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Unterhalt»ngsblatt

zur Reum Hessischen Zeitung.

J£ ;- Sonntag den ^. Marz. 1850,

Dr. Sandau's Vorträge über vaterländische

Geschichte.

II.

Der zweite Vortrag am 8. und 15. Februar schil­derte den großen Kampf der hessischen Städte mit Hermann dem Gelehrten um ihre Privi­legien. In Folge einer 1355 vom Landgrafen Her­mann widerrechtlich ausgeschriebenen Steuer hatten sich die Städte zu einer Eidgenossenschaft verbunden und dieses war der Beginn eines lange Jahre füllen­den Zerwürfnisses zwischen Fürst und Volk. Als der Kampf ernster wurde, verließ jedoch eine Stadt nach der anderen die allgemeine Sache, bis zuletzt Kassel allein stand. Aber auch in Kassel selbst trat Zwie­tracht ein und die am entschiedensten die Sache ver­theidigenden Männer wurden vertrieben. Von beiden Seiten trieb nun die Leidenschaft die Parteien weit über alles Maß hinweg. Während der Landgraf Her­mann der Stadt alle ihre Freiheiten nahm, waren die Flüchtigen im Auslande thätig und brachten durch die Aussicht auf eine Theilung des Landes einen großen Bund aller mächtigen Nachbarn zusammen. Erst nach drei in der Hauptsache vergeblichen Feldzügen und Dre1 Belagerungen von Kassel (1385, 1387 und 1388) be­schwichtigt sich der Sturm. Aber noch 1390 erscheint ein Verräther und nennt 25 Bürger, welche sich ver­schworen gehabt, den Feinden die Thore von Kassel zu öffnen, und 1391 tritt auf dem Markt ein peinliches Gericht zusammen und verurtheilt dieselben zum Tode. Die meisten waren jedoch entflohen und nur drei sielen unter dem Beile des Henkers. Schon im Beginn des an lebendigem und anziehendem Detail sehr reichen Vortrags, welcher auch dem Kenner der Ge­schichte des Neuen viel bieten dürste, da mau gerade in dieser so äußerst wichtigen und tragisch bedeuten­den Periode namentlich unserer städtischen Geschichte bisher auf magere Notizen und Vermuthungen ange­wiesen war, hatte Dr. Landau es nicht versäumt, in

den Fehlern und Verirrungen jener längstvergange­nen Zeit auch der Gegenwart ihren Spiegel vorzuhal­ten. Er benutzte den Eindruck, welchen jene Bilder der Charakterlosigkeit, der Entzweiung und des Unter­ganges gemacht hatten, um einige sehr zeitgemäße Be­trachtungen anzuknüpfen. Er machte darauf aufmerk­sam, wie der Sieg des Despotismus stets nur aus der Uneinigkeit seiner Gegner erwachse und in einem Rückblick führte er dieses noch weiter aus und zeigte ins Besondere, wie die Parteileidenschaft hinreiße, wie bald der ursprüngliche Zweck vergessen werde und end­lich nur Haß und Rache noch walten. Sicher fuhr er fort sei während seines Vortrags manches alt­bekannte Bild vor den Augen seiner Zuhörer vorüber- geschwebt. In den Leidenschaften der Menschen und in der Art, wie sie ihre politischen Händel verfolgten, wiederhole sich Alles und wirklich Neues gebe es da nicht. Auch der Kampf zwischen den beiden Princi­pien im Staate sei uralt, wir sähen ihn auch heute und er werde auch in Zukunft bestehen, so lange ein politisches Leben dauere; er sei das Element dieses Lebens und wo er schweige, sei dieses Leben zu Grabe gegangen.

Lassen Sie, meine Herren schloß Landau es uns niemals vergessen, daß in dem politischen Le­ben uns nur ein Ziel vorschweben darf, das Wohl und Heil der Gesammtheit, jener Gesammtheit, welche wir Vaterland nennen, aber auch stets vor Augen be­halten, daß es verschiedene Wege geben kann, welche zu diesem Ziele führen. Darum kein Parteienhaß! Auch der Gegner kann es redlich meinen. Nicht die Freiheit an und für sich und ebenso wenig geradezu ihr Umfang gibt und sichert das Glück der Völker, sondern nur die Art und Weise ihres Gebrauchs, ih­rer Anwendung, nur wo sie weise und gerecht, ver­nünftig und mäßig gehandhabt wird, verspricht sie Segen, in dem Unmaße findet sie hingegen stets ihren Tod, denn das Unmaß schließt ja gerade ihre haupt­sächlichste Forderung und Bedingung aus, die Bethei-