Anterhaltungsblatt
Zur Neuen Hessischen Zeitung»
^. l^ Sonntag den 7» April. I8SO
Ne-e des Donoso Lories, Marquis von Val-egamas über -ie Lage Europa's.
(Schluß.)
Auf dieser Tribüne kann ich mit voller Freimüthigkeit über die Vortheile, die Uebelstände, ja selbst über den Tod der Regierungen sprechen, denn alle haben ihre Uebelstände, ihre Vortheile und alle sterben.
Nun, meine Herren, ich glaube, daß die absoluten Regierungen zum Ersatz für die sehr großen Uebelstände, welche sie mit sich bringen, einen großen Vortheil haben, den nämlich, daß sie verhältnißmäßig billig sind; ich glaube ferner, daß die konstitutionellen Regierungen zum Entgelt für die großen Vortheile, die sie bieten, einen sehr gewichtigen Nachtheil haben, daß sie nämlich sehr theuer sind. Ich kenne keine kostspieligere Regierung, als die republikanische, und wenn man nach der Analogie urtheilt, so ist es leicht, das Schicksal jeder dieser Regierungen vorauszusehen. Das Wahrscheinlichste ist, daß die absoluten Regierungen überall, wo sie bestehen, durch die Diskussion, und die konstitutionellen Regierungen überall, wo sie bestehen, durch den Bankerott zu Grunde gehen werden. Das ist meine innerste Ueberzeugung.
Es gibt ein einziges Mittel, Reformen, große ökonomische Reformen zu machen, das ist die völlige oder theilweise Abdankung der stehenden Heere. Diese Abdankung könnte für einige Zeit die Regierungen vom Bankerott retten ; aber sie wäre ein Bankerott der ganzen Gesellschaft; denn, meine Herren, — und hier bitte ich Sie um Ihre ganze Aufmerksamkeit <— die stehenden Heere allein verhindern heut die Civilisation sich in die Barbarei zu verlieren. — Wir wohnen einem Bei.piel bei, das neu ist in der Geschichte, neu in der Welt. Hat die Welt jemals, wenn nicht letzt, gesehen, daß man durch Waffen zur Eivilisation, durch Ideen zur Barbarei fortschreitet? Jetzt, in dem Augenblicke, in dem ich zu Ihnen spreche, kann man das sehen. Diese Erscheinung ist
so gewichtig, so eigenthümlich, daß sic einer Erklärung bedarf. Jede wahre Civilisation kommt von dem Christenthume. Das ist so gewiß, daß sie ganze Civilisation sich in dem christlichen Erdstrich findet; außerhalb dieser Zone gibt es keine Civilisation, Alles ist Barbarei, und vor dem Christenthume gab es keine civilisirten Völker in der Welt, nicht ein einziges. Nicht ein einziges, meine Herren, ich sage, es gab keine civilisirten Vplker, denn das griechische und römische waren nicht civilisirt. Sie waren kulti- virt und das ist etwas ganz Anderes. Die Kultur ist der Firniß und nichts mehr als der Firniß der Civilisation. Das Christenthum civilisirt die Welt, es hat sie civilisirt durch drei Mittel: indem es aus der Autorität etwas Unverletzliches gemacht, indem es den Gehorsam zu einer heiligen Pflicht erhoben, indem es die Entsagung und das Opfer, oder, um richtiger zu reden, die christliche Liebe zu einer göttlichen Angelegenheit gemacht hat. Hierin nun liegt die Lösung des großen Räthsels : die Ideen von der Unverletzlichkeit der Autorität, von der Heiligkeit des Gehorsams, von der Göttlichkeit des Opfers; diese Ideen sind heut nicht mehr in der bürgerlichen Gesellschaft, sie sind in den Tempeln, wo man den Gott der Gerechtigkeit und des Erbarmens, in den Lagern, wo man den starken Gott, den Gott der Schlachten unter den Symbolen des Ruhmes anbetet, weil die Kirche und die Armee die einzigen sind, welche die Begriffe von der Unverletzlichkeit der Autorität, von der Heiligkeit des Gehorsams und von der Göttlichkeit der Liebe unberührt bewahren, so sind sic heut die Repräsentanten der europäischen Civilisation. — (D. R.)
Die Sklaverei in den Vereinigten Staaten.
Das Gerücht, daß eine Trennung der Union durch die Erledigung der Sklavensrage im Kongreß demnächst bevorstehe, hat bereits seine Runde durch die deutsche Presse gemacht.