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Ach, und ein Naturgeweihter Schwinge Dich, ein Wahnbefreitcr

Aus der Mythe Nebelthal

Mit mir auf den Berg der Wahrheit,

Dort hörst Du den Geist der Welt

Durch das All' der Schöpfung rauschen.

Luft und Land und Sternenzelt,

Berg und Wege, Saunt und Halm

Und Dein eig'ner Menschengeist

Wird ein Ton, ein Riesenpsalm.

Bist nun selber ein Gedanke,

Aus der Schöpferkraft Erguß,

Nimmer ein Geschaffner nur,

Der vor'm Schöpfer zittern muß.

Walther erwidert:

Nimm alle Harfen dieser Erde,

Laß' alle Winde sie durchwehen,

Daß d'raus ein einzig Klingen werbe,

Und all' ihr Rauschen muß vergehen,

Jm ew'gen Sterbcseuszerton,

Auf Golgatha vom Gottessohn.

Doch wär' wie Frühlingssonnenlicht

So klar und leuchtend Dein Verstand,

Und zündend wie des Blitzes Brand

Und hättest Du die Demuth nicht

Und wolltest Du mit ries'gem Denken

In dies Geheimniß Dich versenken,

Du hörtest vor verschloff'ner Pforte

Nur unerfaßlich hohe Worte!

Stumm und verschleiert blieb der Gott,

Des ew'gen Räthsels hoher Sinn

Und all' Dein leidiger Gewinn

War Deiner Ohnmacht armer Spott.

Jung Walther wiederholt die Bitte, Ghismonde möge zu Hause bleiben , aber sie hört von der Villa, wo das Fest gegeben wird, Musik und Gesang er­schallen, reißt sich von ihm los und besteigt die Gondel. Er bleibt tief betrübt auf dem Balkon des Schlosses am Comer See zurück, zieht den Trauring vom Finger und wirft ihn in die Wogen.

Der Hochzeittag kommt heran. Zur Kapelle wallt der festliche Brautzug, mit allem Glanze des katholi­schen Ritus umgeben.

Da tritt Herr Walther vor seine schöngeschmückte Braut hin und spricht:

Eh' ins Heiligthuin ich trete, sprich' und woll' eS laut beken­nen,

Kannst Du Christum Deinen Heiland, kannst Du Deinen Gott ihn nennen?

Ghismonde wendet sich finster vom Kreuze; Wal­ther sinkt zu den Füßen des Bischofs nieder.

Der Bischof spricht den Fluch über Ghismonde aus:

Weib vom Glauben abgewichen, Kämpin sonder Schild und Lanze,

Rose duftlos und verblichen, Perle mit crlosch'ncm Glanze.

Walther besteigt sein Roß und reitet zum Schwarz­wald, um Amaranth als seine Braut heimzuholen.

Und in dem stillen Hofe drinnen

Sitzt Amaranth am Herde jetzt,

Im Werkelkleid von grauem Linnen,

D'rum sie die Schürze umgethan,

Und hat den Topf zurechtgesetzt.

Amaranth's Vater, der Sängerritter, vergibt seiner ungetreuen Gemahlin , gerührt vom Glück der Lieben­den. Die Saiten seiner Harfe erklingen zum Zeichen, daß ihr Geist die Vergebung vernommen hat.

Religion und Philosophie stehen in diesem Gedicht feindlich einander gegenüber. Doch soll das nicht sein; erstere scheue keine Prüfung durch Wissenschaft, letztere erkenne, daß ihr ohne Glauben immer die Brücke zu Gott fehlen wird. Ein blinder Glaube erzeugt Fanatismus und Aberglauben; die Philosophie ist ein würdiges Gewand der Religion.

In kurzer Zeit haben nun zwei bedeutende Schöpfungen „Waterloo" und „Amaranth" bekundet, daß die Poesie nicht in den Stürmen 1848 untergegan­gen ist. E.

Vermischtes.

Die Geschichte von dem in Mannheim verschwun­denen österreichischen Osficier erhält nun auch ihre Auflösung. Schulden haben dieses Verschwinden be­wirkt. Wie der O.-P.-A.-Z. geschrieben wird, fanden sich unter dessen zurückgelassenen Papieren dringliche Schreiben ungeduldiger Gläubiger vor, und nach der daraus hervorgehenden Schuldsumme zerfällt die ganze Geschichte in nichts mehr und nichts weniger als Desertion; zwar nicht vor dem Feinde, aber vor Gläu­bigern.

*

Am Jahrestage des Todes der Gräfin Görlitz (14. Juni) hat sich in Darmstadt endlich der Hügel über ihrem Grabe geschlossen. Es wurde der dem Sarge entnommene Schädel der Unglücklichen, wel­cher in dem Processe eine so furchtbare Rolle spielte, von dem Witwer wieder beigesetzt.