Einzelbild herunterladen
 

164 -

saufen und dieselben so oft und lange als möglich unbe­wohnt zu lassen; obwohl er mehr als sparsam ist, ver­geudet er doch dergestalt jährlich mehrere 100 Pf. ^t. an eingebüfiter Hausrente. Um in seinen Häusern zur Miethe zugelassen zu werden, muß man verheirathet sein, (fein Wittwer), mehrere Kinder haben, darf man keinen Taback rauchen, keine Vögel halten, keine Blumen an die Fenster stellen re. Das wird kontraktlich bedungen und auf jede Zuwiderhandlung durch gerichtliche Hülfe Aus­weisung bewirkt. Advokaten- und Bau-Rechnungen machen die Hauptausgabe dieses Mannes aus. Er hat für jedes Zimmer in dem von ihm selbst bewohnten Hause einen Teppich, der aber nie aufgelegt wird, um ihn nicht zu beschädigen. ("Ein Lustspiel-Dichter sollte sich dieser Figur bemächtigen. Man denke sich nur den Artikel 1 seiner när­rischen Miethbedingungen in Verbindung mit einer beim- lichen Ehe seiner eigenen Tochter, einen Proceß wegen vermeintlicher Nichterfüllung der ersten Bedingung nebst ausgewirkter Ausweisung des unbekannten Schwiegersohns aus der Wohnung und die überraschende Führung des dargclegtm Beweises in aller Fülle! Eine Fundgrube von Situationen, von Intrigue, Sentiment und Laune!)

* Die Verarbeitung des Gocthe'schcn Faust im Pa­riser Gvmnase — denn von Bearbeitung ist hier keine Rede mehr — schließt mit einer ächt französischen Wen­dung. Mephistopheles fährt mit Faust zur Hölle, indem er sagt: „Passez devant, Monsieur le Docleur b‘ Man kann unmöglich ein so unangenehmes Geschäft delikater abmachen. Der deutsche Teufel bei Klingemann schleppt Faust bei den Haaren zur Hölle. Ländlich — sittlich.

Leipzig. Die feierliche Enthüllung des T h e a t e r d e n k m a l s fand in Leipzig am 28. Sept. Nach­mittags 4 Uhr statt. Von den in Magdeburg versammelten deutschen Land- und Forchvirthen war eine nicht geringe Anzahl mit einem Extrazuge hier angckommen, um der Feier bcizuwohnen; sic, sowie die Leipziger Behörden und sonstige Eingeladene versammelten sich in der Aula des Augustcums, von wo sich der lange Zug nach der Promenade an die Stätte des Denkmals in Bewegung setzte. Der Vorstand des Theatercomitè , Dr. Crusius, wies mit einfach - herzlichen Worten auf die unendlichen Verdienste des gefeierten Landwirths und auf die Pflicht seiner Schüler hin, dem Dankgefühle gegen ihren großen Lehrer würdigen Ausdruck zu leihen, und übergab hier­auf das jetzt enthüllte Denkmal dem Vorstande der X111. Versammlung deutscher Land - und Forstwirthe, Ober­präsidenten v. Bonin. Dieser übergab das Denkmal der Stadt Leipzig, in deren Namen es Bürgermeister Koch entgegknnahm , indem er dasselbe zu schützen und zu obren gelobte. Zum Schluß sprach noch der Sohn des ver­ewigten Thaer, Landesökonomierath Thaer, mit tiefer Rührung seinen Dank aus für die große Liebe und Ver­ehrung, die so viele wackere Männer seinem unvergeßli­chen Vater bewiesen. Damit war die Feierlichkeit ge­

schlossen. Unmittelbar nachher tam die große Mehrzahl der bei der Feier Anwesenden in den schöngeschmückten Räumen des Hotel de Pologne zu einem einfachen Mahle zusammen.

* Gott mit uns! Lieutenant Lange vom Dampfer „von der Tann" erzählte in Eutin folgenden rührenden Zug. Das Schiff war auf den Strand gelaufen und wurde nun von den dänischen Schiffen mit einem starken Geschützfeuer wahrhaft übergossen. Zum Beachten, wie viele und wer getrosten sei, war keine Zeit, denn schon wurden die Boote ausgesetzt, um das Schiff zu nehmen. Lange befahl nun seinen Leuten über Bord zu gehen, legte dann Feuer an die Pulverkammer und folgte ihnen. Am Strande angckommen, wollte er aufrufen wer fehle. Aber die Mannschaft hatte schon unter sich Musterung gehalten, und in dankbarem Erstaunen über den Befund rief ihm einer das fromme Wort zu: „Herr Lieutenant, wir sind der all' — uns' Herr Gott is mit de Dütschen".

* Aus vorgefundenen Notizen ergibt sich, daß die Gemälvegallerie des Königs Wilhelm II. von Holland, welche gegenwärtig in Amsterdam versteigert wird, die un­geheuere Summe von 7,160,000 Gulden gekostet bar. Die Bilder und Zeichnungen der größten italienischen, deutschen und niederländischen Meister sind bisher zu un­geheuern Preisen abgegangen. Frankreich, Preußen, Sach­sen, Belgien , Rußland haben theils für königliche und nationale, theils für PrivatgaUerien viel gekauft, am we­nigsten ist für England erworben. Die größten Summen hat der Marquis von Hertford bezahlt. Von den werth- vollsten Zeichnungen sind einige auch für das Städel'sche Museum in Frankfurt erworben und zwar sechs von Rafael, nämlich eine Madonna mit dem Kind für fl. 750, Zoroaster und andere Figuren, wahrscheinlich Studien zur „Schule von Athen" fl. 200, eine andere Figurenstudie für die Schule von Athen fl. 1510, Ti- moklcs vor Alexander dem Großen, sehr schöne Kom­position, Federzeichnung fl. 280, die Madonna mit dem Jesuskind auf dem Schooß, sehr schöne Studie fl. 665, endlich eine Vision, ebenfalls sehr schön, fl. 510; ferner ist von Perugino für dieses Institut gewonnen: der heilige Martin zu Pferd, von dem Satan in Gestalt eines Bettlers um ein Almosen angesprochen; auf der Rückseite befindet sich die Taufe Christi, eine schöne, seltene und gut erhaltene Zeichnung, für fl. 365; ferner zwei Michel- Angelo ; ein Studienfragment für 400 und eine Madonna mit dem Kind für 85 fl; von Bramante: Studie eines Mannes für fl. 680. — Zwei schöne Porträts von van Dyk hat der Marquis von Hertfort für fl. 63,000 er­standen , für die Himmelfahrt der heiligen Jungfrau von Murillo wurden fl. 36,000 bezahlt, für Leonardo da Vinci's „Colombine" fl. 40,000, für einen Velasquez fl. 38,850, für einen Lucas von Levden fl. 7000 und so fort.

Berantwortlicbcr Hcrims^rber: Fr. Octkcr. — Druck von Fr. Scheel in Kastei.