Einzelbild herunterladen
 

170 —

Sie waren herrliche, kräftige, schöne Männer, nur einer war klein von Statur. Alle gehorchten dem Befehle des Einen von drei Brüdern, welcher sich nur durch prächtige Kleidung unterschied. Er' trug schwarz- sammetne Beinkleider, einen blauseidenen Burnus und eine rothe mit Silber befranzte Mütze. Aber auch er ritt kameradschaftlich in Reih' und Glied. Ich sagte vorhin, sie wurden aufgefordert, gutwillig auf den Ka­sernenhof zu marschiren; dies verneinten sie einstimmig. Hierauf wurde auf einen Wink eine Salve gegeben, wobei ich aber zum Lobe unserer tief betrübten braven Dragoner sagen muß, daß sie in die Luft feuerten. Vielleicht lautete auch so der Befehl. Dies war zwar menschlich, aber nicht wohl überlegt. Als wenn solche geborne Kriegsmänner etwas von blinden oder Schreck­schüssen wüßten, als ob in diesen Naturen in so ver­zweifelter Lage noch Furcht zu erregen wäre! Bei genannter Wendung der Dinge schwenkten die Tscher- kessen und stoben blitzschnell von dannen nach der Feld- seite zu, von woher sie eben gesommert waren, aber nicht ohne die Schüsse zu erwidern. Da ihre Thiere todesmüde und durch die ZOstündige Jagd abgetrieben waren, so hatten sie die Dragoner bald dicht auf den Fersen. Es wurde durch sie ein Tscherkesse niederge­schossen, nachdem er vorher einen blutjungen hübschen Unterofficier, der nach ihm hieb, sich umwendend mit dem Wurfmesser augenblicklich todt darnieder gestreckt hatte, zwei wurden überwältigt, gefangen und ent­waffnet, eine kurze Strecke weiter gcrieth noch einer in die Gewalt der Dragoner, und einer ward erschos­sen. Leider wurden die Gefangenen in der ersten Hitze von den Dragonern mit scharfen Hieben bedient und selbst eine Person, die sich in amtlicher Stellung befindet, jedoch nicht zum kämpfenden Militär gehört, vergaß sich so weit, die gefangenen Helden zu'schla­gen. Nachdem fünf von ihnen wehrlos oder todt wa­ren, entkamen die letzten Fünf nach dem nahe liegenden Borwerk Kruszlewice, wo sie an das erste am Wege stehende Einliegerhaus drangen und dort ihre Feinde erwarteten. Nun wurde Brennstoff herbeigeschafft und vas Haus in Brand gesteckt. Als es in vollem Feuer stand, gingen die Leute ganz ruhig in das daneben­stehende. Dies wurde nun auch angezündet. Nun mußten aber die fünf Helden vielleicht 100 bis 150 Schritte bis zum herrschaftlichen Vorwerkshause ma­chen, was sie auch mit kaltem Blute thaten, ohne an­gegriffen zu werden; und ein kleines Piket Dragoner wich vor ihnen zurück. Auch wurden alle Wirth­schaftsgebäude, selbst die entferntesten, in Brand ge^ steckt, das Haus mit den Tscherkeffen, obgleich mit Stroh gedeckt, widerstand jedoch , da es fortwährend fein regnete, allen Versuchen, gleichsam als wollte die todte Statur diesen Schreckensscenen Einhalt thun. — Die Tscherkeffen schossen langsam und sicher Schuß um Schuß auf das vereinzelte und sehr entfernt ste­hende Militär. Da beinahe gar nicht getroffen wurde, so wagte sich alles so nahe als möglich, und unter diesen auch mein unbesonnener Otto. Unfern von einem Dragoner stehend, bekam er einen Schuß durch

den offenen Mund, der ihm die linke Kinnlade zer­schmetterte. Die Kugel blessirte gleichzeitig, nachdem sie dem Otto noch den Arm gestreift, dem Dragoner einen Fuß und noch einem jüdischen Knaben die Lende. Man brachte ihn für todt zu seinem Meister und von da ins Hospital. Hierüber brach der Abend herein, das Haus brannte nicht, bis mit einem Postzuge, Nachts 2 Uhr, noch 40 Mann Musketiere des vierten Regiments von Bromberg kamen, worauf nun wirklich das Haus in Branv gerieth. Es geschah dieses mit Tagesanbruch. Jetzt stimmten die unglücklichen Tscher- feffen, in der Sprache und Weise ihrer Heimath einen feierlichen Todtengesang an, der unsere Soldaten so erschütterte, daß sie so lange unwillkürlich das Gewehr- feuer einstellten und mit ehrfurchtsvollem Grauen den wilden und erhabenen Tönen der sterbenden Helden zuhörten. Was folgte, war kurz. Bis auf Einen, der immer sein Gewehr abfeuernd, im glühenden Schutte begraben wurde, stürzten sich die übrigen mit blanker Waffe aus dem Hause. Am 4. Oktbr. fand das feierliche Begräbniß aller Gefallenen Statt. Der einzige unverwundete Gefangene sah vom Gerichts­hause dem Leichenzuge mit der Ruhe eines muhame- danischen Fatalisten zu. Ihr Auführer, dessen Wun­den so schwer sind, daß an ein Auskommen kaum zu denken ist, gibt ebenso wenig als seine Geicossen einen Klagelaut von sich; nur hört man ihn viel beten und den Namen Allah anrufen. Nachdem die Aufregung des Kampfes vorüber ist, werden die Verwundeten mit außerordentlicher Liebe im Lazareth verpflegt. Un­sere guten Soldaten tragen sogar denen, mit welchen sie der Kampf in Berührung gebracht, ihr Schärflein zu. Eiic besonderes Schwurgericht in Bromberg er­wartet die Fremdlinge nach ihrer Genesung.

' (Eonst. Ztg.)

Vermi s ch t e s.

* Paris. (.Ludwig Philipp und seine Ci- villiste.) Herr v. Montalivet hat unter dieser Auf­schrift in der Revue-dcs-Deux-Mondes einen anziehenden Artikel gegeben. Hr. v. Montalivet erweist darin, daß, wenn die Civilliste am 24. Februar 1848 allerdings mit 30 Mill. Fr. Schulden belastet war, dieses daher rührte, daß Ludwig Philipp sein Königshandwerk mit der aller- königlichsten Freigebigkeit betrieb. Er widerlegt besonders das Gerücht, daß Ludwig Philipp große Kapitalien im Auslande angelegt habe. Bei der Bermälung des Her­zogs von Nemours verlangte der Vater der Braut, Her­zog Ferdinand von Sachsen-Koburg, die Ausstattung des Herzogs von Nemours solle im Auslande angelegt wer­den; Frankreich sei ein Land der Revolutionen; der Kö­nig müsse seine Kinder sicher stellen. Ludwig Philipp aber erwiderte, er tonne sein und seiner Familie Schick­sal nicht von dem Frankreichs trennen und machte sich vielmehr die Bedingung, daß die Ausstattung in dem großen Buche Frankreichs angelegt werde, widrigenfalls „entsage er der Partie". Die .einzigen 300,000 Frs., die er bei Coutts u. Comp. in London hatte, als er zum