Unter Haltungsblatt
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M 28. Sonntag, den M> Jntt. 185O*
Arthur Vö'rgey.
Ein Beitrag zur Geschichte der ungarischen Revolution, von I. F. Horn, ungarischem Feldpater.
Schon in der Einleitung zu dem kleinen Buch zeigt der Verfasser, daß jeder Blutstropfen in ihm magyarisch ist, sein nationaler Zorn gegen die „finstere That" von Vilagos macht ihn beredt in jeder Zeile, ja er wird von dem Uebermaß des einen Gefühls so weit fortgerissen, daß er im Jahr 1850 noch behauptet, die Waffenstreckung Görgey's sei nur das „Ende des Anfangs" der ungarischen Revolution gewesen. Dennoch bemerkt man gleichzeitig ein gewissenhaftes Streben, die Ereignisse nur gegenständlich zu geben und reden zu lassen , die Wahrheitsliebe des Verfassers duldet nicht die lapidaren Lügen in den magyarischen Bulletins, er gesteht ohne Zögern, daß Görgey bei Zsigrad und Pered geschlagen wurde, und von der zweitägigen Kanonade I bei Kapolna, welche seiner Zeit von der Mehrzahl der deutschen Blätter als eine vollständige Niederlage der Kaiserlichen geschildert ward, behauptet der Versasser nur, daß die Ungarn „nicht geschlagen" wurden, den „rechten Moment zum Siegen aber verscherzt" hätten. Ein magyarischer Schriftsteller, welcher sich zu dieser Aufrichtigkeit erhebt, verdient das Zutrauen des Lesers, das unbedingte, wo er Nachteiliges gegen Männer seiner Sympathie aussagt.
Görgey wird uns nun vom Knabenalter genau geschildert. Am 5 Febr. 1818 in Topporz in der Zips geboren, gehört er einer altadeligen deutschungarischen Familie von beschränkten Vermogensverhältnissen an. Die Mutter erzieht die Kinder nach Salzmann zur Gleichgültigkeit gegen alle Härten der Witterung, duldet keine Schutzmittel gegen die Kälte, keine Mütze, kein Halstuch, keine Strümpfe in den Schuhen. Solche Mütter, welche streng und sorgfältig erziehen, erwecken gar leicht einen gewissen absondernden Stolz in den Kindern. Ausgezeichnet auf der Kriegsschule, später als Officier ohne Umgang mit seinen Kamera
den, quittirt Görgey plötzlich, um in Prag Chemie zu studiren, ohne daß er dazu die geringsten Vorkenntnisse mitgebracht hätte. Dies geschieht im Augenblick, wo er zum Rittmeister vorrücken soll. Aus dem chemischen Laboratorium, wo er sich bald genug auszeichnete, trieb es ihn in den ungarischen Krieg. Seine dortige Laufbahn ist bekannt.--Es ist von Interesse, wie das Buch wiederholt auf eine Seite seines Charakters Nachdruck legt: auf die Geringschätzungen der günstigen oder ungünstigen Urtheile der Gesellschaft und der Welt, eine immer sich bewußte und sehr verletzend sich äußernde Ueberlegenheit gegen untergeordnete Men- schen. Dieser Zug macht den ehemaligen Diktator ost zum Epigrammatiker. Als ihn sein Vorgesetzter, der ungeschickte Moritz Perczel, wegen seines glücklichen Manövers bei Ozora an der Sio recht ehren will und dem Major Görgey einige schöne Gewehre übersendet, verschenkt sie dieser an seinen Diener. Ebenso schickte er nach der Erstürmung Ofens Orden und Titel dem debrcczincr Parlament zurück, wie der Verfasser meint, weil in den Augen Görgey's die That zu groß für eine Belohnung von jener Seite gewesen. Ein beständig wiederkehrender Zug in dem etwas abenteuerlichen Mann ist seine Ritterlichkeit. Unbekümmert um den Tadel nationaler Gehässigkeit, läßt Görgey bei Waitzen den tapfern General mit höchsten militärischen Ehren bestatten. Auch wehrt unser Ver- sasser sehr ernsthaft den Verdacht ab, als sey Görgey so gemein und niedrig gewesen das Schicksal Unaarns zu „verschachern", es seyen ja acht Monate seit der „Katastrophe" vergangen, und ihm kein anderer Ver- rätherlohn geworden denn als halber Gefangener in Klagenfurt bewacht seine chemischen Studien fortzusetzen, und außerdem von einem Halsprocesse durch die Erben des unglücklichen Grafen Eödön Zichy bedroht zu werden. Gerade diese kriegsgerichtliche Vollstreckung an dem Magnaten auf der Insel Csepel am 30. Sept. 1848 wird von dem Verfasser als die Thal bezeichnet, womit Görgey zuerst zu einem Namen kam. Die kaltblütige Kühnheit des einfachen Majors habe der Revolution mit dem Bewußtsein eines Verbre-