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UNV Enkel der beiden großen Koryphäen deutscher Dichtung hier auf der geweihten Stätte die Hände. Die Fügungen mannichfacher Schicksale und Verhäng­nisse haben die beiden Geschlechter von Weimars Bo­den entführt. Auf der einen Seite waren der älteste Sohn, die älteste Tochter Schillers und die Witwe von Ernst v. Schiller eingeladen; auf der andern Seite Goethe's Schwiegertochter und die beiden Enkel Walther und Wolfgang, welche aus Wien, ihrem jetzigen Aufenthaltsorte, erschienen. Karl v. Schiller ist Oberförster im Würtcmbergischen. Frau v. Glei­chen war unterwegs erkrankt; ihr Mann, schon auf dem Wege hieher, zurückgekehrt. Frau v. Junot war mit Frau v. Goethe bei der Eröffnung zugegen , außer Karl Schiller und den goethe'schen Enkeln. Das ver­schlossene Kästchen ergab den vollständigen Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller. Fertig zum Druck ge­ordnet, soll derselbe nach dem Kodicill Goethe's voll­ständig der Oeffentlichkeit übergeben werden. In-und ausländische Zeitungen werden, ebenfalls nach testa­mentarischer Verfügung des Dichters, zur Konkurrenz auffordern. Die meisten, namentlich die schiller'schen Briefe, sind Autographe. (Europa.)

Mannichfaltigkeiten.

König Robert Bruce, der Wiederhersteller Der schottischen Monarchie, schlief einst bei einer Re- kognoscirung des ihm gegenüberstehenden feindlichen Heeres in einer Scheuer, welche einem ihm zugethanen Landmanne gehörte. Als er früh das Haupt von seinem Strohlager erhob, bemerkte er eine Spinne, die an einem Balken der Decke hinanklimmte. Das Insekt fiel herab, machte aber augenblicklich einen zweiten Versuch, um hinaufzukommen. Dieß zog die Aufmerksamkeit des Helden immer mehr auf sich, der mit Bedauern zusah, wie die Spinne auch das zweite Mal von derselben Höhe herab fiel. Auch ein dritter Versuch fruchtete nicht. So sah der Monarch das Insekt zwölf Mal vergebens dasselbe wiederholen, aber die dreizehnte Anstrengung belohnte endlich den Erfolg. Die Spinne erklimmte die Spitze des Balkens und der König rief, von seinem Lager aufspringend, aus: „Dieses verachtete Insekt hat mich ausdauern gelehrt,

ich will seinem Beispiel folgen. Unterlag ich nicht zwölf Mal der Uebermacht meiner Feinde? Auf einem Gefechte vielleicht noch ruht die Unabhängigkeit des Vaterlandes. Und wenige Tage darauf ward diese Voraussetzung durch den für Schottland glorreichen Ausgang der Schlacht von Bennorouen bestätigt.

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Jenny Lind wird aufs Neue die Bühne betre­ten. Sie hat die Hauptrolle in einer neuen Oper an­genommen, welche in Stockholm zur Hochzeitfeier des Kronprinzen von Schweden mit der Prinzessin Louise von Holland in Scene gehen wird. Der Tert dieser Oper ist von Isidor Jolin, die Musik von Peter Herrmann.

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Em geistreiches Mitglied des Staatenhauses stellt die Geschichte der Union oder des engeren Bundes in folgendem Gleichniß dar: Ein Stutzer bestellt bei einem Schneider ein Paar Beinkleider, die aber recht eng sein müßten. Der Schneider verspricht, die­sem Wunsche nachzukommen. Als er bereits aus der Thür ist, ruft ihm der Stutzer nochmals nach: „Aber recht eng! Wenn ich hinein kommen kann, dann nehme ich sie nicht!" (Kladderadatsch.)

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Die „Speierer Zeitung" erinnert bei Gelegenheit der jüngsten Preßprocesse gegen die „Leuchtkugeln" an folgende Vorfälle aus frühererZeit: Unter Friedrich II. begann ein Fiskalproceß gegen einen alten Bücher- Trödler, weil er eine Schrift unter dem Titel: „Der gierige Hund", verkaufte. Damit, erklärte das Fiskal, sei der König gemeint. Während des Processes erhob ein anderer Buchhändler Klage gegen seinen Gewerbs­genossen, weil derselbe mit seiner Schmähschrift ihn beschimpft habe! Als der König die Sache erfuhr, er­hielt der Fiskal einen derben Verweis für seine Ge­schäftigkeit, mit der Mahnung des Herrschers, „nicht alle Dummheiten auf ihn zu beziehen!" Anders hielt es freilich mit Wortdeutungen Styrum, Fürstbischof von Speier. Eine Gastwirthsfrau von Bruchsal, bei welcher der Fürst ein bereits angefertigtes Mittags­mahl ab bestellen ließ, hatte die Worte ausgestoßen: „Ich wollte, der gnädige Fürst wäre im Himmel!" Der Fürstbischof aber ward über den Wunsch so er­bittert, daß er in seiner Machtvollkommenheit die Frau zur entehrenden Strafe des Ausstellens „auf dem Esel" und zum Zuchthaus verurtheilte!

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Druck von Fr. Scheel in Kassel.