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seinem verhaßten Nebenbuhler das Spiel zu verderben, fehlt uns das Verständniß. War Görgey ein großer Feldherr und die ungarische Armee dazu stark genug, er hätte seinen Stolz und seine Rache an Kossuth nicht glänzender befriedigen können, als wenn er die Heere der beiden Großmächte aus dem Lande geschlagen. Jede gewonnene Schlacht machte ihn in den Augen der Magyaren größer und Kossuth kleiner, und ein Ehrgeiziger sollte die schöne Gelegenheit versäumen, Waffenthaten zu vollführen, wie sie von Marengo nicht wieder erlebt worden sind? Aber freilich, es ist für den nationalen Patriotismus tröstlicher an einen — und noch dazu deutsch-ungarischen — Verräther zu glauben, als einzugestehen, daß die magyarische Armee dem doppelten Feind unterlegen sei. Armer Görgey! Wäre der Säbelhieb bei Acs tiefer gegangen, man sänge vielleicht schon jetzt von dir im Balladen- ton, und trommelte noch nach einem Jahrhundert begeisternden Marsch nach deinem Namen so gut wie nach Rakkocys. (W. Z.) '
Seebad Wangeroge.
Gewiß mit Unrecht ist diese Insel mit ihren vortrefflichen Seebädern der leidenden Menschheit noch so wenig bekannt, ihr Ruf weit weniger verbreitet, als sie es verdient; denn hinsichtlich der Zweckmäßigkeit, Bequemlichkeit und Eleganz der Badeeinrichtung, des zwanglosen geselligen Verkehrs, des sorgfältigen Entgegenkommens von Seite der Badekommission, so wie der Billigkeit aller Lebensbedürfnisse gebührt ihr unbestritten der Vorzug vor ihren Schwesterinseln. Eine kurze Schilderung derselben und des Aufenthaltes auf ihr mag dieses Urtheil bestätigen. — Wangeroge liegt von der oldenburgischen Küste ungefähr anderthalb Stunden entfernt, von der es durch den Wad getrennt ist, welches, durch die Dünenreihe der Insel gegen die heftigen Nord- und Ostwinde geschützt, bei stürmischem Meere den Hafen und eine Zufluchtsstätte zahlreichen Schiffe bildet, zu denen man zur Zeit der Ebbe trocknen Fußes gelangen kann. Die Verbindung mit dem Festlande ist durch ein täglich nach der Fridrikschleuße segelndes Postschiff, durch das wöchentlich zwei Mal anlangende bremer Dampfboot und durch das wöchentlich ein Mal ankommende Hamburger Packetboot ununterbrochen hergestcllt ; die Ueberfahrtstare mit dem Postschiffe für eine Person incl. des Gepäckes beträgt 10 Sgr. — Die Insel selbst bildet bei hoher Fluth eine trockene Fläche von Süd nach Nord von circa
10 Minuten und von Ost nach West circa einer Stunde, die sich aber zur Ebbezeit bisweilen vervierfacht. Und da bietet sich dann nach Osten hin der Anblick einer unabsehbaren Sandwüste, deren Grabesstille nur durch das ferne dumpfe Rauschen des Meeres und durch das Geschrei der Seevögel unterbrochen wird. Den noch herrschenden Sagen nach batte die Insel vor einigen Jahrhunderten einen Flächeninhalt von mehreren □ teilen, an der nördlichen Küste fünf Dörfer und der Hauptort Wangeroge einige große feste Gebäude, darunter eine große massive Kirche mit zwei Thürmen , welche sämmtlich Theils vom Meere weggespült und in Sand vergraben, Theils in den kriegerischen Zeiten des vorigen Jahrhunderts von den Holländern und Franzosen zerstört wurden. Diese Sagen finden ihre Bestätigung in dem Umstande, daß noch von Zeit zu Zeit bei hoher Fluth und Sturm Hunderte von gebrannten Lehmsteinen, mehrfach noch mit Mörtel zusammengefügt, von den Wogen an Strand geworfen werden. Das gegenwärtige Dorf Wangeroge, welches auf der höchsten Sandfläche am westlichen Theile des Eilandes sich ausbreitet, besteht außer den weitläufigen im eleganten Stil ausgeführten Baulichkeiten der beiden Logirhäuser — 80 komfortable eingerichtete Stuben enthaltend, sowie die Konver- sations- und Speisesäle — aus 50 Häusern, die fast sämmtlich nach einem und demselben Plan aus gebrannten Lehmsteinen gebaut und mit Ziegeln gedeckt sind. Diese Häuser stehen isolirt, ohne Symmetrie, jedes von einem sogenannten Gärtchen von der kläglichsten Vegetation umgeben, und enthalten in der Regel im Erdgeschosse drei, zur Aufnahme von Badegästen wohl eingerichtete und sehr reinlich gehaltene Stuben, und eine Küche, welche zur Zeit der Saison mit einer Bodenkammer den Aufenthaltsort des Hauseigenthümers mit seiner Familie bildet. Der Preis für eine solche Stube richtet sich nach Maßgabe der eleganteren Möblirung, der Anwesenheit eines Sophas, der Aussicht nach dem Meere u. dergl., und beträgt wöchentlich von 1 Thlr. 20 Sgr. bis 4 Thlr., wobei die vollständige Bedienung und täglich zweimalige Verabreichung heißen Wassers zu Thee oder Kaffe mitinbegriffen ist; der Miethprcis der Stuben in den herrschaftlichen Logirhäusern variirt von 2 bis 7 Thlr. Mitten im Dorfe erhebt sich ein viereckiger Thurm von 200 Fuß Höhe mit zwei Seiten- und einer hohen Mittelspitze. In diesem Thurme befindet sich eine Treppe hoch die Kirche, darüber Magazine zur Aufbewahrung des Strandgutes, und im Erdgeschosse Remisen und Eis-