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zur ReuM Heffifchell Zeitung»

M Ä8. Sonntag, den SHK Oktober. 1S5O»

Die Enthüllung -er Davaria.

Wir haben am 9. Oktober ein Fest begangen, das wohl nur in München, dem Hauptsitz und Mittelpunkt des deutschen Kunstlebens, in solcher Weise gefeiert werden konnte, ein Fest so einzig in seiner Art, so schön und großartig, daß es Allen, die als Theilnehmer oder als Zuschauer dabei gegenwärtig waren, gewiß für immer unvergeßlich bleiben wird; ich meine die Enthüllung der Bavaria, die schon seit Wochen das stehende Thema für die Besprechung un­serer Blatter und LokalschriftsteUer gebildet hatte. Was diesem Feste seine Bedeutung und seinen unterscheiden­den Werth gab, war vor Allem die darin ausgespro­chene Verherrlichung des königlichen Schöpfers jenes gewaltigen Monumentalwerkes und die Beziehung zu dem Einflüsse, den das Wirken des Begründers und Schutzherrn unserer Kunst auf alle Zweige einheimi­scher Gewerbthätigkeit mittelbar und unmittelbar aus­geübt hat und durch seine Folgen hoffentlich auch noch ferner ausüben wird, trotz der falschen Richtung, die sich in einem Theil unseres höheren Verwaltungsle- benö eingeschlichen hat und darin immer tiefer sieb festzusetzen droht, indem man der Ansicht huldigt, un­sere Zeit fordere ausschließlich die Pflege der mate­riellen Interessen und könne des höheren idealen Kunst­schaffens füglich ganz entbehren, wenn man nur eben die Gewerbe in ihrer Richtung auf das Nützliche und Technische unterstütze. Wohin man durch diese Jgno- rirung der Macht des Schönen, die eine geistig be­freiende und verklärende ist, und der überlieferten Kunstformen zuletzt gelangen werde, wird die Zukunft zu unserer Beschämung lehren, sofern man uns nicht bei Zeiten wieder in die natur- und vernunftgemäßere Bahn zurückbringt, die für jede Seite des mensclcki- eben Denkens und Schaffens ihre unabweisliche Gel­tung fordert. Das Fest, das wir gefeiert, liefert we­nigstens den Beweis, daß die hiesigen Gewerke die Bedeutung der idealen Kunstthätigkeit des Königs Ludwig für ihre eigene reichere unb schönere Entwi­ckelung dankbar anerkennen, und wir können nur wün­schen, daß man sich einst, dem gegenwärtigen Regi­ment gegenüber zu einer ähnlichen Huldigungsfeier veranlaßt sehen möge. Der Enthüllung der Bavaria ging ein großartiger Festzug voraus, gebildet aus 24, von mehreren Musikchören und den kostümirten Ver­tretern der Künste und Gewerbe zahlreich begleiteten

Festwägen, die draußen auf der Theresienwiese, Ange­sichts des noch verdeckten Kolossalbildes vor dem Kö­nige Ludwig vorüberzogen und sich dann auf dem ge­räumigen Platze aufstellten. Sie erlassen mir die Beschreibung des Einzelnen. Es genügt zu erwäh­nen, daß die Anordnung der Festwägen durchgängig ebenso sinnreich als schön und großartig war. Die gewerblichen Erzeugnisse sah man in den schönsten Eremplaren und meist in riesenhafter Größe vertreten. Ein thurmhoher Pokal, alldeutsch verziert, schmückte vcu Wagen der Bierbrauer und Schäffler, ein riesi­ges Schwert, von einer Gigantenhand gehalten, den der Schwertfeger und Messerschmiede, ein kunstreich gestalteter, bemalter und tapezirter Gartensalon den der Dekorationsmaler , Tapezierer und Vergolder, ein riesiges Wagenrad und ebenso kolossale Hufeisen den der Schmiede und Radmacher, ein riesiger Schlüssel, von jnnem sitzenden Löwen im Maul gehalten, den der Schlosser; vier riesige Stiere zogen den Wagen der Metzger und Garköche, auf welchem Knaben mit bandverzirten Lämmern spielten, und auf dem vom Gastwirth Oberpollinger hergerichteten Prachtwagen sah man eine ganze Tischgesellschaft mit Kellnern unv Kellnerinnen beisammen, von allen nur möglichen Em­blemen und Gegenständen des Gasthoflebens und der Wirthsstube, Küche und Keller umgeben. Es wäre aber unrecht, wollte ich nicht auch der Gärtner unv Fruchthändler, der Bäcker und Konditoren, der Mau­rermeister, der Möbeltischler, der Zimmerleute und sämmtlicher übrigen Bau- und anderen Gewerke rüh- meno erwähnen. Das Gebäude, welches die Müller unv Melber auf ihrem Wagen einherführten, im Werth von 200 Gulden, war für einen wohlthätigen Zweck bestimmt. Die Bewohner der Haidhauser Vorstadt führten, von einem Blumengarten umschlossen, die Büste des Königs, die Auer ein beinahe 30 Fuß ho­hes Movell ihrer schönen gothischen Kirche einher. Reichgcschmückt mit Inschriften war der Wagen der Schuhmacher und übrigen in Leder und Filz arbei­tenden Gewerke; die eine, den Sinn des Festzugs in wenigen Worten aussprecbenv, lautete

Durch Ludwig dcs Königs Gunst Zog ein in das Gewerk die ctunff,

Trum huldigen ihm olle beid', Kunst und Gewerk, zu jeder Zeit.

Allen Ansprüchen sinnvoller Schönheit. entsprach ver Festwagen der bildenden Künstler. Hier sahen