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(Des Feindes Zahl — sie dünkt unS wenig —
Ob er mit Sklavenketten droht:
Zieh Du voran, o Roma's König!
Geschworen sei's: Sieg oder Tod!)
Im Jahre 1821, bei der Geburt des Herzogs von Bordeaux, erschien derselbe Dichter an meinem Pult, mit folgender leichten Abänderung der wiederkehrenden Zeilen:
Si, niéditant notre niine,
L’étranger veut nons asservir,
Autour du fils de Caroline
Jurons de vaincre ou de mourir.
(Der Feind mit stolzer Siegcsmiene —
Ob er mit Sklavenketten droht —
Uns führt Dein Sohn, o Karoline:
Geschworen sci's: Sieg oder Tod!)
Die Restauration zeigte sich weniger großmüthig als das Kaiserthum, sie bewilligte dem Verfasser nur 3000 Fr. Langst hatte ich den Dichter und seine Reime vergessen, als, nach der Geburt des Grafen von Paris, jenes immergrüne Gedicht abermals eingereicht ward, mit neuer Anpassung an die Umstände:
Ah! si l’étranger dans sa haine,
Un jour voulait nons asservir,
Autour du noble fils d'llélene
Jurons de vaincre ou de mourir.
(Ob siegsgcwiß der Feind sich wähne,
Ob er mit Sklavenketten droht —
Es führe uns Dein Sohn, Helene:
Geschworen sei's: Sieg oder Tod.)
Dießmal erhielt der Verfasser 2000 Fr. Offenbar waren die Verse schon abgetragen. Endlich — sollte man's glauben? — wenige Tage nach der Februar- Revolution fand sich in meinem Bureau wieder jenes unvergängliche Gedicht, dies Mal mit folgenden Endreimen :
Si l étranger dans sa furie,
Un jour voulait nous asservir,
Sur le sol de notre patrie
Jurons de vaincre ou (Je mourir.
(Der Feind mit feiler Svldncrbaude,
Ob er mit Sklavenketten droht;
Wir kämpfen treu dem Vatcrlandc —
Geschworen sei's Sieg oder Tod!)
Die provisorische Regierung war nichts weniger als reich, sie gewährte dem strebsamen Dichter nur 200 Fr. Im Ganzen hatte sonach diese Salbaderei, geschickt zugerichtet, dem Verfasser 10,200 Fr. eingebracht , und doch will man behaupten, die Dichtkunst werde in unserer Zeit nicht nach Würden belohnt.
(N. Pr. Z.)
Amaranth.
Lyrisch-episches Gedicht von Oskar von Nedwitz. Mainz bei
Kirchheim und Schott. 1849. 8. 300 S.
Dies Gedicht ergreift uns nach stürmevollen politischen Jahren, nach atheistischen erstarrenden Eisgebirgen mit neubelebender Wärme durch Religion, Frühling und Liebe.
Der Held des Gedichts, Jung Walther, ein frommer Ritter, liebt Amaranth, ein in Waldeinsamkeit erblühendes Ritterfräulein, deren Mutter, durch einen Ritter aus Welschland verführt, durch ihren Vater verstoßen wurde. Jung Walther ist durch seines Vaters Wort an eine italienische Fürstin, Ghismonde, gebunden und muß deßhalb seiner Liebe zu Amaranth entsagen. Schöne Naturschilderungen deutscher Waldeinsamkeit und italienischer Naturpracht führen den Gang der Erzählung. Ghismonde, eine reizende Italienerin, ist eine Gestalt der Gegenwart, eine Junghegelia- nerin und emancipirte Frau. Sie fürchtet, daß Walther sie zur Christin machen will, weil der Heiland gesagt habe: Das Weib sei dem Manne unterthänig; dazu will sie sich nicht bequemen. Ein Mal bittet er sie, von einem Jagdzug zu Hause zu bleiben und sie schlägt es ihm ab; ein ander Mal ist sie geschmückt zu einem Feste und erwartet ihn. Als er kommt, verlangt er, daß sie ihren Schmuck ablegen solle, sagend:
Ghismonde, mein fei Deine Zeit!
Wie kannst nach Fremden Du verlangen?
Geh' nicht zum Fest, bezwing' den Streit.
Sie ist über solches Begehren empört und wirft ihm Tyrannei vor. Sic habe ihm Alles gegeben, ihr Liebe, ihre Güter. Er antwortet:
In Gott dem Herrn sollst Du mich lieben,
Ein christlich Herz als cinz'gc Habe
Bring' mir zur cw'gen Hochzeitgabe.
Ghismonde erwidert:
Christlich, Walther, christlich sagst Du?
An dem Götzen hangest Du!
Stecke mit des Geistes Blitze, Deinen alten Tempel an, D’riit auf nachtumhülltem Sitze Seine Geißel schwingt der Wahn, Streif' das Sagenkleid der Kindheit Von der Brust des freien Mannes, Lös' dem Aug' den Staar der Blindheit, Brich die Kraft des alten Bannes, Und zum Bade niedertauchc, Daß vom Staub der Krcuzesasche, Don des Tempelschuttes Rauche Leib' und Herz es rein Dir wasche.