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uns Oregon ausbrach, immer verwickelter unc Balo blutig zu werden schien, da übernahm Burnt Cie Mission, die Frage auf gütlichem Wege zur Entscheivung zu bringen. Er ging nach England, durchwanderte dieses Land zu Fuß, bald in Meetings, bald in öffentlichen Lokalen, selbst auf der Straße Frieden predigend. Es gelang ihm, eine von 20,000 Frauen unterzeichnete Petition zu Stande zu bringen, und soll diese hauptsächlich dazu beigetragen haben, daß die schwebende Frage zur Zufriedenheit beider Theile gelöst wurde. (?) Der treue Begleiter Burrits ist Henri Richard, Schriftführer des Londoner Friedenskongreß-Ausschusses. Beide Vorkämpfer des Friedens, wenn uns dieser Ausdruck erlaubt ist, sind jetzt von einer Reise durch Deutschland zurückgelehrt und bringen aus allen Theilen des Vaterlandes Versicherungen der lebhaftesten Sympathien mir. Ist auch jetzt noch nicht die Zeit gekommen, welche Iesaias Kap. 2, 2. als die letzte bezeichnet, so werden doch die reinen Absichten zur Läuterung der getrübten Verhältnisse beitragen. (D. Z.)
* Am 5. August Abends, bei Abgang des letzten Zuges von Hamm nach Münster, . fand ganz in der Nähe des Bahnhofes ein höchst trauriges Ereigniß Statt.' Nachdem der Zug eben sich in Bewegung gesetzt hatte, bemerkte der Maschinist, etwa 20 Schritte entfernt,, eine anständig gekleidete junge Dame, die, den Hut von sich werfend, sich auf die Schienen stürzte, augenscheinlich in der Absicht, ihrem Leben ein Ende zu machen. Der Maschinist gab sofort das Haltsignal und bewirkte, indem also gleich gebremst wurde, mittels Anwendung des Gegendampfes auch ein fast augenblickliches Stillstehen des Zuges. Dach gelang die Rettung der Unglücklichen nicht vollständig, da sie, von der Stange der Schneeräumer gefaßt, wieder auf die Schienen geschleudert wurde, wobei das eine Bein von der Lokomotive überfahren, das ankere von der Bremse drei Mal gebrochen und der Hüftknochen gänzlich zersplittert wurde. Die Amputation beider Beine wird nothwendig werden — und schwebt das Leben der gräßlich Verstümmelten in höchster Gefahr. Ueber die Motive, welche die Unglückliche zu einem so verzweifelten Entschlusse gebracht baben sollen, laufen verschiedene Gerüchte, die wir hier nicht wiederholen wollen, welche aber, wenn sie wahr wären, leicht zu einer gerichtlichen Untersuchung die Veranlassnng geben könnten.
* Göthe's Faust wurde vor einigen Tagen in Verona von einer italienischen Schauspielergesellschaft aufgeführt und mit Gelächter ausgenommen.
Kassel.
Theater.
Don Carlos. (Vorstellung am 10. August. Schluß. S. vor. Unterhaltungsblatt.) Don Carlos ist deshalb auch eines von den Stücken, für welches die deutsche Bühne sich einen ihrer inneren Natur zusagenden Styl der Darstellung schaffen konnte. Es konnte in allen Rollen das tiefere rcinmensch- lichc Element ohne Rücksicht auf unterschiedliche Physiognomik aus Bet nationalen Anlage und den unmittelbar daraus sich darstel
lenden individuellen Richtungen und Fähigkeiten der Kunstler ge bildet /und selbst die rednerischen und sentenziösen Neigungen, welche Schiller immer eigen waren und welche hier besonders hcrvorircten, könnten Befriedigung finden. Das ist auch geschehen. Wir haben für Don Carlos Vorbilder, Traditionen, welche nicht unterbrochen sind, und denen Anlage, Lust und Geschick häufiger als andere Aufgaben entsprechen. Indeß dürfen die Künstler doch in dieser Beziehung keinen Gewohnheiten und keinem Sichgehenlasscn zu sehr sich hingeben; sie müssen der Tragödie Leben und Bedeu tung erhalten und an diese sich hinaufschwingen, statt dieselbe in die Niederung nusgefahrcncr Geleise hinabzuziehen. — In dieser Vorstellung ist Hrn. Gabillon der Don Carlos zngcfaUen Diesen Schauspieler, begünstigt ein volltönendes, obwohl durch einige Schwierigkeiten der Mitlauter in seinen Wirkungen zuweilen gehemm tes Organ und eine seinen Absichten wohl unterworfene Darstcl lungskraft. Sein Carlos konnte nicht ohne vielen verdienten Beifall bleiben. Indeß muß ich doch aufmerksam darauf machen, daß eö für Carlos, um daraus eine wirkliche Person, statt eines fast unpersönlichen Trägers gewisser Situationen zu machen, nur drei Wege gibt. Entweder den Jnfantcn von Spanien zu spielen , was der Produktion immer eine gewisse Hoheit, einen Stolz edlen Bewußtseins und großen Berufs gibt; oder das bloße, freie, des Zwangs sich erwehrende Naturell eines nach eigener Emancipation ringenden, gegen die Verhältnisse, die ihn umgeben, empörten und zugleich im Herzen an einer tiefen Wunde Unglück kicher Leidenschaft verblutenden Jünglings ; oder endlich, in höherer Stufe, die Bereinigung von beiden. Dabei muß aber alles Well- schmerzige, Schönthuerische und Schulrcdnerische sorgfältig vermieden werden. Bei der Scene mit der Eboli vermißten wir die gesteigerte Gemüthsstimmung, welche allein eine gewisse nachmals sich zeigende Härte erklären und ihr den Anflug von Siohheit benehmen konnte.— Der König wurde von Hrn. Kaibel so gut gegeben, als dieser fleißige Künstler cs bei seinem Mangel an der (für gewisse ihm häufig zu Theil werdende Rollen unerläßlichen) scharfen und schneidenden Kälte des Gemüths bei brennender In tention zu thun vermag. Er hat der Majestät Nichts vergeben, und wohl nur mehr Gefühl in diese Rolle gebracht, als ihr gut that. Er faßte ihn auch wohl viel zu viel zu alt auf und hätte der Physiognomie auch die „mephistophelisch« in , die Höhe gezogenen Spitzen des KncbelbartS ersparen können. Beiläufig wollen wir für die Künstler, denen diese Rolle zufällt, bemerken, daß Philipp, als er die Elisabeth heiratbete (1559), 32, und beim Tode des Don Carlos (1568) erst 41 Jahre alt, sein graues Haar aber ein vor der Zeit cingctreteneS war.—Hr. Bolz mann hat den Posa gewiß meisterhaft in Abstufung, Kombination und Wirkung des Gefühls, des Affekts der Motive und der Handlung gegeben. Indeß würde diese Rolle ungleich an Wahrheit und Wirkung gewinnen, wenn der Ritter überhaupt mehr als Ritter, großär tiger und großer Dinge gewohnter Abenteurer, denn als Ge lehrter sich handhabte, was dnrch eine gewisse Einfach heit, Leichtigkeit und Uebcrschwebnng der meisten Situationen zu erreichen wäre. Ganz vortrefflich war seine Scene mit der Eboli; nicht minder lobenswcrth die letzte mit der Königin.— Die Prinzessin Eboli war bei Fräul. Thate in den besten Händen. Man konnte nicht geistreicher die Klippen der berühmten Stell di'chcin-Scene umschiffen , als es durch sie geschehen ist. — Wir können auch dem Frl. Lemke für ihre Elisabeth Lobsprüche er theilen; die offenbare Schüchternheit und Ergriffenheit, womit sie diese Aufgabe erledigte, hat ihr nicht geschadet; cs war darin Etwas von dem Reiz der siebenten Schönheit, welchen Zeuris ungern an dem Bilde vermißte, zu welchem sechs ihm die Muster waren.—Den Herzog von Alba hat Hr. Franke wohl mehr noch als der Dichter vcrschwinocn gemacht, und wenn wir im Eingang angebeutet haben, daß man es in diesem Stücke mit der Etikette so genau nicht nehmen darf, so hat der Herzog doch nach der Heransfordcrungs-Scene die Gegenwart der Königin mehr als ihm erlaubt sein durfte, ignorirt. Die übrigen Rollen sind Theils an sich unbedeutend, Theils nicht bedeutend gegeben worden. Das Zusammenspiel, einer der besonderen Vorzüge unserer Bühne, mußte auch heute dankbar wahrgenommen werden.
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck von Fr. Scheel in Kassel.