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seiner Person alle Gewalten. Ja er ging noch weiter. Im Jahr 1842 ließ er sich zum König von Israel krönen, denn die Romantik der Sekte war eine israe­litische. Seine Unterthanen schwuren, ihm zu gehor­chen, was er auch befehlen möchte; jedoch war bei Todesstrafe verboten, von dieser Krönung Etwas laut werden zu lassen. Einige indianische Stämme hatten auf geschehene Einladung Gesandtschaften zu dieser Krönung geschickt. Dieß hatte darin seinen Grund, weil sich die Sekte durch ihr heiliges Buch in Ver­wandtschaft mit Den Indianern fühlte und sie als Genossen ihrer zu erwartenden Herrlichkeit betrachtete.

Alle diese Maßregeln hatten die Einwohner der benachbarten Ortschaften mit Argwohn und Haß gegen die Mormonen erfüllt. Den immer wachsenden An­maßungen der Sekte konnte man keine gehörigen Ver­theidigungswaffen entgegen halten. Da brach endlich — im Jahr 1844 — der Sturm los durch eine Veranlassung, welche deutlich zeigt, was bei dem nord­amerikanischen Volke als Palladium seiner Institutio­nen gilt. Schon früher war ein Buchdrucker in der benachbarten Stadt Warschau, weil bei ihm eine den Mormonen ungünstige Zeitung erschien, mit Zerstörung seiner Presse bedroht und nur durch die einmüthige Hülfe seiner Mitbürger geschützt worden. Jetzt waren Die Besitzer einer Presse in Nauvoo und die Redakteure einer Zeitung von der Mormonensekte abgefallen und griffen nun in ihrer Zeitung das ganze Treiben der Sekte und namentlich ihres Propheten Smith an. Die fanatisirten Mormonen drangen mit Gewalt in die Druckerei und zerschlugen Die Presse. Trotz dem, daß der Gouverneur Ford bald nach der That die Obrigkeiten von Nauvoo auf das Ungesetzmäßige die­ser Handlung aufmerksam machte und sie vor den Folgen derselben warnte, wurde dennoch der Proceß, den die Eigenthümer Der Presse begannen, niederge­schlagen, so daß sie sich genöthigt sahen, in einer an­dern Stadt, in Karthago, Hülfe zu suchen. Und diese fanden sie um so mehr bereit, da die Mormonen durch Gewaltthätigkeiten alle übrigen Einwohner von Ha- mock, in welcher Grafschaft beide Städte liegen, sich zu erbitterten Feinden gemacht hatten. Es ist mir nun nicht bekannt, ob und unter welchen Umständen in Nordamerika von einem niedern Gerichte an ein hö­heres , etwa in der Grafschafts-Hauptstadt appellirt werden kann. Genug aber, in Karthago wurde die Klage angenommen und Smith als beschuldigter Ur­heber vorgeladen. Weil demselben ein Heer von drei

bis vier tausend Mann zu Gebote stand, so sammelte sich das Volk aus der ganzen Umgegend in Karthago, um nöthigen Falls einem Angriffe zu widerstehen. Die beiden Smith aber, nach amerikanischer Art sich vor­dem Gesetze respektvoll beugend, sistirten sich willig und der Gouverneur Ford hielt 60 Mann für hin­reichend, in das erschrockene Nauvoo zu schicken. Die Mormonen daselbst hatten Anfangs zu den Waffen gegriffen, waren aber nun rathlos und ließen sich so­gar vom Gouverneur in offener Versammlung ihre Thorheiten vorwerfen. Den beiden Untersuchungsge­fangenen hatte man in Karthago auf ihr Verlangen ein bequemeres, aber weniger sicheres Lokal zu bezie­hen gestattet. Ihre Anklage lautete auf Gewaltthat und Hochverrath. Da entließ der Gouverneur an eben dem Morgen, an welchem er nach Nauvoo reiste, alle wegen dieser aufregenden Ereignisse zusammenge­zogenen Truppen bis auf zwei Kompagnien. Am Abend desselben Tages entstand ein Auflauf, das Volk verlangte die Auslieferung der Gefangenen und drang in das Gefängniß. Die beiden Gefangenen setzten sich mit Pistolen zur Wehre, waren aber bald selbst erschossen. Das war eine Ausführung des in Europa so verrufenen Lynchgesetzes, das freilich mit Unrecht Gesetz genannt wird. Der gebildete Theil des ame­rikanischen Volkes mißbilligt freilich solche Gewalttha­ten, aber der bon sens des Volkes und seiner Gerichte unterscheidet sie wohl vom Morde und selten kann Strafe über die Uebelthäter verhängt werden. So auch hier. Niemand als der Gouverneur Ford hatte sich vor der Regierung des Staates Illinois zu recht­fertigen und damit war die Sache abgethan.

Die Mormonen, Anfangs zur Rache sich sammelnd und durch ihre Rüstungen Die ganze Gegend beunru­higend, wurden bald gewahr, daß sie's mit Der ganzen Bevölkerung nicht würden aufnehmen können. Von allen Seiten her wandte sich gegen sie die grimmigste Empörung; denn im Interesse Der Erhaltung der mo­ralischen Gesinnungen der Bürger (ein den Nordame­rikanern besonders geläufiger Ausdruck) ergriffen Viele die Waffen gegen diese gefährlichen Feinde der Grund­sätze ihrer Republik. Die Regierung und alle Wohl­gesinnten billigten zwar die Mittel nicht, aber freuten sich in der Hoffnung, daß der Zweck erreicht werde. Im Herbste vorigen Jahres wurden binnen wenigen Tagen 60 Häuser der Mormonen verbrannt und man ruhte in diesem theils heimlichen, theils öffentlichen Brennen nicht eher, bis die Mormonen erklärten, daß