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mit teil Regenbogenfarben der Einbildung sein dunk­les Loos betüncht. — Ihr Besuch bei den schwarz- braunen Sumpftretern des grünen Irlands, ihre Er­scheinung in ben grambelasteten Hütten des armen lustigen Paddy, fiel in dasselbe Jahr, in welchem sie in Folge eines großen Bankbruches um ihr Vermögen kam. Sie verlor jenen Landsitz, wo sie alle ihre zehn Kinder geboren hatte und suchte nun Zuflucht in den engen Gassen der Londoner Altstadt. Aber der Saame, den sic ausgestreut, ging bereits in aller Welt auf, sie blieb im Mittelpunkte ihrer weltweiten Verbin­dungen. Dr. Julius hatte ihre Schrift in's Deutsche übersetzt; 1830 trat in Berlin die Gräfin v. d. Grö­ben an die Spitze eines Frauenvereins zum Besuche weiblicher Gefangener; in Turin errichtete Frau von Barrol ihr Asyl für reuige Gefallene. Elisabeths Thätigkeit war staunenswerth. Bald arbeitet sie mit Burton und Wilberforce zur Abschaffung der Skla­verei, bald für die Negererpedition, welche 1841 zur Verbreitung der Gesittung in Afrika ausgerüstet wurde, bald für die Befreiung Griechenlands, bald für die Aufhebung des Opiumhandels mit China. Alle Siech-, Irren- und Krankenhäuser Londons erfahren die Seg­nungen ihres persönlichen Wirkens, und entfernten Orten, die ihr Fuß auf ihren Liebesgängen nicht er­reichen kann, sendet sie getreue Boten, die in ihrem Sinne walten. Allmächtig wird ihr Einfluß, über die ganze Welt verbreitet sich ihr Arm, bis in die entlegensten Kerker dringt ihr Blick, das tiefste Elend des dunkelsten Jammers lichtet ihr Segensspruch. In der That, die Wunderkraft mittelalterlich katholischer Glaubensstärke schien auf eine Frau des kalten pro­testantischen Nordens übergegangen zu sein, lind hier wirkte kein dunkles somnambules Sichselbstverlieren; hier war Nichts thätig, als die helle Verstandeskraft der hülsreichen Menschenliebe, hier ward kein Opfer der fünf wachen Sinne als Bedingung gefordert, hier heilte die praktische Menschenhand ohne magnetische Wundergabe, der Verstand ohne Verzückung schwelge­rischer Empfindungen, der Glaube als hülfreiche That im wirklichen Leben der Menschen.

Elisabeth Fry gewann die Königin Adelheid in England für ihre Zwecke, Lord Ashley ward ihr ge­treuester Apostel der christlichen That. Sie suchte die Paläste der Großen aller Orten auf, um für die Hütten der Armen zu werben. Mit Guizot sitzt sie in Paris zu Tische und verwendet sich bei ihm für die

Sandwichinsulaner; an Gerando's Seite besucht sie die Wohlthätigkeitsanstalten in der Seinestadt, wirkt am Hofe Louis Philipps für ihre Plane und ertheilt dem griechischen Gesandten christlich praktischen Rath. An König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ent­warf sie ein freilich ohne Erfolg aufgenommenes Bitt­gesuch um Einstellung der Verfolgungen gegen die Altlutheraner. Erst der vierte Friedrich Wilhelm, den sie 1841 auf ihrer Festlandsreise zu Fischbach in Schlesien traf, konnte ihr die Versicherung geben, daß in Preußen der Glaube, der an Luthers Worten und Buchstaben festhalten will, nicht ferner gekränkt werde. Ein Jahr darauf suchte der preußische König sie zu London in ihrer eigenen Behausung auf. Man erzählte von der Thräne in seinem Auge, als diese nicht christ­lich romantische, aber christlich pragmatische Frau Alt­englands ihm von der Nothwendigkeit sprach, in seinem Reiche für Alle Gewissensfreiheit herzustellen. Man kennt dieses Königs Toleranzedikt, das die Altgläubi­gen freigab, um Neugläubige zu behindern. Man be­dauert, daß was der Verstand des Mannes und ge­sunde Vernunft erledigen konnte, erst der Apostelsprüche einer Frau bedurfte, schließlich sogar erst der Gewalt­that des Volkes gegenüber „frei" beschlossen wurde.

Ihren 64sten Geburtstag hatte sie noch in voller Rüstigkeit und Thatkraft zu Paris im Kreise gleichge­sinnter Männer gefeiert. Zwei Jahre später, im Ok­tober 1845, starb Elisabeth Fry zu Ramsgate in England. Die Läden der Stadt schlossen sich vor ihrem Sarge, die Küstenwächter thaten, „was sie thun, wenn eine Königin stirbt" , die Flaggen der Schiffe, wurden bis auf die Hälfte der Masten herabgelassen. Ganz England trauerte; der Fischer an seinem Netze, der Seemann am Steuer, der einsame Wächter am Strande, der ebenso einsame Gefangene im Kerker, der Kranke aus seinem Lager und das Kind auf seinem Spielplätze. Alle hatten eine Wohlthäterin verloren, Thron und Hütte trauerten um den Verlust einer Se­herin voll soviel thatsächlichen, lebendig wirksamen Christenthums, um ben Verlust eines Wesens, das aus höheren Regionen zu stammen schien und doch auf die tausendfache Verlorenheit des bedürftigen Lebens, auf die Knechtsgestalt des Menschen in seiner leibli­chen und geistigen Bedrängniß so klug und so hülfreich, so sanft und so durchdringend, unermüdlich einzuge-- hen wußte. (EuropaZ