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W Reuen Hessischen Zeitung»

M ââ. Sonntag, den KO. November. ZKZO.

Enthüllung des Elbers -Denkmales in Bremen.

Der feierliche Akt der Enthüllung des Olbers- Standbildes ist am 12. Septbr. Nachmittags unter einer in allen Kreisen der Bevölkerung bethätigten Theilnahme vor sich gegangen. Auf dem schönen freien Platze inmitten der unmuthigen Wallanlagen erhebt sich nun sein Marmorbild; Bremen ist auch um ein Kunstwerk reicher geworden, welches sich den schönsten monumentalen Zierden anreiht, die eine deutsche Stadt aufzuweisen hat. Karl Stein­häuser in Rom ist der Meister dieses Werkes, und Bremen mag stolz darauf sein, in diesem Stand­bilde den Besitz zweier hervorragender Geister, die es die (einigen nennen darf, zugleich feiern zu kön­nen. Steinhäuser hat in diesem Standbilde erreicht, was von wenigen Statuen unserer großen Manner, wie sie in den deutschen Hauptstädten vertheilt sind, gesagt werden kann, er hat Treue und Porträtähn- 'lichkeit mit den Anforderungen der Schönheit aufs Trefflichste vereinigt. Die Statue, 9 Fuß 2 Zoll hoch, in hartem carrarischen Statuar-Marmor gearbeitet und auf einem 7 Fuß 4 Zoll hohen Pie- destal aus geringerem Marmor, stellt Olbers als Astronomen dar. Mit dem Fernrohr in der zur Erve gesenkten Rechten, in einen herrlich herabflie­ßenden faltenreichen Mantel gehüllt, welcher die sehr glücklich behandelte moderne Tracht nicht ganz ver­birgt , erhebt Olbers sein Haupt und sein fernbli- ckendes Auge zum Himmel; der Hals ist frei, die obere Brust von der Hemdkrause leicht bedeckt, die Haltung majestätisch frei, wie sie der Bildhauer, der natürlich an die mehr gebeugte Erscheinung von Ol­bers in seinen späteren Lebensjahren sich nicht bin­den konnte, wiedergeben mußte. Die Züge cage- gen, wenn auch idealisch verklärt, sind vollkommen porträtähnlich. Von hoher, edelster Schönheit sind ferner die Reliefs aus, den vier Würfelflächen des Piedestals. Wir haben in Bremen kein Ori­ginal eines plastischen Kunstwerkes, dessen Betrach­tung einen so erhebenden Genuß gewährt, wie die Gestalten der Pallas und Vesta (die Sinnbilder der beiden von Olbers entdeckten Planeten), welche in anmuthig schwebender Gestalt die beiden Seiten­felder des Piedestals einnehmen. Das vordere Feld zeigt Olbers in der Betrachtung des Himmels; ein

in edelster Schönheit gebildeter Genius hält dem Sitzenden das Fernrohr. Auf der Rückseite sieht man Olbers als Arzt am Lager des Genesenden, dem er die hülfreiche Hand reicht. Das sind die Einzelheiten; der Eindruck, welchen das Ganze her­vorbringt, ist auch ein ganzer, großartig und har­monisch. Der Charakter des Monuments ist mit der Schönheit des Kunstwerks eins geworden; zwei Namen wird dieses Werk der Nachwelt erhalten; indem es die Wissenschaft ehrt, verherrlicht es auch die Kunst. Der Akt der Enthüllung, leider durch unaufhörlich fallenden Regen beeinträchtigt, war von einer einfachen Feier begleitet. Auf dem mit Flaggen geschmückten Platze, auf welchem um den Denkstein die Mitglieder des Senats, der Sohn und Enkel des Gefeierten, das Komitè des Olbers- vereins u. a. versammelt waren, eröffnete das Sän­gerkorps des Vereins Vorwärts" mit dem Vor­trag einer von Herrn F. Ruperti gedichteten Hymne die Handlung. Dann folgte die" Festrede. Dr. C. Cottmeier bestieg die Tribüne, um der Bedeutung der Feier und des Mannes, welchem sic galt, ihren Ausdruck zu geben. Er sagte unter Andern : Nur wer ihn gekannt, so ganz wie er unter uns er­schien, als Mensch, als Bürger, als Gatte und Vater, als Freund und Helfer, wer ihn gesehen am Bette des Kranken, in den Wohnungen des Reichthums und in der Hütte der Armuth, wem ein Blick vergönnt war in den Schatz seiner Erfahrungen, in die "Tiefe seines Gemüths, nur der weiß, wie gerade und bie­der, wie zärtlich und liebevoll, wie treu und aufopfernd er war, der weiß, welchen Segen er um sich und welch häusliches Glück er den Seinen bereitete und welche Beruhigung, welchen Trost schon sein Erschei­nen an das Lager des Siechthums brachte. Ein Men­schenalter ist verflossen, seit er, von den Beschwerden des nahenden Alters gedrückt, die helfende Hand den leidenden Mitbürgern entziehen mußte, und unge­schwächt ist dasDankgcfühl Derer, denen er ein siche­rer Helfer, ein Retter aus Todesgefahr gewesen. Mit frohem Muthe und mit Begeisterung erfüllte ihn sein schwerer Beruf, mit grösster Aufopferung gab er sich allen Mühen desselben, so wie den anstrengendsten Studien seiner rasch fortschreitenden Wissenschaft hin. Es war die Wissenschaft, welche den Menschen zu ihrem Gegenstände hat; den Menschen! wie er es er­faßte, in der tiefsten, in der weitesten Bedeutung.