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Moose im Waldesdunkel dahin rieselt. Will man ja an Götz noch Einiges rügen, so ist es der unbefriedi­gende Schluß, namentlich das Wegfallen des großar­tigen, geschichtlichen Hintergrundes in dem letzten Akte. Aufgeführt wurde das Stück nach des Dichters eige­ner, späterer und matterer Bearbeitnng für die Bühne, zum Theil auch noch mit den in Dresden durch die Regie Statt gehabten Verschneidungen. Das Stück ist aber ebenso wenig durch die genannte Operation, als alter Rüdesheimer, veredelt worden. So sind namentlich der zweite und dritte Akt gänzlich umgear­beitet und kaum zu erkennen. Statt der gänzlich aus­fallenden Person des Bischofs, Abtes, Olearius und Liebetraut haben wir die Officiere der Reichserckutive, welche bekanntlich in dem Original kaum angedeutete Charaktere sind, hier als Hauptpersonen, als vollstän­dige Individuen der Reichsarmee bei Roßbach, und Götz zum Theil als gemeinen, der Todesangst einiger Krämerseelen spottenden Wegelagerer. Namentlich hat auch die Rolle der Adelheid eine totale Umarbeitung erfahren.

Herr Boltzmann spielte den Götz mit sichtlichem Eifer, richtigem Verständniß und ausgezeichneter thea­tralischer Wirkung. Namentlich müssen wir es mit großem Lobe anerkennen, daß Herr Boltzmann die revolutionären Elemente, welche manche Kritiker höchst ungerechter Weise dem Götz unterzuschieben pflegen, zurückdrängte, und mit Erfolg darauf hinwirkte, uns ein ehernes, festes Ritterbild, eine imposante Per­sönlichkeit in anarchischen Zeiten darzustellen. Adel­heid ist, nach Gervinus kernigem Ausspruche, der Cha­rakter eines Weibes, bei dessen Schöpfung Gott und Teufel um das Meisterstück wetteten, ein Bild, welches Göthes innige Neigung so sehr fesselte, daß er im ersten Entwürfe des Dramas nicht nur den jugendlich- feurigen Franz und den schwankenden Weißlingen, son­dern auch den ritterlichen Sickingen ihren Ränken er­liegen ließ. Es ist schwer, bei der Darstellung der Adelheid nur einigermaßen Weiblichkeit festzuhalten, um so mehr müssen wir es unserer verehrten Fräulein Thate Dank wissen, daß sie die so gefährliche Klippe des Uebergreifens mit Sicherheit vermied, und es durch eine möglichst milde Darstellung vermochte, die Adel- heit unserm Herzen menschlich näher zu bringen. Früulein Thate spielte ihre Rolle durchweg mit edlem Anstande und Feuer, alles Dämonische derselben scharf genug, jedoch mit richtiger Abgrenzung. Besonders die Scene im 5. Akt wurde mit wahrhaft künstlerischer

Begeisterung und hinreißender Wirkung durchgeführt. Der Weißlingen des Herrn Pauli war ein durchweg gelungener, ja sogar schlagender zu nennen, P. spielte den Weißlingen, wie ihn der Dichter gezeichnet, ohne weitere Beimischung als moralischen Schwächling. Vorzugsweise war der Monolog im 5len Akte gelungen Frau Birnbaum (Elisabeth) hatte für eine deutsche Ritterfrau des 16. Jahrhunderts etwas zu viel mo­dernes Pathos und Beigeschmack der Jetztzeit. Fräul. Liebich (Georg) war ein frischer, freier, kräftiger Reiterbube, nur in der Schlachtscene ein wenig zu überlaut. Fräulein Lemke spielte die Marie einfach und klar, mit Wärme und Innigkeit des Gefühls. Ebenso verdienen die Herren Gabillon (Franz) un^ Häser (Leise) lobende Anerkennung. Den Selbitz des Herrn Kaibel würden wir unbedingt loben, wenn der Künstler nicht in der Kampfscene des dritten Ak­tes ein wenig zu sehr outrirt und seine Wirksamkeit allzu sichtlich nach den oberen Regionen des Musen­tempels gerichtet hätte. H.

Jenny Lind in Göttingen").

Jenny Lind war hier! Drei Tage war Göt­tingen berauscht von Lust und Begeisterung. Die kleine Stadt schien in freudigem Stolze, solch' hohen Gast in ihren Mauern zu haben, sich auszudehnen und anzuschwellen. Jenny Lind zeigte hier, wie überall, wie wahres Talent, wahre Kunst und wahre Liebens­würdigkeit Alles zu erheben und hinzureißen vermögen. Es war nicht bloß der leicht aufschäumende Enthusias­mus der akademischen Jugend, welche durch ihren wunderbar-schönen Gesang in Entzücken gesetzt wurde: Jung und Alt, Künstler und Laien, Gelehrte und Bürger wurden von dem Strome der allgemeinen Be­geisterung ergriffen. Noch leben wir wie in einem Traume, bezaubert von der Erinnerung an ihre Er­scheinung und können uns kaum an das Alltagsleben wieder gewöhnen.

Ihr Gesang ist aber auch so wundervoll, so voll­kommen und so ganz unvergleichlich, daß wir ihm Nichts aus Erden an die Seite setzen möchten. Ihre

*) Wir nehmen diesen durch Zufall verspäteten Korrespondenz. Artikel um so lieber auf, als er von einem sich in Göttingen auf­haltenden jungen Landsmann herrührt, und es das hiesige Publi­kum, welches nicht daS Glück hatte, Jenny Lind zu hören, in« teressiren wird, Etwas von ihr zu hören. D. R.