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Unterhaltnngsblatt

Mr UMM HeMfchm ZÄtARg.

M 2« Sonntag, den 30. Juni. 1850.

Wer mißglückte Zug nach Cuba.

New-Iork, 28. Mai. Cuba ist vor seinen Be­freiern glücklich gerettet! Ein ganz kleines Stück Welt­geschichte zwar, aber doch charakteristisch und für die weitere Zukunft des Freiheitsimportationsgeschäfts, wenigstens in unserer Hemisphäre, sehr bezeichnend. Seit vierzehn Tagen bereits gaben uns die Zeitun­gen Nachrichten von den großen Expeditionen, welche unter General Lopez und unter General Quitman dem Gouverneur von Mississippi zur angeblichen Befreiung von Cuba insgeheim ausgerüstet worden und bereits abgegangen seien. Der New-Iorker Sun, das verbreitetste Pennyblatt, welches seinen Lesern so gern angenehme Neuigkeiten im Rinaldo - Rinaldini-Stil auftischt, nahm die Backen besonders voll, und zer­schmetterte im voraus jeden monarchischen Widerstand gegen die natürlich edelsten aller Freiheitskäm­pfer. Die cubanische Fahne (von dem Herald, mit Bezug auf einen jetzt in vielfachen Untersuchungen wegen Schwindeleien und Fälschungen verwickelten Genius, witzig derone eyed Thomson genannt) wehete vom Gebäude des Sun herab, und überall war man der Erwartung voll. Da kam am 24. Nachmittags die Ohio" von Chagres über Havana an, und brachte die Nachricht der siegreichen Landung des Generals Lopez in Cardenas und seines muthmaßlichen Marsches nach Matanzas und Havanna. Selten ist ein Diminutiv­sieg so ausgebeutet worden wie diese Landung von dem New-Iork Sun und den sogenannten kubanischen Patrioten. Tausende von Extrablättern waren sofort in der Stadt verbreitet worden, man improvisirte noch am selbigen Abend einen Umzug mit übligen Hurrah's, Reden und anderem Zubehör, und die Freude dauerte gerade bis zum 25. Nachmittags, wo durch den Tele­graphen von Savannah und Charleston die neuern Nachrichten berichtet wurden, welche durch den Steamer Isabel von Havana dorthin gebracht worden waren. Diese lauteten freilich etwas anders. Lopez war zwar von der Insel Conto» aus mit dem Dampfschiff Creole

nach Cardenas gekommen und hatte daselbst die Lan­dung seiner Truppen bewerkstelligt, allein die fünfzehn Mann Besatzung des Gefängnisses welches man zuerst öffnen wollte und die geringe Besatzung des Stadthauses etwa vierzig Mann wehrten sich so entschieden, daß die dadurch verursachte Mühe dem vermuthlich auf einen andern Empfang rechnenden Befreiungsheer bedeutende Unlust verursachte. Doch begannen dieselben ihr Befreiungswerk wenigstens da­mit, daß sie das Stadthaus verbrannten, die Kasse plünderten und die Eisenbahn nach Mantanzas auf­brachen. Die Einwohner von Cardenas hatten sich zum Theil auf die im Hafen liegenden Schiffe ge­flüchtet, stellten aber sonst den Befreiungsoperationen ebensowenig Hindernisse entgegen als sie dieselben förderten. Doch wurden die letzteren dadurch gehemmt, daß spanische Truppen als zur See und Land her­annahend verkündet wurden, was den ersten Akt des Befreiens so schnell geschlossen zu haben scheint, daß Hr. Lopez nebst seinem Adjutanten, Major Sanchez Jsnagra, in der Stille abzureisen sich genöthigt sah und mit wenigen Abhängern auf dem Steamer Creole nach Key West sich rettete, von wo er auf der Isabel nach Savannah kam. Er überließ sein befreiendes Heer der zarten Sorgfalt der spanischen Gewalthaber, deren Proklamation in unsern Blättern so vielfach verhöhnt worden war, wurde zwar sofort in Savan­nah verhaftet und vor den Vereinigten-Staaten-Rich- ter Nichols gebracht, da aber kein Ankläger gegen ihn auftrat, so wurde er entlassen und hielt kurz darauf den vor seinem Hotel dem City Hotel versam­melten, die nähern Verhältnisse voraussichtlich noch nicht kennenden, also noch immer jubelnden Anwesen­den eine patriotische Rede, worauf er am Morgen des 26. Mai nach Mobile abreiste. Hier in New-Iork haben wir aber das Verfahren des Generals Lopez von einem weniger enthusiastischen Standpunkt aus aufgefaßt, und unser Vereinigte-Staaten-Richter Betts, welcher auf Grund des Neutralitätsgesetzes von 1818 mehrere Verhaftungen darunter die des Heraus­gebers derVerdad", des Sekretärs der Befreiungs-