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Unterhalt nngsblatt

zur Reuen Hessischen Zeitung.

J£ A2. Sonntag, den 27. Oktober. 1S5O*

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Wer Kamps in Inowraclaw.

Am 29. September desertirte aus einem Schlosse, vier Meilen von Warschau, ein nicht unerheblicher Theil einer dort liegenden Tscherkessen - Abtheilung in Folge harter Behandlung. Da sie verfolgt wurden, jedoch sehr gut beritten waren, legten sie die 30 Mei­len bis zur preußischen Grenze in einer Tour zurück, wobei jedoch nicht Alle ein und denselben Weg nah­men, sondern zu 10 bis 15 Mann zusammenhielten, und an verschiedenen Grenzpunkten überzugehen ver­suchten. Zu Jnowraclaw kamen am 1. Okt. Mittag 10 Mann mit 3 Handpferden an, welche bis zur Grenze, von ihrem eigenen Obersten verfolgt, eingeholt und von ihm bearbeitet wurden, umzukehren, wofür er ihnen Straflosigkeit und gute Behandlung zusagte. Die Leute aber, auf russische Versprechungen nicht bauend, ließen sich nicht bereden, sondern "erklärten einstimmig: Ihr Urtheil aus dem eigenen Munde des Königs von Preußen hören zu wollen. Der Oberst schickt nun eine Staffelte mit der Bitte herüber, die Leute gut zu behandeln, bei der Gefangennahme sehr behutsam zu Werke zu gehen und nichts zu unterlas­sen, was die Leute von ihrem Vorhaben abbringen könne. Es seien Leute, die zwar lenksam im Guten, aber außerordentlich kriegerisch und entschlossen, sich nur im Tode von ihren Pferden und Waffen trennen würden. Auch der Bürgermeister von Pieterkowice kam in Person und machte den Vorschlag, die Leute durch einen Schlaftrunk zu betäuben, um sie so unschädlich zu machen, d. h. zu entwaffnen. Es war diesem Manne für die gelungene Ausführung seines Auftrages eine Prämie in Höhe seines Jahrgehaltö zugesichert worden. Abgesehen von der Unwürdigkeit dieses Planes, machte das Mißtrauen der Tscherkessen, die nur selbstgeschöpftes Wasser tranken, denselben unthunlich. Vor dem hiesigen Landrathsamte in Reih und Glied aufgestellt, stieg der Weiteste und ein Zwei­ter von ihnen, vom Pferde und begaben sich in das ihnen gezeigte Bureau, zur Vernehmung. Sie gaben zu Protokoll, daß sie 10 Edelleute wären, die frei­willig den Krieg gegen die Ungarn mitgemacht, dafür die Denkmünze erhalten, nebst dem Versprechen, nach Jahresfrist in ihr Heimathsland entlassen zu werden. Dies sei ihnen nicht gehalten worden, wie überhaupt so manches Andere; auch wäre die Behandlung, die sie als Freiwillige und freie Männer zu erleiden hät­ten, nicht ferner zu ertragen gewesen. Ihre Verbind­

lichkeiten hörten hiermit auch auf. Alles was sie um und an sich trügen, nebst ihren Pferden, gehöre ihnen eigenthümlich. Dies Alles hätten sie sich vorgenom­men, Sr. Maj. dem Könige von Preußen vvrzutra- gen, der ihnen schon zu ihrem Rechte verhelfen würde. Hierauf wurde ihnen von Seiten des Landratbs jede Rücksicht zu Theil, jedoch mit dem Bemerken, daß ihr Verlangen nach den ihm vorliegenden Gesetze nicht möglich sei; überhaupt dürften sie, wenn man sie auch wirklich vor den König ließe, dort nicht mit derWaffe erscheinen, ja nicht einmal damit das Land durch­ziehen. Demzufolge würde er ihnen vorläufig in der Kaserne Quartier geben, wo sie auch gleichzeitig ihre Waffen niederzulegen hätten. Dies Alles als Akten­stück dokumentirt, sollten die Tscherkessen unterschreiben; sie entschuldigten sich jedoch mit Unkenntniß und mein­ten, dies wäre nurPopensache", auch würden sie ihre Waffen nur im Tove von sich lassen, und in die Kaserne gingen sie nicht, denn das wäre nur eine Falle. Sie bäten um Quartier in der Stadt für Alle zumal. Hierauf stiegen sie zu Pferde und ritten nach dem Markte zurück, wobei sie vor dem Kaserne- ment vorbei müssen. Hier angekommen, stellten sie sich dem Kasernenthore gegenüber in Front, 2 Mann hoch, in fünf Rotten, auf. Der Rittmeister von Ih­low, schon im Stillen benachrichtigt, hatte unterdeß seine Maßregeln genommen, welchen gemäß er 20 Mann zu Fuß mit scharfer Karabinerladung, und 20 Mann zu Pferde eben so schußfertig, von beiden Sei­ten des Thores aufmarschiren und die Aufforderung an die Tscherkessen ergehen ließ, sich in die Umstände und Landesgesetze zu fügen, auf den Kasernenhof zu marschiern, ihre Waffen abzugeben und ihr Schicksal zu erwarten. An diese Wendung der Dinge hatten die Natursöhne gar nicht gedacht. Den Cartel-Ab­schluß kennen sie nichtPreußen ist für sie das Land der Gerechtigkeit; der König die Gerechtigkeit in Per­son. Alle schienen wirklich geborene Edelleute, sieben von ihnen mit griechischem, drei mit türkischem Profil. Alle waren herrlich bekleidet und mit wunderschönen Waffen bis an die Zähne versehen. Sie trugen Wurfmesser an der Kette oder Sehne, ein Pistol, eine lange Tscherkessenflinte, einen geraden Säbel. Die Brust war mit 20 24 Patronen gespickt. Ihre Mantelsäcke waren wohl mit Pulver, Blei, Messern und Dolchen bepackt, im Falle sie im Gefecht eine Waffe verlieren. Alle waren Muhamcdaner und nah­men so wenig Wein alö Speisen, die man ihnen bot.