Einzelbild herunterladen
 

118 —

damit die Zukunft übergeben ist — dann könnte Nie­mand in Hoffnung sagen: noch ist Bremen nicht ver­loren." — (Hoffentlich hat der Verfasser zu trüb ge­sehen; das auch von der W. Z. bekämpfte radikale Schulgesetz ist bekanntlich trotz der Warnung zweier bewährter Schulmänner Bremens angenommen wor­den.)

„Wollen wir denn gar nichts Gutes lernen von dem Volke, von dem wir zu unserm Schaden so viel Schlechtes gelernt haben? Woher kommt cs denn, daß in Frankreich der Abgrund der Revolution nicht kann geschlossen werden, daß die Regierung unaufhörlich Schildwache stehen muß? Es kommt hauptsächlich von den Staatsschulen, in denen die Kinder, ihrer ewigen Bestimmung entzogen, zu Staatsbürgern dressirt wer­den. Warum opponirt die ganze sociale Partei in Frankreich gegen das neue vom Ministerium vorgelegte Schulgesetz? Weil sie weiß, daß mit der neuen Staats­schule die Wiege der Revolution zerstört wird, und warum vereinigten sich alle andern Parteien, die noch ein menschliches Dasein wollen, für das Gesetz? Weil sie wissen, daß mit der reinen Staatsschule der Staat nicht bestehen kann. — In welche Kämpfe würde von Jugend auf das zarte Herz des Kindes hineingerissen, wenn es in der Schule und im Haus in zwei verschiedenen Welten leben müßte, wo in der einen immer zerstört wird, was die andere gebaut hat, und wo am Ende immer doch die Schule (?) den Sieg davontragen würde!" — „Und womit hat man gegen die immer vorschreitende Macht der Revolution bisher gekämpft? Fast nur mit der in solchen Kämpfen nie siegreichen Waffe der Intelligenz. Ich will diese Waffe sonst nicht verwerfen und freue mich über die Männer, die bisher wenn auch nur mit ihr so tapfer gekämpft haben. Aber es ist doch sonderbar, daß man so viel erfährt und so wenig lernt! Hat es denn je in dem Lande der Revolution an Intelligenz gefehlt? Haben dort nicht eine Menge der ausgezeichnetsten Männer mit den durch die Wissenschaft geschärften Waffen des Geistes gegen den Unsinn und das Unrecht der Revolution und ihre Forderungen einen Helden gezeugt? Aber wo hat je das Wort der Einsicht, der Erfahrung, der Weisheit die Leidenschaften gebändigt? Eine einzige Phrase, die es versteht, die Begierden zu entzünden, die in der Tiese des Volkes liegen, wirft die Intelligenz der Weisen der ganzen Welt über den Haufen. Was helfen die klassischen Schriften Guizot's, was vermögen die herrlichsten Reden Thiers' gegen eine einzige jener gotteslästerlichen Phrasen, welche

Proudhon aus seinem Gefängniß heraus unter das Volk wirft!" —

„Es muß ein ernster Kampf gekämpft werden und wir können den Feind außer uns nicht besiegen, so­lange wir in uns mit ihm im Bund leben. Wir müssen die Revolution überwinden in unserm eignen Herzen, dann werden wir sie siegreich bekämpfen kön­nen, wo sie uns begegnet. Die Revolution ist aber nichts Anderes als der Unglaube auf dem Gebiete des Staates, den wir einst willkommen hießen auf dem Gebiet der Kirche, es ist nichts Anderes, als die von listigen Führern auf einen Punkt gerichtete Gottlosigkeit des Volkes, das von oben herab wieder gebessert, ge­reinigt und mit der Wahrheit erleuchtet werden muß, wie es von- oben herab verdorben und in die Lüge versenkt worden ist." — Das klingt allerdings fast wie eine Predigt, aber es ist eine politische Predigt im höhern Styl, im Prophetenton. Möchte sie nicht für taube Ohren gehalten sein! —

Als Pastor Dülon in seiner Schrift „Vom Kampf um Völkerfreiheit", die vor ungefähr 2 Jahren er­schienen ist, in das Tagesgeschrei einstimmend sich die plumpsten Ausfälle gegen den König von Preußen er­laubt hatte, da traten Bremens Geistliche zusammen und beauftragten Mallet mit Abfassung einer Adresse an den Fürsten, welche die geschlagene Wunde heilen sollte. Ich glaube keinen Raub zu begehen, wenn ich einige Stellen aus diesem Schreiben mittheile, dessen Eristenz noch nicht einmal zur öffentlichen Kunde gelangt ist. Weiterhin wird unter anderm gesagt: „Wir wissen zwar, daß Ew. Majestät in der Leidens­schule geübt und unter der Trübsal gesalbt mit dem himmlischen Freudenöle, unsres Zuspruchs nicht bedarf; aber auch eines solchen Königs Herz bleibt ein Men­schenherz, dem der Haß wehe und die Liebe wohl thut ; und es kommen Stunden, wo der Haß der Menschen uns überwältigt wie ein gewappneter Mann, aber auch solche, wo die Liebe der Menschen uns überrascht wie ein freundlicher Bote vom König der Könige gesandt, der uns mitten in den Stürmen des Erdcnlebens seinen himmlischen Gruß: Friede sei mit dir! in das bewegte Herz, in die müde Seele rnft." Doch die Hauptstelle dieses zwar schon vor Jahresfrist an den König gerichteten und von ihm natürlich fehr- dankbar aufgenommenen Troftschreibens, welche auch für die unmittelbare Gegenwart besonders beziehungs­reich ist und die ich dem Sohn der Königin Luise gerade jetzt in's Gedächtniß zurückrufen möchte, wo man durch Einschüchterungsversuche und Intriguen