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zur Reuen Hessischen Zeitung»

M 18 Sonntag, den A Mai. 1S5O.

Nachruf

an

Moritz Mombert.

So ist sie wahr, die bange Schmerzcnskundc,

Die, trüb und schwer, von Mund zu Munde geht?

So ist es wahr und wirklich, daß zur Stunde Nur noch dein Geist die Lebenden umweht?

Du aber todt? dahin? Verscharrt im Grunde Der Frühlingserbe, die, ein blühend Beet, Durch alter Zauber innerstes Erschließen So lächelnd winkt zu athmendem Genießen?

Du, der so schön, so jugendlich entbrannte,

Dem warm und voll das Herz im Busen schlug,

Der nur das Schöne, nur das Heil'ge kannte, Zur Sonne hob den jungen Adlcrflug;

Den alle Welt mit sreud'gem Stolze nannte,

Dem Jeder gern sein Herz entgegen trug:

Nur eine Hand voll Staub! Ein Nichts! Ein Gestern!

Ein welkes Blatt, das rauhe Winde lästern!

^och nein! Noch kann ich nicht vom Glauben lassen, Daß Alles nur ein leerer, nicht'ger Traum;

Noch kann mein Geist das Schmerzliche nicht fassen, Noch hat mein Herz für das Gefühl nicht Raum, Daß über Nacht, den blühend wir verlassen, Entblättert ward der junge schöne Baum.

Und doch, und doch, wie letztes Geistergrüßen, Rauscht ja das welke Laub zu meinen Füßen.

Ja, er ist todt! In öde Nacht versunken,

Ein Stern der Hoffnung, der vom Himmel fiel;

Zerstoben all' die lichten Geistesfunken, Verklungen, ach, das zarte Saitenspiel!

Zu früh, v Freund, hast du den Kelch getrunken, Zu früh für uns doch still! Du bist am Ziel.

Nicht um die That, die blut'ge, will ich rechten Nur einen Kranz um deine Urne flechten.

Aus deines Frühlings sonnenhellsten Tagen

Niß dich des Schicksals rauh-gcwalt'ge Hand;

Dem schönen Leben mußtest du entsagen,

Da noch dein Fuß an seiner Schwelle stand. So wird vom Wind die Blüthe sortgctragen,

Die eben erst dem Keime sich entwand:

Eh' ihre Blätter langsam sich entfärben, Muß sie im Schmuck der Düft' und Farben sterben.

Otto Braun.

Shakespeares Othello.

Othello , der Mohr von Venedig, gehört zu den späteren Schöpfungen des großen Briten. Er wurde im Jahr 1602 von Burbadgc ausgeführt und wird nicht lange vorher entstanden sein. Man folgert dies aus einem alten Haushaltsbuche des Lords Ellesmere, worin sich gelegentlich der Bewirthung der Königin Elisabeth folgender Posten eingetragen findet: »An die Springer, Schauspieler und Tänzer bezahlt 64 L. 18 Sch., davon 10 L. an Burbadge's Schauspieler des Othello.«

Shakspeare entnahm den Stoff zu seinem Stücke aus dem längst vergessenen Novellenbuchc des Giraldi Cinthio, worin die Erzählungil moro di Venezia folgender Maßen verlauft: Vor Jahren lebte in Venedig ein sehr tapferer Mohr. Disde­mo na (so heißt sie hier), ein Fräulein von wunderbarer Schönheit und Tugend, verliebt sich in seine großen Gaben, heirathet ihn wider den Willen ihrer Angehörigen und zieht mit ihm nach Cypern, wo er im Auftrage des Senats den Oberbefehl zu führen hat. In seinem Gefolge befindet sich ein böser Fähndrich, der in heftiger Liebe zu Disdemona entbrennt. Da diese aber nur Herz und Sinn für den Gatten hat, obwohl sie der Fähndrich in einen abgesetzten Lieutenant verliebt glaubt, so verwandelt sich die Liebe des Böse­wichts in wilden Haß. Er beschuldigt Disdemona, um sie zu ver­derben, der Untreue, lenkt des Mohren Argwohn auf den Lieute­nant , für welchen jene eine Fürbitte einlegt, benutzt die eigene Frau, welche Umgang mit Disdemona hat, das eigene Kind, wel­ches ein Schnupftuch stehlen muß, läßt Gespräche behorchen ic. und verstrickt auf diese Weise den verblendeten Mohren in ein solches Gdwcbe von Schcingründen, daß dieser den Tod der Gat­tin beschließt. Sie wird auf die roheste Weise von beiden er­mordet. Der Mohr sucht die That zu verdecken, leugnet später auf der Folter, wird verbannt und nach einiger Zeit von den