154 —
befinden. *) „Um eine Idee von bent Umfang und der Mannigfaltigkeit seines Inhalts zu geben", schreibt der „Globc", „bemerken wir, daß Preußen, Oesterreich , Ungarn, Baiern, Sachsen, Serbien, Steiermark (eine sonderbare Reihenfolge!), Tyrol, Hannover, Braunschweig, Italien rc. zu den von der Verfasserin durchreisten Ländern gehören. Die ausgezeichneten Personen aufzuzählen, mit welchen sie in Berührung kam oder über welche sie Anekdoten erzählt, wäre unmöglich: die Liste derselben schließt Namen ein, wie die des Kaisers von Rußland und des Kaisers von Oesterreich, der Könige von Preußen, Hannover, Baiern und Württemberg, des Grafen von Chambord (Heinrich V.), der Königinnen von Baiern und von Preußen, der Kaiserin-Mutter von Oesterreich, des Großherzogs von Baden, der Erzherzoge Johann, Franz und Stefan von Oesterreich, des Herzogs Wilhelm von Braunschweig, des Prinzen von Preußen, des Prinzen Johann von Sachsen, der Gräfin Batthyanyi, Madame Kossuth :c. Unter den Staatsmännern, Feldherren und Haupttheilnehmcrn an den revolutionären Bewegungen begegnen wir Radowitz, Schwarzenberg, Bekk, Esterhazy, dem Ban Jellachich, Windischgrätz, Radetzky, Weiden, Haynau, Wrangel, Pillersdorf, Kossuth, Blum, Görgey, Batthyanyi, Pulszky, Klapka, Bem, Dembinski, Hecker, Struve re." Wenn diese etwas zu sehr nach einem Puff schmeckende Anzeige nur einige Körnlein Wahrheit enthält, so muß das Werk in der That von hohem Interesse sein und dürfen wir daher — wenn anders die Prefipolizei nicht dazwischen tritt — mit nächstem einer deutschen Ucbersetzung entgegensetzen. Gutzkow hat sich entschlossen, das Drama, von dem er unter dem Titel „Gräfin Ester" in dem vierten Band seiner vermischten Schriften, der die Separatausschrieft „Vor- und Nachmärzliches" führt, Bruchstücke mittheilt, bei gelegener Zeit zu vollenden. Es geschieht dies hauptsächlich auf das Drängen seiner literarischen Freunde, des Stutt- garter Intendanten, des Baron v. Gall, der ein neues Stück von ihm haben will, und der Dresdener Künstle- rin Antonie Wilhelmi zu gefallen, die sich für Vie Titelrolle begeistert fühlt und auch wohl geeignet sein dürfte, sie vortrefflich darzustellcn.
* Wien. Am 12. d. M. wurde im Burgtheater zum ersten Male „Ein deutsches Dichterleben" Schauspiel in 5 Ausz., von S. H. Mosenthal aufgeführt. Das „Fremdcn-Blatt" von Aug. Heine berichtet darüber: „Es wirkt höchst wohlthuend , endlich einmal ein Werk zu sehen, daß nid)t das Gepräge der traurigen Zeitwir- ren trägt, sondern echte Poesie und wahres, innerliches Gemüth zur Anschauung bringt. Der Verfasser schildert das Leben Bürgers mit seinen Freuden und Leiden, seinen 'dichterischen unb gemüthlichen Momenten meisterhaft und mit poetischer Wahrheit, und entwickelte dabei eine ganze Fülle von herrlichen Ideen. Das Stück ist außer
*) Kürzlich erschien auch in französischer Sprache unter dem Namen Blaze te Burv eine Schrift über ein Zusammentreffen mit teilt Grafen von Chamöerd in Bcnedig.
dem reich an interessanten Situationen und überraschenden Effekten. Die Aufnahme von Seiten des Publikums war entschieden günstig, der Beifall rauschend, und der Dichter wurde nach jedem Akte — nach den dritten zweimal — gerufen. Wir stimmen mit Freuden in dieses Lob ein, und müssen hem Verfasser zu seinem echt deutschen Werte, das sich auch durch eine gediegene, edle Sprache auszeichnet, vom Herzen gratuliren. Das Haus war gedrängt voll."
Ein Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung schreibt über diese Aufführung: „Mehr als das Geschick Bürgers und Mollys habe das effektvoll entrollte Bild jener für Deutschlands kulturhistorischen Aufschwung so wichtigen Zeit ergriffen, wie cs sich in den Gruppen des Göttingers „Hainbundes", in der salbungsvollen Weichheit des Poctenbeschützers „Vater Gleim", ja selbst in der zur Anschauung gebrachten Wirkung der Bürgerschen Balladen auf das Volk darftellte. Der eigentlich nationale Theil des Drama sei von dem Wiener Publikum in einer Weise begrüßt worden, daß der Applaus wie eine Ehrensalve für jene unzerstörbare deutsche Einheit klang, die uns, so weit unsere Zunge reicht, in jeder Manifestation deutschen Geistes und nationaler Bildung die Antwort auf Arndts vielgcsungene Frage finden läßt."
* Newyork. Jenny Lind ist hier enthusiastisch empfangen worden. Der Telegraph verkündigte ihre Ankunft. Auf dem Kai war ein Triumphbogen errichtet; die akklamirende Volksmenge war ungeheuer und das Gedränge so groß, daß mehrere Freunde der Sängerin ins Wasser geworfen wurden. Der Wagen konnte kaum vorwärts, und endlich am Hotel angekommen, hatte Jenny Lind die größte Mühe auszusteigen. Dann hatte sic bis 2 Uhr in der Nacht Serenaden zu empfangen.
Ein Großdeutscher. Der neuerdings in Kassel genannte Wilh. Obermüller aus Karlsruhe war im Jahre 1831 Student in Freiburg, dann Flüchtling in Straßburg. 1833 wurde er am 3. April bei dem Frankfurter Attentat gefangen. 1834 machte er einen Fluchtversuch , wurde aber in einem Versteck wiedergefunden. Später amnestirt, tauchte er 1848 in der politischen Welt wieder mit sehr radikalen Ansichten auf, die einen nachmärzlichm Bundcstagsgesandcn, der den alten Bekannten nicht verleugnete, mitunter verlegen machten. Im Winter 1848—49 bot er sich schon Römer an, um ein würtembergisches Regierungsorgan zu gründen. 1849 im Frühjahr akquirirte er mit österreichischem Gelde von K. Jürgens die „Flugblätter" und trat darin gleich so kraß auf, daß der großdeutsche Hr. Jürgens sich doch seiner zu schämen schien und eine seine Verbindung mit Obermüller negirenbe Erklärung erließ. Die „Frankfurter Zeitung", in welche dann die „Flugblätter" umgewandelt wurden, hatte nur ein kurzes Leben. 1850 sehen wir Hrn. O., mit Hassenpflug verbündet, den Versuch machen, eine Zeitung in Kassel zu gründen, der aber scheitert, weil — Niemand sie drucken will.
BeraMwortli'cher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck von Fr. Scheel in Kassel.