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Die Lage der Dinge ist folgende. Die Unverein­barkeit des Fortbestehens der Negersklaverei mit den Grundsätzen der neuen Demokratie in den Vereinigten Staaten ist früh genug von den ausgezeichnetsten Män­nern erkannt worden. Gleichzeitig mit der großen Agitation der Engländer für die Aufhebung der Skla­verei in den britischen Kolonien ist eine ähnliche Be­wegung in den Vereinigten Staaten entstanden. Sic in den Staaten, wo sie noch besteht, zur Aufhebung zu bringen, war das eine Bestreben der Abolitionisten. Ihr zweiter und Hauptplan war aber, ihrem Ueber- greifen in neue Territorien der Union, also einer wei­teren Ausbreitung der Negersklaverei für immer vor- zubeugen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten gibt dem Kongreß „die Macht, alle nöthigen Gesetze und Verordnungen, die sich auf die Territorien be­ziehen", zu erlassen. In Ausübung dieses Rechtes hat der Kongreß seit seinem Bestehen für neu erwor­bene Territorien durch sogenannte Territorial - Bills Regierungen geschaffen, welche gewisser Maßen als provisorische Regierungen so lange fungirten, bis das Territorium so viele Bewohner hatte, daß es zu einem Staat sich selbst zu organisiren und eine eigene Regierung aus seinen Mitteln zu erhalten im Stand war. Es ist klar, daß die ersten gesetzlichen Bestim­mungen in einem solchen Territorium von größter Wichtigkeit für die Zukunft des Staates werden mußten. Diese Wichtigkeit ist besonders groß in Be­treff der Ausschließung oder Zulassung der Sklaverei. Wenn der Kongreß das Recht hat, den Territorien Gesetze zu geben, so hat er auch das Recht, die Skla­verei von ihnen auszuschließen. So war die Ansicht der Abolitionisten des Nordens und Westens. Sic verlangten daher für jedes neue Territorium ein Ver­bot der Sklaverei und dieses verlangte Verbot ist un­ter dem Namen Wilmot Proviso bekannt.

Die Repräsentanten der südlichen Sklavenhalter haben sich unter der Leitung ihres Führers Calhoun seit dem ersten Auftauchen des Wilmot Proviso mit aller Heftigkeit und Leidenschaft des Südens demselben widersetzt. Die Sklaverei lastet wie ein Fluch auf dem Wohlstand und der Entwickelung der südlichen Staaten. Zur Verlauf von wenigen Jahrzehnten hat sich die Bevölkerung des Nordens verdoppelt und die Folge davon war, daß die Zahl der Repräsentanten der freien Staaten des Nordens mit jeder neuen Volkszählung im Repräsentantenhause anwuchs. Schon lange sahen daher Calhoun und seine Partei den Tag

herankommen, an welchem die Feinde der Sklaverei über eine Majorität im Hause der Repräsentanten zu Washington gebieten würden. Nicht so im Senat. Die Einwohnerzahl eines Staates übt keinen Einfluß auf diesen Theil der Gesetzgebung. Jeder Staat sen­det bekanntlich zwei Senatoren, keiner mehr. Der Senat repräsentirt also gleichmäßig die Staaten und ihre Einzelinteressen. Nun hielten sich bis auf den heutigen Tag die Senatoren der Sklavenstaaten und die des Nordens die Wage, 15 gegen 15. Es war die seit mehreren Jahren verfolgte Politik des Südens, gleichzeitig mit der Aufnahme jedes neuen sklaven­freien Staates die Hinzufügung eines Sklaven- staates zur Union zu betreiben und zu bewirken. So blieben sich die Stimmen beider Parteien im Se­nate gleich. Michigan und Arkansas, Florida und Iowa, Teras und Wiskonsin, die jüngsten Staaten der Union, wurden je gleichzeitig oder kurz nach ein­ander aufgenommen. So lange aber der Norden in dieser einen Hälfte der Gesetzgebung nicht überwog, hatte der Süden Nichts von ihm zu fürchten, lind doch sollte gerade der merikanische Krieg, der der Er­haltung von Teras wegen von Calhoun unterstützt wurde, den Sklavenstaaten die meiste Gefahr bringen.

Der Vertheidigungskrieg von Teras gegen Meriko war in einen Angriffskrieg übergegangen. Die Trup­pen der Vereinigten Staaten unter General Taylor überschritten den Rio Grande. Die Besetzung von Meriko erfolgte und der Friedensvertrag von Guada­lupe Hidalgo fügte dem Gebiet der Union die Terri­torien von Oberkalifornien und Neu-Meriko 700,000 Quadratmeilen, hinzu. Umsonst hatte sich Calhoun im Senat gegen den Angriffskrieg erhoben und den Vertheidiguugskricg an der Linie des Rio Grande empfohlen. Er sah es voraus, daß die Besetzung Meriko's einen Frieden im Gefolge haben würde, der große Länderstrecken als Schadenersatz für die Verei­nigten Staaten bringen würde. Und was die Gefahr für seine Partei eben so groß machte, war, daß die unermeßlichen Territorien von Meriko, die zunächst den Vereinigten Staaten lagen, jenes Oberkalifornien und Neu-Meriko, auf welche im Falle einer Gebiets­abtretung zuerst das Loos fallen würde, sklavcn- freie Staaten waren.

Die Befürchtungen Calhouns und seiner Partei haben sich erfüllt. Kalifornien hat sich durch einen Konvent eine Verfassung und eine Regierung gegeben und diese Verfassung schließt für immer aus ihrem