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ten jetzt ohne Weiteres in einen südlichen Staat geschleppt und in rie Sklaverei geführt werden, während das neue Gesetz dem Sklaveneigner den Beweis zuschiebt, daß ein von ihm beanspruchter Farbiger wirklich sein Eigenthum sei. Indessen hat die Bill unleugbar sehr viel Hartes für diejenigen Neger, welche vor Jahren aus dem Süden ge­flohen und im Norden ansässig geworden sind, zumal da es scheint, daß die Behörden gegen sie manchmal ziemlich summarisch zu Werke gehen. In Newport z. B. kam der Fall vor, daß ein junger Mulatte, Namens James Hamlet, welcher seit zwei Jahren sich hier von seiner Arbeit nährte, von seinen früheren Eigenthü­mern in Baltimore reklamirt wurde. Sie beschworen seine Identität und Hamlet ward hierauf in Ketten nach Bal­timore ausgeliefert. Die Kosten der Verhaftung und Aus­lieferung betrugen etwa 100 Dollars, welche der Ver- einigte-Staaten-Negierung zur Last fallen. Aus Boston schreibt man, daß die höchste Aufregung unter den flüch­tigen Sklaven herrsche. Man hat einige Sklavensänger hcrumschlcichen sehen, aber die Bürger dort und in Wor­cester erklären, sie würden die Wegführung der Sklaven nicht dulden. In Boston leben etwa 300 geflüchtete Ne­ger, von denen viele Familie und Geschäft haben. Sie' baben ein Konnte eingesetzt, um Maßregeln gegen ihre Auslieferung zu verabreden. Viele von ihnen sind ent­schlossen, sich bis auf's Aeußcrste zur Wehr zu setzen. In Springfield, Massachusets fand in der Stadthalle eine sehr wilde Versammlung von Weißen und Farbigen statt, in welcher man einmüthig beschloß, sich zu bewaffnen und den Sklavenfängern Trotz zu bieten. Von Pittsburg sind fast alle (schwarze) Kellner aus den Hotels nach Kanada geflohen; über 300 sind schon über die Grenze gegangen, meistens in größeren Haufen, mit Messern und Pistolen bewaffnet. Aehnlich lauten die Berichte aus Ithaka, Utica, Oswega und andern Ortschaften.

— In dem neuesten Hefte der Rcvue-des-deux-Mon- des finden wir bei Lektüre eines interessanten Aufsatzes über die Luftschifffahrt eine charakteristische Anekdote über Marat. Im Jahre 1783 veranstaltete der gelehrte Physiker Charles die erste Ascension mit einem Ballon, der mit Hydrogengas gefüllt war. Charles war der Mann des Tages und eine Autorität in seiner Wissenschaft. Marat, damals Arzt und beschäftigt mit auf die Physik bezüglichen Arbeiten, hatte ein Werk über Optik unter der Feder, in dem er die Ansichten Newton's bekämpfte. ( Wie Göthe!) Eines Tages kam Marat zu Charles, um, wie schon früher, einige seiner polemischen Sätze zu ent­wickeln und über einige elektrische Phänomene, die damals Aufsebcn erregten, sein Gutachten einzuholen. Charles theilte keine der Ansichten Marat's und machte ihm kein Geheimniß daraus. Marat gerieth mit jedem neuen be­deutenden Argument seines Gegners mehr in Wuth und bezähmte sich nur mit Mühe. Endlich durchbricht seine Wuth alle Schranken, er zieht einen kleinen Degen, den er beständig trug, und stürzt sich auf seinen Gegner. Charles war zwar ohne Waffen, allein seine Stärke und

Geistesgegenwart siegten über den sinnlosen Gegner. Der Gelehrte entwand ihm den Degen, zerbrach ihn über dem Knie und warf die Stücke zu Boden. Von Zorn und Scham übewältigt, verlor Marat das Bewußtsein; man mußte ihn ohnmächtig nach Hause tragen. Einige Jahre später, als Marat auf dem Gipfel seiner unheilvollen Macht stand, beunruhigte den armen Charles die Erin­nerung an diesen Austritt ungemein. Glücklicher Weise hatte der „Volksfreund" die Beleidigungen, die dem „Phy- sikus" angethan waren, vergessen.

Für Schleswig-Holstein.

Geharnischte Sonette *).

Auf dem Arocken.

Ein Heller Ruf geht durch die deutschen Lande, Ein Klang wie Harfenton und Kirchenglocken, Sehnsüchtig, tief, gewaltig hör' ich's locken, Als bräch' ein freies Volk der Knechtschaft Bande.

Jungfrau Germania steht am Mecrcsstrande, Im Seewind fliegen ihre gelben Locken,

Ihr mährchenblaucs Auge sieht erschrocken, Die Thräne rinnt um ihres Volkes Schande.

Ich lausche träumend in die wilden Stimmen,

Ich starre trauernd in die Ncbelmeere, Die wogend um den Bergesgipfel schwimmen.

Ta rauscht der Helle Ruf mich aus den Träumen: Der Busen fliegt... mein Volk, was willst du säumen?

Hinaus für unser Recht und unsre Ehre!

K y f s h ä n s c r.

Und wieder einmal fuhr er aus dem Schlafe.

„Wer hat mir das gethan, wer weckt mich wieder?

Wer singt mir stürmisch jene alten Lieder,

Wer geht so hart auf meinem Epitaphe?

Bist Du es, deutsches Volk? Du, deutscher Sklave?

Was reckst Tu wieder Deine trägen Glieder, Was soll der Lärm? zu Deine matten Lider . . .!

Am wohlstcn ist ja Dir und mir im Schlafe!"

Da rief ich: Nein! O nein, mein deutscher Kaiser! Das Heil ist nah — nun darfst Du nicht mehr zagen, Ter Morgenwind fährt schon durch Busch und Reiser.

O Luft von Morgen, — sieh! schon will cs tagen, DaS Frühlicht blitzt schon durch die goldnc Aue, Und Du, mein Fürst, nur einmal noch vertraue!

An die Fr anen.

Nun geht der Liebe stille Zeit zu Ende,

Des Hasses Gluth ist flammend aufgegangen —

O Mädchen, haltet uns nicht mehr gefangen

Dämpft nicht mit süßem Wort die lichten Brände.

Reicht uns die Waffen, Frauen! Jede sende

Auf's Ehrcnfeld ihr Liebstes ohne Bangen.

Ihr Augen fließet nicht, bleicht nicht, ihr Wangen,

Legt segnend uns auf's Haupt die weißen Hände:

"Zieht hin, ihr Männer! Gott soll Euch geleiten,

Ein Engel soll voran die Banner tragen,

Und gute Geister sollen für Euch streiten."

'S ist ja kein eitler Muth, kein tolles Wagen —

Ich sehe einen Aar die Flügel breiten,

Und um ihn will der Morgcnhimmcl tagen!

*) Auâ dem Hefte: Für Schleswig-Holstein. Geharnischt« Sonette. (Haui' bürg, Hoffmann u. Campe). Der Ertrag des Hefteâ ist für Schleswig Holstein bestimmt.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck von Fr. Schccl in Kassel.