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Mr MUKW Heffifchrm Zeitung.

M 12. Sonntag den 24. März. 1850.

Die Irrlehre von der zunehmenden Verarmung.

(Schluß.)

Man darf nicht vergessen, daß diejenigen Arbei. ter, welche im Stande waren, sich und ihre Familien von ihrem Lohne zu ernähren, nicht die bedürftigsten Mitglieder des Gemeinwesens waren. Hinter ihnen lag eine zahlreiche Klasse, welche nicht ohne Beihülfe Seitens des Kirchspiels bestehen konnte. Es kann kaum einen besseren Maßstab für den Zustand des gemeinen Volkes geben, als das Verhältniß, in wel­chem diese Klasse zur gesummten Gesellschaft steht. Gegenwärtig bilden die Männer, Weiber und Kinder, welche Armenuuterstützung empfangen, den amtlichen Nachweisungen zufolge, in schlechten Zeiten ein Zehntheil der Bevölkerung Englands, in guten Jahren ein Dreizehn­theil. Gregorius King schätzte sie zu seiner Zeit auf mehr als ein Fünftel, und diese Schätzung, welche wir bei aller Achtung vor seiner Glaubwürdigkeit kaum geneigt sein würden, von Uebertreibung freizusprechen, wird von Davenanl für ausnehmend verständig erklärt.

Wir sind nicht ganz ohne Mittel, uns selbst eine Berechnung zu machen. -Die Armensteuer war ohne Frage die schwerste Steuer, welche unsere Vorfahren damals trugen. Man schätzte sie unter Karl H. auf fast 700,000 Pf. St. jährlich, weit mehr, als der Er­trag sowohl der Accise, als der Zölle, und beinahe halb so groß, als die gesummten Einkünfte der Krone. Die Armensteuer nahm rasch zu und betrug nach kur­zer Zeit zwischen 800,000 und 900,000 Pf. St. jähr­lich, bas will sagen ein Sechstel ihres gegenwärtigen Betrages. Die Einwohnerzahl war damals geringer, als ein Drittel der jetzigen Bevölkerung. Der geringste Lohnsatz, in Gelde berechnet, war die Hälfte des jetzi­gen, und wir können daher schwerlich annehmen, daß die durchschnittliche Almosenrate für einen Armen mehr als halb-soviel war, wie die gegenwärtige. Daraus scheint zu folgen, daß die Zahl Derjenigen, welche

vom Kirchspiel unterstützt wurden, damals im Ver- hälmiß zur Gesammtheit größer war, als heutzutage. Es ist gut, über solche Fragen mit Mißtrauen zu reden, aber es ist ganz gewiß bis jetzt noch niemals bewiesen worden, daß der Pauperismus im letzten Viertel des 17ten Jahrhunderts eine minder schwere Last oder ein minder bedenkliches sociales Uebel war, als in unserer eigenen Zeit*).

In einer Beziehung muß zugegeben werden, daß die Fortschritte der Civilisation die phpsischen Genüsse eines Theils der ärmsten Klasse vermindert haben. Es ist schon erwähnt worden, daß vor der Revolution viele tausend (englische) Quabratmeilen, jetzt einge­hegt und angebaut, Moor, Wald und Haide waren. Von diesem wilden Lande war vieles gesetzlich Gemein­gut und vieles, welches nicht gesetzlich Gemeingut war, hatte so geringen Werth, daß die Eigenthümer es thatsächlich zu Gemeingut werben ließen. Auf solchen Strichen wurden eigenmächtige Ansiedlungen und Nu- tzungen in einem jetzt unbekannten Umfang geduldet. Der Bauer konnte sich dort gelegentlich eine schmack­hafte Bereicherung seiner ärmlichen Kost verschaffen unv sich unentgeltlich mit Feuerung für den Winter versorgen. Er weidete eine Heerde Gänse, wo jetzt ein Garten von Apfelblüthen duftet; er fing wilde Hühner auf dem Moor, der jetzt längst abgewässert unv in Kornfelder eingetheilt ist; er stach Torf unter dem Ginstergestrüpp der Niederung, die jetzt eine klee­reiche Wiese ist, berühmt durch Butter uuv Käse. Die Fortschritte des Lauvbaues und die Zunahme der Bevölkerung mußten ihn nothwendig dieser Vorrechte berauben. Aber gegen diese Nachtheile ist eine lange Liste von Vortheilen aufzuführen. Von den Seg-

*) King und Davenant schätzen die Bettler und unterstützten Armen im Jahr 1696 auf die unglaubliche Zahl von 1,330,000 unter einer Bevölkerung von 5,500,000. Im Jahr 1846 war die Zahl der unterstützten Armen nach den amtlichen Ausweisen 1,332,089, unter einer Bevölkerung von etwa 17 Millionen. Auch ist zu bemerken, daß in den amtlichen Ausweisen derselbe Arme oft mehr als ein Mal gerechnet wird.