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Nnterhaltungsblatt

M ReuLN HeMfchen Zeitung.

M 40. Sonntag, den 13. Oktober. 1850.

Das Theater in Panama.

Seitdem der Isthmus von Panama die Heerstraße nach dem Goldlande Californicn geworden ist, haben sich die Amerikaner mit ihrem gewöhnlichen spekulativen Geist in jener Gegend fest gesetzt und suchen sic, in Erwartung einer künftigenAnneration" , möglichst nach ihrem na­tionalen Muster zu reorganisiren und für ihre Zwecke aus­zubeuten. Es versteht sich von selbst, daß sie damit an­gefangen haben, eine Zeitung herauszugeben, da dieß be­kanntlich zu den ersten Bedürfnissen einer amerikanischen Bevölkerung gehört, und aus den fast in feder Nummer desPanama-Star" mitgrtheilten Thatsachen kann man den Einfluß ermessen, den sich die Amerikaner bereits dort erworben haben. Wir lassen jedoch die politischen Notizen desLtar" beiseite, um ihm eine Beschreibung ves in der Stadt Panama befindlichen Theaters zu ent­lehnen :

Zu den seltsamsten Erscheinungen dieser merkwürdigen Stadt gehören die dramatischen Borstellungen, die man vier seit drei oder vier Wochen gegeben hat. Das Thea­ter ist die Kirche eines alten Klosters und liegt dein Ju- stizpalast gegenüber. Von dem ganzen Gebäude stehen nur nock' die vier Wände, das Dach ist schon vor langer Zeit eingestürzt. Einen Theil der Trümmer hat man von dem ungkpflasterten Fußboden fortgeschafft, die Zu­schauer winden sich durch die anderen und nehmen ihre «Litze, wo sie sie finden. Obgleich in weiten Zwischen­räumen Lampen hoch an den Wänden hängen, ist doch nur Die Bühne erleuchtet, das Publikum bleibt im Dun­keln. Dieß erhöht das Pittoreske der Scene. Die fun­kelnden Gestirne des Firmaments schimmern mit Hellem Glanz am Himmel im tiefen, unbewölkten Blau; die wilde Vegetation, deren Saamen durch die Vögel und Winde auf dcn^ zerbröckelnden Mauern gesäet worden, wird von den Seelüften hin und her geweht; die ver­schiedenen Lprachen und Kostüme der einzelnen Gruppen, die aus Engländern, Amerikanern, Franzosen, Deutschen, Spaniern, Indianern, Negern und Eingebornen der weit entfernten Inseln bestehen die mürrischen und grotesken Gesichter der Heiligen und Märtyrer, aus der'phanta­stischen Einbildungskraft irgend eines finsteren Enthusiasten in längst vergangenen Zeiten entsprungen, welche ernsten Blickes auf die Entweihung ihres Heiligthums herabstieren alles dieses erscheint in lebendigem Kontrast mit den glänzenden Lichtern und Farben der Schaubühne, den schimmernden Anzügen, dem lebhaften Spiel und dem

munteren Dialog des Stückes und bietet ein höchst roman­tisches und interessantes Bild dar. Man versetzt sich dabei in Gedanken in die so verschiedenartigen Scenen zurück, die einst in dieser Kirche am Meeresgestade statt­finden mochten, wo die bleichen Nonnen längs den hallen­den Korridoren einherschritten, um ihren feierlichen Abend- gesang anzustimmen. Aber diese Zeiten sind vorüber, und nun horch dem munteren Bolero! Nach dem Beifall zu urtheilen , womit man die Vorstellungen auf­nimmt, müßten wir sie vortrefflich nennen; würden wir jedoch den Maßstab anlegen, der an anderen Bühnen sanctionirt ist, so fürchten wir, daß die Bühnendichter und Schauspieler desTeatro" in Panama zicinlich man­gelhaft befunden werden dürften. Sie sind indeß lebhaft und natürlich, und da das Personal seine Rollen mei­stens gut einstudirt hat, so erscheint es in den leichteren Dramatischen Stücken in recht vortheilhaftem Licht. Ob­gleich wir Manches bemerkten , was uns an die Theater Der Heimath erinnerte, als das Geplauder zwischen den Aufzügen, die lärmenden Bitten der Außenstehenden um Contremarken, sobald Jemand herauskömmt, die Büffets, um welche sich eine hungrige Schaar drängte so gab es doch andere Erscheinungen von sehr verschiedener Art. In dem Hause selbst ist hier keine Abtheilung : Vornehm und Gering, Schwarz und Weiß, Jung und Alt, der halbnackte Lepero und der zierliche Caballero sitzen alle beisammen unter einander gemengt, wie Kraut und Rü­ben. Die Annehmlichkeit dieser Einrichtung wird keines- weges dadurch verbessert, daß von Vielen während der ganzen Vorstellung geraucht wird. Bei dem Allen wüßten wir indeß nicht, wie ein Abend in Panama hingebracht werden kann, als wenn man einer Vorstellung der spa­nischen dramatischen Gesellschaft beiwohnt."

Noch einige Worte in Detreff -cs Koncertes des Fräulein Wilhelmine Clauß.

Das am 25. v. M. Statt gehabte Koncert der aus­gezeichneten Pianistin Fräulein Wilhelmine Clauß, auf welches wiederholt in diesen Blättern hingewiesen wurde, hat in der That den hiesigen Kunstfreunden einen seltenen lind hoben musikalischen Genuß gewährt, dessen sie sich noch lange mit freudigstem Danke gegen die lie­benswürdige Künstlerin erinnern werden. Die Tonwerke, durch deren Vortrag Fräulein Clauß einem größeren