsort, ungelangt. Der Gemeinderath und die ersten Behörden der Stadt kamen ihm in feierlichem Zuge entgegen. Abends war das Theater festlich erleuchtet, zu Ehren des Gastes wurde eine Kantate gesungen unk ihm Seitens Der Stakt eine schmeichelhafte Adresse überreicht. An: folgenden Tag wurde Spontini von dem Bischof von Jesi, Kardinal Corsi, zum Mittagsmahl geladen, welchem die vornehmsten Familien der Stadt beiwohnten. Diese Zeichen öffentlicher Hochachtung und Verehrung verdankt der berühmte Maestro vornehmlich seinen milden Werken: er hat in seiner Geburtsstadt einen Mont de Piété , ein Hospital für Greise und Gebrechliche, eine Schule für arme Mävchen und einige andere Lehr- und Wohlthâtig- keitsanstalten gestiftet.
H e s s e n l i e b.*)
Horch' auf! was tönt aus Hessentand , Wie Landgraf, finster, schwer?
Befiehlt der jüngste Padischah?
Marschin man nach Amerika?
O Hessen, blindes Heer.
Nein, Kameraden! nein! habt Acht!
^Ha, präsentirt'S Gewehr!
Sie sollen blinde Hessen sein,
Da rufen alle Hessen: Nein!
Nein, Kurfürst! nimmermehr!
Führ' uns auf Leben ober Tod
Für dich, für Weib und Kind!
Bei Gott! Tu sollst zufrieden sein;
Doch gegen Weib und Kinder? — Nein!
Brav sind wir, doch nicht blind.
*) Aus Weimar mit einem sehr ehrenvollen Schreiben ein- ge sendet.
Treu, wie das Gold auf Brust und Schwert,
Sind wir dem Feldhauptmann.
Toch gold'ner ist der Ehre Pflicht, T> Fkldhauptmann, beschimpf' uns nicht!
Straf' Gott! cs geht nicht an.
Du willst? Wohlan, es sei! so nimm, Was du mir gabst, nimm's hin!
Die Brnst, die dein Geschmeide trug, Inwendig hat sie Schmuck genug, Soldatenehr' ist d'rin.
Osscht, es leuchtet durch die Nacht, Stern, Kreuz und Portepee.
Sie legen Alles hin zu Hauf; Doch Heller strahlt der Ruhm hinauf In cw'ge Sterncnhöh'.
Der soll dir bleiben , Kamerad!
Ten rühre Keiner an !
Und kommt ein Hesse stolz daher: Achtung! Auf, präsentirt 's Gewehr! Hurrah dem Ehrenmann!
Nacht ist's in Deutschland, Mitternacht: Doch Licht entzündet Licht.
O Land, das solche Krieger zählt! So wahr ein Gott die Brust beseelt, Verloren bist du nicht!
Voran! Auf, Hesse! leuchte vor!
Wir steh'n mit dir! voran!
Zwei Tausend so wie du, Kam'rad!
Gen Mitternacht, nach Friedrichstadt, Und Deutschlands Tag bricht an.
Karl Sondershausen
Nr n h n ii n g.
Als König Franz dermalen besiegt, in heißer Schlacht, Gefangen, sah in Trümmern die königliche Macht, Da sprach er schmerzergriffen, doch Stolz im Angesicht: «3ft Alles auch verloren, die Ehre ist es nicht!"
Hört Ihr ein dumpfes Grollen, vom Prcgcl bis zum Rhein? „Ist Alles auch verloren, die Ehre darf'S nicht sein!" O, donnerten die Worte doch aus der Wolken Hoh'n! O, rauschten es die Ströme, o, brauste es der Föhn!
„Tic Ehre sollt Ihr wahren, Ihr dorten in Berlin, Hinweg die stumpfen Federn, die Schwerter müßt Ihr ziebn: Genug schriebt Ihr der Noten, genug ist eS der Noth, Hervor die Instrumente, schlägt auch den Takt der Tod!«
O König, o mein König, o HohcnzoUcrns Sproß, O, greife in die Zügel, besteig' das Schlachtenroß! Es stampft, es scharrt und wiehert, sehnt Nach den Reitern sich Albrecht Achill, — dem Kurfürst — dem großen Friederich.
Blick' auf, Dir steht zur Seite ein treues, tapfres Hccr, Und hinter diesem dränet Dein ganzes Volk in Wehr: Zur andren Seite stehet als BundSgcnoß das Recht, Und hinter ihm ganz Deutschlands aufsprvssendcs Geschlecht.
Ans, laß Tein Kriegesbanner mit Zollerns Wahlspruch web», Wer wollte da cs wagen, im Kampfe Dir zu stchn? Dem Meineid gegenüber steh' fest bei Deinem Wort: „Tic (schwachen will ich schützen, bin der Bedrängten Hort!«
Und würd st Tu doch besieget, verlörest Kron' und Reich, Wird Dich die Nachwelt krönen mit cw'gem Lorbcrzwcig; Unsterblich wird es leben in Sage und Gedicht: „Verloren hat Er Alles, dock Seine Ehre nicht!"
Ein preußischer Esficicr.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Truck von Fr. Scheel in Kassel.